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Liebstöckelim Topf & Beet kultivieren

Wenn man seine Blätter zwischen den Fingern zerreibt, duften sie wunderbar nach Sellerie: Liebstöckel hat eine beeindruckende Würzkraft und lässt sich ganz leicht anbauen – sogar auf dem Balkon. Wir geben Tipps zum Pflanzen, Pflegen und Überwintern des Maggikrauts.

 

Liebstöckel anbauen – Voraussichtliche Lesedauer: 8 Minuten

Inhalt

Liebstöckel (Levisticum officinale) wartet mit einem einzigartigen Geschmack auf und lässt sich vielseitig in der Küche verwenden. Sein kräftiges Aroma erinnert ein wenig an die bekannte braune Würzsauce – daher der Beiname Maggikraut. Im Kräutergarten wächst der Vertreter der Doldenblütengewächse (Apiaceae) zu einem wahrhaft stattlichen Exemplar heran. Doch die Pflanze kann noch viel mehr: Sie enthält zahlreiche gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe, die sie seit Jahrhunderten zu einem geschätzten Heilkraut machen.

Der Liebstöckel wächst gerne buschig und kann mit den Jahren hüfthoch werden.
Der Liebstöckel wächst gerne buschig und kann mit den Jahren hüfthoch werden. Foto: AdobeStock_juefraphoto

Wuchs und Aussehen

Ein Liebstöckel wird innerhalb von vier Jahren zu einem imposanten Riesen – eine Höhe von über zwei Metern ist dann keine Seltenheit. Die einzelnen kleinen Blättchen sind lanzettlich und weisen einen gezähnten Blattrand auf. Vor allem im unteren Bereich der Pflanze sitzen diese an langen Stielen.

Der Doldenblütler bildet knollige unterirdische Pflanzenteile (Rhizome) aus. Es handelt sich um eine Verlängerung der Sprossache, die als Überdauerungsorgan dient. Die gelblichen bis hellgrünen Blüten erscheinen meist ab Juli und sind ideale Landeplätze für Bienen. 

Die Maggipflanze stammt vermutlich aus Vorderasien. Trotz der Herkunft aus wärmeren Gefilden gilt sie bei uns als winterhart. Temperaturen von minus 15 Grad Celsius (oder auch mehr) machen ihr nicht viel aus. Im Herbst stirbt der oberirdische Teil der Staude ab, um im zeitigen Frühjahr wieder neu auszutreiben.

Der Austrieb des Liebstöckels erscheint im Frühjahr zunächst rötlich, später färben sich die Triebe grün.
Der Austrieb des Liebstöckels erscheint im Frühjahr zunächst rötlich, später färben sich die Triebe grün. Foto: iStock_Sebastian Schmidt

Standortbedingungen und Substrat

Liebstöckel bevorzugt einen sonnigen bis halbschattigen Platz. Pralle Sonne schadet ihm nicht – vorausgesetzt, er erhält genügend Wasser. Das anspruchslose Kraut toleriert aber selbst dunklere Gartenecken, was man von vielen anderen Kräutern nicht gerade behaupten kann. Dort macht ihm auch längere Trockenheit nicht viel aus.

Der Boden ist im Idealfall nährstoffreich, gerne etwas lehmig, locker und tiefgründig. Das Gewürzkraut benötigt immer genügend Feuchtigkeit – Staunässe ist allerdings ein Feind. Daher sollten Sie auf ein durchlässiges Substrat achten und bei Bedarf etwas Sand einarbeiten. Einen sandigen Boden verbessern Sie am besten mit Bentonit und reichlich Kompost.

Tipp: Beachten Sie bei der Standortwahl, dass ein Liebstöckel auch ordentlich in die Breite wächst. Ein Abstand von mindestens einem Meter zur Beetnachbarn ist daher ein Muss.

Pflanzung

Liebstöckel freut sich bei der Pflanzung über eine Schaufel Kompost oder einen anderen organischen Dünger. Als Starkzehrer entzieht er der Erde nämlich jede Menge Nährstoffe. Pflanzen Sie das Maggikraut bereits zeitig im Jahr, sollte es im Spätsommer eine weitere Düngergabe erhalten.

Tipp: Liebstöckel ist selbstunverträglich. Eine neue Pflanze sollten Sie daher an einem anderen Standort pflanzen und am alten Platz eine Anbaupause für etwa vier Jahren einhalten.

Pflege

Wässern: Maggikraut liebt ein ausreichend feuchtes Substrat. Besonders an heißen Sommertagen sollten Sie das Gießen nicht vernachlässigen. Eine gute Wasserversorgung wirkt sich zudem positiv auf das Aroma der Blätter aus. Mulchen Sie den Boden regelmäßig, bleibt die Feuchtigkeit im Erdreich länger erhalten.

Düngen: Im Frühjahr und Spätsommer sollten Sie größere Mengen Kompost unter das Substrat mischen. In der Wachstumszeit können Sie zusätzlich Beinwell- oder Brennnesseljauche verabreichen. Ein Maggikraut im Kübel benötigt in der Wachstumsphase alle zwei Wochen einen Flüssigdünger für Kräuter. Die Topferde sollten Sie jährlich austauschen.

Schneiden: Damit das Maggikraut kompakter wächst, können Sie die Nebentriebe entfernen. Auch die Höhe lässt sich durch einen Rückschnitt gut begrenzen. Wenn Sie keine Samen ernten möchten, sollten Sie die Blütenknospen rechtzeitig ausbrechen. Auf diese Weise bleibt das Aroma der Blätter besonders intensiv. Stehen mehrere Pflanzen im Beet, dürfen einige auch zur Blüte kommen. Die Samen lassen sich nämlich als wohlschmeckendes Gewürz verwenden. Zudem locken die Blüten zahlreiche emsige Insekten an.

Überwintern: Ein Liebstöckel kann im Freiland meistens problemlos überwintert werden, da er selbst strengen Frösten trotzt. Bei Kahlfrösten ohne eine schützende Schneedecke ist dennoch eine Schicht aus Kompost, Mulch oder Reisig empfehlenswert. Steht die Pflanze im Kübel auf dem Balkon, sollten Sie das Pflanzgefäß mit Vlies oder Jute isolieren. Den empfindlichen Wurzelbereich decken Sie zusätzlich mit Laub oder Reisig ab.

Die gelblichen Doldenblüten des Liebstöckels zeigen sich zwischen Juli und August.
Die gelblichen Doldenblüten des Liebstöckels zeigen sich zwischen Juli und August. Foto: iStock_Mantonature

Vermehrung

Liebstöckel lässt sich ganz klassisch aussäen. Direkt nach der Reife im September können Sie die Samen ernten. Die Aussaat erfolgt im Frühling (Ende März bis Ende April) direkt im Freiland. Natürlich lassen sich die Pflanzen ab Februar auch in der Wohnung in Anzuchtschalen vorziehen. Bedecken Sie die Samen nur leicht mit einem humusreichen Substrat und halten Sie dieses in der Folge mäßig feucht.

Darüber hinaus lässt sich das Maggikraut im Herbst, wenn es langsam in den Boden einzieht, wunderbar teilen. Dafür graben Sie die Staude aus und zerteilen anschließend den Wurzelballen mit einem Spaten. Ein wenig Kompost im Pflanzloch und eine gute Wassergabe sorgen für gutes Anwachsen.

Liebstöckel ernten und konservieren

Liebstöckel können Sie den ganzen Sommer über ernten, frisch verwenden, trocknen oder einfrieren. Die beste Erntezeit ist allerdings vor der Blüte, da sich im Lauf der Zeit vermehrt Bitterstoffe in den Blättern bilden. Für den regelmäßigen Nachschub an frischen Blättchen sollten die Blütenstände also rechtzeitig ausgebrochen werden. Schonen Sie bei einer größeren Ernte stets die Herzblätter der Pflanze. Ab Ende September bereitet sich das Küchenkraut langsam auf den Winter vor. Dann sollte die Haupternte abgeschlossen sein.

Wenn die Samen im Spätsommer braun sind, können Sie diese entnehmen und trocken aufbewahren. Die Wurzeln einer älteren Pflanze werden im Frühjahr oder Herbst ausgegraben. Diese schmecken frisch oder getrocknet.

Liebstöckel schonend trocknen

Lassen Sie die Blätter des Maggikrauts einfach an der Luft trocknen. Dafür benötigen sie einen gut belüfteten Raum, der recht dunkel ist und Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad Celsius aufweist. Die kleinen Sträuße hängen Sie dort am besten kopfüber auf.

Das Maggikraut ist in der Küche vielseitig verwendbar.
Das Maggikraut ist in der Küche vielseitig verwendbar. Foto: AdobeStock_Tatiana

Verwendung in der Küche

Mit den Blättern des Liebstöckels lassen sich Salate, Suppen, Eintöpfe und Dressings köstlich verfeinern. Auch als Bestandteil eines selbst gemachten Pestos kommen sie bestens zur Geltung. Das Kraut harmoniert zudem mit Knoblauch und Tomaten. Die getrockneten Blätter können Sie mit Salz zu einem Würzsalz vermahlen. Gequetschte Samen entfalten in Brot oder Reisgerichten ihren besonderen Geschmack.

Traditionell gibt man ein paar Stängel Liebstöckel als Würze in Gemüse- und Fleischbrühen. Diese lassen sich gut mitkochen. Dabei reichen vier Stängel für knapp zwei Liter Brühe völlig aus. Lieber später noch einmal die fertige Suppe abschmecken, denn der Liebstöckel schmeckt sehr intensiv!

Tipp: Auch die Wurzeln des Liebstöckels entwickeln eine starke Würzkraft. Deshalb werden diese häufig getrocknet und gemahlen verwendet, beispielsweise für Wurstwaren.

Verwendung als Heilpflanze

Dem Liebstöckel wurden früher besondere Kräfte zugeschrieben. Trug man eine Wurzel bei sich, sollte das vor Dämonen und bösem Zauber schützen. Aber auch das Liebesfeuer sollte durch die Pflanze entfacht werden – vor allem, wenn daraus ein besonderer Trank zubereitet wurde.

Liebstöckel enthält in allen Pflanzenteilen wertvolle ätherische Öle sowie Bitterstoffe und Cumarine. Getrocknete Früchte versprechen eine verdauungsfördernde Wirkung, weshalb das Heilkraut traditionell bei Magen- und Darmbeschwerden angewendet wird. Den geschnittenen Wurzeln wird eine harntreibende und entzündungshemmende Wirkung nachgesagt. Sie lassen sich zum Beispiel als Tee zubereiten.

SABINE FAASS

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