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Saatgut sammeln – Tipps für Ihr Samen-Sammelsurium

Sie möchten Ihr eigenes Saatgut sammeln? Wir haben ein paar Tipps, die Sie bei der erfolgreichen Ernte Ihrer Samen unterstützen.

Zahllose, bunt bedruckte Samentütchen werben jedes Frühjahr um die Aufmerksamkeit der Gärtner. Neben dem Kauf gibt es aber noch eine weitere, kreativere Form der Saatgutbeschaffung: die eigene Ernte. Bei vielen Sommerblumen reifen jetzt gerade die Körnchen heran …

 

Sein eigenes Saatgut zu ernten, zu lagern, schließlich wieder auszusäen und zuzusehen, wie es keimt, wächst, blüht und erneut Samen ansetzt, ist ein großartiger Schaffensprozess, der viele Gartenliebhaber fasziniert und tief befriedigt, aber auch eine Menge Überraschungen oder Enttäuschungen parat halten kann. Mal fallen die Nachkömmlinge in der Blütenfarbe ganz anders aus als erwartet, mal wird ein Teil der Körnchen unbemerkt von Schädlingen durchlöchert. Vieles aber gelingt auf Anhieb. Manchmal entsteht so über die Jahre eine ganz individuell auf den eigenen Garten zugeschnittene Blumenmischung, die immer funktioniert und Freude macht! Mit der Saatguternte beginnt man am besten an einem warmen, trockenen Vormittag und wählt dafür die kräftigsten, schönsten und gesündesten Mutterpflanzen aus. Sind die Samenstände vollständig ausgereift und zeigen die Samen selbst eine harte, typisch ausgefärbte Schale, ist die Keimkraft am höchsten.

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Ringelblumen blühen und fruchten gleichzeitig. Damit bis in den Herbst immer neue Knospen nachschieben, werden verwelkte Blüten gewöhnlich ausgeputzt. Um Saatgut zu sammeln, lässt man jedoch ein paar Fruchtstände ausreifen Foto: AdobeStock_Olha

Vor Gebrauch gut schütteln!

Viele schöne Blüher wie Jungfer im Grünen, Seiden- und Päonienmohn, Akelei oder Vexiernelke (Lychnis coronaria) bilden auffällige Fruchtkapseln. Zur Reifezeit verfärben sie sich von Grün nach Braun, werden schließlich „rascheltrocken“, sodass man oft schon die Samen im Inneren rasseln hören kann. Dann heißt es schnell das Saatgut sammeln, bevor sich die Kapseln öffnen und ihren Inhalt in alle Winde verstreuen. Die noch geschlossenen Fruchtstände mit einem Stück Stiel abschneiden, kopfüber in Papiertüten packen und zum Nachtrocknen an einem warmen Ort aufhängen. Nach etwa einer Woche einmal kräftig schütteln – schon rieselt das Saatgut mühelos heraus. Lose Kapseln, z. B. vom Löwenmaul, oder die Hülsen der Duft-Wicke kann man zum Nachtrocknen auch einfach flach in Schachteln ausbreiten.

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Gerade noch rechtzeitig: Erwischt man den richtigen Zeitpunkt, lassen sich die Samenkörnchen auch direkt aus den gerade geöffneten Kapseln in ein untergehaltenes Gefäß schütteln Foto: AdobeStock_Simone

So trennt sich die Spreu vom Samen

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Blüte und Samen der Cosmea Foto: AdobeStock_M_Schuppich

Nicht immer lösen sich die Körnchen bereitwillig aus dem Fruchtstand. Bei Kornblume, Schmuckkörbchen (Cosmos), Ringelblume, Stockrose oder Tagetes etwa haften oft noch vertrocknete Blütenoder Kelchblätter an. Durch Auszupfen und sanftes Verreiben zwischen den Handflächen lassen sich die Bestandteile voneinander lösen. Siebe mit unterschiedlicher Maschenweite helfen danach beim Trennen. Leichte Spelzen oder staubfeine Partikel lassen sich zudem vorsichtig herauspusten.

Picken verboten!

Sonnenblumensamen sind bei Vögeln hoch beliebt. Entsprechend rasch beginnen die Piepmätze das Lager noch an der Pflanze zu räumen. Wer Samen für die nächstjährige Aussaat oder für die Winterfütterung sichern möchte, umhüllt die Blüten am besten mit Gaze oder einem feinen Netz. Bei sehr feuchter Witterung eventuell auch den ganzen Kopf abschneiden und an einen warmen, trockenen Ort legen, sonst kann es zu Schimmelbildung kommen. Ist der fleischige Blütenboden schließlich abgetrocknet, lassen sich die Samen mit kraftvollem Fingerdruck herausreiben.

 

 

Dieser Artikel erschien in Ausgabe 08/19. Sie möchten die gesamte Ausgabe lesen?

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Saatgut sammeln: Gemüse aufessen oder blühen lassen?

Saatgut sammeln Foto: AdobeStock_gheturaluca
Rucola in der Blüte Foto: AdobeStock_gheturaluca

Anders als bei den Sommerblumen steht bei vielen Gemüsearten die Blüten- und damit potenzielle Samenbildung gar nicht erst auf dem normalen Gartenprogramm: So werden z. B. Salat, Spinat, Kresse und Kohl, Radieschen, Möhren, Lauch und Zwiebeln geerntet, bevor die Pflanzen in ihre reproduktive Phase wechseln. Selbst viele Fruchtgemüse wie Gurken und Zucchini werden gepflückt, noch ehe sie richtig reif und ihre Samen damit keimfähig geworden sind. Wer Saatgut ernten möchte, muss also bewusst einige Pflanzen als Samenträger stehen lassen. Dabei bitte beachten: Zweijährige Arten wie Grünkohl, Kohlrabi, Rote Bete, Möhre oder Endivie blühen, gegebenenfalls nach geschützter Überwinterung, erst im zweiten Jahr.

Wenn der Salat schießt, ist er keine kulinarische Freude mehr und wandert meist auf den Kompost. Man kann den Blütenstand aber auch stehen lassen, bis sich die Schirmchen entfalten. Dann tüchtig schütteln und drücken. Schon eine einzige Salatpflanze liefert Saatgut im Überfluss, zum Einlagern (zwei bis drei Jahre keimfähig), Verschenken, Tauschen. Da macht das Ernten Spaß!

Saatgut sammeln: Verpacken und lagern

Wie lange Saatgut keimfähig bleibt, hängt von seinem Reifezustand, von der jeweiligen Pflanzenart und den Lagerbedingungen ab. Für Letztere gilt: Ideal ist ein durchgehend kühler, dunkler und trockener Platz, z. B. im Keller. Zum Aufbewahren der Sämereien eignen sich Schraubgläser und dicht schließende Kunststoff- oder Blechdosen ebenso wie Papiertütchen oder Briefumschläge. Unbedingt dazu gehört jeweils ein Etikett oder zumindest ein beigelegter Zettel, auf dem
die Pflanzenart bzw. Sorte und das Erntedatum vermerkt sind. Sonst verliert man bei der ganzen Samen-Sammelei nur allzu leicht die Übersicht.

Praktische Einfüllhilfe: Wie kommt die Ernte ins Glas? Ein geknicktes Stück Papier oder Karton leitet feine Sämereien zielsicher und ohne Verluste in jedes gewünschte Gefäß.

Foto: AdobeStock_EsanIndyStudios
Foto: AdobeStock_EsanIndyStudios

Restfeuchte im Saatgut fördert Schimmelbefall. Daher nur völlig getrocknete Samen einlagern. Gläser und Dosen eventuell vor dem Verschließen noch ein paar Tage offen stehen lassen.

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