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Estragon: Anbau im Topf & Beet

Estragon (Artemisia dracunculus) wird von Feinschmeckern hochgeschätzt. Die Würzpflanze passt hervorragend zu Soßen, Salaten, Fisch oder Gemüsegerichten – und der eigene Anbau lohnt sich. Ob im Garten oder auf dem Balkon: Mit unseren Tipps entwickelt sich das Küchenkraut prächtig und übersteht sogar problemlos den Winter.

Estragon pflanzen – voraussichtliche Lesedauer: 5 Minuten

Herkunft und Wuchs

Estragon stammt ursprünglich aus dem Fernen Osten, ist jedoch mittlerweile in Osteuropa, Asien und Nordamerika verbreitet. Die mehrjährige, krautig wachsende Pflanze gehört zur großen Familie der Korbblütler (Asteraceae). In der Gattung Artemisia tummeln sich viele andere bekannte Küchenkräuter, zum Beispiel Beifuß, Eberraute und Wermut.

Eine Wuchshöhe von über einem Meter ist beim Estragon keine Seltenheit. Seine lanzettlichen Blätter sind ganzrandig oder schwach gesägt und bis 10 Zentimeter lang. Die biegsamen Stängel erscheinen häufig etwas heller als das Laub. Ab Juli zeigen sich die winzigen, gelblichen Korbblüten. Allerdings ist in unseren Breiten nicht immer mit einer Blütenbildung zu rechnen.

Estragon wächst im Garten buschig und kann daher mit der Zeit recht ausladend werden.
Estragon wächst im Garten buschig und kann daher mit der Zeit recht ausladend werden. Foto: AdobeStock_ChiccoDodiFC

Die verschiedenen Estragon-Typen

  • Der Russische Estragon stellt die Stammform des Estragons dar. Er hat behaarte Blätter und entwickelt bei Hitze und Trockenheit schnell Bitterstoffe. Dafür ist er aber sehr robust und für rauere Regionen gut geeignet. Was nur wenig bekannt ist: Junge Estragon-Pflanzen können als Blattgemüse dienen, wenn sie in feuchter, nahrhafter Erde gedeihen.
  • Der glattblättrige Französische Estragon (Artemisia dracunculus var. sativus), auch Aromatischer Estragon genannt, ist eine Varietät, die mit einem besonders intensiven, angenehm süßlichen Anis-Aroma aufwartet. Sie wird selbst bei großer Sommerhitze nicht bitter. Diese zierliche Form ist jedoch etwas frostempfindlich.
  • Deutscher Estragon ist ebenfalls ein „Aromatischer Estragon“ und häufig ein Synonym für den Französischen Estragon. Es gibt jedoch auch Sorten (z. B. Artemisia dracunculus var. sativus ‘Baden-Baden‘), die etwas stärker und robuster im Wuchs als die französische Unterart sind.

Standort und Boden

Estragon gedeiht am liebsten an einem vollsonnigen Platz. Halbschatten toleriert er ebenfalls, allerdings fällt sein Wachstum dann etwas schwächer aus.

Ein feuchter und mäßig nährstoffreicher Boden ist ideal für den Korbblütler. Staunässe ist jedoch ein Feind, da diese recht schnell zum Faulen seiner Wurzeln führt. Einen schweren Boden sollten Sie daher mit reichlich Sand auflockern. Als Topfsubstrat eignet sich eine Kräutererde mit einem höheren mineralischen Anteil (Quarzsand). Auf dem Balkon lässt sich der Flachwurzler in einem großen und breiten Pflanzgefäß kultivieren. In der Kräuterspirale fühlt sich Estragon in der mittleren oder unteren Ebene neben Schnittlauch und Zitronenmelisse wohl.

Estragon lässt sich auch im Topf pflanzen.
Estragon lässt sich auch im Topf pflanzen. Foto: AdobeStock_PhotoSG

Pflanzung

Pflanzen Sie Estragon am besten ab Mitte April bis Anfang Mai. Arbeiten Sie vorher reichlich reifen Kompost in das Kräuterbeet ein. Da Estragon eher konkurrenzschwach ist, sollten Sie ihm genügend Raum lassen: Der Pflanzabstand zu Beetnachbarn beträgt idealerweise mindestens 50 bis 60 Zentimeter.

Pflege

Wässern Sie die Artemisia so, dass der Wurzelballen immer etwas feucht ist. Eine Schaufel Kompost im Frühjahr oder ein anderer organischer Dünger versorgt das Kraut mit den benötigten Nährstoffen. Einen Estragon im Topf sollten Sie hingegen etwa alle sechs bis acht Wochen mit einem flüssigen Kräuterdünger versorgen.

Estragon hat die Neigung, mit der Zeit von unten zu verkahlen. Da er gut schnittverträglich ist, machen ihm bis zu drei bodennahe Schnitte pro Jahr nichts aus – anschließend zeigt sich die Pflanze wieder wüchsig. Ein halbhoher Schnitt im Spätherbst sorgt dafür, dass der Korbblütler im nächsten Jahr wieder kräftig austreibt.

Tipp: Verjüngen Sie Ihre Pflanze am besten alle 2 bis 3 Jahre – auf diese Weise bleibt sie dauerhaft vital. Graben Sie zunächst das Exemplar aus. Anschließend teilen Sie den Wurzelstock mit einem Messer oder Spaten. Die Teilstücke werden anschließend an anderer Stelle wieder eingepflanzt.

Estragon überwintern

Der Russische Estragon zeigt sich in unserem Klima ausreichend winterhart, die französische Unterart ist hingegen etwas empfindlich. Auch der Deutsche Estragon übersteht den Winter in der Regel gut, kann aber bei sehr tiefen Temperaturen leichten Schaden nehmen. Der Aromatische Estragon erhält daher in der kalten Jahreszeit einen leichten Schutz aus Laub, Reisig oder einem Vlies.

Eine Topfpflanze können Sie bei etwa 10 Grad Celsius an einem hellen Ort überwintern. In dieser Zeit gießen Sie regelmäßig, aber sehr sparsam. Alternativ rücken Sie das Pflanzgefäß an eine geschützte Wand und ummanteln es mit einem isolierenden Material, zum Beispiel Noppenfolie.

Ernte und Konservierung

Grundsätzlich lässt sich das Würzkraut den ganzen Sommer über ernten. Wählen Sie dafür einen sonnigen Tag – sobald der Morgentau weggetrocknet ist, können Sie zur Schere greifen und die Triebspitzen abschneiden. Für die laufende Verwendung bis zum Spätherbst lassen Sie stets einige Zweige stehen. Die oberen Blätter des Estragons fallen übrigens besonders aromatisch aus.

Tipp: Soll Russischer Estragon getrocknet werden, empfiehlt sich eine Ernte kurz vor der Blüte. Scheiden Sie die Stängel ab und binden Sie diese mit einem Faden zusammen. Hängen Sie den Strauß anschließend in einem luftigen und warmen Raum auf. Der Vorgang dauert im Idealfall 3 bis 6 Tage. Machen Sie die Fingerprobe: Durch ein Zerreiben der Blätter lässt sich feststellen, ob sie durch und durch trocken sind.

Vermehrung und Aussaat

Nur der Russische Estragon lässt sich durch Samen vermehren. Der Französische und der Deutsche Estragon werden hingegen vegetativ vermehrt – durch Stecklinge, Absenker oder eine Teilung.

Bereits im März werden die Samen des Russischen Estragons im Haus ausgesät. Die Art ist ein typischer Lichtkeimer. Drücken Sie ihre Samen daher nur leicht in das Substrat. Die jungen Pflänzchen kommen dann ab Mai ins Beet. Nach den Eisheiligen können die Samen des Estragons auch direkt an Ort und Stelle im Garten ausgebracht werden.

Verwendung in der Küche

Der Französische Estragon ist ein unentbehrlicher Bestandteil der berühmten „Sauce Béarnaise“. Er passt auch bestens zu grünen Salaten oder Fisch- und Gemüsegerichten. Junge Schösslinge des Russischen Estragons können mitsamt Stielen als ein schmackhaftes Frühjahrsgemüse gedünstet werden.

Auch als Heilpflanze hat Estragon eine lange Tradition: Werden seine Blätter mit heißem Wasser übergossen, soll der Tee verdauungsfördernd und entzündungshemmend wirken.

Neben Schnittlauch, Petersilie und Kerbel gehört Estragon zu der klassischen französischen Kräutermischung „Fines herbes“. Diese würzt Eierspeisen, Kräuterbutter und Frischkäse sowie Suppen und Weiße Saucen. Die Kräuter können zu gleichen Teilen miteinander gemischt werden. Eine feine Anisnote dominiert hierbei das Aroma.

Estragon-Essig verleiht Salaten die richtige Würze.
Estragon-Essig verleiht Salaten die richtige Würze. Foto: AdobeStock_chamillew

Rezept: Estragon-Essig

Zutaten

  • 4 Estragonzweige
  • 2 Schalotten
  • 2 Streifen Zitronenschale in Bio-Qualität
  • 1 Flasche Essig (Weißwein- oder Balsamicoessig)

Zubereitung

Den Estragon waschen und etwas abtrocknen lassen. Die Schalotten in Streifen schneiden. Den Essig in einem Topf erwärmen und über den Estragon und die anderen Zutaten gießen. In saubere Gläser abfüllen, gut verschließen, gelegentlich schütteln und zwei bis drei Wochen an einem warmen Ort stehen lassen. Dann alle Zutaten entfernen und den Essig durch ein Mulltuch gießen. Bei Bedarf in dekorative, sterilisierte Flaschen (mit gewaschenen, frischen Estragonzweigen) umfüllen.

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