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Kartoffeln im Topf pflanzen -Erntespaß auf dem Balkon

Viele Gemüsearten finden auf dem Balkon oder der Terrasse gute Bedingungen vor. Das gilt auch für Kartoffeln. Ganz einfach und platzsparend kann man die beliebten Knollen in geeigneten Behältern anbauen. Und wer bereits im Februar für gute Startbedingungen sorgt, kann schon im Frühsommer ernten.

Das Know-how für den Kartoffelanbau im Topf

Wenn Sie Kartoffeln im Topf pflanzen möchten, sind die Zutaten schnell gefunden: Ein paar Knollen, ein passendes Gefäß, Gemüseerde, Wasser, später etwas Dünger und ein beliebiger Ort unter freiem Himmel – wahlweise ein Balkon. Hier kommen noch ein paar nützliche Tipps für eine üppige Ernte.

Welcher Behälter ist für Kartoffelpflanzen geeignet?

Ob rund oder eckig – bei der Topfwahl sind Sie recht frei, sofern das passende Volumen vorhanden ist. Schließlich möchte man viele Knollen ernten, und die Pflanze benötigt dafür den gebührenden Raum. Wichtig ist, dass es mehrere Abzugslöcher für überschüssiges Gießwasser gibt, denn Staunässe am Boden muss unbedingt vermieden werden. In vielen Fällen kann man schnell mit dem Bohrer nachhelfen.

Ein hoher Topf oder Eimer ist ideal. Bei einem schwarzen Gefäß ist eine gewisse Vorsicht angebracht: An einem halbschattigen Standort profitiert die Pflanze von der aufgenommenen Wärme in der Topfwand, in der prallen Mittagssonne droht hingegen ein Hitzeschaden. Daher platziert man einen dunklen Behälter auf einem südexponierten Balkon vorsichtshalber in der zweiten Reihe.

Als besonders praktisch erweist sich die Kombination von zwei Töpfen. Der im Handel erhältliche „Potato Pot“ kann dabei als Vorbild dienen. Der innere, herausnehmbare Topf ist so ausgeschnitten, dass einzelne Knollen ganz leicht aus den „Schaufenstern“ entnommen werden können. Der äußere Topf sorgt dafür, dass die Erde nicht einfach herausrieselt.

Die Vorteile eines Topfsystems:

  • Die Ernte ist komfortabel, da das Ausbuddeln der Erdäpfel entfällt.
  • Der offene Innentopf ermöglicht die Sichtung der dicksten Knollen.
  • Die Kartoffelpflanze wird bei der Ernte nicht beschädigt und produziert danach fleißig weiter.
  • Kinderherzen schlagen höher, da die Knollenbildung genau verfolgt werden kann.
Kartoffeln im Topf anbauen - Potato Pot, Foto: GartenFlora
Kartoffeln im Topf pflanzen: Der innere Teil des „Potato Pots“ hat Fenster. © GartenFlora

Für einen Kartoffelanbau im größeren Stil kann ein Pflanzsack zum Einsatz kommen. Dieser besteht aus einem robusten Kunststoffgewebe, Tragegriffe sorgen für eine unkomplizierte Handhabung. Im unteren Bereich sollte ebenfalls der Wasserabzug sichergestellt sein – notfalls greift man zu einem scharfen Messer und erzeugt damit einige Schlitze. Die Kartoffelernte gestaltet sich anders als bei einem herausnehmbaren Topf: Man greift vorsichtig in die Erde und ertastet die größeren Knollen mit der Hand. Ganz am Ende wird der Sack am besten ausgekippt.

Kartoffel-Pflanztopf mit Fenster selber machen

Zwei Töpfe aus Plastik, einen Bohrer sowie ein Teppichmesser hat fast jeder zu Hause. Die benötigten drei Fenster für den Innentopf können Sie (mit gebotener Vorsicht) einfach herausschneiden. Denken Sie auch an die Löcher für den Wasserabzug im Außentopf! Wer sich am „Potato Pot“ orientieren möchte: Dieser fasst 12 Liter, ist 27 Zentimeter hoch und hat einen Durchmesser von 30 Zentimetern.

Welche Kartoffeln nehme ich für den Topf?

Wenn Sie ungewöhnliche Sorten schätzen, ist der eigene Anbau besonders lohnenswert. Für Kartoffelfans sind zum Beispiel die ‘Bamberger Hörnchen‘ ein wahrer Leckerbissen. Ihre längliche Form erschwert die maschinelle Ernte, so dass sie im Supermarkt praktisch nicht zu finden sind.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, greift auf zertifizierte Pflanzkartoffeln aus Vermehrungsbetrieben zurück. Diese sind gesund (nicht von Viren, Bakterien oder Pilzen befallen), sortenrein und vor allem unbehandelt. Denn wer herkömmliche Speisekartoffeln pflanzen möchte, kann eine herbe Enttäuschung erleben: Keimhemmungsmittel verhindern einen Austrieb, und man geht am Ende leer aus. Bio-Kartoffeln sind ebenfalls unbehandelt.

Kartoffelsorte Magenta Love,  Foto: 99201el#potato heart, prof.bizzarro  , CC BY 2.0

Auch herzförmige Knollen sind möglich – hier bei der Sorte ‘Magenta Love‘. – Foto: 99201el#potato heart, prof.bizzarro  , CC BY 2.0

Frühe Sorten, zum Beispiel ‘Friesländer‘, besitzen eine kurze Reifezeit (etwa 100 Tage) und sind für den Kartoffelanbau im Topf besonders empfehlenswert. Wird Anfang April gepflanzt, zeigen sich schon im Juni die ersten dicken Knollen. Späte Sorten kommen hingegen erst Ende April bis Anfang Mai in den Boden – ihre Erntezeit ist im Herbst.

So kalkulieren Sie die benötigte Knollenmenge: Für einen „Potato Pot“ benötigt man 3 mittelgroße Pflanzkartoffeln. Am Ende sind 10 bis 15 Kartoffeln pro Pflanze zu erwarten.

Kartoffeln vorkeimen

Etwa vier bis sechs Wochen vor dem geplanten Pflanztermin können Sie die Kartoffeln vorkeimen lassen. Durch die erhaltene Starthilfe werden die Knollen früher reif – auch der Ertrag fällt meist höher aus. Frühkartoffeln werden schon ab Mitte Februar zur Keimbildung angeregt.
Achten Sie dabei auf die richtige Technik, denn nur grüne, gedrungene Keime (Lichtkeime) sind erwünscht!

Welche Erde kommt in den Behälter?

Die goldene (oder rote) Knolle gehört zur Familie der Nachtschattengewächse und ist wie die Tomate ein Starkzehrer. Diese Pflanzengruppe benötigt in der Wachstumsphase besonders viele Nährstoffe, vor allem Stickstoff. Das Substrat sollte also entsprechend nährstoffreich ausfallen. Nehmen Sie zum Beispiel eine handelsübliche Gemüseerde und vermischen diese mit einem Drittel Sand. Alternativ kann man einen Mix aus reifem Kompost (oder Wurmhumus) und einer Gartenerde herstellen (30 Prozent Kompost, 70 Prozent Gartenerde).

Wann sind die Knollen erntereif?

Kartoffelpflanze mit Knollen Foto: iStock_temmuzcan
Eine Kartoffelpflanze mit Knollen
Foto: iStock_temmuzcan

Ein kleiner Merksatz: Wenn sich die Schale einer Kartoffel nicht mehr abreiben lässt, ist sie erntereif. Sind die Kartoffelschalen noch sehr dünn, leidet darunter die Haltbarkeit. Vor allem bei Spätkartoffeln, die als Vorrat angelegt werden sollen, ist es also wichtig, dass nicht zu früh geerntet wird.

Der Blick von oben liefert einen weiteren wichtigen Hinweis. Wenn das Kartoffelkraut verwelkt ist, ist das ein untrügliches Startsignal für die Ernte. Lagerkartoffeln holt man am besten erst zwei Wochen nach dem Absterben des Laubs aus dem Boden.

Frühkartoffelpflanzen dürfen hingegen bei der Ernte ruhig noch ihr grünes Blätterkleid tragen. Einzelne Knollen werden entnommen, sobald sie groß genug sind. Die Schalenfestigkeit ist hierbei zweitrangig, da sie ja meist direkt in der Küche landen. Etwa zwei Wochen nach der Blüte gibt es in der Regel einen ersten Ertrag.

Tipp zur Fruchtfolge: Nach der Kartoffelernte können Sie die Erde für andere Gemüsearten verwenden, zum Beispiel für Kohl oder Salat. Andere Vertreter aus der Familie der Nachtschattengewächse sollten jedoch ein unverbrauchtes Substrat erhalten.

So einfach pflanzen Sie Kartoffeln im Topf:

  1. Befüllen Sie einen passenden Topf oder einen Pflanzsack zunächst mit einer etwa 10 Zentimeter hohen Drainageschicht. Dafür eignen sich Kies, Blähton oder Tonscherben.
  2. Dann wird das Pflanzsubstrat hineingegeben – diese Schicht sollte etwa 15 Zentimeter hoch sein.
  3. Je nach Größe des Behälters werden drei (oder mehr) Pflanzkartoffeln mittig ausgelegt. Anschließend wird so viel Erde eingefüllt, dass die Kartoffeln knapp bedeckt sind. Zwischen den Knollen sollte der Abstand etwa 10 Zentimeter betragen. Pflanzen Sie vorgekeimte Kartoffeln stets mit den Trieben nach oben.
  4. Stellen Sie den Topf an einen warmen, sonnigen Ort und halten Sie die Erde fortan gleichmäßig feucht. Das Pflanzgefäß sollte erst im April seinen endgültigen Platz auf dem Balkon finden. Droht noch einmal Frost, decken Sie die jungen Pflanzen mit einem Vlies ab. Auch der Topf sollte dann vorsichtshalber umwickelt und auf eine Holz- oder Styroporplatte gestellt werden.
  5. Sobald die zarten Kartoffelpflänzchen etwa 10 Zentimeter aus der Erde ragen, füllen Sie Substrat nach. Die Triebspitzen sollten dabei immer noch aus der Erde schauen. Mit der Zeit wird so der Topf/Pflanzsack bis zum oberen Rand mit Erde gefüllt. Die begehrten Knollen entstehen auf diese Weise in verschiedenen Schichten. Im Freiland wird das „Anhäufeln“ ebenfalls praktiziert. Mit dieser Methode wird auch vermieden, dass die oben angesiedelten Kartoffeln durch Fotosynthese grün und ungenießbar werden.
  6. Ist der Topf oder Sack ganz mit Erde gefüllt, düngen Sie wöchentlich mit einem Flüssigdünger. In der zweiten Hälfte der Kulturdauer sollte man die Stickstoffgabe allerdings etwas reduzieren, denn sonst wird der Bestand anfällig für Krankheiten und Schädlinge – auch die Qualität der Knollen kann sich verschlechtern. Brennnesseljauche und Beinwelljauche sind wirksame Biodünger. Zugegebenermaßen ist ihr Geruch nicht gerade angenehm, dafür geben sie den Starkzehrern viel Power. Wichtig: Man sollte sie bei der Anwendung immer vorher mit Wasser verdünnen (mindestens im Verhältnis eins zu zehn)!
Vorgekeimte Kartoffeln werden in den Pflanztopf gesetzt. - Foto: iStock_Emma Brewster
Kartoffeln im Topf anbauen: Vorgekeimte Knollen werden in den Pflanztopf gesetzt. – Foto: iStock_Emma Brewster

SABINE FAASS

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