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Kartoffeln vorkeimen – schneller zum Ertrag

Profis aus der Landwirtschaft wenden diese Technik bei der Pflanzgutvorbereitung an. Tatsächlich ist das Vorkeimen von Kartoffeln auch für Hobbygärtner interessant. Das Wachstum wird schon vor dem Auspflanzen angeregt – und es gibt weitere Vorteile. Wir stellen Ihnen die bewährte Methode vor.

Warum lohnt es sich, Kartoffeln vorzukeimen?

Für Interessierte zunächst ein wenig Botanik: Erhalten Kartoffeln, die ja pflanzliche Speicherorgane sind, die passenden Bedingungen, entwickeln sich aus den schlafenden Knospen (auch Augen genannt) aufrechte Laubsprosse. Aus diesen wächst schließlich die neue Pflanze heran. Wenn Sie Kartoffeln vorkeimen, setzen Sie diesen Prozess in Gang.

Kommen die Sprosse in die Erde, entstehen lange Ausläufer, die mit der Zeit auch Wurzeln bilden. Die Enden der Ausläufer verdicken sich nach und nach – und das Ergebnis ist bekannt: Es gibt viele neue, schmackhafte (Spross-)knollen. So hat eine vegetative Vermehrung der Kartoffelpflanze stattgefunden. Die Mutterknolle, die in den Boden gesteckt wurde, laugt dabei aus.

Wenn man genau hinschaut, hat eine Knolle zwei Enden: Ein Ende (die so genannte Endknospe) hat meist vertiefte Stellen – dort sitzen Augen, aus denen sich später besonders dicke Kartoffeln entwickeln. Diese Triebe sollten Sie also unbedingt unterstützen.

Kartoffel mit einem neuen Spross - Foto: AdobeStock_zamury
Der Spross, der sich aus der Endknospe entwickelt hat, ist hier schon kräftig gewachsen. Foto: AdobeStock_zamury

Der Keimprozess findet natürlich auch vollständig in der Erde statt, was gleich die Frage beantwortet, ob man immer vorkeimen muss. Wer das zu aufwändig findet oder keinen Platz auf der Fensterbank hat, kann sich stattdessen auf die ideale Pflanzung und Pflege der Kartoffeln konzentrieren.

Für das Vortreiben gibt es aber gute Gründe:

  • Die Kartoffeln erhalten einen Wachstumsvorsprung: Sie werden im Schnitt etwa zwei Wochen früher reif.
  • Die Pflanzen erweisen sich als widerstandsfähiger: Die Knollen sind bereits gut entwickelt, wenn gefürchtete Krankheiten und Schädlinge wie die Krautfäule und der Kartoffelkäfer Hochkonjunktur haben.
  • Kranke Knollen kommen nicht in den Boden: Diese können Sie rechtzeitig erkennen und auslesen.
  • Durch den frühen Start ist die Wasserversorgung im Beet meistens noch recht gut: Die Kartoffeln nutzen die restliche Winterfeuchtigkeit in der Erde und entwickeln sich dadurch prächtig.
  • Eine reichere Ernte ist möglich: Der Ertragszuwachs ist auch häufig mit größeren Knollen verbunden.

Lichtkeime sind erwünscht

Beim Vortreiben sollten kurze, kräftige, grüne (oder violette) Laubsprosse entstehen. Dafür darf der Ort nicht zu dunkel ausfallen. Das dabei gebildete Solanin, das beim Verzehr von gekeimten Kartoffeln eher gefürchtet ist, kommt der Knolle zugute: Es unterstützt sie bei der Krankheitsabwehr.

Welche Kartoffeln eignen sich zum Vorkeimen?

  • (Zertifizierte) Saatkartoffeln aus dem Handel sind sortenrein und kommen ohne Krankheitserreger daher. Wer ein ideales Pflanzgut einsetzen möchte, sollte es also bei einem Vermehrungsbetrieb erwerben.
  • Kartoffeln aus dem Supermarkt können die Rolle der Mutterknollen nicht übernehmen, wenn Keimhemmungsmittel im Spiel sind. Bio-Kartoffeln sind hingegen unbehandelt und somit ebenfalls verwendbar.
  • Verwenden Sie möglichst keine alten, schrumpeligen Kartoffeln aus der Kiste! Denn diese haben ihre optimale Keimfähigkeit eingebüßt.
  • Auch Knollen mit dünnen, weißen Trieben sind nur bedingt geeignet. Sie sind bei Lichtmangel entstanden und brechen leicht.

Nutzen Sie die Technik des Vorkeimens vor allem bei sehr frühen und frühen Kartoffelsorten – sie kommt aber auch mittelfrühen Sorten zugute. Etwa 100 Tage nach der Pflanzung ist bei Frühkartoffeln schon mit einem ersten Ertrag zu rechnen – das heißt, im Juni können Sie bereits ernten.

Ab wann werden Kartoffeln vorgekeimt?

Grundsätzlich gilt: Beginnen Sie mit dem Vorkeimen etwa vier bis sechs Wochen vor dem geplanten Pflanztermin. Da dieser sortenabhängig ist, sollten Sie sich vorher entsprechend informieren. Frühe Sorten können bereits ab Mitte Februar zur Keimbildung angeregt werden.

Pflanzkartoffeln in Eierkartons - Foto: iStock_Goldfinch4ever
Das Vortreiben von Kartoffeln in Eierkartons ist eine bewährte Methode. Foto: iStock_Goldfinch4ever

Welche Gefäße kommen zum Einsatz?

  • Eierkartons bieten sich an, wenn man keine Erde benutzt. Sie kommen bereits mit den passenden Vertiefungen für die einzelnen Knollen daher und sorgen so für Stabilität.
  • Alternativ können Sie die Kartoffeln einlagig in einer Kiste aus Holz oder (hellem) Kunststoff auslegen. Das Auslegen (oder Stecken) ist mit und ohne Substrat möglich.
  • Auch zersetzbare, kleine Anzuchttöpfe oder kleine Töpfe aus Plastik sind geeignet. Diese nehmen jeweils eine Knolle auf.

Die idealen Raumbedingungen

Der Ort zum Vorkeimen sollte hell sein und eher kühl ausfallen. Eine Fensterbank ist ideal. Wenn das Zimmer dann noch etwa 12 bis 15 Grad aufweist, haben Sie die perfekten Bedingungen. Bei niedrigen Raumtemperaturen (um die 6 Grad) entstehen mehr Nebentriebe an den Seiten, die viele kleine Kartoffeln hervorbringen. Zu hohe Temperaturen und ein dunkler Platz lassen hingegen die unerwünschten blassen Keime sprießen. Die Luftfeuchtigkeit sollte möglichst hoch ausfallen – gegebenenfalls kann man mit einer Sprühflasche etwas nachhelfen.

So gehen Sie beim Vorkeimen der Kartoffeln vor:

Vortreiben mit Erde: Füllen Sie den Behälter zum Vorkeimen mit Erde (Gemüseerde oder einer Mischung aus reifem Kompost und Sand) und stecken Sie die Knollen in das Substrat – die Endknospe mit den meisten Augen zeigt nach oben. Lassen Sie die Kartoffeln etwa zur Hälfte aus der Erde herausschauen. Gießen Sie danach etwas an.

Vortreiben ohne Erde: Stellen Sie die Knollen aufrecht in die Mulden des Eierkartons – die Endknospe befindet sich ebenfalls oben. Möchte man stattdessen eine flache Kiste verwenden, breitet man darin die Knollen einlagig aus.

Sobald die Keime erscheinen, ist bei beiden Verfahren eine ausreichende Belichtung erforderlich, damit der Austrieb kräftig wird. In den folgenden Wochen sollten Sie die Kartoffeln (sowie die Erde) leicht feucht halten.

Sind die Keime 10 bis 15 Millimeter lang, können die Knollen ins Beet oder in das Pflanzgefäß. Profis sorgen einige Tage vor dem Auspflanzen für eine kurze Abhärtung bei 5 bis 8 Grad – dies ist aber kein Muss.

Gekeimte Kartoffeln pflanzen

Geteilte, pflanzfertige Knollen
Foto: AdobeStock_antova13
Geteilte, pflanzfertige Knollen
Foto: AdobeStock_antova13

Vorgekeimte Knollen benötigen eine Bodentemperatur von mindestens 7 Grad – für nicht vorgekeimte Kartoffeln werden 10 Grad empfohlen. Wenn Sie Kartoffeln im Topf pflanzen, sollten diese erst im April ihren endgültigen Platz auf dem Balkon beziehen.

Behandeln Sie das Pflanzgut sehr vorsichtig, denn es sollen natürlich nur wenige Keime abbrechen. Drei bis vier kräftige Triebe pro Kartoffel sind ideal. Überzählige Seitensprosse können Sie entfernen, um größere Knollen zu erhalten. Haben Sie die Kartoffeln in Behältern mit Erde keimen lassen, werden sie samt Wurzeln behutsam mit einem Messer herausgeschnitten.

Bedecken Sie die Knollen im Freiland mit einer acht bis zehn Zentimeter dicken Erdschicht. So kann ihnen Spätfrost wenig anhaben. Sobald die jungen Triebe an der Oberfläche zu sehen sind, schützen Sie diese bei drohenden Minustemperaturen mit einem Vlies.

Vorgekeimte Kartoffeln teilen – ist das empfehlenswert?

Falls Sie zu wenige Setzkartoffeln haben oder diese besonders groß ausfallen, können Sie die Knollen der Länge nach durchschneiden. Achten Sie darauf, dass beide Hälften gleichmäßig mit Keimen besetzt sind. Lassen Sie Schnittstellen etwas abtrocken oder tragen Sie Holzkohlepulver auf. So entsteht keine Fäulnis.

SABINE FAASS

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  • Gärtnern ohne Mühe: Schöne Hochbeete
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