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Trockenwiese im Garten: Ein artenreiches Paradies für Insekten

Wer von einer pflegleichten Fläche mit bunten Blumen und Gräsern träumt, liegt bei der Anlage einer Trockenwiese genau richtig. Besonders leicht geht das von der Hand, wenn bereits ein sandiger Untergrund vorliegt. Mit der richtigen Vorbereitung lässt sich aber an jedem Standort eine naturnahe Fläche schaffen. Hier kommen unsere Tipps für die Aussaat und Pflege.

Trockenwiese anlegen – voraussichtliche Lesedauer: 6 Minuten

Eine blütenreiche Wildwiese gestalten

Eine Trockenwiese – häufig auch Trockenrasen oder Magerwiese genannt – ist ein Ort des munteren Treibens: Fleißige Bienen erfüllen mit ihrem Summen die Luft und prächtige Schmetterlinge flattern elegant von Blüte zu Blüte. Doch eine derartige Wiese ist im Garten nicht nur ein Fest für die Sinne, sie benötigt auch deutlich weniger Pflege als ein herkömmlicher Rasen!

Ist der Standort von Natur aus karg und sonnig, kann sich eine artenreiche Wiese ohne viel Aufwand schnell etablieren. Wo Nährstoffe und Wasser Mangelware sind, gedeihen stickstoffliebende Gräser, Löwenzahn oder Ampfer nicht in gewohnter Manier. Dort haben zartere, konkurrenzschwache Wiesenkräuter ihren großen Auftritt. Die purpurn leuchtende Karthäusernelke (Dianthus carthusianorum) oder der violette Wiesensalbei (Salvia pratensis) sind Charakterarten solcher Flächen.

Trockenwiesen sind ein Bestandteil der Kulturlandschaft

Vermutlich haben die Menschen bereits in der Bronzezeit Mähwiesen auf kargen Arealen angelegt. Auf ungedüngten Grasfluren entwickeln sich Sandmagerrasen, Kalkmagerrasen, Halbtrockenrasen und Steppentrockenrasen. Die jeweiligen Standortbedingungen bestimmen die Zusammensetzung der verschiedenen Pflanzengesellschaften. Diese Wiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Bleibt die Nutzung durch Mahd oder Beweidung aus, entwickeln sich auf den Flächen zumeist wieder Wälder.

Hier leuchtet der Wiesensalbei in einer Magerwiese auf der Schwäbischen Alb. [Foto: AdobeStock_Raina Graf]

Vorbereitung der Fläche

Für eine Trockenwiese eignen sich grundsätzlich Areale des Gartens, die selten betreten werden. Damit sich die meisten der gewünschten Arten dauerhaft ansiedeln, braucht es außerdem viel Sonne und einen gut abgemagerten Boden. Wichtig ist auch, dass der Untergrund sehr durchlässig ist. Lehmige oder sogar tonige Erden sind daher für eine Magerwiese eher ungeeignet. Lockern Sie die Fläche vor der Aussaat tiefgründig und entfernen Sie Wurzelunkräuter wie Giersch und Quecke.

Tipp: Wer einen schweren Boden hat und dennoch eine Trockenwiesen-Vielfalt erzielen möchte, muss erst mal ein wenig schuften: Tragen Sie den bestehenden Oberboden oder die ausgestochenen Grassoden etwa 40 Zentimeter tief ab. Die entstandene Grube füllen Sie etwa 20 Zentimeter hoch mit einer Dränage aus grobem Schotter/Kies, den Rest mit einer Magerbodenmischung (auf etwa 9 Teile Sand kommt ein 1 Teil Kompost).

Einen Rasen in eine Naturwiese umwandeln

Bei einer bestehenden Rasenfläche auf sandigem Boden ist es empfehlenswert, auf eine schonende Art der Umgestaltung zu setzen. Verzichten Sie also auf den Einsatz von Chemie und folgen Sie einem mehrstufigen Plan:

  • Stellen Sie zunächst die Düngung ein.
  • Entfernen Sie nach dem Mähen das Moos mit einem Vertikutierer. Auf diese Weise entstehen offene Stellen in der Grasnarbe, die bei Bedarf etwas vergrößert werden. Dort bringen Sie gezielt die Samen aus.
  • Auf größeren Flächen können Sie zunächst nur einen Streifen anlegen und auf die Ausbreitung bestimmter Arten durch Samenflug setzen.

Der Klappertopf als Wegbereiter

Der Zottige Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus) ist eine hübsche, einjährige Pflanze mit zitronengelben Lippenblüten. Der Halbschmarotzer zapft die Wurzeln von Gräsern an und hemmt so ihre Ausbreitung. Daher gilt er auf landwirtschaftlich genutzten Flächen als „Problempflanze“. Auf einer ehemaligen Rasenfläche ist er hingegen ein gern gesehener Gast: Zarte Wiesenblumen können sich in seinem Beisein besser entfalten.

  • Bringen Sie die Samen idealerweise bereits im Herbst aus, da die Art ein Kaltkeimer ist.
  • Vor der Aussaat entfernen Sie am besten ungefähr die Hälfte der Grasnarbe. Alternativ können Sie die Samen auf einer gemähten Wiese (oder einem lückigen Rasen) ausstreuen.
  • Um den Klappertopf zu erhalten, sollte die Wiese erst bei Samenreife (ab August) gemäht werden.
Der Zottige Klappertopf wird im Volksmund auch "Milchdieb" genannt, da er den Grünlandertrag schmälert.
Der Zottige Klappertopf wird im Volksmund auch „Milchdieb“ genannt, da er den Grünlandertrag schmälert. [Foto: AdobeStock_Willy]

Eine Trockenwiese säen

Günstige Zeiträume für die Aussaat sind in der Regel von März bis Juni oder im Spätsommer. Orientieren Sie sich dabei auch an der aktuellen Wetterprognose: Bei einer lang anhaltenden feuchten Witterung finden die Samen gute Keimbedingungen vor.

Der Einsatz einer Rasenwalze ist empfehlenswert – vor allem nach dem Säen: So erhalten die Samen einen guten Bodenschluss. Halten Sie die Fläche in der Folgezeit ausreichend feucht, falls der Niederschlag gering ausfällt.

Tipp: Wenn Sie die Samen mit etwas Sand, Sägemehl oder Schrot mischen, sorgen Sie für eine gute Verteilung des Saatguts auf der Fläche.

Der passende Schnitt

Die heranwachsende Wiese sollte gleich im ersten Jahr gemäht werden. Das mag schwerfallen, aber auf diese Weise können eingeschleppte, konkurrenzstarke Einjährige an der weiteren Ausbreitung gehindert werden! Bei dem sogenannten Schröpfschnitt wird das Schnittgut abgeräumt.

Im zweiten Jahr richtet sich der Zeitpunkt des Schnitts nach der Samenreife wichtiger Wiesenpflanzen, zum Beispiel der Karthäusernelke und des Klappertopfs. Aus diesem Grund kommt die Sense oder der Balkenmäher erst Anfang August zum Einsatz. Räumen Sie das Mähgut am besten nicht sofort ab! Trocknet es nämlich in der Nähe der Fläche, können sich die Samen der darin enthaltenen Arten gut verbreiten. Ist der Nährstoffgehalt des Bodes noch relativ hoch, empfiehlt es sich, die Wiese zweischürig zu pflegen: Für einen weiteren Schnitt im Herbst können Sie dann einfach den Rasenmäher nutzen. Auch hier gilt es, nicht auf der Fläche zu mulchen, sondern einen Fangkorb zu benutzen.

Tipp: Für die Artenvielfalt ist eine Staffelmahd förderlich: Dabei wird im Sommer (am besten Anfang August) nur ein Teil der Wiese geschnitten, der andere Teil etwa drei Wochen später. So samen die meisten der gewünschten Pflanzenarten aus. Tierischen Wiesenbewohnern bleibt zudem stets eine Rückzugsmöglichkeit. 

Auf eine geeignete Blumenwiesenmischung setzen

Das spezielle Saatgut für eine Magerwiese (zum Beispiel von Syringa) sollte aus einheimischen Arten bestehen und auf den Standort abgestimmt sein. Exoten, die kurzfristig für Farbe sorgen, verschwinden leider recht schnell. Aber natürlich verändert sich eine Wiese im Laufe der Zeit. Während einjährige Pflanzen häufig das Bild im ersten Jahr bestimmen, machen sich mit der Zeit auch Blütenstauden und Gräser breit.

Stauden für eine Magerwiese

Wer zusätzlich noch etwas gestalten möchte: Viele mehrjährige Arten und Sorten lassen sich gut mit den ausgesäten Wildpflanzen kombinieren. In der folgenden Übersicht finden Sie zwölf genügsame Vertreter, die Hitze, Trockenheit und Nährstoffmangel trotzen. Sie eignen sich bestens für die Südseite des Hauses, sonnige Böschungen oder Bereiche, in denen Bauschutt und Kies andere Pflanzen kümmern lassen. Mit von der Partie sind Wildformen, aber auch gärtnerische Auslesen mit besonderem Flor.

  • Linum flavum ‘Compactum’ (Gold-Flachs) ist eine nur 20 Zentimeter hohe Auslese der heimischen Wildform. Sie zeigt eine reiche Blüte bis Oktober.
  • Lychnis viscaria ‘Plena’ (Gefüllte Pechnelke) gibt eine vortreffliche Schnittstaude mit großer Leuchtkraft ab.
  • Pulsatilla vulgaris (Gewöhnliche Kuhschelle) ist eine typische Trockenpflanze, die kalkhaltige Untergründe bevorzugt.
  • Salvia verticillata ‘Purple Rain’ (Quirlblütiger Salbei) zieht Bienen magisch an. Sie blüht ab Juli und zeigt eine Nachblüte im Herbst.
  • Anthemis tinctoria ‘Susanna Mitchell’ (Färberkamille) ist ein dezenter Dauerblüher (Juli bis September) mit silbergrauem Laub.
  • Salvia pratensis ‘Rose Rhapsody’ (Wiesen-Salbei) ist wie die violette Wildart eine wertvolle Nahrungsquelle für Hummeln.
  • Geranium sanguineum ‘Apfelblüte’ (Blut-Storchschnabel) zeigt eine rote Laubfärbung im Herbst. Die Sorte ist zart und dabei überaus robust.
  • Campanula glomerata ‘Acaulis’ (Zwerg-Knäuel-Glockenblume) wird nur 20 Zentimeter hoch und breitet sich gern durch Selbstaussaat aus.
  • Anthyllis vulneraria ssp. coccinea (Wundklee) bereichert mit einem beeindruckenden Rot die Steingärten und Magerrasen.
  • Sedum Telephium-Hybride ‘Herbstfreude’ (Hohe Fetthenne) zählt zu den besten, standfestesten Fetthennen überhaupt.
  • Scabiosa ochroleuca ‘Moon Dance’ (Gelbe Skabiose) blüht in verschwenderischer Fülle von Juli bis zum Frost.
  • Dianthus deltoides ‘Arctic Fire’ (Heide-Nelke) zeigt ein lebendiges Farbspiel von Juni bis August.

Neben den Blütenstauden sind auch bestimmte Gräser von besonderem Reiz. Diese gehen eine gute Partnerschaft mit den Wiesenblumen ein: Das Mittlere Zittergras (Briza media), der Rotschwingel (Festuca rubra trichophylla) und das Gemeine Ruchgras (Anthoxantum odoratum) fügen sich wunderbar in die Mischung ein.

Das Mittlere Zittergras ist ein robustes, horstbildendes Rhizomgras.
Das Mittlere Zittergras ist ein robustes, horstbildendes Rhizomgras. [Foto: Pixabay_LeneA]

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