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Siebenschläfer: Kleiner Nager mit großem Appetit

Hören Sie des Nachts vielleicht Geräusche in der Wand oder aus dem Garten? Oder finden Sie immer häufiger zerfressenes Kabelwerk? Dann könnten Sie vielleicht schon bald Bekanntschaft mit einem Siebenschläfer machen. Die kleinen und flauschigen Tierchen halten sich nämlich nicht nur gerne in Wäldern und unseren Gärten, sondern auch in unseren Häusern auf. Warum und was es mit den pelzigen Nagern auf sich hat, erklären wir Ihnen in unserem Artikel.

Siebenschläfer – voraussichtliche Lesedauer: 8 Minuten

Der Siebenschläfer im Porträt

Der Siebenschläfer (Glis glis) ist die größte einheimische Schlafmaus und ein nachtaktives Nagetier mit außergewöhnlichen und überraschenden Fähigkeiten. Die Tierchen sind etwa 20 Zentimeter lang. Ihr Schwanz misst circa 13 Zentimeter.

Siebenschläfer erinnern von der Gestalt her an zu groß geratene Mäuse oder an sehr kleine, graue Eichhörnchen, allerdings mit einem nicht so buschigen Schwanz.

Die Haare auf dem Rücken des Siebenschläfers sind blaugrau und am Bauch etwas heller gefärbt. Außerdem hat er verhältnismäßig große, rundliche Ohren, die sehr beweglich sind, sowie lange Tasthaare. So ist er hervorragend ausgestattet, um in der Dämmerung und nachts auf Futtersuche zu gehen. Er ist ein wahrlich talentierter Kletterer und kann sehr gut an Bäumen und sogar an Wänden hochklettern – kein Wunder, dass er auch manchmal auf Dachböden entdeckt wird.

Siebenschläfer sitzt auf einem Ast [Foto: AdobeStock_Geza Farkas]
Lange Tasthaare und große Ohren helfen dem Siebenschläfer, sich nachts zurechtzufinden. [Foto: AdobeStock_Geza Farkas]

Die Tierchen haben außerdem große schwarze Knopfaugen, die von einem schmalen, die Augen betonenden, dunklen Ring umgeben sind. Sie lieben warme Temperaturen und sind darum vor allem in Süd- und Mitteleuropa verbreitet. In Laub- und Mischwäldern fühlen Siebenschläfer sich wohl, bevorzugt in Buchenwäldern, in denen sie zudem vor ihrem Winterschlaf fettreiche Nahrung finden.

Verwechslung mit dem Gartenschläfer: Was ist der Unterschied?

Der Siebenschläfer gehört zur Familie der Schlafmäuse (Bilche), zu der auch die Haselmaus sowie der Gartenschläfer und der Baumschläfer gehören. Gartenschläfer und Siebenschläfer werden dabei häufig verwechselt, denn sie haben ein ähnliches Verbreitungsgebiet. Gartenschläfer bevorzugen allerdings eher den Boden, wo sie mit Vorliebe in Obstgärten oder auch Weinbergen leben. Außerdem ist der nahe Verwandte des Siebenschläfers etwas kleiner und zeichnet sich durch seine schwarze Gesichtsmaske aus.

Gartenschläfer in einem Baum [Foto: AdobeStock_Martin Grimm]
Der Gartenschläfer (hier im Bild) unterschiedet sich vor allem durch seine schwarze Gesichtsmaske vom Siebenschläfer. [Foto: AdobeStock_Martin Grimm]

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal: Die zu den Bilchen gehörenden Gartenschläfer ernähren sich bevorzugt von tierischer Kost. So befinden sich vor allem Insekten, Schnecken, Frösche, Eidechsen und sogar kleine Mäuse auf ihrem Speiseplan. Trotzdem wird Obst nicht grundsätzlich verschmäht.

Was fressen Siebenschläfer?

Wenn Siebenschläfer Nahrung suchen, setzen sie im Gegensatz zu Gartenschläfern nicht vorrangig auf Tiere, sondern lieber auf frische Triebe, Knospen und Blätter. Auch alle möglichen Früchte, Nüsse und Baumfrüchte stehen auf dem Speiseplan eines Siebenschläfers, der so hauptsächlich aus pflanzlicher Nahrung besteht. Reine Vegetarier sind die etwas größeren Bilche aber nicht, denn sie fressen auch Insekten und gelegentlich junge Vögel oder Vogeleier.

Siebenschläfer haben den Ruf, sehr gefräßig zu sein – kein Wunder bei der langen Zeit, in der sie auf ihre Energiereserven angewiesen sind. Vor dem Winterschlaf fressen sie sich deshalb eine dicke Fettschicht an, von der sie in ihren kühlen, aber frostfreien Winterquartieren zehren können.

Die Nahrung im Sommer und im Herbst

Um sich die notwendigen Fettpolster für den Winter anzufressen, ernähren sie sich im Herbst darum vor allem von besonders fettreicher Nahrung wie Haselnüssen, Eicheln, Bucheckern und anderen Samen. Im Sommer vertilgen sie dagegen gerne Früchte und knabbern auch an Knospen und an Pflanzentrieben. Da sie vor allem Süßes mögen, vertilgen sie zuerst die besonders reifen Früchte.

So überwintern die Tierchen

Eine Besonderheit des Siebenschläfers ist sein langer Winterschlaf. Er dauert mindestens sieben Monate und hat vermutlich zu seinem deutschen Namen geführt. Die Tiere schlafen allerdings auch länger, meistens von September bis in den April hinein oder gar bis Anfang Mai. Erst wenn es draußen warm genug ist und das Nahrungsangebot wieder stimmt, verlassen sie ihr Winterquartier.

Siebenschläfer hält eingerollt Winterschlaf [Foto: AdobeStock_PIXATERRA]
Um möglichst wenig Wärme zu verlieren, verbringen Siebenschläfer den Winterschlaf dicht zusammengerollt. [Foto: AdobeStock_PIXATERRA]

Um Wärmeverluste zu verringern, nimmt der Siebenschläfer im Schlaf eine möglichst kugelförmige Körperhaltung ein. Das sieht nicht nur ausgesprochen niedlich aus, sondern minimiert auch die Oberfläche, über die Wärme verloren gehen kann. So hat der Siebenschläfer es wohlig warm und läuft nicht Gefahr zu erfrieren.

Die Tiere sind während des Winterschlafs zudem in der Lage, ihren Sauerstoffverbrauch deutlich zu reduzieren, indem sie die Herzschlagfrequenz verringern. Dadurch können sie in selbstgegrabenen Erdhöhlen überwintern, die sich in 30 bis 100 Zentimeter Tiefe befinden.

Da sie Kulturfolger sind, überwintern Siebenschläfer auch in der Nähe von Menschen, zum Beispiel in Carports oder in Gebäuden wie Garagen und Schuppen. Der sogenannte Siebenschläfertag hat allerdings nichts mit den schläfrigen Tierchen zu tun.

Der Siebenschläfertag

Verschiedenen Bauernregeln zufolge bestimmt das Wetter, das am 27. Juni, dem Siebenschläfertag, vorherrscht, auch die Wetterlage für die folgenden sieben Wochen. So heißt es beispielsweise: “Das Wetter am Siebenschläfertag noch sieben Wochen bleiben mag“. Mit der Bauernregel “Ist der Siebenschläfer nass, regnet’s ohne Unterlass“ wird eher schlechtes Wetter prognostiziert.

Der Siebenschläfertag hat jedoch nichts mit dem Siebenschläfer zu tun, sondern mit sieben verfolgten, jungen Christen, den sieben Schläfern von Ephesus. Sie wurden um 250 nach Christus in einer Höhle entdeckt und von ihren Verfolgern lebendig in der Höhle eingemauert. Der Legende nach starben sie nicht, sondern schliefen fast 200 Jahre lang. Sie wachten an einem 27. Juni auf, als sie zufällig entdeckt wurden. Durch eine Kalenderreform im Jahr 1582 müsste der Siebenschläfertag eigentlich auf den 7. Juli fallen.

Siebenschläfer im Garten

In erster Linie ist der Siebenschläfer aber in Laubwäldern oder in Gärten unterwegs, die ihm Nahrung bieten. Dort findet er insbesondere Beeren und anderes Obst sowie Nüsse. Auch Unterschlupf sowohl für den Winterschlaf als auch für den Schlaf tagsüber finden sie in Gärten oder Wäldern. Höhlen in alten Bäumen, Nistkästen, Geräteschuppen und andere Verstecke im Garten oder sogar in Gebäuden bieten ihm Rückzugsmöglichkeiten für den Tagesschlaf.

Wer dem Siebenschläfer oder anderen heimischen Tieren mit einem naturnahen Garten Gutes tun möchte, sollte nicht zu sehr aufräumen. Stattdessen kann man sogar Laubhaufen oder kleine, etwas verwilderte Ecken zulassen. Eine große Pflanzenvielfalt und lockere, nicht zu akkurat geschnittene oder sogar freiwachsende Hecken sind weitere Möglichkeiten, einen Garten tierfreundlicher zu gestalten.

Hat der Siebenschläfer Feinde?

Die Antwort ist Ja. Der Siebenschläfer hat Fressfeinde wie Greifvögel und kleine Raubtiere, denen er als Nahrung dient. Dazu zählen beispielsweise der Baummarder (Martes martes), der Waldkauz (Strix aluco), der Uhu (Bubo bubo), das Hermelin (Mustela erminea) und die Haus- bzw. Wildkatze (Felis silvestris). So müssen die kleinen Tierchen sich sowohl in Wäldern als auch in Gärten vorsehen, damit sie nicht auf dem Speiseplan ihrer natürlichen Feinde landen.

Ein Uhu im Baum. Als Fressfeind kann er dem Siebenschläfer gefährlich werden [Foto: AdobeStock_Monikasurzin]
Der Uhu ist ein natürlicher Fressfeind des Siebenschläfers. [Foto: AdobeStock_Monikasurzin]

Siebenschläfer im Haus

So putzig die kleinen Kerle auch aussehen, sie sind nicht überall erwünscht. Sie haben einen hohen Bewegungsdrang und können deshalb nachts viel störenden Lärm im Haus erzeugen, zum Beispiel wenn Siebenschläfer den Dachboden als Quartier ausgewählt haben. Weil sie außerdem Nagetiere sind, kann es vorkommen, dass sie in der Wand elektrische Leitungen oder Dämmmaterial annagen.

Siebenschläfer vertreiben

Der NABU empfiehlt, den kleinen Untermietern im besten Fall Unterschlupf zu gewähren. Die Tierchen zählen zwar nicht zu den gefährdeten Arten, dürfen aber nicht bekämpft werden und unterliegen dem besonderen Schutz der Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV). Für Ausnahmen muss man sich an die zuständigen Behörden für Naturschutz und Landschaftspflege wenden. Daher sollte von Maßnahmen, die ihnen Schaden zufügen können, unbedingt abgeraten werden.

Doch wie geht man vor, wenn Siebenschläfer zu störenden und unerwünschten Mitbewohnern geworden sind? Gibt es trotzdem Möglichkeiten, die kleinen Nager zu vertreiben – ganz ohne ihnen gefährlich zu werden? Ja, gibt es! Da sie einen sehr sensiblen Geruchsinn haben, lassen sie sich zum Beispiel mit intensiv duftenden Mitteln vergrämen: Räucherstäbchen oder spezielle Geruchsmittel aus dem Handel können helfen. Außerdem befinden sich unter dem Pelz der Tierchen geräuschempfindliche Seelen, die sich gut von zu lauter Musik in die Flucht schlagen lassen. Auch spezielle Marderschutzgeräte für Autos können Abhilfe schaffen.

Sind Siebenschläfer gefährlich?

Siebenschläfer sind nicht gefährlich. Verirren sie sich in großen Gruppen in den Garten oder unsere Häuser, können sie aber schnell stören, da sie nachts ganz schön viel Lärm machen. Wie bei allen anderen Nagetieren besteht auch bei den flauschigen Siebenschläfern die Möglichkeit, dass sie beißen. Das tun sie zwar so gut wie nie, aber wenn man versucht, einen Siebenschläfer in die Hand zu nehmen oder anzufassen, verteidigen sie sich.

Siebenschläfer sind schon spannende Tierchen, von denen wir Ihnen hier hoffentlich so einiges erzählen konnten. Doch es gibt noch viele andere Gartenbewohner, die Sie kennenlernen sollten: zum Beispiel die Laufkäfer.

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