Um Energiereserven für den Winter aufzubauen, sind Siebenschläfer auf besonders fettreiche Nahrung wie Haselnüsse, Bucheckern und Eicheln angewiesen. Foto: AdobeStock_PIXATERRA

Siebenschläfer – kleiner Nager mit großem Appetit

Der Siebenschläfer ist ein nachtaktives Nagetier mit außergewöhnlichen und überraschenden Fähigkeiten. Er erinnert von der Gestalt her an eine zu groß geratene Maus oder an ein sehr kleines, graues Eichhörnchen, allerdings mit einem nicht so buschigen Schwanz.

Die Haare auf dem Rücken des Siebenschläfers sind grau, am Bauch heller gefärbt. Er ist ein sehr talentierter Kletterer und kann sehr gut an Bäumen und sogar an Wänden hochklettern – kein Wunder, dass er auch manchmal auf Dachböden entdeckt wird.

Der Siebenschläfer im Porträt

Nahaufnahme eines Siebenschläfers
Lange Tasthaare und große Ohren helfen dem Siebenschläfer, sich nachts zurechtzufinden. Foto: AdobeStock_bennytrapp

Der Siebenschläfer (Glis glis) hat große schwarze Knopfaugen, die von einem schmalen, die Augen betonenden dunklen Ring umgeben sind. Außerdem hat er verhältnismäßig große, rundliche Ohren, die sehr beweglich sind, und lange Tasthaare. So ist er hervorragend ausgestattet, um in der Dämmerung und nachts auf Futtersuche zu gehen.

Der Siebenschläfer gehört zur Familie der Bilche, zu der auch die Haselmaus sowie der Gartenschläfer und der Baumschläfer gehören. Siebenschläfer lieben warme Temperaturen und sind darum vor allem in Süd- und Mitteleuropa verbreitet. Sie fühlen sich in Laub- und Mischwäldern wohl, bevorzugt in Buchenwäldern, in denen sie zudem vor ihrem Winterschlaf fettreiche Nahrung finden.

So überwintert der Siebenschläfer

Zusammengerollter Siebenschläfer während des Winterschlafes in gepolstertem Nest
Um möglichst wenig Wärme zu verlieren, verbringen Siebenschläfer den Winterschlaf dicht zusammengerollt. Foto: AdobeStock_PIXATERRA

Eine Besonderheit des Siebenschläfers ist sein langer Winterschlaf. Er dauert mindestens sieben Monate und hat vermutlich zu seinem deutschen Namen geführt. Die Tiere schlafen allerdings auch länger, meistens von September, bis April oder Anfang Mai.

Der kleine Nager wird häufig mit einer Bauernregel zum Siebenschläfertag in Verbindung gebracht. Doch der Name dieses Tages hat einen anderen Ursprung.

Um Wärmeverluste zu verringern, nimmt der Siebenschläfer in seinem Winterquartier eine möglichst kugelförmige Körperhaltung ein. Dies minimiert die Oberfläche, über die Wärme verloren gehen kann.

Siebenschläfer haben den Ruf, sehr gefräßig zu sein – kein Wunder bei der langen Zeit, in der sie auf ihre Energiereserven angewiesen sind. Vor dem Winterschlaf fressen sie sich deshalb eine Fettschicht an, von der sie in ihren kühlen, aber frostfreien Winterquartieren zehren.

Das Herz schlägt weniger

Die Tiere sind in der Lage, ihren Sauerstoffverbrauch deutlich zu reduzieren, indem sie die Herzschlagfrequenz verringern. Dadurch können sie in selbstgegrabenen Erdhöhlen überwintern, die sich in 30 bis 100 Zentimeter Tiefe befinden können.

Die Tiere gelten als Kulturfolger. Sie überwintern auch in der Nähe von Menschen, zum Beispiel in Carports oder in Gebäuden wie Garagen und Schuppen.

Der Siebenschläfertag

Verschiedenen Bauernregeln zufolge bestimmt das Wetter, das am 27. Juni, dem Siebenschläfertag, vorherrscht, auch die Wetterlage für die folgenden sieben Wochen. Der Siebenschläfertag hat jedoch nicht mit dem Siebenschläfer zu tun, sondern mit sieben verfolgten jungen Christen, den sieben Schläfern von Ephesus. Sie wurden um 250 nach Christus in einer Höhle entdeckt und von ihren Verfolgern lebendig in der Höhle eingemauert.

Der Legende nach starben sie nicht, sondern schliefen fast 200 Jahre lang. Sie wachten an einem 27. Juni auf, als sie zufällig entdeckt wurden. Durch eine Kalenderreform im Jahr 1582 müsste der Siebenschläfertag eigentlich auf den 7. Juli fallen.

Siebenschläfer im Haus

Siebenschläfer kletter auf einem Baumstamm
Siebenschläfer können sehr gut klettern. Foto: AdobeStock_Robin

Der Siebenschläfer ist nicht nur gerne in Laubwäldern unterwegs, sondern auch in Gärten, die ihm Nahrung bieten, insbesondere Beeren und anderes Obst sowie Nüsse. Auch Unterschlupf sowohl für den Winterschlaf als auch für den Schlaf tagsüber finden sie in Gärten. Höhlen in alten Bäumen, Nistkästen, Geräteschuppen und andere Verstecke im Garten oder in Gebäuden bieten ihm Rückzugsmöglichkeiten für den Tagesschlaf.

So putzig die kleinen Kerle auch aussehen, sie sind nicht überall erwünscht. Sie haben einen hohen Bewegungsdrang und können deshalb nachts viel störenden Lärm im Haus erzeugen, wenn sie einen Dachboden als Quartier ausgewählt haben. Weil Siebenschläfer Nagetiere sind, kann es auch vorkommen, dass sie elektrische Leitungen oder Dämmmaterial annagen.

Die Siebenschläfer stehen unter Schutz. Da sie einen sehr sensiblen Geruchssinn haben, lassen sie sich jedoch zum Beispiel mit intensiv duftenden Mitteln vergrämen.

Siebenschläfer im Garten

Siebenschläfer auf einem Ast mit vielen Beeren
Beerentragende Gehölze sind eine wichtige Nahrungsquelle für Siebenschläfer. Foto: AdobeStock_PIXATERRA

Siebenschläfer müssen sich ausreichend Fettpolster für den Winter anfressen, sowohl als Energiereserve wie auch als Isolierschicht. Sie ernähren sich deshalb im Herbst vor allem von besonders fettreicher Nahrung wie Haselnüssen, Eicheln, Bucheckern und anderen Samen. Im Sommer vertilgen sie dagegen gerne Früchte und knabbern auch an Knospen und an Pflanzentrieben.

Die Tiere mögen Süßes und vertilgen zuerst die besonders reifen Früchte. Die kleinen Nager sind jedoch keinen reinen Vegetarier, denn sie fressen auch Insekten und gelegentlich junge Vögel oder Vogeleier. Umgekehrt sind die Siebenschläfer auch Nahrung für Greifvögel und kleine Raubtiere. 

Von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild, jetzt Deutsche Wildtier Stiftung, wurde der Siebenschläfer zum „Tier des Jahres 2004“ gewählt. Wer dem Siebenschläfer oder anderen heimischen Tieren Gutes tun möchte, sollte den Garten nicht zu sehr aufräumen. Stattdessen kann man sogar Laubhaufen oder kleine, etwas verwilderte Ecken zulassen. Eine große Pflanzenvielfalt und lockere, nicht zu akkurat geschnittene oder sogar freiwachsende Hecken sind weitere Möglichkeiten, einen Garten tierfreundlicher zu gestalten.

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