Eine Gartenhummel saugt Nektar aus einer Blüte. [Foto: AdobeStock_HPE]

Voraussichtliche Lesedauer:  5 Minuten

Gartenhummel: Langstreckenflieger mit Super-Skills

Noch steht sie nicht auf der Roten Liste, doch auch der Bestand der Gartenhummel ist in Deutschland rückläufig. Dabei gilt sie als eine der wichtigsten Bestäuber im Garten und ist auch bei der Wahl ihrer Nahrungsquellen flexibel. Mit den richtigen Pflanzen im Garten oder auf dem Balkon lässt sich die Gartenhummel gut unterstützen.

Gartenhummel: Steckbrief einer besonderen Art

Die Königin eines Gartenhummelstaates erreicht eine Länge zwischen 17 bis 22 Millimeter. Anfang März erwachen die Königinnen aus ihrer Winterstarre und machen sich auf die Suche nach einem geeigneten Gartenhummel-Nest. Bis Ende April sind sie meist fündig geworden, wobei als Nistplatz verschiedenste Orte in Frage kommen wie etwa:

  • Mauselöcher
  • Vogelnester
  • Scheunendecken
  • Dachböden
  • Fußböden

Grundsätzlich nistet die Gartenhummel (Bombus Hortorum) am liebsten unterirdisch. Nicht selten kommt es vor, dass die Königin sogar in ihr Mutternest zurückkehrt und dort ein neues Volk aufbaut. Als erstes schlüpfen im neuen Nest die Arbeiterinnen, Ende Juni dann die Männchen (auch Drohnen genannt), gefolgt von den neuen Jungköniginnen. Etwa 120 Arbeiterinnen leben in einem Staat zusammen. Kleinere Völker mit gerade mal 50 Arbeiterinnen sind jedoch auch nicht ungewöhnlich.

Gartenhummel: Lebensdauer bei diesen Bestäubern ist gering

Ein langes Leben haben Gartenhummeln nicht. Gerade Arbeiterinnen und Drohnen leben nur ein paar Monate im Sommer. Mit Hummelköniginnen ist es etwas anders: Sie überwintern im Boden und werden deswegen etwa ein Jahr alt.

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Ein reich gefüllter Speiseplan

Gartenhummeln bringen gegenüber Honigbienen oder Erdhummeln ganz eigene Merkmale mit sich, die sie von anderen Hummeln deutlich unterscheiden. So sind sie beispielsweise breit aufgestellt, wenn es um die Nahrungssuche geht. Sie sind laut dem Naturschutzbund Deutschland nicht auf wenige Blumen spezialisiert, sondern ernähren sich vom Nektar und den Pollen einer ganzen Bandbreite an Pflanzen.

Wer der Gartenhummel etwas Gutes tun möchte, sollte beispielsweise folgende Pflanzen im Garten oder auf dem Balkon wachsen lassen:

Das sind nur einige Beispiele für Pflanzen, an deren Nektar und Pollen der Blüten sich die Gartenhummeln gerne bedient. Das Insekt wurde schon an 215 Wildpflanzenarten beobachtet und fliegt wahrscheinlich noch mehr an.

Der lange Rüssel hilft beim Nektarsammeln

Im Gegensatz zu beispielsweise Honigbienen haben Gartenhummeln vorne einen langen Rüssel. Und dieser Rüssel bringt gerade bei der Nahrungssuche einen entscheidenden Vorteil mit sich: Gartenhummeln erreichen damit nämlich auch Nektar und Pollen in länglichen Blütenkelchen, die für andere Hummel- und Bienenarten unerreichbar sind. Bis zu zwei Zentimeter tief können Nektar und Pollen versteckt sein – die Gartenhummel saugt sie trotzdem heraus.

Die Gartenhummel sorgt für eine reiche Bestäubung

Forschende haben sich mit der Gartenhummel und ihrer Funktion im Ökosystem auseinandergesetzt und dabei festgestellt, dass das Insekt eine ganz besondere Rolle bei der Bestäubung von Pflanzen spielt. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen von der Universität Göttingen halten in einer Studie fest, dass die Gartenhummel beispielsweise für den Fortbestand der Ackerbohne ganz entscheidend ist. Honigbiene und Erdhummel flogen die Pflanze im Untersuchungszeitraum zwar öfter an, die Gartenhummel als Wildbiene war aber häufiger für eine erfolgreiche Fremdbestäubung verantwortlich.

Erdhummel oder Gartenhummel?

Ob Gärtnerinnen und Gärtner eine Erdhummel oder eine Gartenhummel vor sich haben, lässt sich an einigen Punkten abklären. Der wohl auffälligste Unterschied zwischen den beiden Arten ist der lange Saugrüssel der Gartenhummel. Die Erdhummel gehört hingegen zu den Kurzrüsslern. Gemeinsam haben die beiden das weißlich gefärbte Hinterteil und gelbe Querbinden. Die Gartenhummel trägt aber im Gegensatz zur Erdhummel drei statt nur zwei dieser gelben Streifen auf ihrem Körper. Der Unterschied Gartenhummel-Erdhummel ist also an diesen zwei Merkmalen besonders gut erkennbar.

Eine Erdhummel auf einer Blüte.
Zum Vergleich: Eine Erdhummel trägt nur zwei der charakteristischen gelben Querstreifen. [Foto: AdobeStock_Julia Hermann]

Gartentier des Jahres 2023

In diesem Jahr konnte die Gartenhummel sogar eine Auszeichnung gewinnen. Der jährliche Titel „Gartentier des Jahres“ der Heinz-Sielmann-Stiftung ging 2023 an sie. Wer den ersten Platz belegen sollte, wählten 10.933 abgegebene Stimmen aus dem Publikum. Und die entschieden sich klar für die Gartenhummel: Sie landete mit 40,4 Prozent aller Stimmen auf dem ersten Platz. Auf dem zweiten Platz folgte der Regenwurm.

Der Gartenhummel wird dieser Preis herzlich egal sein, die Menschen wird er hoffentlich mehr für diese faszinierenden Lebewesen sensibilisieren und sie anspornen, bei der Gartengestaltung noch mehr auf hummelfreundliche Pflanzen zu achten.

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