Waldmeister Foto: AdobeStock_sailer

Waldmeister – Wildpflanze und Gartenstaude

Der Waldmeister ist vor allem als Heilpflanze und wegen seiner Verwendung für die Maibowle und die Berliner Weiße bekannt. Er ist in erster Linie in Buchenwäldern zu finden. Die kleine Duft- und Aromapflanze mit den zierlichen weißen Blütensternen ist jedoch auch eine hübsche Staude für den Garten.

Frisches Grün für schattige Standorte

Waldmeister säumt einen Weg unter Bäumen
Auf humusreichen Böden unter Bäumen fühlt sich der Waldmeister auch im Garten wohl. Foto: GartenFlora

Typisch für den Waldmeister sind die quirlständigen, schmalen Blätter an den vierkantigen Stielen. Das frische Grün der austreibenden Blätter trägt zum besonderen Charme der Pflanze im Frühling bei. Von oben betrachtet wirken sie durch ihre Anordnung wie sechs- bis achtstrahlige Sterne. Die Blütenstände mit den kleinen weißen sternförmigen Blüten stehen über den Blättern. Die Hauptblütezeit liegt im Mai, doch je nach Standort blüht der Waldmeister auch schon ab April oder bis in den Juni hinein.

Der Waldmeister wächst vor allem in Laubwäldern auf humusreichem Boden und bildet dort, wo er sich wohlfühlt, dichte grüne Teppiche. Hieraus ergibt sich auch der ideale Standort im Garten: Auf gut wasserdurchlässigem, humusreichem und mäßig feuchtem Boden an einem halbschattigen bis schattigen Standort.

Partner mit ähnlichen Ansprüchen sind Farne, Immergrün (Vinca), Buschwindröschen (Anemone nemorosa), Salomonssiegel (Polygonatum) und Lungenkraut (Pulmonaria). Der Waldmeister passt gut in naturnahe Gärten, Bauerngärten, Kräutergarten und Waldgärten.

Der Waldmeister erreicht eine Höhe von circa 20 bis 30 Zentimetern. Dank des kompakten Wuchses und des feinen, oberflächennahen Wurzelwerkes kann er auch in Balkonkästen und andere Gefäße gepflanzt werden und verschönert halbschattige bis schattige Bereiche auf dem Balkon.

Der Waldmeister und seine Verwendung

Waldmeister und andere Kräuter auf einem Tisch im Garten
Auch nach dem Ende der Blütezeit ist der Waldmeister interessant. Foto: GartenFlora

Bereits im Mittelalter wurde der Waldmeister, der auch unter den Namen Wohlriechendes Labkraut und Maikraut bekannt ist, als Arzneipflanze genutzt. Der Aromastoff Cumarin ist – in geringer Dosierung – für die Heilwirkung verantwortlich. In hoher Konzentration darf er nicht verwendet werden, weil er dann unter anderem Kopfschmerzen und Übelkeit verursachen kann.

In geringen Mengen eingesetzt, hat er viele positive Wirkungen: Er beruhigt, regt den Stoffwechsel an, ist schmerzstillend und soll die Nerven stärken. Als Tee wird er auch als gutes Mittel gegen Schlaflosigkeit empfohlen.

So entsteht der charakteristische Waldmeister-Duft

Das Cumarin entsteht beim Trocknen der grünen Pflanzenteile: Die im Waldmeister enthaltenen Cumaringlykoside zerfallen beim Trocknungsprozess und es entsteht der für das Aroma und für den typischen Waldmeisterduft verantwortliche Stoff Cumarin.

Der Waldmeister und seine Namen

Waldmeister mit Blüten
Die Blätter des Waldmeisters stehen in interessanten Quirlen. Foto: GartenFlora

Die vielen positiven Wirkungen könnten zu seinem deutschen Namen Waldmeister geführt haben – mit einer Bedeutung im Sinne von “eine Pflanze aus dem Wald mit meisterlicher Heilkraft. Die Pflanze wird jedoch schon so lange vom Menschen genutzt, dass dieser deutsche Name wahrscheinlich nicht die ursprüngliche Bezeichnung war.

Aufzeichnungen zur Verwendung dieser Pflanze sind schon aus dem 9. Jahrhundert bekannt, als Mönche aus gesundheitlichen Gründen – als Frühjahrskur – einen mit Waldmeister hergestellten Maiwein tranken.

Eine andere Eigenschaft spiegelt sich definitiv im lateinischen Namen wider: Einen Hinweis auf den typischen Waldmeisterduft bietet der botanische Namen Galium odoratum. Der aus dem Lateinischen stammende Begriff odoratum bedeutend duftend und bezieht sich auf den charakteristischen Geruch, der beim Trocknen der Blätter auftritt.

Aroma und Duft nutzen

Waldmeister-Aroma wird auf vielfältige Weise genutzt, unter anderem für Brausepulver, Limonade, Eis, Wackelpudding. Likör und natürlich für die Maibowle. Wer den Echten Waldmeister auch später im Jahr als Geschmacksgeber für Getränke und Süßspeisen nutzen möchte, kann aus ihm einen aromatischen Sirup herstellen.

Auch als Duftpflanze hat der Waldmeister seine Stärken. In den Kleiderschrank gehängt, lässt ein Bündel Waldmeister die Wäsche frisch duften. Er eignet sich auch für Duftsäckchen, die ähnlich wie getrockneter Lavendel zwischen die Kleidung gelegt werden.

Den Waldmeister ernten – wann und wie

Gläser mit Waldmeisterbowle und Erdbereen
Selbstgemacht und lecker: Waldmeisterbowle mit Erdbereen. Foto: GartenFlora

Während der Blütezeit steigt der Cumaringehalt in der Pflanze stark an. Deshalb sollte kurz vor der Blüte geerntet werden, spätestens zu Beginn der Blütezeit. Die Stängel werden bei der Ernte nicht rausgerissen, sondern kurz über dem Boden abgeschnitten, damit die Wurzeln intakt bleiben. Damit sich das für den Waldmeister typische Aroma entwickeln kant, wird er im welken Zustand verwendet. Die Ernte erfolgt am besten einen Tag vor der Verwendung, um ihm die Möglichkeit zu geben, über Nacht etwas zu trocknen.

Vermehrung

Der Waldmeister kann sowohl durch Aussaat als auch durch Teilung vermehrt werden. Das Teilen der Wurzeln beziehungsweise Ausläufer ist erfolgversprechender als die Vermehrung durch Samen.

Kaltkeimer

Beim Aussäen muss berücksichtigt werden, dass diese Pflanze ein Frost- beziehungsweise Kaltkeimer ist: Niedrige Wintertemperaturen müssen über einen längeren Zeitraum auf die Samen einwirken. Weil die Samen erst nach diesem Kältereiz keimen, ist es am besten, sie im Herbst auszusäen.

Die Pflanze kann sich auch gut aus eigener Kraft im Garten ausbreiten, wenn ihr die Boden- und Lichtverhältnisse zusagen. Dann bildet der Waldmeister Ausläufer und entwickelt sich zu einem schönen Bodendecker.

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