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Waldmeister:Wildpflanze und Gartenstaude

Waldmeister (Galium odoratum) ist bei uns in erster Linie in Buchenwäldern zu finden. Bestimmt kennen Sie das süß-aromatische Würzkraut bereits aus Zubereitungen wie der beliebten Maibowle oder Wackelpudding. Doch die aromatische Pflanze eignet sich auch als hübsche Staude für den Garten oder den Balkon. Dort weiß sie mit ihrem kompakten Wuchs und ihrem Talent als Bodendecker nämlich ebenfalls mit ihrem Charme zu überzeugen. Worauf Sie bei der Pflege und Pflanzung achten sollten, erklären wir Ihnen hier.

Waldmeister – voraussichtliche Lesedauer: 6 Minuten

Wie der Waldmeister zu seinen Namen kam

Waldmeister beeindruckt mit vielerlei positiven Wirkungen. Zudem findet er sich in unseren Wäldern. Gründe, die ihm sehr wahrscheinlich zu seinem deutschen Namen verholfen haben könnten, denn bei der blassgrünen Staude handelt es sich um eine Waldpflanze mit meisterlicher Heilkraft. Schon lange wissen wir von seinem Nutzen, was sicherlich auch dazu führte, dass ihm viele weitere Bezeichnungen gegeben wurden: Wohlriechendes Labkraut zum Beispiel oder Trivialnamen wie Mäserich, Maikraut oder Waldmännchen beschreiben das Würzkraut.

Der lateinische Name Galium odoratum spiegelt außerdem seinen charakteristischen Waldmeisterduft wider. Der Begriff „odoratum“ meint nämlich duftend und bezieht sich damit auf den leckeren Geruch, der sich nach dem Trocknen der grünen Pflanzenteile entwickelt.

Lange Tradition

Aufzeichnungen zur Verwendung von Waldmeister sind schon aus dem 9. Jahrhundert bekannt, als Mönche aus gesundheitlichen Gründen – als eine Art Frühjahrskur – einen mit Waldmeister hergestellten Maiwein tranken.

Wuchs und Aussehen des Waldmeisters

Galium odoratum erreicht eine Höhe von etwa 20 bis 30 Zentimetern. Dank seines kompakten Wuchses und des feinen, oberflächennahen Wurzelwerkes kann man ihn auch in Balkonkästen und andere Gefäße pflanzen, so verschönert er zum Beispiel halbschattige bis schattige Bereiche auf dem Balkon oder der Terrasse.

Waldmeister Foto: AdobeStock_Die Stadtgärtner
Ist ein halbschattiger oder schattiger Platz vorhanden, sieht Waldmeister auch in Balkonkästen hübsch aus. Foto: AdobeStock_Die Stadtgärtner

Frisches Grün für schattige Standorte

Typisch für den Waldmeister sind seine quirlständigen, schmalen Blätter an den vierkantigen Stielen. Das frische Grün der austreibenden Blätter trägt auch im Frühling zum besonderen Charme der Pflanze bei. Von oben betrachtet wirken sie durch ihre Anordnung wie sechs- bis achtstrahlige Sterne. Über den Blättern stehen die ebenfalls sternförmigen weißen Blütenstände. Seine Hauptblütezeit liegt im Mai, doch je nach Standort blüht der Waldmeister auch schon mal ab April oder bis in den Juni hinein.

Waldmeister wächst vor allem in Laubwäldern auf humusreichem Boden und bildet dort, wo er sich wohlfühlt, dichte grüne Teppiche. Hieraus ergibt sich auch der ideale Standort im Garten: ein nährstoffreicher und wasserdurchlässiger Boden, mäßig feucht sowie halbschattig bis schattig.

Blühende Wildpflanzen Foto: AdobeStock_Lynda
Mit Waldmeister, Farn und Kaukasusvergissmeinnicht lassen sich märchenhafte Waldpflanzungen kreieren. Foto: AdobeStock_Lynda

Passende Pflanzpartner

Partner mit ähnlichen Ansprüchen sind Farne, Immergrün (Vinca), Salomonssiegel (Polygonatum), Buschwindröschen (Anemone nemorosa), Kaukasusvergissmeinnicht (Brunnera macrophylla) und Lungenkraut (Pulmonaria). Der Waldmeister passt gut in naturnahe Gärten, Bauerngärten, Kräutergarten und Waldgärten.

Waldmeister überwintern

Da wild wachsender Waldmeister den Winter in den Wäldern Mitteleuropas gut übersteht, ist er auch im Garten nicht besonders frostgefährdet. Allerdings bestehen natürlich je nach Region Unterschiede. In raueren Lagen kann ein Winterschutz daher sinnvoll sein. Dabei ist es vor allem wichtig, den Wurzelstock zu schützen. Mit etwas trockenem Laub, Reisig oder Stroh können Sie den Gartenboden bedecken. Das organische Material muss nicht wieder entfernt werden, denn es wird mit der Zeit zersetzt und verbessert so auch den Boden.

Topfpflanzen sind prinzipiell noch etwas empfindlicher, da die meisten Pflanzgefäße der Kälte nicht trotzen können und die Wurzeln so exponierter sind. Platzieren Sie eingetopfte Waldmeisterpflanzen im Winter daher an einem möglichst geschützten Ort. Zusätzlich empfiehlt sich das Einwickeln der Kübel mit Jute, Luftpolsterfolie oder ähnlichem kältedämmendem Material.

Vermehrung

Waldmeister-GFRübensaat
Die Blätter des Waldmeisters stehen in Quirlen. Foto: © GartenFlora/Sabine Rübensaat

Waldmeister kann sowohl durch Aussaat als auch über Teilung vermehrt werden. Das Teilen der Wurzelausläufer ist allerdings deutlich erfolgversprechender als die Vermehrung durch Samen. Die Pflanzen können sich auch gut aus eigener Kraft im Garten ausbreiten, wenn ihnen die Boden- und Lichtverhältnisse zusagen. Dann bilden sie meist mehrere Ausläufer und entwickeln sich auf diese Weise zu einem schönen Bodendecker.

Beim Aussäen muss berücksichtigt werden, dass Waldmeister ein Frost- bzw. Kaltkeimer ist. Niedrige Wintertemperaturen sollten darum über einen längeren Zeitraum auf die Samen einwirken. Weil die Samen erst nach diesem Kältereiz keimen, ist es am besten, sie im Herbst auszusäen.

Der Waldmeister und seine Verwendung

Bereits im Mittelalter wurde der Waldmeister, der auch unter den Namen „Wohlriechendes Labkraut“ und „Maikraut“ bekannt ist, als Arzneipflanze genutzt. Der Aromastoff Cumarin ist für die Heilwirkung verantwortlich. Er entsteht beim Trocknen der grünen Pflanzenteile. Die im Waldmeister enthaltenen Cumaringlykoside zerfallen beim Trocknungsprozess und der für den typischen Waldmeisterduft verantwortliche Stoff Cumarin entsteht.

Cumarin kann beruhigend wirken, regt den Stoffwechsel an, ist schmerzstillend und soll die Nerven stärken. Als Tee wird Waldmeister daher auch als gutes Mittel gegen Schlaflosigkeit empfohlen.

Sekundärer Pflanzenstoff Cumarin: Vorsicht mit der Dosierung

In hoher Konzentration darf Cumarin nicht verwendet werden, weil der Stoff unter anderem Kopfschmerzen und Übelkeit verursacht. In geringen Mengen eingesetzt kann er jedoch viele positive Wirkungen haben.

Aroma und Duft nutzen

Waldmeister-Aroma wird auf vielfältige Weise genutzt, unter anderem für Brausepulver, Limonade, Eis, Wackelpudding, Likör und natürlich für die Maibowle. Wer den Echten Waldmeister auch später im Jahr als Geschmacksgeber für Getränke und Süßspeisen nutzen möchte, kann aus ihm einen aromatischen Sirup herstellen.

Aber auch als Duftpflanze hat der Waldmeister seine Stärken. In den Kleiderschrank gehängt, lässt ein Bündel die Wäsche frisch duften. Er eignet sich auch für Duftsäckchen, die man beispielsweise ähnlich wie getrockneten Lavendel zwischen die Kleidung legen kann.

Waldmeister Foto: AdobeStock_eflstudioart
Um Waldmeister zu ernten, schneidet man die Stängel kurz über dem Boden ab – so bleiben die Wurzeln intakt. Foto: AdobeStock_eflstudioart

Wann und wie lässt sich Waldmeister ernten?

Während der Blütezeit steigt der Cumaringehalt in der Pflanze stark an. Deshalb sollten Sie kurz vor der Blüte, spätestens aber zu Beginn der Blütezeit ernten. Damit sich das für den Waldmeister typische Aroma entwickeln kann, wird er erst im welken Zustand verwendet. Die Ernte erfolgt zudem am besten einen Tag vor der Verwendung, damit man ihm die Möglichkeit zu geben, über Nacht etwas anzutrocknen.

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