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Lavendel schneiden: Am besten zweimal im Jahr

Er blüht in vielen Gärten und verbreitet dort seinen lieblichen Duft: der echte Lavendel – Lavandula angustifolia. Mit seinen typischen, violett gefärbten Blüten ist er nicht nur schön anzusehen, sondern findet mitunter auch als Heilpflanze Verwendung. Mindestens ein-, am besten zweimal im Jahr sollten Sie Ihren Lavendel schneiden. Wann Sie schneiden sollten und wie das funktioniert, können Sie hier nachlesen.

Was bewirkt der Rückschnitt?

Die meisten Lavendelsorten sind mehrjährig, sodass man lange Freude an den duftenden Pflanzen hat. Wenn Sie Lavendel schneiden, erhalten Sie einen kompakten, formschönen Wuchs. Wichtig ist neben dem richtigen Zeitpunkt auch das Alter und der Zustand der Pflanze.

Regelmäßiges Schneiden führt zu kompaktem Wuchs. Foto: AdobeStock_Scott Griessel

Lavendel gehört zu den Halbsträuchern, weshalb er von Natur aus verholzt. Das bedeutet, die Pflanzen bilden mit der Zeit dickere Stämme, welche weder Blätter noch Triebe tragen. Dieses Phänomen wird auch als Verkahlung bezeichnet. Lässt man die Pflanzen über Jahre ungekürzt wachsen, legen sie sich aufgrund ihres Gewichts auf die Seite und verlieren so viel von ihrer Schönheit. Durch regelmäßigen Rückschnitt bildet der Lavendel neue Triebe am Fuße der Pflanze und verholzt deutlich langsamer. Zudem verzweigt er wesentlich besser und wächst dichter.

Wann Lavendel schneiden?

Der Termin für den Frühjahrsschnitt will gut kalkuliert sein. Ende Februar ist ein guter Anhaltspunkt. Allerdings sollten keine langanhaltenden Frostperioden mehr zu erwarten sein. Frisch beschnittene Pflanzen sind frostempfindlicher, wodurch oft Kälteschäden entstehen. Gleichzeitig wird besser noch vor dem Neuaustrieb der Pflanze geschnitten. Denn wenn Sie den frischen Austrieb entfernen, bremsen Sie den Lavendel in seinem ersten Wachstumsschub. Falls Sie den Zeitpunkt einmal verpassen, holen Sie den Schnitt nicht später nach, sondern warten Sie einfach bis zum Spätsommer.

Lavendel schneiden Foto: AdobeStock_Christian Gernert
Wenn der Großteil der winzigen Blüten braun ist, können Sie den Sommerschnitt ansetzen. Foto: AdobeStock_Christian Gernert

Denn im Spätsommer erfolgt ohnehin der zweite Rückschnitt an Lavendelsträuchern. Der ideale Zeitpunkt ist gekommen, wenn die Blütezeit des Lavendels zu Ende geht. Unmittelbar nach dem Verblühen beginnt normalerweise die Samenbildung. Der rechtzeitige Schnitt bewirkt, dass die Pflanze ihre Kraft nicht in die Samen lenkt, sondern zu einer zweiten Blüte motiviert wird. Der Rückschnitt darf auf keinen Fall erst im Herbst erfolgen, weil die neuen Triebe ansonsten nicht rechtzeitig winterfest werden und später zu erfrieren drohen.

Wie Lavendel schneiden?

Im Frühjahr

Beim Rückschnitt im Frühjahr dürfen Sie großzügig vorgehen. Normalerweise können Sie die Lavendeltriebe um etwa die Hälfte oder bis zu zwei Drittel kürzen. Grundsätzlich gilt: Junge Pflanzen können Sie stärker stutzen als alte. Besitzt der Lavendel schon längere, holzige Zweige, ist eine zurückhaltende Vorgehensweise zu empfehlen. Orientieren Sie sich am Austrieb des Vorjahres und setzen Sie den Schnitt etwas oberhalb von diesem an. Der Schnittpunkt sollte „im Grünen“ liegen. Eine etwas abgerundete Form steht dem Lavendel besonders gut. Das heißt, dass die Ränder etwas kürzer geschnitten werden als die Triebe im Zentrum. Entfernen Sie außerdem abgestorbene Pflanzenteile mit einem sauberen Schnitt direkt am Ansatz.

Lavendel schneiden Foto: AdobeStock_blende11.photo
An den Schnittstellen bilden sich bald neue Verzweigungen. Foto: AdobeStock_blende11.photo

Setzt man die Schere zu tief im alten Holz an, besteht die Gefahr, dass die Pflanzen nicht mehr neu austreiben. Bei einem fachgerechten Schnitt sieht der Lavendel zumeist schon nach etwa einem Monat wieder aus wie neu. Und im kommenden Sommer zieren dann abermals unzählige Blütenähren den duftenden Halbstrauch.

Im Sommer

Im Spätsommer erfolgt der zweite Korrekturschnitt. Hierfür wird etwas weniger stark eingekürzt. Entfernen Sie dabei hauptsächlich die verwelkten Blütenstände. Damit regen Sie eine zweite Blühphase an. Sie können außerdem erneut einen kleinen Teil der Blatttriebe einkürzen. Das ist aber kein Muss.

Die Wahl des Werkzeugs

Für ältere Exemplare oder wenn viel dickes Totholz zu entfernen ist, sollte eine geschärfte Baum- oder Rosenschere zum Einsatz kommen. Bei den noch dünnen, beblätterten Lavendeltrieben bietet sich hingegen eine Heckenschere an. Damit lässt sich der Strauch gleichmäßig in die Form einer Halbkugel schneiden.

Verjüngungsschnitt für ältere Pflanzen

Einen bereits stark verholzten Lavendel zu verjüngen, kann für die Gesundheit des Halbstrauches, besonders bei sehr alten Exemplaren, riskant sein. Ein Verjüngungsschnitt kommt meist dann zum Einsatz, wenn eine Pflanze wieder mehr Verzweigungen bilden und neue Blühkraft erhalten soll. Ein Lavendel, der lange nicht geschnitten wurde, fällt meist unschön auseinander und hat im unteren Bereich nur wenige, dicke Triebe. Erfolg ist nicht garantiert, aber der Versuch kann sich lohnen. Schonender wird das Vorhaben, wenn Sie es über zwei Jahre verteilen.

Falls Sie einen älteren Lavendel schneiden möchten, empfiehlt es sich, das im Juli zu tun, wenn auch der gewöhnliche Sommerschnitt erfolgt. Dafür werden die ältesten Zweige einige Zentimeter über deren erster Gabelung eingekürzt. Anders als bei anderen Gehölzen sollten beim Lavendel keine Triebe bodennah abgeschnitten werden.

LUISA ROTH

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