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Schlehe, Schwarzdorn:Aromatisches Wildobst

Die heimische Schlehe, auch Schwarzdorn genannt, ist ein robustes, trockenheitsverträgliches Gehölz mit einem hohen ökologischen Wert. Sie wächst im Garten als dichte, wehrhafte Hecke heran, die vielen Vögeln Schutz und einen reich gedeckten Tisch bietet. Ihre Blüten sind zudem eine wertvolle Nektarquelle für zahlreiche Insekten. Auch als Nutz- und Heilpflanze hat der Strauch eine lange Tradition. Was hat das Wildobst noch zu bieten?

Schlehe – voraussichtliche Lesedauer: 8 Minuten

Wuchs und Aussehen der Schlehe

Eine Schlehe (Prunus spinosa) kann eine nahezu undurchdringliche Grenze bilden. Der Strauch aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) besitzt nämlich kräftige Hauptäste und Kurztriebe, die in spitzen Dornen enden – daher rühren auch die umgangssprachlichen Namen Dornstrauch oder Schlehdorn. Insgesamt zeigt die Schlehe eine sparrige, vielverzweigte Gestalt und einen breit ausladenden Wuchs. Sie wächst eher langsam und erreicht schließlich eine Höhe von bis zu fünf Metern. Im Garten hat die Art das Potenzial, lästig zu werden, da sie Wurzelausläufer bildet. Ihr Wurzelsystem ist dabei recht flach, es kann sich aber bis zu zehn Meter ausbreiten.

Blätter und Rinde

Die Blätter des sommergrünen Laubgehölzes sind bis zu vier Zentimeter lang, elliptisch und am Rand gesägt. Ihre dunkel- bis frischgrüne Farbe wandelt sich während der Herbstfärbung in ein eher unauffälliges Gelb.

Durch ihre Dornen ist die Schlehe ein hervorragendes Vogelschutzgehölz.
Durch ihre Dornen ist die Schlehe ein hervorragendes Vogelschutzgehölz. [Foto: iStock_Fotograf aus Leidenschaft]

Die Äste und Zweige der Schlehe erscheinen zunächst rötlich-grau, später wird die Rinde dunkelbraun bis schwarz. Aus diesem Grund wird sie auch häufig Schwarzdorn genannt.

Blüten und Früchte der Schlehe

Noch vor den Blättern erscheinen im zeitigen Frühjahr die fünfblättrigen, weißen Schlehenblüten, die einen feinen Mandelduft verströmen. Insekten werden von ihnen magisch angezogen. Kein Wunder: Die Blüten sind zu dieser Jahreszeit eine wichtige Nektarquelle – neben Bienen tummeln sich auf ihnen Hummeln, Schwebfliegen und viele Schmetterlinge.

Schlehenblüten haben einen besonderen Zierwert und locken viele Insekten an.
Schlehenblüten haben einen besonderen Zierwert und locken viele Insekten an. [Foto: AdobeStock_carmenrieb]

Ab Oktober zeigen sich die schwarzblauen, herb-sauren Steinfrüchte der Schlehen, die an kleine Pflaumen erinnern. Das kommt nicht von ungefähr: Prunus spinosa ist erwiesenermaßen eine der Elternarten der Hauspflaume.

Heilpflanze mit Tradition

Bereits die Gelehrten der Antike schrieben der Schlehe kräftigende Eigenschaften zu, und auch Hildegard von Bingen wusste um die Heilkraft der Schlehenfrüchte. Aufgrund des hohen Gerbstoffgehalts können diese zum Beispiel im Mund- und Rachenraum entzündungshemmend wirken. Ein Tee aus Schlehenblüten soll zudem vor Erkältungen schützen und verdauungsfördernd sein.

Sind Schlehen giftig?

Fruchtfleisch und Schalen der Schlehe sind nicht giftig und damit völlig unbedenklich. Lediglich bei den Fruchtkernen ist etwas Vorsicht geboten, denn sie enthalten den Stoff Amygdalin, der im Körper in giftige Blausäure umgewandelt wird. Allerdings ist dies weniger bedenklich als es zunächst klingen mag – auch viele andere Obstkerne enthalten diesen Stoff, selbst Äpfel. Dennoch sollten Sie auf einen Verzehr der Kerne verzichten.

Standortbedingungen und Pflanzung

Ein Schlehe liebt einen sonnigen und warmen Standort, an dem ihre Blüten und Früchte in großer Zahl erscheinen. Bei den Bodeneigenschaften ist der Strauch dann recht anpassungsfähig – auch in magerer Erde und bei Trockenheit bleibt er vital. Ideal ist jedoch ein nährstoffreicher, durchlässiger und kalkhaltiger Lehmboden.

Pflanzen Sie eine Schlehe am besten im Herbst. Lockern Sie hierfür den Boden tiefgründig und arbeiten Sie etwas Kompost ein. Beim Pflanzen in Einzelstellung beträgt der Pflanzabstand drei Meter. Wer die Wurzelausläufer fürchtet, kann rechtzeitig eine Wurzelsperre einsetzen – hierfür haben sich zum Beispiel Betonringe von 50 Zentimeter Tiefe bewährt. Bis zum Einwachsen werden die Jungpflanzen feucht gehalten, jedoch nicht nass, um ein Faulen der Wurzeln zu vermeiden.

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Schlehen pflegen und schneiden

Der winterharte Strauch erweist sich im Garten als pflegeleicht – eine Düngung und Bewässerung sind daher in der Regel nicht notwendig. Ist Ihr Garten groß genug, kann sogar der jährliche Schnitt entfallen. Wächst die Schlehe hingegen zu sehr in die Breite, werden ihre Wurzelausläufer einfach abgestochen oder ausgerissen.

Schlehe im Winter mit kahlen Ästen und blauen Früchten. Foto: AdobeStock_Guntar Feldmann
Die Früchte der Schlehe werden meist nach den ersten Frösten geerntet. [Foto: AdobeStock_Guntar Feldmann]

Steht die Ernte der Früchte im Vordergrund, sollten Sie das Gehölz alle drei Jahre nach der Blüte auslichten und verjüngen. Dabei schneiden Sie jeweils einige der ältesten Triebe heraus. So bleibt der Strauch vital und bietet Jahr für Jahr eine üppige Ausbeute.

Schlehenhecken – was ist zu beachten?

Weil die Schlehe so genügsam ist, eignet sie sich auch hervorragend zum Heranziehen einer Wildstrauchhecke. So sorgen Sie für zusätzlichen ökologischen Nutzen im Garten, statt auf typische Immergrüne wie Thuja oder Kirschlorbeer zurückzugreifen. Für eine akkurat getrimmte Hecke ist die Schlehe zwar weniger geeignet – dafür versprüht das wüchsige Gehölz einen natürlichen Charme. Auch in eine lockere, gemischte Blütenhecke können Sie die Schlehe integrieren, zum Beispiel zusammen mit anderen Wildgehölzen wie dem Weißdorn.

Blühende Schlehenhecke im Frühling. Foto: AdobeStock_Bildagentur-o
Blüten im Frühling, Fruchtschmuck ab Herbst – Schlehen sorgen für lebendige Wildhecken. [Foto: AdobeStock_Bildagentur-o]

Beim Pflanzen hält man einen Pflanzabstand von etwa zwei Metern zwischen den einzelnen Sträuchern ein. Auf den Schnitt können Sie prinzipiell verzichten, wenn genügend Platz vorhanden ist und Sie den natürlichen Wuchs bevorzugen. Soll die Größe der Schlehenhecke eingedämmt oder eine etwas präzisere Form erreicht werden, ist aber auch dies problemlos möglich, denn Schlehen sind absolut schnittverträglich. Am besten schneiden Sie im zeitigen Frühjahr oder Herbst, damit sich keine Gefahr für mögliche Vogelnester ergibt.

  • Tipp: Mehr Hinweise, wie ein Garten einladend für Vögel wird, finden Sie in unserem in Zusammenarbeit mit Vogelschutzreferent Martin Rümmler vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) entstandenen Beitrag: Vogelfreundlicher Garten – Fünf Experten-Tipps

Schlehen vermehren

Auch bei der Vermehrung ist die Schlehe unkompliziert – diverse Möglichkeiten bieten sich an. Vegetative Vermehrungsmethoden wie das Schneiden von Steckhölzern oder das Vermehren über Absenker sind problemlos möglich. Noch einfacher ist es, sich die selbstständig gebildeten Wurzelausläufer der Schlehe zu Nutze zu machen und diese von der Mutterpflanze mit einem Spaten abzutrennen. Auch eine Aussaat ist möglich, das Saatgut benötigt aber nach dem Sammeln im Herbst eine Kältephase, um keimen zu können.

Verwendung im Garten

Im Garten kann eine Schlehe sowohl als Solitärgehölz als auch als Wildhecke gepflanzt werden. Die Wildart bietet unter anderem einen hervorragenden Wind- und Sichtschutz, außerdem machen die eindrucksvollen und charakterstarken Sträucher auch optisch einiges her. Und nicht nur das: Bei den weniger starkwüchsigen Kultursorten ist sogar eine Erziehung am Drahtgerüst möglich.

Eine Schlehe für den naturnahen Garten

Als Bienennährgehölz spielt die Schlehe eine wichtige Rolle im Naturgarten. Da ihre Früchte lange an den Zweigen haften bleiben, stellen sie auch eine wertvolle Nahrungsgrundlage für Vögel dar. Darüber hinaus bietet der Busch einen hervorragenden Schutz für die gefiederten Gäste – tierische Räuber haben es in dem dornigen Geäst schwer, ihre Nester zu plündern.  Der Schwarzdorn ist zudem ein wertvoller Schmetterlingsstrauch, da seine Blätter von rund 70 Arten zur Eiablage aufgesucht werden. Dazu zählen seltene Vertreter wie der Segelfalter.

Hausrotschwanz auf dem Ast einer Schlehe. Foto: AdobeStock_LuSch
Hausrotschwanz & Co. freuen sich über eine Schlehe im Garten. [Foto: AdobeStock_LuSch]

Kulinarische Verwendung

Nach einer Frosteinwirkung werden die Gerbstoffe in den Früchten der Schlehe abgemildert. Damit kommt bei einer Verarbeitung zu Marmelade, Gelee, Sirup, Saft und Likör das süß-säuerliche Schlehenaroma bestens zur Geltung. Aber auch als Beilage von Wildgerichten sind die Früchte äußerst delikat. Lässt der erste Frost noch eine Weile auf sich warten, können Sie die Früchte vor der Verwertung in den Gefrierschrank legen, was sich ebenfalls positiv auf den Geschmack auswirkt.

Sortentipps

Es muss nicht bei der Wildform der Schlehe bleiben. Zahlreiche Kultursorten bieten ein umfangreiches Sortiment. Im Gegensatz zur Wildart sind die Zweige der Sorten oft nur leicht bedornt. Empfehlenswerte Schlehensorten für den Garten sind beispielsweise:

  • ’Godenhaus‘: große Früchte, 3 bis 4 Meter Höhe, gut für die Saft- oder Schnapsherstellung
  • ’Reto‘: große Früchte, frühe Reifezeit, mildes Aroma
  • ‘Nittel‘: große Früchte, dank kompaktem Wuchs (selten höher als 2,5 Meter) für kleine Gärten geeignet, besonders aromatisch, gut für die Schnapsherstellung
  • ’Merzig‘: aufrechter Wuchs, kleinbleibend (2 bis 2,5 Meter), deshalb auch für kleine Gärten
  • ’Purpurea‘: attraktiver purpurroter Laubaustrieb (im Laufe des Sommers grünwerdend), 3 bis 4 Meter Höhe
  • ’Rosea‘: rosafarbene Blüten und rotes Laub, 3 bis 4 Meter Höhe
  • ’Trier‘: eher kleinere Früchte, üppiger Wuchs

Tipp: Für eine üppige Ernte ist es empfehlenswert, zwei verschiedene Sorten zu pflanzen. Auf diese Weise ist die Befruchtung ideal.

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