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Schlehe, Schwarzdorn:Aromatisches Wildobst

Die heimische Schlehe (Prunus spinosa) ist ein robustes, trockenheitsverträgliches Gehölz mit einem hohen ökologischen Wert. Sie wächst im Garten als dichte, wehrhafte Hecke heran, die vielen Vögeln Schutz und einen reich gedeckten Tisch bietet. Ihre Blüten sind zudem eine wertvolle Nektarquelle für zahlreiche Insekten. Auch als Nutz- und Heilpflanze hat der Strauch eine lange Tradition.

Schlehe pflanzen – Voraussichtliche Lesedauer: 4 Minuten

Inhalt

Wuchs und Aussehen der Schlehe

Eine Schlehe kann eine nahezu undurchdringliche Grenze bilden. Der Strauch aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) besitzt nämlich kräftige Hauptäste und Kurztriebe, die in spitzen Dornen enden – daher rührt auch der umgangssprachliche Name Dornstrauch oder Schlehdorn. Insgesamt zeigt die Schlehe eine sparrige, vielverzweigte Gestalt und einen breit ausladenden Wuchs. Sie wächst eher langsam und erreicht schließlich eine Höhe von bis zu fünf Metern. Im Garten hat die Art das Potenzial, lästig zu werden, da sie Wurzelausläufer bildet. Ihr Wurzelsystem ist dabei recht flach, es kann sich aber bis zu zehn Meter ausbreiten.

Blätter und Rinde

Die Blätter des sommergrünen Laubgehölzes sind bis zu vier Zentimeter lang, elliptisch und am Rand gesägt. Ihre dunkel- bis frischgrüne Farbe wandelt sich im Herbst in ein eher unauffälliges Gelb.

Die Äste und Zweige der Schlehe erscheinen zunächst rötlich-grau, später wird die Rinde dunkelbraun bis schwarz. Aus diesem Grund wird sie auch häufig Schwarzdorn genannt.

Durch ihre Dornen ist die Schlehe ein hervorragendes Vogelschutzgehölz.
Durch ihre Dornen ist die Schlehe ein hervorragendes Vogelschutzgehölz. Foto: iStock_Fotograf aus Leidenschaft

Blüten und Früchte

Noch vor den Blättern erscheinen im zeitigen Frühjahr die fünfblättrigen, weißen Blüten, die einen feinen Mandelduft verströmen. Insekten werden von ihnen magisch angezogen. Kein Wunder: Die Blüten sind zu dieser Jahreszeit eine wichtige Nektarquelle – neben Bienen tummeln sich auf ihnen Hummeln, Schwebfliegen und viele Schmetterlinge.

Ab Oktober zeigen sich die schwarzblauen, herb-sauren Steinfrüchte der Schlehen, die an kleine Pflaumen erinnern. Das kommt nicht von ungefähr: Prunus spinosa ist erwiesenermaßen eine der Elternarten der Hauspflaume.

Schlehenblüten haben einen besonderen Zierwert und locken viele Insekten an.
Schlehenblüten haben einen besonderen Zierwert und locken viele Insekten an. Foto: AdobeStock_carmenrieb

Heilpflanze mit Tradition

Bereits die Gelehrten der Antike schrieben der Schlehe kräftigende Eigenschaften zu, und auch Hildegard von Bingen wusste um die Heilkraft der Schlehenfrüchte. Aufgrund des hohen Gerbstoffgehalts können diese zum Beispiel im Mund- und Rachenraum entzündungshemmend wirken. Ein Tee aus Schlehenblüten soll zudem vor Erkältungen schützen und verdauungsfördernd sein.

Standortbedingungen und Pflanzung

Ein Schlehe liebt einen sonnigen und warmen Standort, an dem ihre Blüten und Früchte in großer Zahl erscheinen. Bei den Bodeneigenschaften ist der Strauch recht anpassungsfähig – auch in magerer Erde und bei Trockenheit bleibt er vital. Ideal ist jedoch ein nährstoffreicher, durchlässiger und kalkhaltiger Lehmboden.

Pflanzen Sie eine Schlehe am besten im Herbst. Lockern Sie den Boden tiefgründig und arbeiten Sie etwas Kompost ein. Bei der Anlage einer Hecke sollten Sie einen Abstand von etwa zwei Metern zu anderen Schlehen einhalten, in der Einzelstellung beträgt der Pflanzabstand drei Meter. Wer die Wurzelausläufer fürchtet, kann rechtzeitig eine Wurzelsperre einsetzen – hierfür haben sich zum Beispiel Betonringe von 50 Zentimeter Tiefe bewährt. Bis zum Einwachsen werden die Jungpflanzen feucht gehalten, jedoch nicht nass, um ein Faulen der Wurzeln zu vermeiden.

Pflege und Schnitt

Der winterharte Strauch erweist sich im Garten als pflegeleicht – eine Düngung und Bewässerung sind in der Regel nicht notwendig. Ist genügend Platz vorhanden, kann auch der jährliche Schnitt entfallen. Wächst die Schlehe zu sehr in die Breite, werden ihre Wurzelausläufer einfach abgestochen oder ausgerissen.

Steht die Ernte der Früchte im Vordergrund, sollten Sie das Gehölz alle drei Jahre nach der Blüte auslichten und verjüngen. Dabei schneiden Sie die ältesten Triebe heraus.

Die Früchte der Schlehe werden meist nach den ersten Frösten geerntet.
Die Früchte der Schlehe werden meist nach den ersten Frösten geerntet. Foto: iStock_wernerimages

Verwendung

Im Garten kann eine Schlehe in eine lockere Blütenhecke integriert werden, zum Beispiel zusammen mit anderen Wildgehölzen wie dem Weißdorn. Der Strauch bietet darüber hinaus einen guten Sicht- und Windschutz. Bei Kultursorten ist auch eine Erziehung am Drahtgerüst möglich.

Eine Schlehe für den naturnahen Garten

Als Bienennährgehölz spielt die Schlehe eine wichtige Rolle im Naturgarten. Da ihre Früchte lange an den Zweigen haften bleiben, stellen sie auch eine wertvolle Nahrungsgrundlage für Vögel dar. Darüber hinaus bietet der Busch einen hervorragenden Schutz für die gefiederten Gäste – tierische Räuber haben es in dem dornigen Geäst schwer, ihre Nester zu plündern.  Der Schwarzdorn ist zudem ein wertvoller Schmetterlingsstrauch, da seine Blätter von rund 70 Arten zur Eiablage aufgesucht werden. Dazu zählen seltene Vertreter wie der Segelfalter.

Trotz der vielen positiven Eigenschaften: In kleineren Gärten sollte der Ausbreitungsdrang einer Schlehe nicht unterschätzt werden!

Nach einer Frosteinwirkung werden die Gerbstoffe in den Früchten der Schlehe abgemildert. Nun kommt bei einer Verarbeitung zu Marmelade, Gelee, Sirup, Saft und Likör das süß-säuerliche Schlehenaroma bestens zur Geltung. Auch als Beilage von Wildgerichten sind die Früchte sehr delikat.

Tipp: Lässt der erste Frost noch eine Weile auf sich warten, können Sie die Früchte vor der Verwertung in den Gefrierschrank legen, was sich ebenfalls positiv auf den Geschmack auswirkt.

Sorten

’Godenhaus‘, ’Reto‘ und ‘Nittel‘ bringen vergleichsweise große Früchte hervor (bis etwa zwei Zentimeter Durchmesser). Im Gegensatz zu der Art sind die Zweige der Kultursorten oft nur leicht bedornt. ’Reto‘ zeichnet sich durch eine frühe Reifezeit und ein mildes Aroma aus. ‘Nittel‘ wächst recht kompakt und wird nicht höher als zweieinhalb Meter – sie ist also für kleinere Gärten gut geeignet. Für eine üppige Ernte ist es empfehlenswert, zwei verschiedene Sorten zu pflanzen. Auf diese Weise ist die Befruchtung ideal.

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