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Felsenbirne:Die fast vergessene Sommerfrucht

Überschäumende Frühjahrsblüte und leuchtend gefärbtes Herbstlaub – dafür ist die Felsenbirne bekannt. Kaum jemand weiß jedoch, dass sie auch im Sommer etwas zu bieten hat: nämlich purpurschwarze, süße Früchte zum Naschen, Trocknen und Einkochen.

Auch Vögel lieben die Felsenbirne

Die Vögel haben sie zum Fressen gern, die etwa heidelbeergroßen, von Kelchblättern gekrönten, purpurschwarzen Früchte der Felsenbirne, botanisch Amelanchier. Und auch uns würden sie schmecken, wenn nur Amsel, Drossel, Fink und Star etwas am Strauch lassen würden. Meist rupft das Federvolk die Beeren bereits unreif ab. Falls Sie aber doch mal eine reife, dunkel ausgefärbte Frucht erwischen und naschen, werden Sie feststellen, dass sie saftig süß schmeckt, außerdem nach Kirsche sowie einem Hauch von Marzipan und Bittermandel. Dabei enthält sie nur wenig Säure. Das Marzipan-Aroma steckt in den vielen kleinen Samen, in denen geringe Mengen eines Blausäureglykosids enthalten sind.

Wer also die Früchte mag, sollte sie flink in ein Vogelschutznetz einhüllen. Dann bleiben Ihnen genügend Früchte für eine Konfitüre. Und das ganz ohne Gelierzucker. Der Pektingehalt in den Früchten ist hoch genug. Lässt Ihnen die Vogelschar nur wenig übrig, probieren Sie das aus: roh genießen, zum Verfeinern von Müsli oder Joghurt, trocknen, Kuchen und Desserts damit zaubern.

Felsenbirne Foto: AdobeStock_maria
Die Beeren schmecken nicht nur, sie sehen auch schön aus – hier zu sehen ist Amelanchier lamarckii. Foto: AdobeStock_maria

Essbare Früchte: Früher auch für Notzeiten verwendet

Die Früchte aller Felsenbirnen-Arten sind essbar, manche sind größer und schmackhafter als die anderen. Große Früchte haben zum Beispiel die beliebte und viel gepflanzte

  • Kupfer-Felsenbirne (Amelanchier lamarckii)
  • die Kanadische Felsenbirne (Amelanchier canadensis)
  • die Erlen-blättrige Felsenbirne oder Saskatoon-Berry (Amelanchier alnifolia)
  • und die Hybride ‘Ballerina’

Berühmt und heiß begehrt sind die Saskatoon-Beeren in Kanada, hier gibt es eine lange Tradition des Beeren-Pflückens in der Natur. Die amerikanischen Ureinwohner*innen schätzten die Frucht als nahrhaftes Trockenobst und ebenfalls in Pemmikan, einem noch gehaltvolleren und vor allem haltbaren Gemisch aus Fett, getrocknetem Fleisch und getrockneten Beeren. 

Bei uns wurden die etwas kleineren Früchte der heimischen Gemeinen Felsenbirne (Amelanchier ovalis) gesammelt. Getrocknet verfeinerten sie Brot und Kuchen, in Notzeiten ersetzten sie Rosinen oder Korinthen. Deshalb wird dieses Gehölz manchmal auch als Korinthenstrauch bezeichnet. Die Wildfrüchte werden im Juni und Juli reif, aber nicht alle zur gleichen Zeit. Dann hängen unreife, pinkfarbene Beeren neben bereits dunkel ausgefärbten und etwas weicheren Beeren. Pflücken Sie immer mal wieder. Die Früchte der Saskatoon-Berry ‘SaskaBlue’ dagegen werden zu etwa 60 Prozent gleichzeitig reif.

Felsenbirne Foto: AdobeStock_Iva
Das Herbstlaub der Felsenbirne kann sich sehen lassen. Foto: AdobeStock_Iva

Die verschiedenen Arten und Sorten der Felsenbirne gedeihen auf nahezu allen Standorten. Nur Schatten und nasse, stark saure Böden meiden sie. Sie sind unempfindlich und robust. Kupfer-Felsenbirne und Gemeine Felsenbirne sind zudem noch trockentolerant und damit bestens geeignet für trockene, sonnige Gartenecken und für magere, sandige Böden, wo das Wasser schnell versickert und andere Gehölze Schwierigkeiten haben.

Das Laub der Kupfer-Felsenbirne und Gemeine Felsenbirne färbt sich im Herbst auf trockenen Standorten besonders intensiv. Liegt Ihr Augenmerk eher auf den Früchten und einer guten Ernte, dürfen sie nicht zu trocken stehen. Klein bleibende Arten und Sorten eignen sich auch für die Kultur in großen Kübeln: u.a. Kupfer-Felsenbirne, Gemeine Felsenbirne ‘Pumila’ und die Erlenblättrige ‘Obelisk’.

Frucht-Sorten der Felsenbirne

Große, schmackhafte Früchte bringen diese gezähmten Auslesen der „wilden“ Sorte in den Garten. Eine Fruchtauslese mit sehr großen, aromatischen Früchten ist die Kanadische Felsenbirne ‘Prince William’. Die Früchte reifen dunkelrot bis schwarz ab. Rotblaue Früchte hat dagegen die Saskatoon-Berry ‘SaskaBlue’. Sie reift relativ gleichmäßig ab und sieht den Kultur-Heidelbeeren nicht nur zum Verwechseln ähnlich, sondern schmeckt auch äußerst heidelbeerig. Amelanchier lamarckii, die als Ziergehölz beliebte Kupfer-Felsenbirne hat etwa 10 mm große, saftige Beeren, die Sorte ‘Ballerina’ zieren glänzende, purpurschwarzen Früchte.

Zubereitung einer Felsenbirnen-Konfitüre (ergibt 4 Gläser à 350 ml)

Felsenbirne Foto: AdobeStock_Matthias
Foto: AdobeStock_Matthias
  1. Zuerst 900 g Felsenbirnen pürieren und anschließend mit 1 kg Zucker und dem Saft von einer Zitrone mischen.
  2. Die Mischung bei starker Hitze zum Kochen bringen, solange, bis es kräftig sprudelt.
  3. Bei mittlerer Hitze unter Rühren weiterkochen, nach etwa 10 Minuten die Gelierprobe machen.
  4. Dafür einen Löffel Fruchtmasse über einen kalten Teller laufen lassen.
  5. Geliert es, ist die Konfitüre fertig, und sie kann in Gläser abgefüllt werden. Wenn es noch nicht geliert, weiter kochen lassen.
  6. Die Gläser fest verschließen und für 5 Minuten auf den Kopf stellen. Durch das Kochen wird die Blausäure in den Kernen zerstört.

Tipp: Probieren Sie die süßen Felsenbirnen in Kombination mit säuerlichen Johannisbeeren.

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