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Kräuter trocknen: Aromen und Wirkstoffe einfangen

Im Sommer wachsen sie üppig und lassen sich zu jeder Zeit ernten: Kräuter sind während der Saison reichlich in der Küche und der Hausapotheke vorhanden. Doch wir möchten auch nicht auf sie verzichten, wenn das Wetter kalt und ungemütlich wird. Denn gerade dann wollen wir uns doch etwas Gutes tun. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Heilpflanzen und Kräuter trocknen, damit Sie sich das gesamte Jahr Wohlbefinden schenken können.

Kräuter trocknen – voraussichtliche Lesedauer: 9 Minuten

Kräuter trocknen und verwenden

Heilpflanzen und Kräuter sind wahre Multitalente, denn sie würzen und garnieren Speisen und können dabei unterstützend wirken, um körperliche Beschwerden zu lindern. Wahre Wundertaten werden ihnen zudem als Seelentröster, Vitalisierungshilfe oder Stimmungsmacher nachgesagt. Grund genug, die Kräuter für den Winter zu trocknen, wenn wir ihre wohligen Wirkungen am nötigsten haben.

So manches gebündelte und getrocknete Sträußchen wartet bald auf seine Verwendung. Die leicht flüchtigen Aromen und Wirkstoffe frischer Kräuter lassen sich in Alkohol, Essig oder Öl einfangen. Was aber, wenn Sie nun nicht die richtigen Pflanzen zur Hand haben?

Kräuter trocknen [Foto: AdobeStock_Nolonely]
Salbei, Rosmarin und Co – wenn Sie Kräuter trocknen, lohnt sich das. [Foto: AdobeStock_Nolonely]

Auf die heilsame Kraft der Kräuter müssen Sie dennoch nicht verzichten. Eine gute Alternative zur eigenen Ernte und dem Trocknen daheim ist der Kauf beim Apotheker oder beim spezialisierten Kräuterversand. Hier können Sie sicher sein, das richtige Zauberkräutlein in den Händen zu halten. Gütesiegel bürgen dafür, dass die Pflanzen zum optimalen Zeitpunkt und dabei weitestgehend rückstandsfrei geerntet und anschließend korrekt getrocknet wurden. Sie werden staunen, was der Handel alles bereithält – auch toll zur Ergänzung Ihrer eigenen Gartenkräuter!

Zur Winterzeit können Sie Ihre Kräuterschätze zu wunderbar entspannenden oder belebenden Präsenten für sich selbst und andere weiterverarbeiten. Lassen Sie sich nun von den Rezeptideen für frische und getrocknete Kräuter inspirieren.

Tee aus Trockenkräutern

Verlockend nach einem anstrengenden Arbeitstag oder nach einer Wanderung: eine Tasse heißer Tee. Er lässt sich aus einer einzelnen Pflanze oder aus einer Kräutermischung verschiedener Teekräuter zubereiten. Dazu können Sie Kräuter trocknen oder auch frische verwenden. Die Kräutertee-Mixtur kann dabei rein geschmacklichen Gesichtspunkten oder auch Heilaspekten folgen.

Für einen Haustee verwenden Sie zum Beispiel Zitronenmelisse, Indianernessel oder Duftnessel und garnieren ihn mit den Blütenblättern von Rosen oder Ringelblumen. Für einen wirkungsvollen Gesundheitstee eignen sich Lindenblüten, Thymian, Lavendel und Salbei allein oder gemischt. Natürlich können Sie auch noch andere Kräuter trocknen. Abhängig davon, wie sich ihre Wirkstoffe lösen, gießt man sie mit kochendem, heißem oder sogar kaltem Wasser auf. Tee können Sie auch zum Gurgeln, für Spülungen, Umschläge oder Bäder verwenden.

Kräuter für einen Heilsud trocknen

Ein weiterer Klassiker: der Heilsud aus Kamillenblüten zum Inhalieren bei Erkältungen. Beim Sammeln der Blüten sollten Sie aufpassen, um tatsächlich Echte Kamille (Matricaria recutita) und nicht etwa ihre wirkungslose Verwandte, die Geruchlose Kamille (Tripleurospermum perforatum) zu erwischen. Auch hier können Sie frische oder getrocknete Kräuter verwenden.

Erkennungsmerkmal der Echten Kamille:

Neben dem charakteristisch süßlichen Duft besitzt nur die Echte Kamille einen hochgewölbten Blütenboden, der hohl ist.

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Hübsch anzusehen und ideal für einen duftenden Heilsud: Echte Kamille. [Foto: AdobeStock_Marrakeshh]

Außer Kamillenblüten können Sie auch andere typische Erkältungskräuter, etwa Thymiankraut und Salbeiblätter, einzeln oder miteinander kombiniert verwenden.

Zubereitung und Verwendung des Kräutersuds:

  1. Eine Handvoll Kräuter in eine große Schüssel geben und mit etwa einem Liter siedendem Wasser übergießen.
  2. Nach kurzer Zeit steigen aromatisch duftende Dämpfe auf – eine konzentrierte Wirkstoff-Wolke! Diese Dämpfe lassen sich unter einem Tuch inhalieren. Es soll so groß sein, dass es den Kopf und das Gefäß mit dem Sud umschließt.
  3. Meist reichen schon zehn Minuten für einen klaren Kopf und freie Atemwege. Bei hartnäckigen Erkältungen können Sie den Kräuteraufguss nochmals erhitzen und das Inhalieren fortsetzen.

Duft- und Badesäckchen, aromatische Öle und Duftpotpourris

Mögen Sie Duftkissen mit Lavendel-Füllung? Die getrockneten Blüten beduften z. B. Ihre Garderobe oder den Kleiderschrank, damit Kleidermotten verduften. Aber Sie können auch andere Kräuter trocknen und in kleine Stoffreste einnähen.

  • Schwangere sollten allerdings bei der Verwendung von Rosmarin, Thymian und Salbei vorsichtig sein. Auch Allergiker und von Einschlafproblemen Geplagte sollten vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen.

Und die Kraft der getrockneten Kräuter lässt sich auch beim Baden nutzen. Einen Hauch von Spa ins Badezimmer zaubert ein aromatisch duftendes Badesäckchen mit Ihren Lieblingskräutern. Rosmarin aktiviert und strafft die Haut, Salbei und Thymian wirken antiseptisch und helfen bei unreiner Haut. Eingetaucht im Lavendelblüten-Bad lässt es sich wunderbar entspannen. Erfrischend und hautaktivierend wirkt ein Bad auf der Basis von naturreinem Meersalz. Mit getrockneten Kräutern und ätherischen Ölen veredelt, wird es schnell zu Ihrem persönlichen Wellness-Badesalz. Getrocknete Pflanzenteile können heilwirksame, aber auch kosmetische Bestandteile in handgemachten Kräuterseifen und Badekugeln sein.

Blickfang und Aromageber – unterstützt vom passenden Aromaöl – sind Duftpotpourris aus getrockneten Kräutern, Blüten und Blättern in dekorativen Schalen oder Stoffsäckchen. Verwenden Sie dazu getrocknete Blütenblätter von Rose, Malve, Kamille, Lavendel, Rosmarin, Minze, Duftnessel oder Zitronenverbene.

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Kräuter richtig trocknen

Haben unsere Ideen Ihnen Lust auf mehr gemacht? Dann geht es nun an das Trocknen der Kräuter. Wir erklären, wie sie richtig vorgehen. Mit unseren Tipps können Sie Ihren Vorrat aufstocken und haben so genug Ernteschätze für das ganze Jahr.

  • Kräuter vorbereiten: Welke und kranke Pflanzenteile entfernen, Kräuter NICHT waschen! Kräuter vor dem Trocknen sortieren, stark aromatische Pflanzen getrennt trocknen und aufbewahren.
  • Kräuter trocknen: Blüten und Blätter der Kräuter in dunklen, gut belüfteten Räumen trocknen. Kleine Kräutersträuße verkehrt herum, einzeln und frei aufhängen. Alternativ können Sie auch einzelne Blätter oder Zweigstücke auf ein Gitter (Kuchenrost), auf ein Tuch oder auf Papier legen.
  • Trockendauer: Je nach Pflanzenteil und Pflanzenart kann das Trocknen der Heilpflanzen und Kräuter nur wenige Tage oder auch Wochen dauern. Trocknen Sie Ihre Pflanzen länger als nötig, verfliegen wertvolle ätherische Öle. Können dicke Pflanzenteile nicht komplett durchtrocknen, faulen sie.
  • Trockentest: Dünnes Blattwerk, z. B. der Zitronenverbene, soll gerade eben zu rascheln und zu brechen anfangen. Kurz- und dickblättrige Kräuter wie Thymian und Rosmarin sollten sich leicht vom Zweig rebeln lassen. Blüten wurden richtig getrocknet, wenn sie nach dem Trocknen ihre Farbe behalten.
  • Getrocknete Kräuter lagern: Die richtig durchgetrockneten, möglichst unzerkleinerten Kräuter und Heilpflanzen in luft- und schädlingsdicht schließende, dunkle Gefäße mit Beschriftung füllen. Zerkleinert werden sie erst kurz vor dem Gebrauch, damit die ätherischen Öle erhalten bleiben.

Genuss mit frischen Kräutern

Nicht alle Kräuter lassen sich gut trocknen, einige „dünnhäutige“ wie Pimpinelle oder Basilikum verlieren mit dem Trocknen Aroma und Farbe. Hier empfehlen sich der Frischverzehr in Salaten bzw. Dips oder die Veredelung zu Kräuter-Pesto.

Kräuterpesto-Rezept

Zutaten:

  • 100 g Kräuter
  • 100 g gemahlene Nüsse
  • 70 g geriebener Hartkäse
  • 1 Knoblauchzehe
  • 100 ml Olivenöl
  • Salz und Pfeffer
  • Saft von 1/2 Zitrone
Kräuter trocknen [Foto: AdobeStock_Madeleine Steinbach]
Dieses Pesto überzeugt mit Walnüssen und Kresse. [Foto: AdobeStock_Madeleine Steinbach]

Zubereitung:

  1. Vermixen Sie mit einem Pürierstab 100 g fein gehackte Kräuter, 100 g gemahlene Nüsse (Walnüsse, Pinienkerne oder Mandeln) und 1 Knoblauchzehe.
  2. Um die feste Masse glatter zu bekommen, werden nun 100 ml Olivenöl hinzugefügt.
  3. Ist alles püriert, kommen 70 g geriebener Hartkäse hinzu. Schmecken Sie das Kräuterpesto mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft ab.

Grundrezept für würziges Speiseöl

Oder Sie legen etwa 10 g von Würzpflanzen wie Rosmarin, Thymian, Pfefferminze, Ysop, Zitronenmelisse, Liebstöckel oder Oregano in 200 ml Essig oder 250 ml Öl ein. Diese Kräuter geben ihr sattes Aroma mit der Zeit an die Flüssigkeit ab. Das i-Tüpfelchen an Geschmack für Salate sowie warme oder kalte Speisen!

Das Grundrezept für Speiseöl lässt sich ganz einfach für medizinische Zwecke abwandeln:

Von circa 10 g heilwirksamen Kräutern wie Ringelblume oder Johanniskraut übergießen Sie frische Blüten mit 250 ml Pflanzenöl. Nach zwei bis drei Wochen haben Sie Ihr fertiges Heilöl.

  • Sie können es auf verletzte oder gequetschte Partien (nie direkt auf Wunden!) auftragen. Diese Rezeptur lässt sich erweitern, indem Sie wenige Tropfen ätherischen Öles hinzufügen. So erhalten Sie ein wohltuendes Massage- oder Badeöl.

Alkoholische Kräutertinktur

Wenn die Beine schwer wie Blei, die Füße kalt wie Eiszapfen sind, kann eine alkoholische Kräutertinktur Abhilfe schaffen.

  • Dazu 250 ml Pflanzenöl des Grundrezeptes für medizinische Zwecke gegen dieselbe Menge Branntwein austauschen, als Kräuterbestandteil 10 g Beinwell, Rosmarin oder Thymian einlegen. Die fertige Tinktur verwenden Sie äußerlich zum Einmassieren. Dabei sollen die belebenden Heilstoffe über die Haut wirken, der Alkohol als Trägerstoff verfliegt.

Kräuter-Elixiere

Kräuter-Elixiere in Form von Auszügen und Likören können bei Stress und Erschöpfungszuständen helfen. Im Gegensatz zur Tinktur unterstützen diese Elixiere innerlich. Wir haben ein simples Rezept, mit dem Sie erst einen Weißwein mit frischen Kräutern und anschließend Ihren Körper mit diesem Kräuterwein aufpeppen können.

Kräuter-Elixier mit Rosmarin:

50 g frischen oder 25 g getrockneten Rosmarin klein schneiden. Das Kraut für eine Woche in 1 Liter trockenen Weißwein legen, dann den Kräuterwein abseihen. Täglich zwei- bis dreimal esslöffelweise (!) einnehmen.

Sie möchten nicht nur Kräuter trocknen, sondern auch Ihre Sommerblumen? Dann lesen Sie doch unseren Artikel zu Trockenblumen und -sträußen. Darin erklären wir, worauf es beim Trocknen der floralen Schönheiten ankommt und welche gestalterischen Möglichkeiten Sie mit ihnen haben.

Wir freuen uns auf Sie!

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  • Feurige Ernte: Chilis schön und scharf
  • Stachelige Besucher: Garten igelfreundlich gestalten
  • Großer Auftritt: Korkflügelstrauch mit flammrotem Laub
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