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Süßdolde im Garten: Eine vielseitige Staude

Die Süßdolde (Myrrhis odorata) ist eine altbewährte Würzpflanze, die früher häufig den Küchengarten schmückte. Auf diese Weise waren die zarten Blätter und Blüten mit dem anisartigen Aroma schnell zur Hand. Aber auch im Staudengarten fügt sich der duftende Doldenblütler wunderbar ein. Wir stellen Ihnen die anmutige Wildstaude näher vor.

 

Süßdolde pflanzen – voraussichtliche Lesedauer: 6 Minuten

Herkunft und Eigenschaften

Die Süßdolde, auch Myrrhenkerbel, Wilder Kerbel oder Anisdolde, genannt, ist eng verwandt mit bekannten Heil- und Gewürzkräutern wie der Petersilie, Möhre und dem Kümmel. Sie ist die einzige Vertreterin der Gattung Myrrhis, die der Familie der Doldenblütler (Apiaceae) zugerechnet wird. Die Naturstandorte der Gebirgspflanze liegen in mittelhohen Lagen der Alpen, Pyrenäen, Karpaten und des Apennins. Mittlerweile gilt sie jedoch als verwildert und ist in vielen Teilen Europas auf nährstoffreichen Krautfluren anzutreffen.

Fühlt sich der Wilde Kerbel an seinem Platz wohl, wächst er buschig und kann dabei leicht eine Höhe von über einem Meter erreichen. Die fein behaarten Blätter der Pflanze sind mehrfach gefiedert. In der Tiefe bildet sie eine markante, fleischige Pfahlwurzel aus. Die winzigen, weißen Blüten sind in Doppeldolden angeordnet. In der Blütezeit von Mai bis August bilden diese einen Anziehungspunkt für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge, die sich von dem süßen Nektar verführen lassen. Die reifen, braun glänzenden Spaltfrüchte der Süßdolde zeigen sich im Frühherbst.

Sichere Bestimmung: Obwohl eine Verwechslungsmöglichkeit mit der giftigen Hundspetersilie oder gar dem Gefleckten Schierling besteht, lässt sich die Süßdolde leicht identifizieren. Ihre unteren Fiederblättchen weisen helle Markierungen auf. Außerdem ist das Laub samtig weich und alle Pflanzenteile duften stark nach Anis.

Die Süßdolde ist eine attraktive Gewürz- und Duftpflanze.
Die Süßdolde ist eine attraktive Gewürz- und Duftpflanze. [Foto: AdobeStock_TwilightArtPictures]

Standort und Boden

Sonnige Plätze behagen der Süßdolde nur, wenn der Boden stets ausreichend feucht ist. Bevorzugt richtet sie sich im Halbschatten ein. Die Staude schätzt zudem nährstoffreiche Böden mit einem hohen Humusgehalt und einer guten Wasserversorgung. Auch ein sandiger Boden wird toleriert – allerdings zeigt sie sich dort weniger wuchsfreudig.

In einer Kräuterspirale ist der Myrrhenkerbel im unteren Bereich am besten aufgehoben. Für eine Kultivierung im Kübel eignet er sich dagegen nur bedingt, da er sich mit seiner langen Pfahlwurzel gut im Boden verankern möchte. Aus diesem Grund sollte das Pflanzgefäß unbedingt sehr hoch ausfallen. Verwenden Sie in diesem Fall eine nährstoffreiche Erde mit hohem Humusgehalt.

Aussaat und Pflanzung

Süßdolden können Sie zwischen September und Oktober direkt im Freiland oder in einer Schale auf dem Balkon aussäen. Als Frostkeimer benötigen sie unbedingt einen Kältereiz im Winter. Zwischen März und April präsentieren sich dann die jungen Keimlinge.

Die beste Pflanzzeit ist im Frühjahr nach den Eisheiligen. Verbessern Sie einen sandigen Gartenboden mit gut verrottetem Kompost oder arbeiten Sie ein wenig Komposterde ein. Grundsätzlich benötigt die Art recht viel Platz im Beet. In der Gruppe ist daher ein Abstand von mindestens 40 Zentimetern empfehlenswert.

Nach der Blüte entwickelt die Süßdolde dekorative Samenstände, die zur Aussaat aufbewahrt werden können.
Nach der Blüte entwickelt die Süßdolde dekorative Samenstände, die zur Aussaat aufbewahrt werden können. [Foto: AdobeStock_barmalini]

Süßdolde pflegen

Eine Süßdolde erweist sich im Garten als recht pflegeleicht. Hat sie sich einmal im Boden gut etabliert, übersteht sie auch längere Trockenperioden unbeschadet. Allerdings ist es gerade im Sommer wichtig, dass die oberen Erdschichten nicht vollständig austrocknen. Greifen Sie also bei Bedarf zur Gießkanne. Eine Süßdolde im Kübel sollten Sie regelmäßig mit Wasser versorgen.

Die Würzpflanze schätzt eine gute Nährstoffversorgung. Arbeiten Sie daher im Frühjahr reichlich Kompost oder Hornmehl in den Boden ein. Auch Brennnesseljauche ist ein idealer Bio-Dünger. Eine Pflanze im Topf sollte während der Vegetationsperiode etwa alle vier Wochen einen Flüssigdünger erhalten.

Tipp: Schneiden Sie verwelkte Blütenstände rechtzeitig zurück, wenn Sie ein starkes Aussamen am Standort verhindern möchten.

Verwendung als Gartenstaude

Die Süßdolde passt hervorragend in einen üppig blühenden Cottage-Garten. Dort fügt sie sich bestens in bunte Pflanzungen mit anderen natürlich wirkenden Stauden ein. Mit ihren farnartigen, lichtgrünen Blättern ist sie darüber hinaus eine aparte Erscheinung vor dunkellaubigen Sträuchern, wo sie auch in der Gruppe sehr gut zur Geltung kommt. Eine Unterpflanzung mit Schneeglöckchen oder Winterlingen sorgt für bezaubernde Bilder im Vorfrühling.

Die weiß blühende Süßdolde unterstreicht die Schönheit anderer Stauden.
Die weiß blühende Süßdolde unterstreicht die Schönheit anderer Stauden. [Foto: Shutterstock_mcajan]

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Süßdolde ernten und verwerten

In der Küche ist die Süßdolde ein wahrer Tausendsassa, denn alle Pflanzenteile sind essbar. Ihr Geschmack lässt sich als süß, anisartig mit lakritzartiger Note beschreiben.

  • Bereits ab dem zeitigen Frühjahr bis September können Sie die weichhaarigen Blätter zum Süßen und Würzen pflücken.
  • Ab Mai gesellen sich die feinen Blüten dazu, welche hervorragend zu Obstkuchen und Desserts passen.
  • Die noch grünen, weichen Samen ernten Sie von Juli bis August. Sie eignen sich bestens als Gewürz und sind zudem eine leckere Knabberei für alle, die das Anisaroma schätzen.
  • Die Wurzeln von jungen Exemplaren können ab September bis ins nächste Frühjahr als würzendes Gemüse verarbeitet werden.

Verwendung in der Küche

Mit dem Wildkraut lassen sich viele schmackhafte Speisen zaubern. Seine Blätter harmonieren mit Gemüse- und Fischgerichten aller Art. Die Blüten verleihen Frühlingssalaten den besonderen Pfiff oder entfalten ihr Aroma in einer Wildpflanzenlimonade. Bevor die jungen Samen ausreifen, lassen sie sich roh in Getreidegerichten und Desserts verwenden. Die zerstoßenen Früchte geben darüber hinaus selbstgebackenem Brot eine aparte Geschmacksnuance. Auch Saucen und Kräuteröle können Sie mit den Samen auf ungewöhnliche Art verfeinern. Diese sind zudem ein gutes Trockengewürz.

Zucker sparen mit der Süßdolde

Auch für Fans der gesunden Küche hat die Pflanze etwas zu bieten! Insbesondere ihre Stängel kommen mit geballter Süßkraft daher, ohne dabei Zucker zu enthalten. Somit lassen sie sich prima mit Rhabarber kombinieren- die herbe Säure des Knöterichgewächses scheint die Süßdolde einfach zu neutralisieren.

Ernten Sie zu diesem Zweck möglichst junge, faserarme Stängel samt Blättern. Diese werden kleingeschnitten mit dem Rhabarber vermischt, zum Beispiel für einen Kuchen. Keine Sorge: Der Anisgeschmack fällt anschließend sehr mild aus, da er durch die Einwirkung von Hitze nachlässt.

Verwendung als Heilpflanze

Die Süßdolde enthält etliche ätherische Öle und Flavinoide. In der Volksheilkunde wurde sie früher wegen ihrer schleimlösenden Wirkung bei Husten und Asthma sehr geschätzt. Ihre Wirkung soll außerdem appetitanregend und verdauungsfördernd sein. Aus den Blättern der Pflanze lässt sich zum Beispiel ein wohlschmeckender Tee zubereiten.

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