Thymian: Das Superkraut!

Thymian – Superkraut und Weichenzeichner

Als Duftkraut, zum Räuchern und als Küchengewürz steht Thymian hoch in der Gunst der Küchengärtner. Aber er wächst mitunter ganz bescheiden im Kräutergarten neben Petersilie, Schnittlauch, Lavendel und Rosmarin. Schade! In meinem Garten, ehrlich gesagt, auch. Das soll sich aber bald ändern.

Thymian – darum ist er so vielseitig

Mein Lieblingsgewürz hat tatsächlich das Zeug zur Schmuckstaude. Thymianpolster werden deshalb künftig bei mir auch zwischen Blaukissen und Schleifenblume einen neuen Platz finden. Denn: Auch wenn Thymian gerade nicht blüht, zeigt das immergrüne Sträuchlein Präsenz und rahmt selbst höhere Stauden und Gehölze wirkungsvoll ein.

Eine seiner größten Stärken ist seine verbindliche Art. Denn er verwebt Gartenteile, Bauelemente oder Wege mit angrenzenden Rabatten ganz unaufdringlich miteinander. So lässt sich zum Beispiel der bis 10 cm hohe und rosa blühende Sand-Thymian (Thymus serpyllum) in die Fugen von großformatigen Wegeplatten setzen. Sieht toll aus.

Ebenso schön macht sich die kriechende Fugenbepflanzung zwischen unregelmäßig geformten Natursteinplatten. Nur zu klein dürfen die einzelnen Platten oder Trittsteine nicht sein. Selbst große Pflastersteine würden von schwach wachsenden Thymus-Sorten wie ‘Rasta’ innerhalb kurzer Zeit bedeckt.

Thymian als “Weichzeichner” zwischen Steinen

Sehr gut macht sich der genügsame Thymian auch in Trockenmauern. Wenn sich in den Ritzen und Spalten einige Duftpolster, z. B. vom rosa blühenden Kaskaden-Thymian (Thymus longicaulis ssp. odoratus), festgekrallt haben, wirkt der geschichtete Naturstein weit weniger schroff.

Dabei muss nicht jede Fuge bepflanzt werden, denn völlig überwuchert kommt der schöne Stein kaum noch zur Geltung. Strauchförmige, aufrechtwachsende Arten wie der ganz gewöhnliche echte Gewürz-Thymian, Thymus vulgaris, sollten besser auf der Mauerkrone platziert werden.

Thymian – ein Kind der Sonne

Egal, wo Sie Thymian ansiedeln möchten, auf alle Fälle braucht er durchlässigen Boden. Staunässe mag er überhaupt nicht. Einen möglichst hellen, am besten sonnigen Standort dafür sehr. Der sollte sich zum Beispiel in Steingärten oder ganz oben auf der Kräuterspirale finden lassen.

Thymian, Dachwurz und andere trockenverträgliche Sonnenanbeter lassen sich auch in eine Pflanzschale setzen und mit interessanten Steinen dekorieren. Wichtig: wenig düngen! Denn Thymian und auch Oregano, Lavendel, Ysop oder Rosmarin duften auf kargem Boden intensiver, schmecken aromatischer und kommen auch besser durch den Winter.

Tolle Farben für einen starken Auftritt

„Genügsam“ bedeutet nicht automatisch, dass Thymian bescheiden auftritt. Denn wenn er je nach Art und Sorte von Juni bis August blüht, stiehlt das Zwerggehölz so mancher Solitärstaude die Show.

Kaum eine kann mit einem solch satten Dunkelrosa punkten wie der Kissen-Thymian, Thymus doerfleri ‘Bressingham Seedling’. Und das tolle, intensive Purpurviolett vom einheimischen Quendel (Thymus pulegioides) oder von Thymus vulgaris ‘Tabor’ zieht die Blicke geradezu magisch an.

Thymian – Staude oder Strauch?

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Die Blüte des Thymians kann so schön sein!

Thymian gilt als Staude, weil viele Arten und Sorten polsterförmig wachsen. Tatsächlich handelt es sich jedoch um kleine Sträucher, die sich nicht nur prima als Bodendecker eignen, sondern auch als Duftrasen oder Dachbegrünung eine gute Figur machen.

Thymus x citriodorus, der Zitronen-Thymian, bildet so dichte Matten, dass sich nach ein, zwei Jahren kaum noch Unkräuter einnisten können. Diese Kreuzung aus Thymus vulgaris und Thymus pulegoides ist in unzähligen Sorten erhältlich. Allen gemeinsam ist der zitronige Duft, der das typische Thymian- Aroma ergänzt. Es gibt Sorten mit weißbunten Blättern (‘Silver Queen’), andere mit gelb panaschiertem (‘Doone Valley’) Laub oder Sorten in schlichtem Grün, z. B. ‘Lemon’. Das übrigens sind meine ganz persönlichen Favoriten. Ich habe sie schon als Wegbegleiter für meinen neu gestalteten Küchengarten eingeplant.
Achim Werner

Superkraut mit vielen Talenten

Das Wort Thymian stammt aus dem Griechischen und bedeutet Rauch. In der Tat eignet sich getrockneter Thymian zum therapeutischen Verräuchern. Der Rauch soll vor Krankheiten schützen und die Durchsetzungskraft stärken.

Populärer ist der schleimlösende Thymian-Tee, der die Atemwege beruhigt und krampflösend sowie antibakteriell wirkt. Eine Erkältung heilt zwar deshalb nicht schneller, ist aber leichter zu ertragen.

Als Küchenkraut macht sich das Kraut gut in herzhaften Gerichten wie Lammeintopf und zu Grillfisch, und er hilft, fette Speisen leichter zu verdauen. Blätter und die ebenfalls genießbaren Blüten vom Zitronen-Thymian würzen Blattsalate und dekorieren Nachspeisen.

Thymian aromatisiert darüber hinaus z. B. Speiseöl und Honig. Einfach einige Zweige für mehrere Wochen in Olivenöl oder Honig geben und dann wieder entfernen.

Ganz leicht geteilt

Polsterförmig wachsende Thymianarten bilden bei Bodenkontakt leicht neue Würzelchen und lassen sich deshalb leicht durch Teilen vermehren. Dazu die gesamte Pflanze ausgraben und in Stücke mit kleinen Wurzelballen teilen. Oder vom Rand der Mutterpflanze kleine Teile abstechen und danach möglichst schnell wieder einpflanzen.

Je nach Größe kommen die kleinen Thymiane in Mauerfugen, zwischen Gehwegplatten oder als Unterpflanzung ins sonnige Staudenbeet. Einmal gut angießen, danach nur mäßig feucht halten. Selbst in ein bis zwei Zentimeter schmalen Fugen kann sich Thymian etablieren. Vermehren Sie ihn am besten Frühjahr. Im Sommer warten Sie bewölkte Tage ab und schneiden die Jungpflanzen stark zurück.