Traubenhyazinthe: Sorte ‘Superstar’ mit weiß beringtem Flor. Bild: GartenFlora

Die Traubenhyazinthe

Nachtigall im Pflanzenreich – mit diesen Worten umschrieb Pfarrer Johann Theophil Zetter 1837 seine liebste Traubenhyazinthe. Was dahinter steckt? Nun, die kleine Sippe der Träubel wahrt noch so manches Geheimnis. Doch dieses immerhin können wir lüften.

Moschusduft als Namensgeber

Die Moschus-Traubenhyazinthe (Muscari muscarimi) war es, die dem sinnlichen Gottesmenschen den Kopf verdrehte. Genauer gesagt: ihr Duft. Denn optisch macht das Pflänzchen mit den bräunlich-weißen Blüten nicht allzu viel her. Gerade das aber reizte zum Vergleich mit der Nachtigall: Hier ein unscheinbarer Vogel, dessen melodischer Gesang weithin verzaubert. Dort eine blasse Pflanze, „die den Garten kräftig und durchdringend mit den angenehmsten Wohlgerüchen umduftet“.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein bewahrte ihr Moschusduft dem Pflänzchen einen Rang unter den begehrteren Gartenblumen. Heute ist sie als ausgesprochene Rarität kaum noch im Handel zu finden. Sie war die erste, die den Namen Muscari trug, abgeleitet vom arabischen misk rumi für „griechischer Moschus“. Heute hören alle 30 bis 40 Arten der Gattung auf diese Bezeichnung. Auch wenn sie allenfalls einen süßen Honigduft verströmen.

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Viele Blaunuancen und noch mehr

Das typische Bild der Traubenhyazinthe prägen (im Gegensatz zum weißen Moschus-Träubel) die Blaumützen.

Die allermeisten Arten präsentieren sich in dieser Farbe des Himmels, wobei alle Stimmungen von winterkaltem Hellblau (‘Peppermint’) bis zu nächtlichem Dunkelviolett anklingen.

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Gerne variiert der Ton auch innerhalb der „endständigen Blütentraube“, wie der Flor botanisch heißt. So bei der Sorte ‘Mount Hood’, die ihre dunkelblauen Blüten mit einer Mütze aus schneeweißen Knospen krönt.

Selbst gelbe Träubel gibt es (M. macrocarpum ‘Golden Fragrance’), weiße und rosafarbene.

Standortansprüche und Vermehrung

Die Sorten vermehren sich in der Regel eher zaghaft – ganz im Gegensatz zu den gängigen Wildformen, die mit Samen und Tochterzwiebelchen förmlich um sich werfen.

Traubenhyazinthe
Traubenhyazinthen unter Büschen. Bild: GartenFlora

Innerhalb von drei bis vier Jahren vereinen sich etwa Zwiebeln der Weinbergs-Traubenhyazinthe (M. neglectum) oder des Armenischen Träubels (M. armeniacum), anfangs noch im Abstand von fünf bis zehn Zentimeter gesetzt, zu rauschenden Blütenbächen. Der Keukenhof in den Niederlanden ist wegen seiner Muscari-Bäche im März/April ein beliebtes Reiseziel.

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Gepflanzt werden möchten die Zwiebelchen von September bis Ende November etwa fünf bis zehn Zentimeter tief. Ein Sonnenplatz ist heiß begehrt, auch Halbschatten wird vertragen. Überhaupt sind diese kleinen Perlenblumen anspruchslos, frosthart und tolerieren außer einem arg sauren Boden jeden Grund, solange er nicht staunass ist.

Die meisten stammen von felsigen Hängen oder Geröllmatten des Mittelmeergebietes und Vorderasiens, wo das Wasser schnell abrauscht. Ein sandiger, gut durchlässiger Boden sollte es also auch hierzulande sein. Wenn Sie auf feuchtem Ton gärtnern, spendieren Sie den nur 20 Zentimeter hohen Perlhyazinthen doch einen Ausguck im Steingarten.

Traubenhyazinthen eignen sich gut für Gefäße

Werden die Traubenhyazinthen in Schalen oder andere Gefäße gepflanzt, muss auf einen guten Wasserabfluss im Boden der Töpfe geachtet werden. Oder das Gießen muss mit sehr viel Fingerspitzengefühl erfolgen. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn sie in Gefäße ohne Wasserabzugsloch gepflanzt werden. In weißblauen Porzellangefäßen beispielsweise machen die blaublühenden Muscari eine sehr gute Figur.

Weil die Blätter der meisten Traubenhyazinthen so lang und zierlich sind, dass sie an Gras erinnern, lassen sie sich, wenn sie unter sich bleiben, auch zu kleinen Miniaturwiesen in Gefäßen verwandeln. Das frische Grün der Blätter bildet dann einen schönen Kontrast zum leuchtenden Blau oder klaren Weiß der Blüten.

Die besten Partner für Traubenhyazinthen

Ideale Pflanzpartner sind höhere Tulpen oder Narzissen, deren ohnehin knalligen Blüten über einem dunkelblauen Muscari-Teppich noch leuchtender strahlen.

Aber auch Partner auf Augenhöhe sind willkommen, wie Buschwindröschen oder Duft-Veilchen. Gemeinsam mit anderen kleinen Zwiebelblumen machen die Traubenhyazinthen auch in Gefäßen eine gute Figur. Reizvoll ist dabei nicht nur das Spiel mit unterschiedlichen Farben oder Fabtönen, sondern auch mit unterschiedlichen Blütenformen.

Später aufkommende Stauden wie Mädchenauge oder Scheinsonnenhut verschlafen zwar den großen Auftritt der kleinen Blauen, liefern aber Sichtschutz, wenn die Träubels wieder schlappmachen: Ab Mitte Juni zieht ihr Laub über den Sommer ein. Und auch vorher, nach der Blüte, sind die vergilbenden Blätter keine Augenweide. Trotzdem sollte man ihnen noch nicht zu Leibe rücken: Lebenswichtige Nährstoffe werden erst allmählich vom Blatt in die Zwiebel umgelagert.

Also doch kein blaues Blütenband im Rasen? In der Staudenrabatte oder am Fuße der Hecke sind die Träubel womöglich besser aufgehoben. Immerhin, der Ausflug zum Keukenhof bleibt so ein einzigartiges Erlebnis.

Kerstin Ackermann

Extra-Wissen: Wie alles begann

Wie alles in der Geschichte, gliedert sich auch die Gartenkunst in Epochen. Dabei war die „Orientalische Phase“, die von 1560 bis 1620 dauerte, eine ganz entscheidende. Besonders viele „exotische“ Zierpflanzen fanden in dieser Zeit ihren Weg nach Mitteleuropa. Darunter insbesondere Tulpen, Narzissen und eben Traubenhyazinthen aus Süd- und Südosteuropa.

Als allererstes schaffte es das Weinbergs-Träubel zu uns, dann folgten das Kleine und das Schopfige (M. comosum). Alle drei büxten damals aus den Gärten aus und gelten heute als eingebürgert.

Muscari: beliebte Sorten

• Muscari ‘Blue Magic’Wie alle ‘Magic’-Sorten eine Züchtung von M. aucheri. Das heißt: Sehr frühe Blüte im März/April.
• Muscari botryoidesDie Kleine Traubenhyazinthe blüht und duftet von März bis Mai. Sie zieht, wie alle Träubel, ihr Laub über den Sommer ein. Im Herbst treibt sie dann aber schon wieder aus.
• Muscari ‘Pink Sunrise’Außergewöhnliche Blüten in zartem Rosarot. Dadurch etwas teurer in der Anschaffung.
• Muscari azureumAls eine der ersten beginnt sie im März den Träubel-Reigen. Trotz ihrer himmelblauen Glöckchen eher selten gepflanzt. Am wohlsten fühlt sie sich im Steingarten.
• Muscari latifoliumDas Breitblättrige Träubel hat oft nur ein Blatt und wirkt sehr ordentlich. Auffallend kontrastreiche Blüte
im Mai. Verwildert, wird aber nie lästig.
• Muscari aucheriBildet vergleichsweise wenige Brutzwiebeln und ist für überschaubare Pflanzungen gut geeignet. Schön als erster Frühlingsbote im Topf.
• Muscari armeniacumDie Armenische Traubenhyazinthe bildet so dichte Horste, dass sie zuweilen als Beeteinfassung kultiviert wird. Mit feinem Honigduft.
• Muscari neglectumDas sehr robuste Weinbergs-Träubel breitet sich rasant aus: Nachtblaue, duftende Blütenteppiche im April.
• Muscari ‘Peppermint’Besonders reich blühende, sehr helle Sorte. Schön zu weißen Blühern, z. B. Anemone blanda ‘White Splendour’.
• Muscari ‘Album’ Die weiße Sorte gibt’s von verschiedenen Arten. M. azureum ‘Album’ blüht von März bis April. M. botryoides ‘Album’ (im Bild) verlängert die Blütezeit bis in den Mai.
• Muscari ‘Ocean Magic’Ausdauernde Blüte mit feinem, süßem Duft. Auch andere Sorten sind weiß bewipfelt, z. B. die insgesamt viel dunklere ‘Mount Hood’.