Foto: AdobeStock_Florian

Regrowing: Gemüse nachwachsen lassen

Eigentlich sind Lauchzwiebeln, Salat, Karotten und andere Gemüsereste eigentlich viel zu schade für die Mülltonne oder den Kompost, finden Sie nicht auch? Gerade wenn es doch mit dem sogenannten Regrowing so fabelhaft funktioniert, das Gemüse ganz einfach nachwachsen zu lassen. Wir möchten Ihnen erklären, was es mit dem Konzept auf sich hat, Gemüse vorstellen, das sich für den beliebten Trend eignet, und zeigen, wie auch Sie erfolgreiche Regrower werden.

Regrowing – voraussichtliche Lesedauer: 8 Minuten

Regrowing: Was ist das eigentlich?

Der Begriff „Regrowing“ stammt aus dem Englischen und wird mit dem Wort nachwachsend übersetzt. Dahinter verbirgt sich ein Prinzip, das Gärtner*innen und Hobbygärtner*innen sehr wahrscheinlich eher unter den Bezeichnungen Stecklingsvermehrung oder vegetative Vermehrung kennen dürften.

Ziel des Regrowings ist es, bestimmte Gemüsereste nicht gleich zu entsorgen, sondern sie wieder zu verwenden, indem man sie mit ein wenig Geduld nachwachsen lässt. Bei bestimmten Resten klappt das richtig gut.

In den meisten Fällen wird der besagte Gemüserest (beispielsweise ein etwa 2 cm langer Strunk eines Romanasalatkopfs) für einige Tage in ein Glas mit etwa 1 cm Wasser gestellt. Noch besser funktioniert es, wenn die äußeren Blätter davor entfernt werden. Um schlieriges Wasser oder gar Fäulnis zu vermeiden, sollte das Wasser in regelmäßigen Abständen gewechselt werden.

Regrowing von Romanasalatherz Foto: AdobeStock_CrispyMedia
Dunkelgrün, frisch und knackig: Romanasalat bildet bei guten Bedingungen schnell neue Blätter. Foto: AdobeStock_CrispyMedia

Bei sonnigem Wetter dauert es dann meist nicht lange, bis sich aus der Mitte des Salats neue Blätter bewegen. An diesem Punkt können Sie den Strunk auch samt Wurzeln in einen Topf mit Erde setzen. Wir empfehlen Anzuchterde. Was den Standort betrifft, müssen Sie sich an den Ansprüchen der jeweiligen Pflanze orientieren.

Übrigens: Das Prinzip hilft auch bei der Lagerung. Wer wenig Platz im Kühlschrank hat, kann Salatkopf, Lauchzwiebeln und Co. in einer Schale mit etwas Wasser auf der Fensterbank lagern. So bleibt das Gemüse knackig frisch und wächst sogar noch weiter.

Welches Gemüse eignet sich?

Für das Regrowing im Glas eignen sich folgende Reste besonders gut:

  • Lauchzwiebel
  • Porree
  • Zwiebel
  • Knoblauch
  • Möhre
  • Süßkartoffel
  • Petersilienwurzel
  • Salat
  • Staudensellerie
  • Kartoffel
  • Basilikum

Bei Lauchpflanzen (Allium) ist es zum Beispiel so, dass sie in einem mit Wasser gefüllten Glas sehr schnell treiben. Setzen Sie einfach die trockenen Wurzelreste ins Nass. An einem sonnigen Platz werden Zwiebel, Porree und Co. auf diese Weise schnell ein neues Wurzelsystem entwickeln. Wer keine ganze Zwiebel nutzen möchte, kann auch mit dem Wurzelabschnitt arbeiten.

Möhren, Süßkartoffeln, Petersilienwurzeln und Co. verhalten sich etwas anders. Hier können Sie nicht mit einem ganz neuen Gemüse rechnen, aber das Grün wächst umso schneller und schmeckt ebenso frisch.

Regrowing von Karotte und Süßkartoffel Foto: AdobeStock_Rabovski.de
Karotte (links) und Süßkartoffel (rechts) wachsen im Glas zwar nicht komplett nach, aber bieten knackiges Grün. Foto: AdobeStock_Rabovski.de

Wer bei Salaten wie Romana oder Kopfsalat, aber auch bei Staudensellerie mittels Regrowing auf frisches Grün setzt, sollte vorgehen wie bei den Lauchpflanzen. Auch hier muss auf sauberes Wasser geachtet werden, um Fäulnis zu vermeiden.

Von den meisten Kräutern hingegen wie beispielsweise Basilikum werden die Triebspitzen in ein Wasserglas gestellt. Haben diese nach einer Weile Wurzeln ausgebildet, können sie ebenso in einen Topf gepflanzt werden. Bei Supermarktkräutern ist das besonders praktisch, denn die Pflanzen gehen meist an Stängelgrundfäule ein. Das passiert vor allem, weil die Kräuter zu eng angebaut wurden. Auch Teilung ist möglich und hilft dabei, den Supermarktbasilikum länger frisch zu halten.

Unser Regrowing-Beispiel: Lauchzwiebeln nachwachsen lassen

Lauchzwiebeln eignen sich geradezu perfekt, um Regrowing auszuprobieren. Der Erfolg ist sozusagen schon vorprogrammiert. Hier möchten wir Ihnen darum Schritt-für-Schritt beschreiben, wie Sie bei den grün-weißen Stangen vorgehen:

  1. Möchten Sie die Frühlingszwiebel verwenden, schneiden Sie die Stangen bis auf 1 bis 2 cm über dem Wurzelansatz ab. Ist das nicht der Fall, können Sie das Zwiebelgemüse auch einfach komplett benutzen.
  2. Nehmen Sie sich ein Gefäß mit 1 bis 1,5 cm Wasser und setzen die trockenen Wurzelreste ins Nass.
  3. Achten Sie auf einen sonnigen Standort (z.B. auf einer Fensterbank mit Süd- oder Westausrichtung), damit schnell ein neues Wurzelsystem entstehen kann.
  4. Sobald kräftige Wurzeln vorhanden sind, dürfen Sie die Lauchzwiebeln in einen Topf pflanzen.
Frühlingszwiebeln wachsen nach Foto: AdobeStock_Mehriban
Ob Sie ein, zwei, drei oder mehrere Lauchzwiebeln in ein Glas setzen, mindert Ihre Erfolgschancen nicht. Foto: AdobeStock_Mehriban

Regrowing im Alltag

Das Prinzip des Regrowings ist herrlich unkompliziert. Mit ein bisschen Wissen, Fingerspitzengefühl und einer sonnigen Fensterbank können Sie schon loslegen. Und es gibt noch mehr Vorzüge, z. B. für Familien oder Kreative. Wir möchten Ihnen erklären, was die Vorteile für unsere Kleinsten sind und Sie anregen, Ihrer Kreativität bei der Gestaltung Ihres Minigartens freien Lauf zu lassen.

Kinderleicht: Warum Regrowing so toll für unseren Nachwuchs ist

Wer seine Kinder behutsam ans Gärtnern heranführen möchte, ist mit Regrowing übrigens mehr als gut beraten. Durch die einfachen Abläufe und das Hinarbeiten auf kleine Erfolgserlebnisse werden Kinder spielerisch an die Arbeit im Nutzgarten herangeführt. Je nachdem, welches Alter sie haben, können verschiedene Prozesse mit ihnen durchgespielt werden.

Bei den etwas größeren Kindern steht das Thema Umweltschutz beispielsweise schon ganz oben auf der Agenda. Die Kinder können mittels Regrowing ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass nicht jeder Gemüse- oder Obstrest in den Müll gehört, der auf den ersten Blick als solcher erscheint. So schulen Sie den sparsamen Umgang mit Ressourcen.

Beziehen Sie die Kinder zudem in den kompletten Prozess mit ein, indem Sie ihnen beispielsweise die Suche nach einem möglichen Standort zuteilen. Die Kleinsten erfreuen sich sicher an einfachen Aufgaben, wie dem Schneiden eines Strunks oder der Spannung, die dabei aufkommt, die eigenen Pflänzchen wachsen zu sehen. Später können sie die Erträge verarbeiten. Lassen Sie Ihre Kinder Salat oder Ähnliches zubereiten!

Gestaltungstipps: Es müssen nicht immer langweilige Gläser sein!

Regrowing macht Ihnen richtig Spaß, aber Sie möchten ihre Fensterbank nicht mit lieblosen Gefäßen zustellen? Das ist nachvollziehbar und auch gar nicht nötig. Werden Sie kreativ, indem Sie Ihren Minigarten bunt und fröhlich gestalten. Das funktioniert am besten mit einer gewissen Einheitlichkeit. Achten Sie auf Materialien, Farben oder Muster. Wiederholen sie sich, entsteht ein stimmiges Konzept, an dem Sie sich nicht sattsehen können.

Oder Sie probieren es mit nachhaltigen Varianten wie dem Upcycling von Plastikflaschen oder Marmeladengläsern und Co.? Die Umwelt wird es Ihnen danken und Ihre Fensterbank ebenfalls.

Regrowing und Upcycling in einem Foto: AdobeStock_taira42
Regrowing trifft auf Upcycling: Plastikflaschenböden, etwas Maskingtape, Draht und fertig sind die bunten Hängegefäße. Foto: AdobeStock_taira42

Avocadobaum nachziehen: Grün für die Seele

Es muss ja nicht immer gleich etwas Essbares beim Regrowing entstehen. Wenn Sie sich noch einen Zimmerbaum im Wohnraum wünschen, tut es auch ein kleiner Avocadokern, wussten Sie das? Früchte wachsen an diesem Bäumchen zwar nicht, denn dazu müssten zwei unterschiedliche Arten verwendet werden, deren Blüten sich jeweils gegengleich öffnen. Für den hübschen Anblick reicht es aber allemal!

Entfernen Sie einfach den Kern unbeschadet aus der Avocado, z. B. wenn Sie eine leckere Guacamole zubereiten. Waschen und trocknen Sie ihn und stecken vorsichtig drei Zahnstocher seitlich hinein (etwa auf halber Höhe). Der Kern wird nun mit der spitzen Seite nach oben in ein Gefäß mit Wasser gehängt. Dank der Zahnstocher kommt so nur das untere Ende des Avocadokerns mit dem Wasser in Berührung.

Ziehen von Avocados Foto: AdobeStock_ jovinko
Avocadobäumchen sind wirklich hübsch anzusehen. Nach einigen Wochen entstehen meist schon kleine Exemplare. Foto: AdobeStock_ jovinko

Mit ein bisschen Glück bilden sich auf diesem Weg in einigen Wochen Wurzeln und Sie können sich ab sofort ans Einpflanzen machen. Achten Sie aber darauf, dass der spitze Teil des Kerns im Topf nicht mit Erde bedeckt wird und unterstützen Sie den Prozess, indem Sie mit einem Glassturz oder einer Plastiktüte sowie regelmäßigen Gießeinheiten genug Luftfeuchtigkeit erzeugen.

An einem hellen Ort mit über 20 Grad Celsius aufgestellt, sollte der Avocadokern bald beginnen zu keimen. Sobald ein paar grüne Blätter zu sehen sind, können Sie Sturz oder Tüte entfernen und das Bäumchen an seinen endgültigen Standort stellen. Ist es nicht unverschämt leicht, seinen eigenen Avocadobaum zu ziehen?

Achtung: Die Ökobilanz von Avocados ist leider katastrophal, daher sollten Sie sich bei jedem Einkauf die Folgen für Mensch und Natur bewusst machen. Zudem muss ein Avocadobäumchen mit viel Wasser versorgt werden. Darüber sollten Sie sich im Klaren sein.

Sie finden Regrowing klasse, aber möchten lieber mehr über nachhaltige Themen wie Vertical Farming erfahren? Dann schauen Sie doch in unseren Artikel zum Thema.

Wir freuen uns auf Sie!

SELINA MENKE

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