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Rotkehlchen –Vogel mit unverkennbarem Gesang

Das Rotkehlchen ist unter den Gartenvögeln wohl einer der auffälligsten Vertreter. Mit seiner roten Brust ist es für Gärtner*innen schnell zu entdecken. Aber auch sonst macht der Vogel auf sich aufmerksam: Das Rotkehlchen ist einer der wenigen Vögel, bei denen sowohl Männchen als auch Weibchen singen können. Und so versüßt uns sein Gesang die Tage im Garten.

Rotkehlchen – voraussichtliche Lesedauer: 5 Minuten

Rotkehlchen: So lebt der Vogel in Ihrem Garten

Das ganze Jahr über fühlt sich das Rotkehlchen hierzulande wohl. Zwar ziehen einige im Winter Richtung Süden, der größere Teil bleibt aber bei uns. Und so ist es möglich, diesen besonderen Gartenvogel zwölf Monate im Jahr zu beobachten.

Haben Weibchen und Männchen zueinander gefunden, bleiben sie das Jahr über ihrem Standort treu. Das führt unter anderem dazu, dass Männchen ihr Revier bis aufs Blut verteidigen. Das geht sogar so weit, dass Rivalen, die nicht weichen wollen, im Kampf sterben. Im Reich der Rotkehlchen gibt es deutlich mehr Männchen als Weibchen – daher gehen manche Männchen in einer Saison auch schon mal leer aus. Nachts versammeln sich diese alleinlebenden Männchen dann und übernachten zusammen tief in einem Gebüsch versteckt, bevor sie morgens wieder in ihr Revier zurückkehren.

Den Nestbau übernehmen die Weibchen

Weibchen und Männchen leben für die Brutzeit als monogames Paar zusammen, wobei das Weibchen zwischen März und April fünf bis sieben Eier legt. Zwischen Juni und Juli ist eine zweite Brut möglich. Wenn es um den Bau seines Nestes geht, ist es nicht anspruchsvoll. Der Vogel nistet in Bodennähe, den genauen Platz sucht sich das Weibchen aus. Um das Nest stabil zu bauen, nimmt sich das Rotkehlchen, was es gerade finden kann. Besonders beliebt sind zum Beispiel:

  • Laub
  • Moos
  • Wurzeln
  • Tierhaare
  • Federn

Das Weibchen braucht etwa fünf Tage, bis das Nest fertig ist. In dieser Zeit sitzt das Männchen nicht weit entfernt und singt ihr zu. Bekommt das Vogelpärchen noch eine zweite Brut im Jahr, baut das Weibchen ein neues Nest. Dabei zeigt sich das Weibchen sehr flexibel: Findet es keinen geeigneten Platz für ihr Nest, zieht es gerne auch in ein altes Amselnest ein.

Schnecken als Bedrohung

Nach etwa zwei Wochen Brutzeit schlüpfen die Jungtiere aus ihren Eiern. Zu Beginn noch blind, füttert die Mutter sie, während der Vater wiederum die Mutter mit Futter versorgt. Vogelschutzexperte Eric Neuling vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) erklärt auf Anfrage der GartenFlora, dass die völlig nackten und nur wenige Zentimeter großen Küken in ihren ersten Lebenstagen leichte Beute für Laufkäfer oder fleischfressende Schnecken wie Tigerschnegel seien. Schnecken und Käfer erreichen die bodennahen Nester ohne große Probleme und fressen bei Gelegenheit die hilflosen Vogelküken gerne.

Junge Rotkehlchen: Schwerer Start mit vielen Feinden

Nach rund zwei Wochen verlassen die kleinen Vögel das Nest, können aber noch nicht fliegen und sind in dieser Zeit leichte Beute für Feinde wie Katzen, Eulen, Ratten oder Eichhörnchen. Die Eltern versorgen sie weiterhin mit Futter und der Vater beginnt, den Kindern aus einiger Entfernung vorzusingen. So können sich die Kleinen den Gesang genau einprägen und wissen, von wem sie Futter erwarten können. Nach 22 Tagen sind die Jungtiere dann in der Lage, sich selbst zu versorgen, und die Eltern vertreiben sie kurze Zeit darauf aus ihrem Revier. Im Schnitt wird ein Rotkehlchen aufgrund der hohen Sterblichkeit der Jungtiere nicht älter als 1,25 Jahre. Die Singvögel sind aber auf ihre kurze Lebensdauer eingestellt – genau aus diesem Grund legen sie viele Eier und brüten mehrmals im Jahr.

Fünf kleine Rotkehlchen sitzen in einem Nest aus Moos, Blättern und Ästen und strecken gierig ihre gelben, weit aufgespannten Schnäbel in die Luft.
Frisch geschlüpfte Rotkehlchen sind besonders leichte Beute für Fressfeinde wie Katzen und Ratten. [Foto: AdobeStock_Martin Grimm]

Rotkehlchen begeistern mit eindrucksvollem Gesang

Der Gesang des Rotkehlchens ist aus mehreren Gründen besonders: Zum einen ist das Rotkehlchen einer der wenigen Gartenvögel, bei denen sowohl das Männchen als auch das Weibchen singt. Zum anderen begleitet uns die Melodie des Rotkehlchens bis in die Nacht hinein und ist eine der ersten Stimmen am frühen Morgen, die man im Garten hört.

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Schon eine Stunde vor Sonnenaufgang können Gärtner*innen dem Vogel lauschen und dabei Töne vernehmen, die an ein hohes „Siiiip“ oder „Tick“ erinnern. Der Gesang nimmt beim Rotkehlchen verschiedene Funktionen ein. So verteidigt das Männchen damit beispielsweise sein Revier, bindet seine Jungvögel an sich oder trällert laut bei der Balz mit dem Weibchen zu Beginn des Jahres. Da das Weibchen das Männchen erst überzeugen muss, sie in sein Revier einziehen zu lassen, nutzt sie ihren Gesang, um ihm Unterwürfigkeit zu demonstrieren.

Der richtige Unterschlupf

Die laut NABU als zutraulich geltenden Tiere kommen einem besonders nahe, wenn Pflanzenfans gerade den Boden im Garten umgraben. Dann wittern sie eine Chance, Regenwürmer oder andere Insekten aus dem Boden picken zu können. Gärtner*innen, die das Rotkehlchen in ihrem Garten etwas unterstützen möchten, können einen Nistkasten aufstellen. Dabei müssen sie folgende Dinge beachten:

  • der Nistkasten darf nicht höher als ein Meter über dem Boden angebracht sein
  • perfekt ist eine kleine Halbhöhle, die innen etwa zehn mal zehn Zentimeter Platz hat

Tipp: Da das Rotkehlchen nicht sehr wählerisch bei der Nahrungsaufnahme ist, ist eine Fütterung im Winter leicht zusammengestellt. Das Futterhäuschen sollte für Rotkehlchen am besten Haferflocken, Mohn, Kleie, Rosinen oder Obst enthalten. Die Tiere fressen ausschließlich Weichfutter, weswegen Körner ihnen im Winter nicht weiterhelfen.

Die richtige Bepflanzung des Gartens kann die Vögel ebenfalls bei der Nahrungssuche unterstützen. Lesen Sie hier, warum einige Gartenvögel beispielsweise die Felsenbirne bei der Suche nach Futter anfliegen. Und wenn nicht nur Rotkehlchen, sondern auch andere gefiederte Freunde Ihren Garten besuchen, erfahren Sie hier mehr über andere heimische Vögel.

ANNA KATHARINA KÜSTERS

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