Dachbegrünung – kleiner Dachgarten mit großer Wirkung

Mülltonnenbox mit beplanztem Dach

Wie wäre es mit einem Stück Extragarten? Dem Dach von Carport, Gerätehaus oder Hundehütte steht eine lebendige grüne Haube sicher gut. Und wenn sich Mülltonnen schon nicht ganz verstecken lassen, so sieht der Abstellplatz mit einem Gründach doch gleich viel schöner aus. Außerdem fügt er sich so sogar gut in den üppig bepflanzten Vorgarten ein.

Schon vor Urzeiten setzten die Menschen Dachwurze auf ihre Dächer. Diese robusten Pflanzen galten als sicherer Schutz vor Blitzschlag. Auch wenn man heute Blitzableiter bevorzugt, schmückend sind die Dickblattgewächse allemal. Doch nicht nur das, denn grüne Dächer sind die Dachbedeckungen der Zukunft. "Einen Wald auf dem Dach zu haben oder eine wilde Wiese oder einen Gemüsegarten, wird selbstverständlich sein“, prophezeite Friedensreich Hundertwasser vor gut 30 Jahren.

Dachbegrünung hat viele Vorteile

Eine schöne Vorstellung – die Natur kommt in die Stadt zurück. Das ist längst kein romantischer Tagtraum mehr. Die Dachbegrünung gewinnt immer mehr an Bedeutung. Denn Gründächer verbessern nicht nur unsere Wohnqualität, sie sorgen unter anderem dafür, dass mehr Niederschlagswasser verdunstet und gleichzeitig weniger Abwasser produziert wird.

Gründächer haben auch einen positiven Einfluss auf das Klima. So ist es im Sommer über einer Pflanzendecke bis zu 30 °C kühler, als über unbegrünten Dächern. Und im Winter wirkt ein Gründach isolierend. Doch trotz der vielen positiven Effekte und obwohl man zum Teil finanziell unterstützt wird, wenn man ein Stück Natur in die Stadt oder Siedlung zurückholt, stehen die meisten Hausbesitzer der Dachbegrünung skeptisch gegenüber.

Sie befürchten, dass das Dach beschädigt wird und das Vorhaben zu teuer und zu aufwendig ist. Aber vielleicht fangen Sie einfach mal klein an. Versuchen Sie sich an Ihrem Geräteschuppen, Ihrem Holzunterstand oder, ganz einfach, begrünen Sie die Hundehütte oder das Vogelhäuschen. Es gibt sogar Boxen, zum Beispiel als Abstellmöglichkeit für Fahrräder, deren Dach so gestaltet ist, dass es mit Stauden, Gräsern, Kräutern oder Gemüse bepflanzt werden kann.

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Pflanzenempfehlungen für die Dachbegrünung

Für solche Kleinprojekte empfiehlt sich die einfachste Variante der Dachbegrünung, die Extensivbegrünung. Sie arbeitetet mit anspruchslosen, trockenheitsresistenten Pflanzen, die mit einer sehr dünnen Substratschicht auskommen.

Am häufigsten werden niedrige Fetthennen (Sedum)-Arten und -Sorten sowie Dachwurze (Sempervivum) verwendet. Dazu können niedrige und polsterbildende Stauden und Zwiebelpflanzen kombiniert werden, beispielsweise Katzenpfötchen (Antennaria dioica), Zwerg-Glockenblumen (Campanula cochleariifolia), Schnittlauch (Allium schoenoprasum) und Polster-Thymian (Thymus Hybriden).

Um Akzente zu setzen, sollten Sie einige Gräser und höhere Stauden dazu pflanzen. Hier bieten sich Blaugrünes Schillergras (Koeleria glauca), Zittergras (Briza media), Haar-Federgras (Stipa capillata), Wiesen-Schafgarbe (Achillea millefolium), Färber-Hundskamille (Anthemis tinctoria) und Ausdauernder Lein (Linum perenne) an.

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Bauliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Dachbegrünung

Bevor es losgeht, sollten Sie sicher sein, ob das zu bepflanzende Dach eine Last von 80–170 kg/m² tragen kann. So wiegt eine Extensivbegrünung wie man sie oft auf Carports und Garagen sieht, etwa 120 kg/m². Das entspricht etwa dem Gewicht einer typischen 5–6 cm hohen Kiesschutzschicht auf einer Garage.

Außerdem muss das Dach eine Neigung von mindestens 2 % aufweisen, damit das Wasser abfließen kann. Im Idealfall beträgt die Neigung auch nicht mehr als 15 %. Sie müssen dann keine zusätzlichen Maßnahmen ergreifen, die das Abrutschen des Substrates verhindern.

Dachbegrünung erfordert stabile Unterlagen

Sind diese Fragen geklärt, legen Sie als erstes eine wurzelfeste und UV-stabile Kunststofffolie, zum Beispiel Teichfolie, über die Dachabdichtung. Darüber kommt eine 2–3 cm dicke Dränschicht aus Lava oder Bimskies, die überschüssiges Wasser aufnimmt und es den Dachabläufen zuführt.

Damit das Substrat nicht in die Dränschicht ausgewaschen wird, legen Sie ein dünnes Vlies darüber. Anschließend tragen Sie die Substratschicht auf, die aus etwa 60 % Kultursubstrat und 40 % Lava oder Tongranulat bestehen sollte. Pflanzt man ausschließlich Moose, Sedum und Sempervivum, reicht eine 2–5 cm hohe Substratschicht aus. Kommen Gräser und Stauden dazu, sollte die Schicht 8–10 cm hoch sein.

Dachbepflanzung - so geht's

Setzen Sie nun Pflanzen mit möglichst flachen oder kleinen Ballen ein. Oder Sie verwenden vorkultivierte Pflanzenmatten. Es gibt auch Sedumsprosse, die Sie einfach nur aussäen. Kurz angießen und dann gemütlich zurücklehnen.

Ihr Gründach müssen Sie sich in der Folgezeit kaum kümmern. Lassen Sie vor allem das Gießen sein! Sie würden damit nur die Ansiedlung von Unkräutern fördern. Ab und zu muss man noch die Sämlinge von Bäumen und Sträuchern entfernen. Aber mehr ist nicht zu tun.       

Monica Lietzau


Pflanzen für die extensive Dachbegrünung 

● Allium carinatum (Gekielter Lauch)
● Allium caeruleum (Blau-Lauch)
● Androsace sempervivoides  (Himalaya-Mannsschild)
● Dianthus carthusianorum  (Kartäuser-Nelke)
● Helianthemum nummularium  (Gewöhnliches Sonnenröschen)
● Iris pumila-Hybriden (Zwerg-Schwertlilien)
● Petrorhagia saxifraga (Steinbrech Felsennelke)
● Sedum acre (Scharfer Mauerpfeffer)
● Sedum album (Weiße Fetthenne)
● Sedum dasyphyllum (Buckel-Fetthenne)
● Sedum rupestre (Tripmadam)
● Sedum sexangulare (Milder Mauerpfeffer)
● Saxifraga cespitosa (Polster-Steinbrech)
● Saxifraga crustata (Krusten-Steinbrech)
● Sempervivum (Hauswurz),  alle Arten und Sorten


Bestellangebot Pflanzenset für Gründächer (solange Vorrat reicht)

Dieses Pflanzen-Set enthält Sedum-Sorten, die aufgrund ihres Wurzelwerkes ideal für die Dachbegrünung geeignet sind. Über dem immergrünen Blattwerk bilden sich im Sommer zahlreiche gelbe Blütensternchen. Die Blüten des 'Weihenstephaner Gold' überdecken aufgrund der großen Blühfreudigkeit teilweise das gesamte Blattwerk. Die Blüten des 'Immergrünchen' sind außerdem ein echter Bienenmagnet. Für warmen, sonnigen Standort. Bei gutem Wasserabfluss auch Kübelpflanzung möglich.

» Bestellangebot im GartenFlora-Shop: Pflanzen für Gründächer

Tipps und Inspirationen für Miniatur-Dachgärten

Steile Dächer wie das eines Insektenhotels (Foto rechts) sind nicht so leicht zu begrünen. Das Substrat darf nicht abrutschen. Daher gibt es Kunststoffgitter, die das Substrat und die Pflanzen festhalten.

Ein Gründach aus der Tüte: Geduldigen Gärtnern bietet Kiepenkerl eine Saatgutmischung zur Dachbegrünung an. Die Mischung enthält Samen von zahlreichen Magerwiesenpflanzen sowie verschiedenen Sedum- und Sempervivum-Arten. Der Inhalt reicht für ca. 3-4m².

Fetthenne auf dem Dach einer Hundehütte - warum nicht? Ihr Hund wird sich mit den kleinen grünen Gesellen sicher gut verstehen. Außerdem halten sie die Behausung im Sommer deutlich kühler als eine nackte Dachpappe. Ein grünes Fetthennen-Polster schmückt sommers wie winters, denn die hübschen Dickblattgewächse sind wintergrün.

» Illusionen - kleine Gärten größer erscheinen lassen


Gräser und Sommerblumen verwandeln die Sitzecke für Urban Gardeners (Foto links) in eine kleine Naturoase. Dazu passt die Abgrenzung zum Nachbarn: eine Wand mit Bienen- und Insektenhotels, gefertigt aus alten Fahrradfelgen und Zaunelementen. Auch ein Carport könnte ähnlich mit einem begrünten Dach gestaltet werden und wirkt besonders natürlich, wenn einige Pflanzen mit langen Trieben über den Rand hinaus wachsen.

So ist von einem Gartenhäuschen nicht mehr viel zu sehen: Kletterrosen und Waldreben an den Seiten und am Giebel hochranken lassen. Das Dach wird von Fetthenne, Hauswurz und Gräsern geschmückt. So entsteht ein märchenhafter Anblick! Der Scharfe Mauerpfeffer (Sedum acre) ist ideal für Dächer und zeigt von Juni bis August seine hübschen, gelben, sternförmigen Blüten. Übrigens gibt es auch eine gelbblättrige Sorte.
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