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Leberblümchen:5 Tipps zur Pflanzung und Pflege

Zart und grazil entwachsen die winzigen Blütenstände des Leberblümchens (Hepatica nobilis) dem laubbedeckten Waldboden. Je nach Witterung zeigen sie sich zwischen März und April, insgesamt hält sich eine einzelne Blüte nur für etwa 8 Tage. Obwohl sie einzeln äußerst unscheinbar sind, entfaltet die Waldstaude eine außerordentliche Wirkung, wenn sie einen ganzen Teppich aus meist bläulichen oder violettfarbenen Farbtupfern hervorbringt. Auch im Garten kann das Leberblümchen angepflanzt werden. In unwirtlich-schattigen Lagen, kalkhaltigem Gartenboden, auch unter alten Baumbeständen, wo sonst nichts so recht wachsen will, fühlt es sich gerade wohl.

Das Leberblümchen: Klein, aber ausdauernd

Über die botanische Einordnung des Leberblümchens herrscht etwas Uneinigkeit. Teilweise werden sie unter der großen Gattung Anemone gefasst, meistens aber in die Untergattung der Hepatica eingeordnet, die wiederum 7 Arten umfasst. Sicher ist, dass sie zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) gehören.

Hepatica nobilis ist die am weitesten verbreitete Art und wächst wild in verschiedenen Gebieten Europas, meist in Laub- aber auch in Mischwäldern. Sogar in den Alpen kommt das Leberblümchen vor, in Gebirgshöhen von bis zu 1500 Metern. Ist es an einem Standort erstmal etabliert, kann es mehrere hundert Jahre alt werden. In Deutschland steht das Leberblümchen unter Schutz, ein Pflücken oder Ausgraben der wildwachsenden Pflanzen ist daher verboten. Dafür finden sich in Gärtnereien meist eine Vielzahl an Arten und Sorten der charmanten Kleinstaude.

Achtung giftig: Pflanzen der Familie der Hahnenfußgewächse sind giftig, sie enthalten den Giftstoff Protoanemonin. Im Falle des Leberblümchens können darum bei Verzehr Vergiftungserscheinungen auftreten, aber auch bereits der Hautkontakt führt oft zu Reizungen und Irritationen.

Tipp 1: Ein waldähnlicher Standort

Leberblümchen Foto: AdobeStock_Madeleine
Die leberähnliche Form der Blätter gab dem Leberblümchen seinen Namen. Foto: AdobeStock_Madeleine

In den Wäldern Europas gedeiht das Leberblümchen meist auf kalkhaltigen bis schwachsauren Lehmböden, die von einer dünnen Schicht Humus bedeckt werden. Wenn es etwas steinig ist, macht ihm das nichts aus – im Gegenteil, denn mineralische Böden verhindern Staunässe. Aufgrund der hohen Bäume ist die kleine Staude halbschattige oder schattige Lagen gewöhnt. Im Frühjahr allerdings, wenn die Bäume in Laubwäldern gerade selbst erst austreiben, darf es etwas lichter sein.

Im Garten eignet sich das Leberblümchen darum hervorragend für eine Unterpflanzung an Laubgehölzen (bei Nadelgehölzen ist der Boden meist etwas zu sauer). In Kombination mit anderen, kalkverträglichen Frühlingsblühern können tolle Arrangements entstehen, beispielsweise mit Tulpen oder Krokussen. Wenn der Gartenboden sehr sauer ist, können Sie ihn durch regelmäßiges Aufkalken anpassen.

Während das Leberblümchen Staunässe gar nicht gut verträgt und bei langanhaltender Nässe meist nicht überlebt, sollte es komplett trocken jedoch auch nicht sein. Besonders im Frühjahr, wenn das Wachstum anläuft, ist eine mäßige Feuchte förderlich.

 

Tipp 2: Kalkhaltiges Wasser und wenig Dünger

Das Leberblümchen ist im Grunde sehr pflegeleicht. Meistens müssen Sie ausgepflanzte Leberblümchen nicht zusätzlich gießen. In schattigen Lagen bleibt der Boden ohnehin ausreichend feucht. Während sehr heißen und trockenen Sommern muss aber schon mal etwas nachgeholfen werden. Auch starke Hanglagen können zu vermehrter Austrocknung führen. Gießen Sie am besten so, dass die Blätter nicht benetzt werden und verwenden Sie Leitungswasser. Wasser aus der Leitung ist oft kalkhaltig und somit verbessern Sie gleichzeitig den pH-Wert für das Leberblümchen.

Auch Dünger ist nicht notwendig, wenn der Standort leicht humos ist. Sie können ein wenig organischen Dünger im Frühjahr verteilen, müssen jedoch vorsichtig beim Einarbeiten sein, um die Wurzeln nicht zu stören.

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Im Wald müssen sich die kleinen Blümchen durch Äste, Moos, Laub und manchmal auch Schnee ans Sonnenlicht kämpfen. Foto: Guntar Feldmann

Tipp 3: Geduld und Ruhe für das Leberblümchen

Das Leberblümchen wächst sehr gemächlich und breitet sich nur langsam in die Breite aus. Wer von Beginn an eine dichte Bepflanzung wünscht, sollte dementsprechend gleich mehrere Exemplare setzen. Ansonsten ist Geduld gefragt. Ameisen unterstützen das Leberblümchen bei der Selbstaussaat, indem sie die Samen zuerst in ihren Ameisenbau befördern, dort einen Teil der Hülle abknabbern und sie anschließend wieder ans Tageslicht bringen, wo sie mit dem Keimen beginnen. Eine Vermehrung durch Teilung ist im Gegensatz zu anderen Stauden nicht zu empfehlen, da es die Leberblümchen zu viel Kraft kostet. Wenn jedoch der Standort stimmt und die Staude über einige Jahre anwachsen konnte, wird sich der Bestand so schnell nicht mehr verabschieden und bereitet Ihnen lange Freude.

Bis dahin ist entscheidend, dass das Leberblümchen nicht gestört wird. Bereits beim Pflanzen sollten Sie sicherstellen, dass keine anderen Pflanzen es in nächster Zeit an der Ausbreitung hindern können. Im Idealfall hat das Leberblümchen erstmal den gesamten Platz für sich. Auch auf Umpflanzen sollten Sie wenn möglich verzichten. Bei jeglichen Pflegearbeiten ist ebenso Vorsicht geboten.

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Sehr selten finden sich auch wildwachsende Leberblümchen mit weißen Kronblättern in Laubwäldern. Foto: AdobeStock_Schmutzler-Schaub

Für einen Winterschutz und um das Leberblümchen nicht zu beschädigen, sollten Sie Laub im Herbst nicht mit einem Rechen entfernen, sondern einfach liegenlassen. Die Laubschicht schützt die über den Winter eingezogene Staude vor Kälte und Nässe. Im Frühjahr kann es dann vorsichtig abgesammelt werden.

Tipp 4: Leberblümchen im Herbst pflanzen

Im Herbst ist die ideale Pflanzzeit für das Leberblümchen. Ähnlich wie für andere Frühjahrsblühern ist das Frühjahr als Pflanzzeit hier weniger geeignet, da die Pflanzen für die Blüte bereits viel Kraft aufwenden müssen. Die feinen Wurzeln des grazilen Leberblümchens neigen bei einer Frühjahrspflanzung vermehrt zur Austrocknung. Von September bis Anfang oder Mitte Oktober dürfen sie die grazile Staude in den Garten pflanzen. Für ein erfolgreiches Anwachsen ist es von Vorteil, dem Wurzelballen zuvor ein Wasserbad zu gönnen, sodass er sich richtig vollsaugen kann. Auch ein wenig Kompost unterstützt das Leberblümchen und erleichtert ihm so die Anfangsphase.

Um möglichst bald ein kompaktes Blütenmeer zu bestaunen, können Sie bei der Erstpflanzung zwischen 10 und 15 Pflanzen pro Quadratmeter setzen. Mit einer dichten Pflanzung verhindern Sie auch, dass andere Pflanzen dem Leberblümchen zuvorkommen und den Platz vereinnahmen. Weitere Pflanzpartner sollten erst folgen, wenn das Leberblümchen bereits erste Wurzeln schlagen konnte. 

Tipp 5: Verschiedene Arten und Sorten kennenlernen

Als echte Waldpflanzen nutzen die Leberblümchen die Zeit, wenn die Bäume noch kein Laub tragen, für ihre Blüte. Früh im Jahr fällt noch genügend Sonnenlicht durch das Geäst, damit sie ihre hübschen, grazilen Blütenstände ausbilden können. Mit leuchtenden Farben heben sich sich vom noch laubbedeckten Boden ab. Da die Blüte an sich pro Pflanze nur jeweils etwa eine Woche bestehen bleibt, kann eine Kombination mehrerer Arten sinnvoll sein, um die Blüte etwas zu verlängern – natürlich ist auch etwas Glück im Spiel, da Blütezeiten ebenso von vielen anderen Faktoren abhängen. Hepatica transsilvanica blüht aber beispielsweise oft schon ab Februar, die Sorte ‚Winterfreude‘ sogar manchmal schon im Januar, wohingegen Hepatica nobilis meist erst ab März oder April so weit ist.

Leberblümchen Foto: AdobeStock_butterfly-photos.org
Die Auswahl an Sortenzüchtungen ist nicht klein, darunter verschiedene Blütenfarben, auch mehrfarbige Varianten oder gefüllte Blüten. Foto: AdobeStock_butterfly-photos.org

Die vielen verschiedenen Blütenvariationen der Arten und Sorten zu entdecken macht besonders viel Freude. Sehr elegant ist zum Beispiel die Sorte ‚Rubra Plena‘ der Art Hepatica nobilis var. nobilis mit ihren gefüllten, rosafarbenen Blüten oder die zweifarbige Sorte Hepatica nobilis var. japonica ‚Fliederzauber‘.

LUISA ROTH

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