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Wacholder:Vielgestaltiges Nadelgehölz

Wussten Sie, dass Wacholder mehrere hundert Jahre alt werden können? Besonders alte Exemplare sind mit ihrem stattlichen Wuchs und den knorrigen Stämmen ein wirklich bewundernswerter Anblick. Insgesamt existieren zwischen 60 und 70 Arten, darunter auch Züchtungen wie Zwerg- oder Hängeformen, was den Wacholder zu einem vielseitig einsetzbaren Nadelgehölz macht. Wer sich ein edles und langlebiges Gewächs für den Garten wünscht, ist hier richtig.

 

Wacholder – voraussichtliche Lesedauer: 10 Minuten

Die Herkunft des Wacholders

Die Pflanzengattung der Wacholder (Juniperus) gehört zur Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae). Die meisten wildwachsenden Arten verteilen sich nördlich des Äquators, vorwiegend in den gemäßigten Klimazonen Europas, Asiens, aber auch in Nordamerika. Eine Ausnahme bildet dabei die Art Juniperus procera, deren Verbreitungsgebiet bis nach Ost-Afrika reicht. In Mitteleuropa sind sowohl der Gewöhnliche Wacholder (Juniperus communis) – auch Gemeiner Wacholder genannt – als auch der Sadebaum (Juniperus sabina) heimisch. Juniperus communis wächst auch in Deutschland, unter anderem in der Lüneburger Heide.

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Juniperus communis zwischen Gräsern und Heidekraut in der Lüneburger Heidelandschaft. [Foto: AdobeStock_imageBROKER]

Arten und Sorten

Unter den zwischen 60 und 70 Arten gibt es viele Wacholder, die für den Garten geeignet sind. Mit den vielen Arten und Sortenzüchtungen hat die Gattung ein beachtliches Sortiment unterschiedlichster Wuchshöhen, Farben und Formen zu bieten, wie etwa:

ArtBotanischer NameSorten
Gewöhnlicher WacholderJuniperus communisWildform wächst aufrecht, bis zu 8 m hoch
kriechende Zwergsorte ‚Repanda‘, bis zu 70 cm hoch
Chinesischer WacholderJuniperus chinensis‘Obelisk’: säulenförmiger Wuchs, dunkelgrüne Nadeln
‘Blaauw’: graublaue Nadeln, trichterförmig
Kriechender WacholderJuniperus horizontalis‘Blue Chip’: kriechend, blaugrün, wird nur etwa 20 cm hoch
‘Glauca’: kriechend, stahlblau, bis zu 40 cm hoch
Säulenwacholder Juniperus scopulorum‘Blue Arrow’: blaugrün, säulenförmig
‘Skyrocket’: grüne Nadeln, bis zu 8 Meter hoch
Sadebaum Juniperus sabina‘Variegata’: zweifarbige Nadeln
Beschuppter WacholderJuniperus squamata‘Blue Carpet’: flachwüchsig, bis zu 50 cm hoch

Wuchs und Aussehen

Wacholder sind immergrüne Koniferen, also Nadelgehölze. Mit Ausnahme bestimmter Zwergformen – zum Beispiel Juniperus communis ‚Compressa‘ oder Juniperus chinensis ‚Blaauw‘ – erreichen die meisten Wacholderarten zwischen vier und fünf Metern Endhöhe, selten auch mehr. Junge Sträucher haben eine noch glatte Rinde, je größer der Durchmesser wird, desto mehr löst sie sich allerdings in Streifen vom Stamm.

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Kriechender Juniperus horizontalis ‚Golden Carpet‘ mit unausgereiften Beerenzapfen. [Foto: AdobeStock_Sasha]

Während manche Arten straff aufrecht in die Höhe ragen, besitzen andere eher ausladendere Triebe, die auch leicht überhängen können. Obwohl die oftmals spitzen Nadeln dem Wacholder ein eher strenges Aussehen verleihen, hat das Gehölz etwas Erhabenes an sich.

Ist der Wacholder ein Strauch oder ein Baum?

Der Wacholder kann beides sein, sowohl Strauch als auch Baum. Die meisten Wacholder wachsen mehrstämmig und sind schon vom Boden her verzweigt, somit zählen sie zu den Sträuchern. Große, baumförmige Wacholder gibt es zwar selten, doch es gibt sie. Sie besitzen dann einen einzigen, unverzweigten Stamm. Dieser fällt im Vergleich zu anderen Bäumen jedoch recht kurz aus. „Strauch“ und „Baum“ bezeichnen stets nur die Wuchsform. Neben dem natürlichen Wuchs beeinflussen daher auch die Zuchtform und Schnittmaßnahmen, in welche Kategorie ein Wacholder letztlich fällt.

Nadeln, Blüten und Früchte

Wacholdernadeln können je nach Art hart und stechend sein oder auch eher zypressenartig abgerundet, mit übereinanderliegenden Schuppen. Farblich haben die Nadeln der Arten und Sorten eine große Varianz zu bieten – sie differieren von hell- oder dunkelgrün bis zu goldenen oder bläulichen Sorten. Besonders ist zudem, dass Wacholder im Frühjahr keine herkömmlichen Knospen bilden muss, um zu wachsen. Die Triebspitze wird von wenigen Nadeln schützend bedeckt und kann darum theoretisch das ganze Jahr über wachsen, solange es nicht zu kalt ist.

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Reife Wacholderbeeren – eigentlich sogenannte „Beerenzapfen“. [Foto: AdobeStock_oksix]

Zwischen April und Juni startet die Blütezeit, in der sich kleine, gelbe Blütenstände entwickeln. Wacholder ist zweihäusig, das bedeutet, es gibt sowohl männliche als auch weibliche Pflanzen, die jeweils unterschiedliche Blütenorgane besitzen. Die Pollen der männlichen Pflanzen werden vom Wind verteilt und von den weiblichen Blüten eingefangen. Weibliche Wacholder bringen daraufhin Beerenzapfen hervor. Genau genommen sind die bekannten Wacholderbeeren nämlich gar keine Beeren, sondern Zapfen – in einem späten Reifestadium und erst im zweiten Jahr nach der Befruchtung sind die ursprünglichen Zapfenschuppen nicht mehr erkennbar und sie haben sich in kugelige Beerenzapfen verwandelt, die optisch an kleine Heidelbeeren erinnern.

Ist Wacholder giftig?

Alle Arten der Gattung Juniper enthalten giftige ätherische Öle in allen Pflanzenteilen. Auch bei den Beerenzapfen des Gewöhnlichen Wacholders (Juniperus communis) ist das der Fall. Dennoch werden die Wacholderbeeren dieser Art in verschiedenen Lebensmitteln verarbeitet und kommen in der Küche als Gewürz zum Einsatz. Für gesunde Erwachsene ist die niedrige Konzentration des ätherischen Öls hier unbedenklich. Trotzdem sollten Wacholderbeeren stets nur sparsam eingesetzt werden.

Achtung, Verwechslungsgefahr!

Lediglich die Beerenzapfen des Gewöhnlichen Wacholders (Juniperus communis) sind zum Verzehr in kleinen Mengen geeignet. Die Früchte des Sadebaums (J. sabina) sind allerdings stark giftig und dürfen nicht verzehrt werden. Aufgrund des ähnlichen Aussehens kann es hier zu Verwechslungen kommen.

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Standortbedingungen und Substrat

Juniperus-Arten sind trockene, karge Landschaften gewöhnt. Sie kommen daher auch mit steinigem Gartenboden zurecht und benötigen nicht viele Nährstoffe. Außerdem gedeihen sie auch bei Trockenheit oder vermehrtem Kalkvorkommen. Ihre außerordentliche Anpassungsfähigkeit komplementiert die Vielseitigkeit der Gattung Juniperus. Verdichtete oder vernässte Böden sollten durch eine Sandzugabe den Bedingungen des Wacholders angepasst werden.

Was unabdinglich für ihn ist, ist das Sonnenlicht. Wacholder sind regelrecht sonnenhungrig. Ein Schattendasein strafen sie deshalb mit Kümmerwuchs und vertrockneten Zweigen. Auch Wärme lieben sie, trotzdem lässt sie ihre Robustheit den Winter überstehen und sie sind sogar ausgesprochen frosthart.

Tipp: Bevor Sie bei braunen Triebspitzen an eine mögliche Krankheit denken, sollten Sie Lichtmangel in Betracht ziehen. Ein zu schattiger Standort ist sehr viel häufiger die Ursache für dieses Symptom als Schädlings- oder Krankheitsbefall.

Wacholder pflanzen

In Baumschulen wird Wacholder meist als Ballenware, manchmal auch im Container, angeboten. Ein trockener Tag mit mäßiger Temperatur im Frühjahr ist der ideale Zeitpunkt zur Pflanzung. Auch an frostfreien Herbsttagen können Sie Wacholder pflanzen, anschließend müssen Sie aber für einen ausreichenden Winterschutz sorgen. Und so gelingt die Pflanzung:

Foto: AdobeStock_7monarda
Säulenwacholder
Juniperus scopulorum ‘Blue Arrow’.
[Foto: AdobeStock_7monarda]
  1. Ein gut durchfeuchteter Ballen erleichtert dem Gehölz das Anwachsen im neuen Boden. Gießen Sie den Wurzelballen darum zuvor ausgiebig. Sie können ihn auch für einige Zeit in ein Gefäß mit Wasser stellen, damit er sich vollsaugen kann.
  2. Das Pflanzloch, welches Sie ausheben, sollte doppelt so breit und doppelt so tief sein wie der Wurzelballen. Je nach Bodenbeschaffenheit kann ein zu knapp bemessenes Pflanzloch den Wurzeln das Anwachsen erschweren.
  3. Der Aushub wird im Verhältnis 1:1 mit frischer Erde oder Kompost vermengt.
  4. Platzieren Sie den Ballen zentral im Pflanzloch, sodass das Bodenniveau des Ballens mit dem des Gartenbodens übereinstimmt.
  5. Füllen Sie mit der Erdmischung das übrige Loch auf, sodass der Boden wieder eine glatte Fläche bildet. An den Seiten des Ballens können Sie die Erde sanft andrücken.
  6. Gießen Sie den frisch gepflanzten Wacholder gründlich an. Wenngleich Wacholder Trockenheit gut wegstecken, zumindest in den nächsten Wochen sollte das Gehölz regelmäßig gewässert werden.

Pflegetipps

Ältere Wacholderpflanzen sind sehr genügsam. Sie kommen ausgepflanzt sogar ohne Dünger aus und geben sich mit Regenwasser zufrieden. Nur in sehr langen Hitzeperioden kann eine zusätzliche Bewässerung nötig werden. Anders sieht es bei Wacholdern in Kübeln aus. Weil das begrenzte Substrat weniger Feuchtigkeit speichern kann, muss hier regelmäßig etwas gegossen werden. Auch junge oder frisch gepflanzte Exemplare können in dieser Hinsicht etwas mehr Zuneigung vertragen. Staunässe ist in jedem Fall zu vermeiden und sollte bei der Kübelkultur durch eine Drainage verhindert werden.

Möchten Sie Ihren Wacholder schneiden, bieten sich der frostfreie Herbst oder das zeitige Frühjahr an. Schnittarbeiten, zum Beispiel an Wacholderhecken, Formgehölzen oder auch als Bonsai verträgt der Wacholder sehr gut.

Wie vermehrt man einen Wacholder?

Wacholder kann über Ableger, Stecklinge oder durch Aussaat vermehrt werden. Die Ableger-Vermehrung eignet sich vor allem für kriechende Zwergsorten, die schnell wurzeln und dann gesondert von der Mutterpflanze weiterkultiviert werden können. Stecklinge lassen sich im Spätsommer schneiden, sie werden von jungen, aber bereits verholzten Trieben entnommen. Die Aussaat beim Wacholder hingegen ist eine Kunst für sich – viele Schritte sind nötig, darunter das Aufheben der Keimhemmung durch Aufbrühen der Samen sowie eine mehrmonatige Lagerung.

Wacholder steht in Deutschland unter anderem aufgrund seines langsamen Wuchses unter Naturschutz. Die ausgereiften Beerenzapfen dürfen zwar in Maßen gesammelt werden, Zweige dürfen an wildwachsenden Pflanzen allerdings nicht entnommen werden.

Krankheiten und Schädlinge

Nur sehr wenige Pflanzenkrankheiten und Schädlinge können dem widerstandsfähigen Wacholder etwas anhaben. Ein Pilzbefall kann jedoch zum Problem werden, darunter auch der sogenannte Wacholderblasenrost, beziehungsweise Birnengitterrost, aus der Gruppe der Rostpilze. Er kann an verschiedenen Arten auftreten und kommt meist an feuchten Frühlingstagen in Form von ovalen Bläschen und einer bräunlichen, steifen Masse an den befallenen Trieben zum Vorschein. Die betroffenen Stellen müssen sorgfältig entfernt und bis in das gesunde Holz zurückgenommen werden.

Selten kommen auch Schädlinge vor, darunter etwa die Wacholder-Deckelschildlaus. Betroffene Stellen verlieren an Triebglanz und sind im Wachstum gehemmt. Nur ein frühzeitig erkannter Befall kann durch Pflanzenschutzmittel bekämpft werden. Häufiger als Läuse treten die Raupen der Wacholderminiermotte auf, die sich gerne am Wacholder sattfressen. Hier ist regelmäßige Überwachung sinnvoll, denn rechtzeitig erkannter Befall kann durch Entfernen der angefressenen Stellen eingedämmt werden.

Verwendung des Wacholders

Die als Wacholderbeeren bezeichneten, reifen Beerenzapfen werden in getrockneter Form als Gewürz verwendet und zum Beispiel gemeinsam mit Sauerkraut serviert. Sie sind aber nicht nur aufgrund ihres Aromas geschätzt, denn in ihnen schlummern auch medizinische Wirkungen. So wirken sie sich etwa positiv auf den Magen-Darm-Trakt aus und gelten als krampflösend. Mit dem Gin wurde außerdem ein Wacholderschnaps zum echten Trendgetränk.

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Sternförmig besetzte Triebe von Juniperus communis. [Foto: AdobeStock_Piotr]

Die mannigfaltige Arten- und Sortenauswahl des Wacholders eröffnet zudem zahlreiche gestalterische Verwendungsmöglichkeiten in kleinen wie großen Gärten. Ob klassisch als Solitärgehölz, als Formgehölz in kunstvoller Bonsaiform, in Gruppen gepflanzt oder in Heckenpflanzung, bis hin zu bodendeckenden Wacholdern: Der Auswahl und Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

LUISA ROTH

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