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Wacholder:Eine vielgestaltige Nadelgehölz-Gattung

Die Pflanzengattung der Wacholder (Juniperus) gehört zur Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae). Insgesamt existieren zwischen 60 und 70 Arten, darunter auch Züchtungen wie Zwerg- oder Hängeformen, was den Wacholder zu einem vielseitigen Nadelgehölz macht. Wie Sie Ihren Wacholder richtig pflanzen und pflegen, verraten wir Ihnen hier.

Inhalt

Herkunft

Wuchs und Aussehen

Nadeln, Blüten und Früchte

Standortbedingungen

Pflanzung

Pflege

Vermehrung

Krankheiten und Schädlinge

Verwendung

Die Herkunft des Wacholders

Die meisten wildwachsenden Arten verteilen sich nördlich des Äquators, vorwiegend in den gemäßigten Klimazonen Europas, Asiens, aber auch in Nordamerika. Eine Ausnahme ist jedoch die Juniperus procera, dessen Verbreitungsgebiet bis nach Ost-Afrika reicht. In Mitteleuropa sind sowohl der Gemeine Wacholder (Juniperus communis) als auch der Sadebaum (Juniperus sabina) heimisch. Juniperus communis wächst auch in Deutschland, unter anderem in der Lüneburger Heide.

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Juniperus communis zwischen Gräsern und Heidekraut in der Lüneburger Heidelandschaft. Foto: AdobeStock_imageBROKER

Wuchs und Aussehen

Wacholder sind immergrüne Koniferen, die in Strauch- oder Baumform wachsen. Oft sind sie mehrstämmig oder weisen weit unten am Boden Verzweigungen auf. Mit Ausnahme bestimmter Zwergformen – zum Beispiel Juniperus communis ‚Compressa‘ oder Juniperus chinensis ‚Blaauw‘ – erreichen die meisten Arten zwischen 4 und 5 Metern Endhöhe, selten auch mehr. Junge Sträucher haben eine noch glatte Rinde, je größer der Durchmesser wird, desto mehr löst sie sich allerdings in Streifen vom Stamm.

Während manche Arten straff aufrecht in die Höhe ragen, besitzen andere eher ausladendere Triebe, die auch leicht überhängen können. Obwohl die oftmals spitzen Nadeln dem Wacholder ein eher strenges Aussehen verleihen, hat das Gehölz etwas Erhabenes an sich. Besonders alte Exemplare sind mit ihrem stattlichen Wuchs und den knorrigen Stämmen ein bewundernswerter Anblick. Wacholder kann nämlich sehr langlebig sein und bis zu mehreren hundert Jahren alt werden.

Nadeln, Blüten und Früchte

Wacholdernadeln können je nach Art hart und stechend sein oder auch eher zypressenartig abgerundet, mit übereinanderliegenden Schuppen. Farblich haben die Nadeln der Arten und Sorten eine große Varianz zu bieten – sie differieren von hell- oder dunkelgrün bis zu goldenen oder bläuliche Sorten. Besonders ist zudem, dass Wacholder im Frühjahr keine herkömmlichen Knospen bilden muss, um zu wachsen. Die Triebspitze wird von wenigen Nadeln schützend bedeckt und kann darum theoretisch das ganze Jahr über wachsen, solange es nicht zu kalt ist.

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Kriechender Juniperus horizontalis ‚Golden Carpet‘ mit unausgereiften Beerenzapfen. Foto: AdobeStock_Sasha

Zwischen April und Juni startet die Blütezeit, in der sich kleine, gelbe Blütenstände entwickeln. Wacholder ist zweihäusig, das bedeutet, es gibt sowohl männliche als auch weibliche Pflanzen, die jeweils unterschiedliche Blütenorgane besitzen. Die Pollen der männlichen Pflanzen werden vom Wind verteilt und von den weiblichen Blüten eingefangen. Weibliche Wacholder bringen daraufhin Beerenzapfen hervor. Genau genommen sind die bekannten Wacholderbeeren nämlich gar keine Beeren, sondern Zapfen – in einem späten Reifestadium und erst im zweiten Jahr nach der Befruchtung sind die ursprünglichen Zapfenschuppen nicht mehr erkennbar und sie haben sich in kugelige Beerenzapfen verwandelt, die optisch an kleine Heidelbeeren erinnern.

Standortbedingungen und Substrat

Juniperus-Arten sind trockene, karge Landschaften gewöhnt. Sie kommen daher auch mit steinigem Gartenboden zurecht und benötigen nicht viele Nährstoffe. Außerdem gedeihen sie auch bei Trockenheit oder vermehrtem Kalkvorkommen. Ihre außerordentliche Anpassungsfähigkeit komplementiert die Vielseitigkeit der Gattung Juniperus. Verdichtete oder vernässte Böden sollten durch eine Sandzugabe den Bedingungen des Wacholders angepasst werden.

Was unabdinglich für ihn ist, ist das Sonnenlicht. Wacholder sind regelrecht sonnenhungrig. Ein Schattendasein strafen sie hingegen mit Kümmerwuchs und vertrockneten Zweigen. Auch Wärme lieben sie, trotzdem lässt sie ihre Robustheit den Winter überstehen und sie sind sogar ausgesprochen frosthart.

Bevor Sie bei braunen Triebspitzen an eine mögliche Krankheit denken, sollten Sie Lichtmangel in Betracht beziehen. Ein zu schattiger Standort ist sehr viel häufiger die Ursache für dieses Symptom als Schädlings- oder Krankheitsbefall.

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Säulenwacholder Juniperus scopulorum ‚Blue Arrow‘. Foto: AdobeStock_7monarda

Wacholder: Pflanzung

In Baumschulen wird Wacholder meist als Ballenware, manchmal auch im Container, angeboten. Ein trockener Tag mit mäßiger Temperatur im Frühjahr ist der ideale Zeitpunkt zur Pflanzung. Auch an frostfreien Herbsttagen können Sie Wacholder pflanzen, anschließend müssen Sie aber für einen ausreichenden Winterschutz sorgen. Und so gelingt die Pflanzung:

  1. Ein gut durchfeuchteter Ballen erleichtert dem Gehölz das Anwachsen im neuen Boden. Gießen Sie den Wurzelballen darum zuvor ausgiebig. Sie können ihn auch für einige Zeit in ein Gefäß mit Wasser stellen, damit er sich vollsaugen kann.
  2. Das Pflanzloch, welches Sie ausheben, sollte doppelt so breit und doppelt so tief sein wie der Wurzelballen. Je nach Bodenbeschaffenheit kann ein zu knapp bemessenes Pflanzloch den Wurzeln das Anwachsen erschweren.
  3. Der Aushub wird im Verhältnis 1:1 mit frischer Erde oder Kompost vermengt.
  4. Platzieren Sie den Ballen zentral im Pflanzloch, sodass das Bodenniveau des Ballens mit dem des Gartenbodens übereinstimmt.
  5. Füllen Sie mit der Erdmischung das übrige Loch auf, sodass der Boden wieder eine glatte Fläche bildet. An den Seiten des Ballens können Sie die Erde sanft andrücken.
  6. Gießen Sie den frisch gepflanzten Wacholder gründlich an. Wenngleich Wacholder Trockenheit gut wegstecken, zumindest in den nächsten Wochen sollte das Gehölz regelmäßig gewässert werden.

Die richtige Pflege

Ältere Wacholderpflanzen sind sehr genügsam. Sie kommen ausgepflanzt sogar ohne Dünger aus und geben sich mit Regenwasser zufrieden. Nur in sehr langen Hitzeperioden kann eine zusätzliche Bewässerung nötig werden. Anders sieht es bei Wacholdern in Kübeln aus. Weil das begrenzte Substrat weniger Feuchtigkeit speichern kann, muss hier regelmäßig etwas gegossen werden. Auch junge oder frisch gepflanzte Exemplare können in dieser Hinsicht etwas mehr Zuneigung vertragen. Staunässe ist in jedem Fall zu vermeiden und sollte bei Kübelkultur durch eine Drainage verhindert werden. Schnittarbeiten, zum Beispiel bei Wacholderhecken oder Formgehölzen, werden im frostfreien Herbst oder zeitigen Frühjahr vorgenommen.

Vermehrung

Wacholder kann über Ableger, Stecklinge oder durch Aussaat vermehrt werden. Die Ableger-Vermehrung eignet sich vor allem für kriechende Zwergsorten, die schnell wurzeln und dann gesondert von der Mutterpflanze weiterkultiviert werden können. Stecklinge lassen sich im Spätsommer schneiden, sie werden von jungen, aber bereits verholzten Trieben entnommen. Die Aussaat beim Wacholder hingegen ist eine Kunst für sich – viele Schritte sind nötig, darunter das Aufheben der Keimhemmung durch Aufbrühen der Samen sowie eine mehrmonatige Lagerung.

Wacholder steht in Deutschland unter anderem aufgrund seines langsamen Wuchses unter Naturschutz. Die ausgereiften Beerenzapfen dürfen zwar in Maßen gesammelt werden, Zweige dürfen an wildwachsenden Pflanzen allerdings nicht entnommen werden.

Krankheiten und Schädlinge

Nur sehr wenige Pflanzenkrankheiten und Schädlinge können dem widerstandsfähigen Wacholder etwas anhaben. Ein Pilzbefall kann jedoch zum Problem werden, darunter auch der sogenannte Wacholderblasenrost, beziehungsweise Birnengitterrost, aus der Gruppe der Rostpilze. Er kann an verschiedenen Arten auftreten und kommt meist an feuchten Frühlingstagen in Form von ovalen Bläschen und einer bräunlichen, steifen Masse an den befallenen Trieben zum Vorschein. Die betroffenen Stellen müssen sorgfältig entfernt und bis in das gesunde Holz zurückgenommen werden.

Selten kommen auch Schädlinge vor, darunter etwa die Wacholder-Deckelschildlaus. Betroffene Stellen verlieren an Triebglanz und sind im Wachstum gehemmt. Nur ein frühzeitig erkannter Befall kann durch Pflanzenschutzmittel bekämpft werden. Häufiger als Läuse treten die Raupen der Wacholderminiermotte auf, die sich gerne am Wacholder sattfressen. Hier ist regelmäßige Überwachung sinnvoll, denn rechtzeitig erkannter Befall kann durch Entfernen der angefressenen Stellen eingedämmt werden.

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Sternförmig besetzte Triebe von Juniperus communis. Foto: AdobeStock_Piotr

Verwendung des Wacholders

Die als Wacholderbeeren bezeichneten, reifen Beerenzapfen werden in getrockneter Form als Gewürz verwendet und zum Beispiel gemeinsam mit Sauerkraut serviert. Sie sind aber nicht nur aufgrund ihres Aromas geschätzt, denn in ihnen schlummern auch medizinische Wirkungen. Sie wirken sich etwa positiv auf den Magen-Darm-Trakt aus und gelten als krampflösend. Mit dem Gin wurde außerdem ein Wacholderschnaps zum echten Trendgetränk.

Die mannigfaltige Arten- und Sortenauswahl des Wacholders eröffnet zudem zahlreiche gestalterische Verwendungsmöglichkeiten in kleinen wie großen Gärten. Ob klassisch als Solitärgehölz, als Formgehölz in kunstvoller Bonsaiform, in Gruppen gepflanzt oder in Heckenpflanzung, bis hin zu bodendeckenden Wacholdern: Der Auswahl und Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

LUISA ROTH

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