Heidelbeeren schmecken nicht nur lecker, sondern sind auch noch sehr gesund. Foto: AdobeStock_juliasudnitskaya

Eigene Heidelbeeren kultivieren:So wird's gemacht

Heidelbeeren (Vaccinium) sind so genügsam. Sie mögen es sonnig oder halbschattig. Gewachsener Boden? Nicht nötig – ein Kübel tut’s auch! Rückschnitt? Einfach! Wir kommen darauf zurück. Nur in einem Punkt verstehen die Sträucher keinen Spaß: dem pH-Wert. Alle nötigen Schritte für Ihre eigene kleine Heidelbeerkultur finden Sie hier.

Heidelbeeren – voraussichtliche Lesedauer: 6 Minuten

Wald- oder Kultur-Heidelbeeren?

Zwischen 450 und 500 Arten umfasst die Gattung Vaccinium. Die in Europas und Asiens gemäßigten Zonen verbreitete Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) wächst zum Beispiel in lichten Laub- und Nadelwäldern, Gebirgslagen oder Moorgebieten. Man nennt sie auch Waldheidelbeere oder Blaubeere. Sollten Sie schon mal in den Genuss der kleinen Früchte gekommen sein, wurden Sie ziemlich sicher mit blauen Lippen und Zähnen zurückgelassen. Das liegt am hohen Farbstoffgehalt der Beeren – den sogenannten Anthozyanen.

Großaufnahme vom roten Fruchtfleisch einer Waldheidelbeere. Foto: AdobeStock_TwilightArtPictures
Anthozyane sorgen für intensive Rot- oder Blautöne im Fruchtfleisch der Waldheidelbeeren. Foto: AdobeStock_TwilightArtPictures

Anders verhält es sich dagegen bei den im Supermarkt erhältlichen Früchten. Diese sind nicht nur etwas größer, sondern unterscheiden sich auch durch ihr weißes Fruchtfleisch von den Waldheidelbeeren. Die Anthozyane befinden sich hier nämlich ausschließlich in der blauen Fruchtschale. Die zahlreichen Sorten der Kultur-Heidelbeeren stammen also nicht von der Waldheidelbeere, sondern von der Amerikanischen Heidelbeere (Vaccinium corymbosum) ab.

Den richtigen pH-Wert schaffen

Die meisten Gartenböden sind für Heidelbeeren zu kalkhaltig. Denken Sie beim Pflanzenkauf daher auch gleich an das geeignete Substrat. Ob im Garten ausgepflanzt oder in Gefäßen kultiviert: Rechnen Sie pro Pflanze mit mindestens 50 Litern Moorbeeterde, die es auch als Rhododendronerde im Handel gibt. Die Erde schafft den richtigen pH-Wert für die Heidelbeeren. Der Boden muss sauer sein, der pH-Wert also etwa zwischen 3,5 und 4,5 liegen. Falls er zu hoch ist, kommt es leicht zu Nährstoffmangel und der Ertrag fällt gering aus.

Torffreie Erde als umweltfreundlichere Alternative

Rhododendronerde und andere Substrate enthalten häufig Torf. Für den Torfabbau müssen Moorflächen entwässert werden, was nach und nach zu ihrer Zerstörung führt. Das bedeutet nicht nur den Verlust ökologisch wertvoller Lebensräume, sondern ist auch ein echter Klimakiller. Denn Moore speichern hohe Mengen an Kohlendioxid, die bei Trockenlegung der Gebiete freigesetzt werden.

Mittlerweile gibt es immer mehr alternative Substrate. Achten Sie auf die Kennzeichnung als „torffrei“.

Soll ein ganzes Beet für mehrere Sträucher angelegt werden, wird der Boden dort auf 40 Zentimeter Tiefe ausgetauscht. Da kommen für einen Quadratmeter gut fünf große Säcke Substrat zusammen. Ist Ihr Boden nicht allzu kalkhaltig, lässt sich das saure Substrat aber auch mit 10 bis 15 Prozent Gartenerde mischen. Die Messung des pH-Werts kann beispielsweise über Teststreifen aus dem Fachhandel oder einem digitalen Messgerät erfolgen.

Tipps zur Pflanzung von Heidelbeeren

Pflanzen können Sie entweder im Frühjahr, Spätsommer oder Herbst. Somit haben die Heidelbeersträucher noch genügend Zeit, um vor dem ersten Winter anzuwurzeln. Dabei muss zunächst an der vorgesehen Stelle der Boden ausgehoben werden. Achten Sie darauf, dass die Grubenränder möglichst senkrecht abgestochen werden. Dann wird eine Bahn aus stabiler Kunststofffolie eingelassen, die das Substrat später vom Nachbarboden trennt. So sickert weder kalkhaltiges Wasser von der Seite ins Beet, noch strecken die Blaubeerwurzeln ihre Spitzen vorwitzig in den benachbarten Boden. Nach unten bleibt das Beet allerdings offen, damit das Wasser gut abziehen kann.

Die Beerensträucher wachsen ziemlich sparrig und benötigen bei gut 1,5 Metern Höhe oder mehr mit den Jahren auch reichlich Platz in der Breite. Spendieren Sie den Pflanzen daher gut 1,5 bis 2 Meter Abstand zum nächsten Strauch!

Ideal auch für große Kübel

Die Sträucher gedeihen auch ausgesprochen gut in größeren Pflanzgefäßen, eingetopfte Pflanzen bringen sogar beinahe so viele Früchte wie jene, die ausgepflanzt sind. Außerdem spart man sich das zeitaufwendige Austauschen des Bodens. Wichtig für die Kübelkultur ist, dass das Wasser ungehindert abfließen kann, damit es nicht zu Staunässe kommt. Aufgrund des begrenzten Topfvolumens sollten Sie den Heidelbeeren öfter mal einen kräftigen Schluck aus der Gießkanne gönnen.

  • Tipp: Heidelbeeren sind völlig frosthart. Damit aber der Topf nicht durchfriert, sollte er in Vlies oder Luftpolster eingewickelt werden. Zudem dürfen die Topfpflanzen auch im Winter nicht vollständig austrocknen.

Heidelbeeren richtig pflegen

Apropos Wasser: Gießen Sie möglichst mit weichem Leitungs- oder Regenwasser. Außerdem sollte ausschließlich sauer wirkender Dünger verabreicht werden, beispielsweise Rhododendrondünger. Auf diese Weise bleibt der Boden über viele Jahre heidelbeertauglich und die Kultur-Heidelbeeren tragen Jahr für Jahr mehr Beeren.

Blaue, reife und grüne, unreife Beeren an einem Strauch. Foto: AdobeStock_Maghlaoui
Auf Stickstoffmangel reagieren Heidelbeeren sehr schnell. Viele der älteren Blätter verfärben sich dann gelb, die Blattadern bleiben zunächst grün. Foto: AdobeStock_Maghlaoui

Rückschnitt: Verjüngung für ein langes Pflanzenleben

Die Beerensträucher kommen in den ersten drei, vier Standjahren ohne Schnitt aus. Sollen auch ältere Pflanzen noch große und süße Früchte tragen, möchten die Sträucher aber jährlich etwas ausgelichtet werden. Dabei nimmt man ein bis zwei der ältesten Äste vollständig heraus. Junge Triebe aus der Basis ersetzen dann die alten. Wird er so regelmäßig verjüngt, trägt ein Heidelbeerbusch rund 30 Jahre lang jeden Sommer aufs Neue. Eine schöne Perspektive!

Unsere Sortentipps: Ganz viel Blau und einmal Rosa

Kultur-Heidelbeeren gehören mittlerweile zum Standardsortiment für den Garten, und es kommen ständig neue gute Züchtungen dazu. Die unterschiedlichen Reifezeiten ermöglichen eine Ernte von Anfang Juli bis Anfang September. Zwar gelten die meisten Sorten als selbstfruchtbar, unterschiedliche Sorten können sich gegenseitig aber teilweise besser bestäuben und bescheren höhere Erträge. Aufgrund der variierenden Reifezeiten kann so außerdem die Erntezeit ausgedehnt werden.

SorteReifezeitBesonderheiten
‘Earlyblue’ab Anfang JuliFrüchte mittel bis groß, für warme Standorte
‘Duke’ab Mitte JuliFrüchte sehr groß, wg. starkem Behang kräftiger auslichten
‘Spartan’ab Mitte Juligroße Beeren, Blüte nicht spätfrostgefährdet
‘Blueray’ab Ende JuliFrüchte sehr groß, platzfest
‘Patriot’ab Ende Juligroße bis sehr große Beeren, frosthart
‘Goldtraube’ab Anfang Augustmittelgroße Früchte, allgemein sehr robust
‘Bluecrop’ab Anfang Augustgroße Früchte, allgemein sehr robust
‘Brigitta Blue’ab Anfang Augustgroße bis sehr große Beeren, lange haltbar
‘Pink Lemonade’ab Mitte Augustrosafarbene Beeren, mittel bis groß
‘Darrow’ab Mitte AugustFrüchte sehr groß, robuste Pflanzen
‘Elliott’ab Mitte Augustmittelgroße Früchte, robuste Pflanzen

Erste Heidelbeeren ernten

Mit Blaubeeren gefüllter Korb. Foto: AdobeStock_Diana Taliun
An großen Sträuchern können bis zu 4 Kilo oder mehr an Heidelbeeren geerntet werden. Foto: AdobeStock_Diana Taliun

Sobald sich die Früchte ohne Widerstand von den Zweigen lösen lassen, haben sie die volle Reife erreicht und der richtige Erntezeitpunkt ist gekommen – die Beeren schmecken dann besonders intensiv und süßlich. Wählen Sie am besten einen trockenen, sonnigen Tag und nehmen Sie stets nur die reifsten unter ihnen. Meistens muss also einige Wochen lang mehrmals gepflückt werden.

Möglicherweise kann ein Vogelschutz nötig werden. Denn von kaum einem anderen Obst naschen die gefiederten Gartenbesucher so gerne. Also schnell ein feinmaschiges Netz straff über die Sträucher gespannt, solange die Früchte noch grün sind. Andere Schädlinge oder Krankheiten sollten dagegen keine Sorgen bereiten.

War die Ausbeute so groß, dass man gar nicht mehr weiß, wohin mit all den Beeren? Dann sorgen vielleicht unsere Rezepte mit Beeren für neue Inspiration.

Extra-Wissen: Die drei Schwestern

Kultur-Heidelbeeren gehören zur Familie der Heidekrautgewächse. Weitere Mitglieder sind die drei Wildobstarten Preiselbeere, Cranberry und Wald-Heidelbeere. Übrigens zählen auch Rhododendren, Azaleen und die Lavendelheide zu den Heidegewächsen. Sie haben ähnliche Ansprüche und lassen sich mit den verwandten Beerensträuchern kombinieren.

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Das sind die Top-Themen:

  • Fingerhut-Vielfalt: zwar giftig – aber wunderschön!
  • Holunder-Wunder: prächtige Akzente mit farbstarkem Laub
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