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Götterbaum:Faszinierend, aber nicht ohne Tücken

Im 18. Jahrhundert wurde er nach Europa eingeschleppt. Auch Gartenkünstler Lenné integrierte den Götterbaum in seine Parkanlagen. Seine Robustheit machte ihn schnell zum populären Straßenbaum. Doch das Gehölz begann auch, sich selbstständig auszubreiten – zunächst vornehmlich auf urbanen Brachflächen. Sein Status war lange umstritten und auch wenn der majestätische Baum durchaus schön anzusehen ist, gilt er inzwischen offiziell als invasive Art. Dennoch ist er eine faszinierende Pflanze, über die es Vieles zu erfahren gibt.

Inhalt

Vorsicht, invasive Art

2019 wurde der Götterbaum zum ersten Gehölz auf der Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung. Damit zählt er zu den sogenannten Neophyten, die sich (meist aufgrund künstlicher Verbreitung) in neuen Gebieten etablieren und dort die heimische Flora sowie die Biodiversität bedrohen können.

Für den Götterbaum besteht damit auch ein Handels- und Pflanzverbot.

Die Herkunft des Götterbaums

Der Götterbaum (Ailanthus altissima) gehört zur Familie der Bittereschengewächse (Simaroubaceae). Beheimatet ist er ursprünglich in China sowie im Norden Vietnams. Inzwischen ist der Baum nahezu weltweit etabliert. In Amerika, Australien, Afrika und Europa wurde er zunächst willentlich angepflanzt, mittlerweile hat er aber an allen Standorten ein Eigenleben entwickelt und wächst auch wild.

Wuchs und Aussehen

Götterbaumsämlinge lassen sich nicht lange bitten, wenn es um das Thema Wachstum geht. Das sommergrüne Gehölz zählt zu den schnellwachsendsten Pflanzenarten – ein Jahreszuwachs von 50 Zentimetern und mehr ist keine Seltenheit. Eindrucksvolle 30 Meter können Götterbäume in ihrer Wuchshöhe erreichen. Ein weiterer Grund, warum sie so schwierig zu bekämpfen sind, liegt in ihren knollenartigen Wurzeln. Nicht nur weil in ihnen zahlreiche Wurzelausläufer gebildet werden, sondern auch, da die Pflanzen selbst dann wieder unbeeindruckt austreiben, nachdem man sie auf den Stock gesetzt hat.

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Die Blüten des Götterbaums bieten Nektar für Bienen und andere Insekten. Foto: AdobeStock_Liudmila

Blätter, Blüten und Früchte

Die Blätter des Götterbaums sind unpaarig gefiedert. Sie bestehen aus sehr langen Blattstielen, die mit zahlreichen, gegenständig angeordneten Einzelblättern besetzt sind. Die Hauptachsen der Blätter sowie der Austrieb sind rötlich, die lanzettlichen Einzelblätter werden später dunkelgrün. Auch im Herbst hat der Baum noch hohen Wiedererkennungswert, wenn die fulminante Herbstfärbung einsetzt, die mit mannigfaltigen Farbtönen aufwartet.

Die grün- bis gelblichen Blüten zeigen sich für gewöhnlich ab Juli. Götterbäume sind zweihäusig, es gibt also weibliche und männliche Pflanzen. Teilweise begleitet sie ein leicht unangenehmer Geruch, von dem sich Bienen und andere Insekten aber gerne anlocken lassen.

Zwischen August und September bilden sich aberhunderte hellgrüner Flügelnüsschen, die sich in großen Büscheln versammeln. Wo sie die Sonnenstrahlen berühren, färben sie sich rötlich. Jede Flügelnuss enthält einen Samen und sie bleiben noch lange am Baum haften.

Standortbedingungen und Substrat

Der Götterbaum ist im Grunde ein Gewinner des Klimawandels. Besonders in Großstädten, wo andere Bäume immer schlechter mit Smog und langen Hitzeperioden zurechtkommen, blüht der Götterbaum erst richtig auf und dominiert damit vielerorts öffentliche Parkanlagen und deren Flora. Er hat nahezu keine Ansprüche, bei voller Sonne gedeiht er aber besonders schnell. Selbst ein einfacher Spalt im Beton genügt den Götterbaum zum Keimen.

Götterbaum Foto: AdobeStock_Martina Berg
Unleugbar ist der Götterbaum ein malerischer Anblick. Foto: AdobeStock_Martina Berg
Götterbaum Foto: AdobeStock_Nick Taurus
Auch die Samenstände haben hohen Zierwert. Foto: AdobeStock_Nick Taurus

Pflanzalternativen

Optisch hat der Götterbaum natürlich einiges zu bieten. Für Viele mag es darum bedauernswert sein, dass man den Baum nicht mehr pflanzen kann. Doch glücklicherweise gibt es auch weniger invasive Arten, die sich nicht derart kompromisslos ausbreiten und dennoch ansehnliche Hausbäume sein können.

Wer sich einen ähnlich großen Baum wünscht, kann beispielsweise auf den Schnurbaum (Sophora japonica) oder den Surenbaum (Toona sinensis) zurückgreifen, die beide eine auf den ersten Blick vergleichbare Blattform wie der Götterbaum haben und nicht minder bewundernswert sind. Beide sind zudem insektenfreundlich und bestechen mit edlen, weißen Blüten.

Götterbäume pflegen

Falls in Ihrem Garten noch ein Götterbaum steht, können Sie sicher ein Lied von dessen Wuchskraft und Ausbreitungskünsten singen. Um das Keimen weiterer Sämlinge zu verhindern, empfiehlt es sich, die Samen soweit es möglich ist noch vor Reife vom Baum zu sammeln und zu entsorgen. Bei den Wurzelausläufern helfen dagegen nur Ausdauer und Beharrlichkeit – sie müssen immer wieder aufs Neue entfernt werden. Dem Einsatz von Herbiziden ist abzuraten, denn dieses schadet auch den anderen Pflanzen im Garten.

Giftigkeit des Götterbaums

Bei jeglichem Kontakt mit dem Götterbaum müssen Handschuhe getragen werden. Sowohl Samen als auch Rinde enthalten unter anderen den Bitterstoff Quassin. Auch der Baumsaft reizt die Haut.

Vermehrung des Götterbaums

Der Götterbaum vermehrt sich selbst mittels Wurzelausläufern und Selbstaussaat, weshalb er sich so rasant ausbreiten kann. Obwohl er auch die Städte beherrscht, wird er vor allem dann zum Problem, wenn er irgendwann auch Naturgebiete außerhalb der Stadt erobern sollte. Darum plädieren viele dafür, zumindest seine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Krankheiten und Schädlinge

Es ist eigentlich keine Überraschung mehr: Auch nur sehr wenige Krankheiten oder Schädlinge können dem Götterbaum etwas anhaben – zumindest in Mitteleuropa. Eines der wenigen Beispiele ist der auf die Blätter des Baumes spezialisierte Ailanthus-Spinner, ein aus Asien stammender Falter. Da er lange Zeit zur Gewinnung von Seide diente, wurde er unter anderem auch nach Europa gebracht. Seine Populationen sind allerdings nicht verbreitet oder groß genug und haben daher in den meisten Gebieten keinen nennenswerten Einfluss auf den Götterbaum. Teilweise wird der Falter als Möglichkeit einer gezielten Eindämmung der Götterbäume diskutiert.

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Herbstfärbung und Laubfall setzen erst spät im Herbst ein. Foto: AdobeStock_focus finder

Verwendung

Innerhalb der Seidenproduktion in China diente der Götterbaum lange als Futterquelle für die Seidenraupen. In Deutschland hat er zwar lange Zeit als robuster Stadtbaum überzeugt, seine Ausbreitung wird inzwischen aber zum Schutz der ökologischen Vielfalt bekämpft. An mancher Stelle wird ihm dennoch etwas Positives abgewonnen: In einigen Gegenden wird er zur Honigproduktion genutzt, unter anderem auch in Europa.

LUISA ROTH

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