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Johannisbeeren schneiden: Sträucher und Hochstämme

Es gibt sie in Rot, Schwarz und sogar Weiß: Johannisbeerstämmchen und -sträucher sind eine wahre Freude im Garten, denn sie bringen nicht nur eine Vielzahl der erfrischend sauren oder herben Früchte hervor, sondern haben auch einen hohen Zierwert. Oftmals wird jedoch das jährliche Auslichten und Verjüngen der Beerensträucher stark vernachlässigt. Wir erklären Ihnen, wie Sie Ihre Johannisbeeren regelmäßig schneiden und in Form halten.

Warum werden Johannisbeeren geschnitten?

  1. Überalterte Johannisbeerbüsche und -stämmchen wachsen kaum noch. Mit zunehmendem Alter (ab dem vierten Standjahr) wird der Neuaustrieb immer schwächer. Die Beeren fallen Jahr für Jahr kleiner aus, sind weniger süß und verlieren an Aroma. Werden alte Triebe regelmäßig herausgenommen, können sich neue Bodentriebe besser zu Tragästen entwickeln und es findet die notwendige Verjüngung statt.
  2. Ist der Wuchs im Strauchinneren zu dicht, trocknen Zweige, Blätter und Trauben nach einem Regenfall nur langsam ab – die besten Voraussetzungen für einen Pilzbefall. Durch ein gezieltes Auslichten erreicht man einen luftigen Aufbau des Strauchs, der auch eine höhere Fruchtqualität zur Folge hat.
  3. Ein kräftig beschnittener Johannisbeerstrauch zeigt eine geringere Verrieselung, da der vorzeitige Fruchtabwurf am einjährigen Holz seltener auftritt.
  4. Im Pflanzjahr sorgt das Einkürzen der Triebe für eine gute Verzweigung. Ein Erziehungsschnitt in den Folgejahren liefert die gewünschte Form.
Eine Schwarze Johannisbeere in Buschform. Foto: iStock_sasapanchenko
Eine Schwarze Johannisbeere in Buschform. Foto: iStock_sasapanchenko

Auf kleinem Fuß oder ausladend: Die Erziehungsformen

Johannisbeeren können wie die verwandten Stachelbeeren vielgestaltig daherkommen. In der Natur wachsen sie immer als Strauch – das heißt, sie bilden regelmäßig Triebe aus bodennahen Knospen. Der Nachwuchs aus der Basis ist jedoch nicht bei jeder Erziehungsform erwünscht.

Bei einem Johannisbeerstämmchen ist alles, was aus unterhalb der Krone herauswächst, nicht sortenecht. In diesen Bereichen treibt ausschließlich die stammbildende Unterlage aus – meistens handelt es sich um die Goldjohannisbeere. Die Edelsorte bildet hingegen ihre buschige Krone in luftiger Höhe. Dort setzen also die zielführenden Schnittmaßnahmen an.

Die Vor- und Nachteile halten sich bei einem Hochstamm die Waage: Er ist platzsparend und im Staudenbeet äußerst dekorativ – in puncto Langlebigkeit und Ertrag schneidet er jedoch deutlich schlechter ab als die Strauchvariante.

Weitere Erziehungsformen gibt es vor allem bei Roten und Weißen Johannisbeeren: Sie können eintriebig (als Spindel) oder zwei- bzw. dreitriebig (als Hecke) erzogen werden. Auch hier gelten besondere Schnittregeln.

 Alte, abgetragene Bodentriebe werden mit einer Säge bodennah entfernt. Foto: iStock_Valeriy_G
Alte, abgetragene Leittriebe werden mit einer Säge bodennah entfernt. Foto: iStock_Valeriy_G

Rote Johannisbeeren: So schneiden Sie einen Strauch

Feinsäuerliche Rote Johannisbeeren (Ribes rubrum) und die etwas süßeren Weißfrüchtigen werden beim Schnitt gleichbehandelt. Sie bilden die meisten Früchte an den Seitentrieben der zwei- bis dreijährigen Hauptäste.

Bei der Pflanzung der Johannisbeere entfernen Sie (falls nicht bereits von der Baumschule erledigt) alle überflüssigen Triebe bodennah, so dass am Ende drei bis fünf Leittriebe übrig bleiben. Diese kürzen Sie auf 20 bis 30 Zentimeter Länge ein.

Im zweiten Jahr beginnt der Aufbau des Astgerüstes. Dafür bleiben jährlich drei bis vier der kräftigsten Bodentriebe des letztjährigen Austriebes stehen. Schwächere und krumm gewachsene Triebe werden entfernt. Das Ziel: Ein Johannisbeerstrauch sollte in den Ertragsjahren aus acht bis zwölf Bodentrieben bestehen, die möglichst nicht älter als vier Jahre sind. Die erneute Kürzung der Leittriebe ist optional – durch einen wiederholten Schnitt entstehen mehr Seitentriebe und der Busch bleibt kompakter.

  • Ab dem vierten Standjahr werden zwei bis drei ältere, abgetragene Bodentriebe an der Basis komplett (ohne Stummel) entfernt. Die ältesten Äste erkennen Sie an der dunkelbraunen Farbe und dem großen Astumfang. Dafür lassen Sie die entsprechende Anzahl neuer, kräftiger Ruten, die aus dem Boden nachwachsen, stehen. Überflüssige junge Bodentriebe schneiden Sie ab.
  • Seitenäste, die schon ein oder zwei Jahre Beeren getragen haben, schneiden Sie auf einen Zentimeter lange Stummel (Zapfen) zurück. Daraus entwickelt sich das neue Holz, welches im nächsten und übernächsten Jahr fruchtet.
  • Alte Leitäste mit jungen Seitentrieben können durch einen Ableitungsschnitt verjüngt werden. Die Schere oder Säge setzen Sie dort an, wo sich der Ast verzweigt. Das ältere Holz wird an dieser Stelle entfernt.
  • Entfernen Sie stets auch schwache Triebe. Alles, was nach innen wächst, sich überkreuzt oder überlagert, wird herausgenommen.
  • Seitenverzweigungen in Bodennähe (bis 30 Zentimeter Höhe) tragen kaum Früchte, weil an dieser Stelle Lichtmangel herrscht. Diese schneiden Sie ebenfalls ab.
  • Der junge (diesjährige) Austrieb bleibt von der Schere unbehelligt. Stehen die Seitentriebe jedoch sehr dicht, können Sie jeden zweiten Trieb auf einen kurzen Zapfen einkürzen.
Illustration Johannisbeerstrauch schneiden Bild: Klaus-Dieter Röding
Rote Johannisbeeren schneiden: Zwei bis drei alte Leittriebe werden bodennah abgeschnitten, acht bis zwölf Gerüsttriebe bleiben übrig. Nichtfruchtende Langtriebe werden eingekürzt. Seitenverzweigungen an der Basis schneidet man ab. Bei zu dicht wachsenden Seitentrieben kann jeder zweite Trieb auf einen Zapfen eingekürzt werden. Illustration: © GartenFlora/Klaus-Dieter Röding

Beim Schnitt der Roten sollten Sie auch sortenspezifische Unterschiede beachten: Schwachwüchsige Vertreter (zum Beispiel ‘Red Lake‘), die sich aus der Basis nicht ausreichend verjüngen und eine geringe Verzweigung ausbilden, erhalten einen kräftigen Rückschnitt am Holz der alten Gerüstäste. Stark wachsende Sorten (zum Beispiel ‘Jonkheer van Tets‘) werden tendenziell wie Schwarze Johannisbeeren geschnitten.

Faustregeln für den Schnitt: Grundsätzlich sollte ein Strauch einen ausgewogenen Anteil an ein-, zwei- und dreijährigen Trieben aufweisen. Jedes Jahr werden etwa 20 bis 30 Prozent der Leittriebe (die ältesten, stark verholzten Äste) entfernt. Die frischen, steil nach oben ragenden Triebe lässt man wachsen.

Rote Johannisbeeren: Schnittregeln beim Hochstamm

Ein Johannisbeeren-Hochstamm mit Unterpflanzung.
Foto: © GartenFlora/Achim Werner
Ein Johannisbeeren-Hochstamm mit Unterpflanzung.
Foto: © GartenFlora/Achim Werner

Der Unterschied ist gar nicht so groß: Ein Hochstämmchen wird im Grunde wie ein Strauch geschnitten – denn die Krone ist ja durchaus ein kleiner Busch. Diese besteht in der Regel aus fünf bis sechs Leittrieben.

Allerdings geht es dabei nicht nur um den Ertrag: Wächst die Krone ungezügelt, kann leicht eine Schieflage oder sogar ein Bruch entstehen. Wichtig: Fixieren Sie daher nicht nur den Stamm an einem Pfahl, sondern stets auch die Krone! Durch den regelmäßigen Griff zur Schere erhalten Sie zudem die dekorative, runde Wuchsform.

  • Im Pflanzjahr können Sie die Gerüstäste um ein Drittel einkürzen. Schwache oder eng stehende Triebe werden auf einen Zapfen mit zwei bis drei Knospen zurückgeschnitten.
  • In den Ertragsjahren entfernen Sie jährlich ein bis zwei abgetragene Triebe – und zwar möglichst weit im Inneren, damit sich die Krone immer wieder aus der Mitte heraus erneuern kann und in allen Bereichen gut belichtet ist.
  • Alle Seitentriebe, die bereits Früchte getragen haben, schneiden Sie auf zwei bis drei Augen zurück. Der Spitzentrieb eines jeden Fruchtastes wird um etwa ein Drittel eingekürzt. So wird die Krone kompakter, und es entsteht zudem eine gute Seitenverzweigung im Inneren.
  • Bodentriebe sollten Sie immer beseitigen. Diese können im jungen Alter ganz leicht ausgerissen werden, was einen besonders nachhaltigen Effekt hat. Stammaustriebe zwischen Wurzel und Krone entfernen Sie ebenfalls frühzeitig.

Schwarze Johannisbeeren richtig schneiden

Bei den herb schmeckenden Schwarzen Johannisbeeren (Ribes nigrum) gelten ähnliche Schnittregeln wie bei den roten Sorten. Sie eignen sich jedoch vor allem für die Erziehung als Busch, sind meist deutlich wüchsiger und benötigen daher eine besonders beherzte Bearbeitung mit der Schere.

Schwarze Sorten fruchten vor allem an den vorjährigen, langen Trieben (dem einjährigen Holz) und den kurzen Seitentrieben, die am zwei- bis dreijährigen Holz wachsen. Nur die kräftigen, jungen Triebe tragen im kommenden Jahr große Beeren. Das Ziel beim Ertragsschnitt besteht also darin, viele einjährige Langtriebe zu erhalten. Werden diese zum Teil beschnitten, entsteht an diesen Stellen das Jungholz für die Ernte im darauffolgenden Jahr.

So bleibt der Strauch ertragreich, luftig und kompakt:

  • Für eine gute Ernte: Die älteren Triebe können Sie auf tiefer sitzende, junge Nebenäste zurückschneiden. Ein Drittel der einjährigen Triebe wird jährlich um die Hälfte eingekürzt.
  • Für eine Verjüngung: Entfernen Sie jedes Jahr – wie bei einer Roten Johannisbeere – zwei bis drei der ältesten Haupttriebe.

Wann ist der beste Schnittzeitpunkt?

Starkwüchsige Sorten können bereits im Sommer nach der Ernte ausgelichtet werden. Ein Hauptschnitt im Spätwinter (Februar oder März) liefert jedoch einen entscheidenden Vorteil: In dieser Zeit haben Sie eine freie Sicht auf den Strauch, der kurz vor dem Neuaustrieb steht. Alte und abgetragene Äste sowie vertrocknete Triebe ohne schwellende Knospen fallen dann sofort ins Auge.

Achten Sie grundsätzlich auf geeignete Witterungsbedingungen, um dem Gehölz unnötigen Stress zu ersparen. An extrem heißen Sommertagen sollten Sie keine Schnittmaßnahmen durchführen, Gleiches gilt für frostige Wintertage.

Das passende Werkzeug: Eine handliche Gartenschere gehört zu der Basisausstattung. Eine Astschere bietet sich an, wenn der Busch bereits einen ausladenden Wuchs aufweist und dickere Triebe vorhanden sind – mit den langen Griffen ist die Strauchmitte gut erreichbar. Bei der Beseitigung von starken Ästen kann auch eine Handsäge eingesetzt werden.

SABINE FAASS    ACHIM WERNER

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