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Wilde Möhre im Garten: Kraut mit vielen Fähigkeiten

Die Wilde Möhre ist eine heimische Pflanzenart, die überraschend vielseitig daherkommt. Der hübsche Doldenblütler erweist sich im Naturgarten als äußerst genügsam und lockt darüber hinaus zahlreiche nützliche Insekten an. Und selbst in kulinarischer Hinsicht hat das Wildkraut einiges zu bieten.

Wilde Möhre pflanzen – voraussichtliche Lesedauer: 7 Minuten

Herkunft und Eigenschaften

Die Wilde Möhre (Daucus carota ssp. carota) prägt häufig das Bild sommerlicher Wildwiesen, in denen ihre flachen, weißen Blütendolden eine tolle Fernwirkung erzielen. An ihren Naturstandorten in Europa, Nordafrika und großen Teilen Asiens ist ihre markante Erscheinung auch an Wegrändern und an sonnigen Böschungen auszumachen. In botanischer Hinsicht handelt es sich um eine krautige Pflanzenart, die zu der großen Familie der Doldenblütler (Apiaceae) gehört.

Unsere Garten-Möhre, auch Karotte oder Gelbe Rübe (Daucus carota ssp. sativus) genannt, ist vermutlich (neben anderen eingekreuzten Arten) aus der Wilden Möhre hervorgegangen. Neuere Studien belegen, dass die Vorfahren des beliebten Wurzelgemüses aus Regionen des heutigen Iran und Afghanistans stammen.

In der Mitte der Blütendolde befindet sich bei Daucus carota oft eine auffallende Einzelblüte
In der Mitte der Blütendolde befindet sich bei Daucus carota häufig eine auffallende Einzelblüte. [Foto: AdobeStock_bennytrapp]

Das Wildkraut sicher bestimmen

Daucus carota
Daucus carota [Foto: AdobeStock_vandycandy]

Etwas Vorsicht ist angebracht: In der Natur kann die Art leicht mit anderen weiß blühenden Doldenblütlern verwechselt werden, die überaus giftig sind. Allen voran mit der Hundspetersilie und dem Gefleckten Schierling.

Bei der Wilden Möhre handelt es sich um eine zweijährige Pflanze, die eine Wuchshöhe von bis zu einem Meter erreichen kann. Ihre Stängel sind aufrecht, borstig behaart und gefurcht.

Im ersten Jahr bildet die Art lediglich eine bodenständige Blattrosette aus. Erst im darauffolgenden Jahr – von Juni bis September – zeigen sich weiße, doppeldoldige, flach gewölbte Blüten, die bis zu acht Zentimeter breit werden können.

Die Laubblätter von Daucus carota sind im Umriss spitz dreieckig und zwei- bis vierfach gefiedert. Wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt, verströmen sie einen möhrenartigen Duft. Der Gefleckte Schierling und die Hundspetersilie riechen hingegen unangenehm ammoniakartig. In diesem Punkt besteht also keine Verwechslungsgefahr.

Beim Aufblühen, bei nasser Witterung und zur Fruchtreife ziehen sich die Strahlen des Blütenstandes zusammen – die Dolde vertieft sich in der Mitte vogelnestartig. Diese Nestform der Blüte ist ein weiteres, wichtiges Bestimmungsmerkmal der Wilden Möhre.

Eine Besonderheit liefert einen zusätzlichen Hinweis auf die Echtheit der Art: Im Zentrum der Blütendolde zeigt sich oft eine dunkelviolette oder schwärzlich gefärbte Stelle, der sogenannte Anthocyanpunkt.

Vielfältige Doldenblütler

Neben den bereits erwähnten „gefährlichen“ Vertretern sind unter den Doldenblütlern auch etliche beliebte Gewürze zu finden, wie zum Beispiel Dill, Anis und Kerbel. Außer der Möhre gibt es in der Pflanzenfamilie auch andere beliebte Wurzelgemüsearten – Pastinaken, Sellerie und Fenchel haben es ebenfalls mit Leichtigkeit in die Küche geschafft.

Futterpflanze und Insektenweide

Die Wilde Möhre steht bei Insekten hoch im Kurs – Bienen, Blattwespen, Käfer und Fliegen aller Art stellen sich gerne ein. Dazu gehören selten gewordene Wildbienen und blattlausvertilgende Blumenwanzen. Ihre Blätter sind zudem eine wichtige Nahrungsquelle für die Raupen des spektakulären Schwalbenschwanzes, der in Deutschland eine besonders geschützte Falterart darstellt. Das muntere Treiben wirkt sich auch positiv auf die Nutzpflanzen im Garten aus. Es gibt Hinweise, dass die Tomatenernte reicher ausfällt, wenn Daucus carota in der Nähe gedeiht.

Um hohe Besucherzahlen zu erzielen, wendet die Pflanze einen erfolgreichen „Marketingtrick“ an: Mit Hilfe des Anthocyanpunktes in der Blütenmitte gaukelt sie vorhandene Kundschaft vor – geflügelte Passanten sollen dadurch ihre Attraktivität erkennen und zur Landung ansetzen.

Die Wilde Möhre ist eine beliebte Futterpflanze des Schwalbenschwanzes.
Die Wilde Möhre ist eine beliebte Futterpflanze des Schwalbenschwanzes. [Foto: iStock_fabioski]

Wilde Möhre säen, pflanzen und pflegen

Natürlich steht die Wildpflanze nicht in echter Konkurrenz mit der Kulturkarotte – sie stellt aber dennoch eine Bereicherung im naturnahen Garten dar. Die Art bevorzugt einen sonnigen und offenen Platz. Darüber hinaus sind ihre Ansprüche an den Standort nicht besonders hoch. Im Idealfall ist der Boden nährstoffreich, durchlässig und kalkreich. Jedoch kann sie sich auch mühelos an ungünstige Bodenverhältnisse anpassen, sofern nicht gerade Staunässe vorherrscht. Auf einem lockeren Untergrund bildet die Pflanze gerne tiefe Pfahlwurzeln aus, womit sie trockene Phasen gut überstehen kann.

Die Wilde Möhre ist ein Kaltkeimer. Sie wird daher im zeitigen Frühjahr (März, April) oder Herbst ausgesät – Temperaturen um die 5 Grad Celsius sind für die Keimung ideal. Legen Sie die Samen für etwa eine Woche in den Kühlschrank, wenn Sie die Anzucht auf der Fensterbank vornehmen möchten. Das Saatgut wird dünn und in flachen Reihen ausgebracht und anschließend leicht mit Erde bedeckt.

Tipp: Für eine Trockenwiese können Sie die Samen mit anderen Arten mischen und breitwürfig ausbringen. Während der Keimzeit halten Sie die Erde gleichmäßig feucht, aber nicht nass. Eine spätere Düngergabe ist bei der Wilden Möhre meist nicht erforderlich.

Die Doldenblüte der Wilden Möhre rollt sich gerne ein und sieht dann wie ein Vogelnest aus.
Die Doldenblüte der Wilden Möhre rollt sich gerne ein und sieht dann wie ein Vogelnest aus. [Foto: AdobeStock_lunamarina]

Verwendung in der Küche

Obwohl Wildpflanzen häufig lediglich als „Unkräuter“ wahrgenommen werden, liegt ihre Verwertung im Trend. Die Wilde Möhre passt hervorragend in die gesunde Küche, da sie eine Vielzahl an wertvollen Inhaltsstoffen liefert. Dazu gehören ätherische Öle, Flavonoide, Vitamine (C, B1 und B2) und Mineralien, insbesondere Kalium. Ihre dünnen Wurzeln lassen sich in geschmacklicher Hinsicht durchaus mit der Kulturmöhre vergleichen, wenngleich sie durch ihre weiße Farbe weniger Carotinoide enthalten.

Nahezu alle Pflanzenteile von Daucus carota sind essbar:

  • Wurzeln: Diese sind von September bis in das Frühjahr des zweiten Jahres weich und aromatisch, so dass sie sogar roh gegessen werden können. Ebenso gut lassen sie sich als kurz gebratenes oder paniertes Gemüse zubereiten. Man kann sie auch aufschneiden und mit Käse überbacken. Mit der Blütenbildung setzt dann die Verholzung der Wurzeln ein, was in der Folge den kulinarischen Genuss erheblich schmälert.
  • Blätter: Die zarten, jungen Blätter und Triebe lassen sich von April bis Juni zu aromatischen Salaten und Rohkost verarbeiten. In Pesto oder einem grünen Smoothie können sie auch wunderbar andere Kräuter ersetzen.
  • Blüten: Die weichen, kleinen Blüten eignen sich als essbare Dekoration von Speisen aller Art. Ganze Blütenstände können Sie mit einem Teig ummanteln und frittieren.
  • Samen: Ernten Sie die Samen am besten im Spätsommer. Sie schmecken petersilienartig und entfalten ihre Wirkung zum Beispiel als Trockengewürz oder als besonderes Aroma in einem Kräuteröl oder -essig.
Die weißen Wurzeln der Wilden Möhre erinnern geschmacklich an Karotten, sind aber etwas süßer.
Die weißen Wurzeln der Wilden Möhre erinnern geschmacklich an Karotten, sind aber etwas süßer. [Foto: AdobeStock_superfood]

Verwendung als Heilkraut

Die medizinische Verwendung der Wilden Möhre lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen. Sie wurde unter anderem als wurmtreibendes Mittel und als Aphrodisiakum eingesetzt. Der Pflanze wird darüber hinaus eine entgiftende Wirkung zugeschrieben. Sie kann sich bei Nieren- und Blasenleiden als hilfreich erweisen und soll zudem Durchfallerkrankungen und Magenverstimmungen lindern. Die berühmte englische Kräuterbuchautorin Juliette de Baïracli Levy empfahl die Blätter sogar als Bestandteil eines Ernährungskonzepts bei Diabetes.

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SABINE FAASS

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