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Eisheilige: So viel Wahrheit steckt dahinter

In Mitteleuropa gilt das Frühjahrswetter als unberechenbar. Das beweist schon die bekannte Volksweisheit: „April, April – der macht, was er will“. Und was ist eigentlich mit den Eisheiligen im Mai? Glaubt man dieser jahrhundertealten Wetterregel, droht an den Namenstagen der „Gestrengen Herren“ und der Dame „Sophia“ noch einmal richtig Frost.

Eisheilige – voraussichtliche Lesedauer: 6 Minuten

Bauernregeln sind Erfahrungswissen

Heutzutage liefern leistungsfähige Großrechner die Daten für den Wetterbericht. Dabei gibt es für die nahe Zukunft recht hohe Trefferquoten: Witterungserscheinungen sind im Mittel sieben Tage vorhersagbar, wobei die Prognosegüte für die kommenden 24 Stunden gut 90 Prozent beträgt.

In früheren Zeiten wurden die Menschen auf dem Land hingegen sehr häufig von unvorhergesehenen, regionalen Wetterereignissen gebeutelt. Ernteschäden durch Frost, Dürre oder Sturm sowie Überflutungen konnten auf diese Weise ganze Existenzen vernichten und sogar Hungersnöte auslösen. Daher beobachteten die Bauern des Mittelalters jährlich wiederkehrende Wettererscheinungen ganz genau und leiteten daraus Regeln ab. Verknüpft mit religiösen Elementen fassten sie ihre Erkenntnisse in einer einprägsamen Reimform ab.

Auch die Eisheiligen gehören zu diesem alten Erfahrungsschatz, der von Generation zu Generation weitergereicht wurde. Vermutlich stammen die Regeln aus einer mittelalterlichen Kälteperiode. Hiernach ist erst mit Ablauf der „Kalten Sophie“ mit einem stabilen Frühlingswetter zu rechnen.

"Der heilige Mamerz hat von Eis ein Herz." Spätfrost ist ein großer Feind von Erdbeerpflanzen.
Der heilige Mamerz hat von Eis ein Herz.“
Spätfrost ist ein großer Feind von Erdbeerpflanzen. [Foto: AdobeStock_Volodymyr-Shostak]

Wann genau sind die Eisheiligen?

Während in Norddeutschland die Eisheiligen vom 11. bis 13. Mai über das Land ziehen, kehren sie in südlichen Landesteilen sowie in der Schweiz und in Österreich erst vom 12. bis 15. Mai ein. Eine mögliche Erklärung: Die frostbringende Polarluft aus dem hohen Norden kommt im Süden etwa einen Tag später an.

Eisheilige: Wer sind das eigentlich?

Die Eisheiligen sind sogenannte Wetterheilige, deren Gedenktage in Verbindung mit den frühjährlichen Kälteeinbrüchen gebracht wurden. Ob es sich dabei um reale oder fiktive Personen handelt, die zwischen dem 3. und 5. Jahrhundert in Europa wirkten, ist nicht immer vollständig geklärt.

  • 11. Mai: Mamertus – Bischof von Vienne
  • 12. Mai: Pankratius – römischer Märtyrer
  • 13. Mai: Servatius von Tongern bzw. Servatius aus Gallien – Heiligenfigur aus dem Mittelalter
  • 14. Mai: Bonifatius von Tarsus – römischer, altkirchlicher Märtyrer
  • 15. Mai: Sophia von Rom – frühchristliche Märtyrin
"Lässt Pankratius mit Frösten grüßen, muss dies die Apfelblüte büßen." 
Nicht wenn, wie hier, rechtzeitig eine Frostschutzberegnung durchgeführt wurde.
Lässt Pankratius mit Frösten grüßen, muss dies die Apfelblüte büßen.
Nicht wenn, wie hier, rechtzeitig eine Frostschutzberegnung durchgeführt wurde. [Foto:AdobeStock_Werner]

Die Eisheiligen und die Wissenschaft

Auch bei Bauernregeln handelt es sich im Grunde um statistische Wettervorhersagen. Sie drücken bestimmte Wahrscheinlichkeiten für das Eintreten eines Ereignisses aus.

Aus Wettergeschehnissen, die nicht zur Jahreszeit passen und gehäuft auftreten, leiten Meteorologen sogenannte Witterungsregeln ab. Tatsächlich erwärmt sich im Mai das europäische Festland schneller als die Meere. So bilden sich an den Übergängen von warm und kalt mitunter Tiefdruckgebiete, die polare Luft in unsere Breiten schieben können. Es gibt sie also gar nicht so selten – die klirrenden Frostnächte im „Wonnemonat Mai“. Somit stehen die Eisheiligen nicht im Widerspruch zu heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Aber wie verlässlich ist das genannte Zeitfenster vom 11. bis 15. Mai?

Passen die Eisheiligen noch in die heutige Zeit?

Wissen sollte man, dass die meisten Bauernregeln aus der Zeit des julianischen Kalenders stammen – einem Vorläufer des heute gebräuchlichen gregorianischen Kalenders. Sie entstanden demnach vor der Kalenderreform von 1582, an der die Zeitrechnung um elf Tage vorgestellt wurde. Aus diesem Grund stimmen die ursprünglichen Termine der Eisheiligen nicht mehr mit unserer heutigen Zeitrechnung überein – die „Kalte Sophie“ wäre streng genommen erst am 26. Mai.

"Servatius' Mund der Ostwind ist, hat schon manch' Blümchen totgeküsst." 
Polarluft im Mai kann die schöne Fliederblüte in Eis erstarren lassen.
Servatius‘ Mund der Ostwind ist, hat schon manch‘ Blümchen totgeküsst.
Polarluft im Mai kann die schöne Fliederblüte in Eis erstarren lassen. [Foto: AdobeStock_SHS Photography]

„Eisheilige“ oder „Schweißheilige“?

  • Der Monat Mai hat seine Höhen und Tiefen – von leichten Minusgraden und brütenden Temperaturen bis über 30 Grad Celsius ist bekanntlich alles drin. Grundsätzlich zeigt die Auswertung von Daten, dass tiefe Temperaturen am Monatsanfang keine Seltenheit sind.
  • An den Eisheiligen gemäß des julianischen Kalenders, also Ende Mai, ist die Frostgefahr dagegen bereits deutlich gemindert. Das ist natürlich keine Überraschung, wenn man eigene Erfahrungswerte zugrunde legt.
  • Ganz bestimmt fallen die ungemütlichen Maitage auch einfach mal komplett aus. Stattdessen treibt uns möglicherweise eine frühe Hitzewelle die Schweißperlen auf die Stirn. Zudem lässt die Klimaerwärmung einen eindeutigen Trend erkennen: Die sogenannte Monatsmitteltemperatur fällt immer häufiger überdurchschnittlich hoch aus.

Wer unbeirrt an der Bauernregel festhalten möchte, nennt frostige Tage am Monatsanfang einfach „verfrühte Eisheilige“. Fällt das Thermometer in der zweiten Maihälfte doch noch einmal unter 0 Grad Celsius, handelt es sich entsprechend um die „späten Eisheiligen“. Besonders für Hobbygärtner*innen kann sich die Regel als recht nützlich erweisen – rät sie doch zu einer gewissen Vorsicht beim Auspflanzen.

Was bedeuten die Wetterregel für Gartenpflanzen?

Auch wenn uns die ersten wärmenden Sonnenstrahlen dazu verleiten, die ersten zarten Exemplare ins Freie zu bringen, können Spätfröste für Pflanzen richtig tückisch werden. Frostgefahr besteht insbesondere an sonnigen, warmen Tagen, an denen in der Nacht weder Wolken noch Nebel für eine wärmende Schicht sorgen. Dann steigt die tagsüber im Boden gespeicherte Wärme ungehindert auf, wodurch die Temperaturen in Bodennähe drastisch sinken. Herrscht zudem Windstille, kommt es zum gefürchteten Kaltluftstau. Pflanzen werden so mitten im Austrieb von der eisigen Witterung überrascht.

"Vor Nachtfrost bist du sicher nicht, bevor Sophie vorüber ist."
Hier hat es Tomatenpflanzen kalt erwischt.
Vor Nachtfrost bist du sicher nicht, bevor Sophie vorüber ist.“
Hier hat es Tomatenpflanzen kalt erwischt. [Foto: AdobeStock_waspls]

Wer seine Balkonblumen und das junge Gemüse im Auge behalten möchte, sollte im April und Mai unbedingt regelmäßig den Wetterbericht studieren. Mit einem Schutz aus Stroh oder Reisig, einer passenden Vliesauflage oder Folie (Tunnel) lässt sich meist ein größerer Schaden abwenden. Auch ein Frühbeet leistet gute Dienste. Kleinere Pflanzgefäße räumt man bei Bedarf einfach schnell ins Haus.

Ein trüber, niederschlagsreicher Monat – gänzlich ohne Frost – ist natürlich ebenfalls nicht auszuschließen. Dazu eine Bauernregel, die fast immer stimmt: „Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauern Scheun und Fass“. Auch wenn es die Gemüter nicht gerade erfreut, herrschen dann beste Bedingungen für Pflanzen vor: Eine gute Wasserversorgung und moderate Temperaturen begünstigen die Bildung von Blättern und Blüten.

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SABINE FAASS

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