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Voraussichtliche Lesedauer:  20 Minuten

Starkregen: Diese 5 Maßnahmen helfen im Garten

Von Saskia Richter

Die Klimaforscher sind sich einig: Neben Hitzewellen und Dürren werden extreme Regenereignisse unsere Zukunft prägen, mit teils gravierenden Folgen wie Überschwemmungen. Doch jeder Garten- und Hausbesitzer kann auch direkt etwas tun, um die Wassermassen zu bremsen und die überforderte Kanalisation zu entlasten: mit vielfältigen Maßnahmen, die helfen, Niederschläge aufzufangen, ihren Abfluss zu verzögern und sie vor Ort versickern oder verdunsten zu lassen.

Starkregen: Was bedeutet das überhaupt?

Wer von Starkregen spricht, meint damit in der Regel große Regenmengen, die in kurzer Zeit herabfallen. Der Deutsche Wetterdienst warnt beispielsweise in drei Stufen. Werden folgende Schwellenwerte überschritten, sprechen wir von Starkregen, der zu einem schnellen Anstieg der Wasserstände oder Überschwemmungen führen kann. Bei solchen Niederschlagsmengen muss auch mit Bodenerosion gerechnet werden.

  • Markante Wetterwarnung bei Regenmengen von 15 bis 25 l/m² in 1 Stunde oder 20 bis 35 l/m² in 6 Stunden
  • Unwetterwarnung bei Regenmengen > 25 bis 40 l/m² in 1 Stunde oder > 35 l/m² bis 60  l/m² in 6 Stunden
  • Warnung vor extremem Unwetter bei Regenmengen > 40 l/m² in 1 Stunde oder > 60 l/m² in 6 Stunden

Leider ist es sehr schwer, rechtzeitig vor Starkregen zu warnen. Kommunale Entwässerungsnetze können in kurzer Zeit nur einen geringen Teil der Regenmengen aufnehmen. Eine Erweiterung der Netzkapazitäten ist zudem aus finanziellen, technischen und rechtlichen Gründen nicht möglich. Damit starker Regen zumindest auf Ihrem Grundstück besser aufgefangen werden, versickern oder verdunsten kann, empfehlen sich folgende Maßnahmen.

Starkregen-Maßnahme 1: Grün aufs Dach und Laub an die Wand

Wo sich Pflanzen auf Dächern ausbreiten und Wände erobern dürfen, bleibt Regen erst mal hängen – und kommt teils gar nicht erst am Boden an.

Gerade im urbanen Raum, wo die Bebauungsdichte besonders hoch ist und viele Flächen versiegelt sind, können Gründächer eine wertvolle temporäre Entlastung darstellen. Abhängig von der Art und Aufbaustärke der Substratschicht, der Dachneigung sowie Höhe und Dichte des Bewuchses können hier erhebliche Niederschlagsmengen aufgenommen und zunächst zurückgehalten werden. So gelangen die Wassermassen mit zeitlicher Verzögerung in das Abwassersystem. Dies hilft, plötzliche Spitzen nach sintflutartigen Regengüssen deutlich zu entschärfen.

Starkregen kann durch dichten Fassaden-Bewuchs (hier: Wilder Wein) ausgebremst werden [Foto: AdobeStock_Strubel]
Ein dichter Laubpelz, etwa aus Wildem Wein (Parthenocissus, Bild) oder Efeu, schützt die Hausfassade nicht nur vor Starkregen. Die großen Blattmassen transpirieren auch beachtliche Mengen Wasser. [Foto: AdobeStock_Strubel]

Noch effektiver gegen Starkregen sind sogenannte Retentions-Gründächer: Sie verfügen über zusätzliche Speicherräume unterhalb des eigentlichen Begrünungsaufbaus, die es ermöglichen, selbst heftige Niederschläge auf dem Dach zu halten. Das angestaute Wasser fließt dann über ein Drosselelement langsam und gezielt ab. Ein Teil verdunstet zudem direkt wieder in die Luft. Auch eine dicht mit Kletterern bewachsene Fassade hält so manchen Regentropfen fest und steigert darüber hinaus die Verdunstungsrate.

Starkregen kann durch Pflanzwanne und Abfluss erst aufgefangen und dann abgeleitet werden [Foto: AdobeStock_U.-J.-Alexander]
Platz ist auf der kleinsten Hütte: Eine Mülltonnenbox mit Metallwanne plus Abfluss bietet viele Möglichkeiten zur Begrünung. [Foto: AdobeStock_U.-J.-Alexander]

Starkregen-Maßnahme 2: Kurzzeitig speichern und im Garten versickern lassen

Niederschlagswasser von Dächern und versiegelten Flächen lässt sich in offenen Mulden und Gräben oder unterirdisch zwischenlagern.

Sie möchten Wasser im Keller nach Starkregengüssen vermeiden? Eine Versickerung durch die Erdoberfläche mindert bei Starkregen nicht nur die Gefahr von Überflutungen, sondern bietet weit mehr: Bei der Passage durch die belebte Bodenzone wird das Wasser wirksam gefiltert, Schadstoffe werden gebunden, lokal wird neues Grundwasser gebildet. Durch Verdunstung wird das Mikroklima zudem positiv beeinflusst. Und: Die baulichen Lösungen können sich durchaus sehen lassen!

Der Gartenteich ist bei Starkregen keine Option, um Wasser abzuleiten. [Foto:  © GartenFlora/Christian Gehler]
Das Einleiten größerer Niederschlagsmengen in den Gartenteich ist eher keine Option: Das Wasser ist dafür oft nicht rein genug, zudem zu weich. Nach starken Regenfällen daher öfter mal die Werte checken. [Foto: © GartenFlora/Christian Gehler]

Bauliche Lösungen: Mulden, Rigolen und mehr

Am einfachsten anzulegen sind flache Mulden oder Gräben etwa im Rasen, in denen sich das Abflusswasser nach Regengüssen sammeln kann und aus denen es zeitverzögert versickert und verdunstet. Als maximale Anstauhöhe werden dafür 30 cm empfohlen, nach spätestens 24 Stunden sollte alles Wasser verschwunden sein.

Voraussetzung dafür ist, dass der Boden überhaupt genügend aufnahmefähig ist. Ein einfacher Test bietet hier Orientierung (s. Praxis-Tipp unten). Je langsamer das Wasser sinkt, desto mehr „Lagerfläche“ wird benötigt, desto größer muss die Anlage bemessen sein. Als Faustformel gilt: Sie sollte 10 bis 20 Prozent der angeschlossenen undurchlässigen Fläche betragen.

Praxis-Tipp: Der Sickertest

Für die Versickerung vor Ort muss der Untergrund entsprechend durchlässig sein. Schwere, tonige Böden scheiden z. B. meist aus. Mit einem Test können Sie die Durchlässigkeit selbst ermitteln: Eine große Grube (mindestens 30 cm tief) ausheben. Stab mit daran befestigtem Zentimetermaß einschlagen, die Grube mit Wasser füllen und ca. eine Stunde lang immer wieder nachgießen, bis der Boden gesättigt ist. Die Grube erneut befüllen, Zeit und Wasserstand notieren, dann viermal im Abstand von jeweils 15 min die Absenkung messen (bei Bedarf Wasser nachfüllen). Die vier Messwerte zusammenrechnen: Ab einer Durchlässigkeit von 6 bis 25 cm/h ist z. B. Versickern in Mulden möglich.

Versickerungsmulden werden meist mit Rasen eingesät. Versuche zeigten jedoch, dass sich ihre Wirksamkeit durch eine Bepflanzung mit Stauden und Gräsern um bis zu einem Drittel steigern lässt. Zudem gewinnen die Mulden so an Attraktivität – auch für Insekten. Zum Bepflanzen eignen sich Arten, die gelegentliches Überflutetwerden sowie Trockenfallen tolerieren.

Diese Pflanzen mögen es wechselfeucht

  • Quirlblättriges Mädchenauge Coreopsis verticillata
  • Wiesen-Storchschnabel Geranium pratense
  • Taglilie Hemerocallis-Arten und -Sorten
  • Iris-Arten Iris sibirica, Iris pseudacorus
  • Bronze-Felberich Lysimachia ‘Firecracker’
  • Blut-Weiderich Lythrum salicaria
  • Moor-Pfeifengras Molinia caerulea
  • Rutenhirse Panicum virgatum
  • Wiesenknopf Sanguisorba-Arten und -Sorten

Hinweis: Bei länger anhaltender Trockenheit sollte zusätzlich bewässert werden.

Deutlich aufwendiger ist die unterirdische Versickerung über Rigolen, z. B. gitterartige Kunststoffwürfel, die als Zwischenspeicher fungieren. Dem Wasser fehlt hierbei die reinigende Oberbodenpassage. Rigolen sind zudem erlaubnispflichtig.

Es besteht aber auch die Möglichkeit der Rohr-Rigolenversickerung. Dabei sprudelt das Wasser zunächst wild aus dem Regenfall­rohr in einen Vorfilter, der Laub etc. abfängt. Anschließend wird es unterirdisch in ein langes, mit Schlitzen versehenes Kunst­stoffrohr geleitet, das waagerecht in einen mit Schotter oder Kies verfüllten Gra­ben eingebettet ist.

Auch ein Trockenbachlauf, der mit Kieseln, größeren Steinen und einer dichten Randbepflanzung gestaltet wird, gibt ein dekoratives Bild ab. Darin kann Regenwasser nach und nach versickern und verdunsten – wenn auch nicht so effektiv wie in der begrünten Variante.

Starkregen-Maßnahme 3: Regenwasser sammeln und später nutzen

Niederschläge fallen gratis vom Himmel. Wer sie auffängt und seinen Garten damit gießt, spart kostbares Trinkwasser, schont die Kanalisation und die Umwelt.

Den Rasen, die Blumenbeete, den Gemüsegarten mit Trinkwasser gießen? Ein teures Vergnügen! Und oftmals unnötig. Schließlich liefert die Natur das kühle Nass kostenlos frei Haus. Wer Regenwasser sammelt und nutzt, um bei Trockenheit den Garten damit zu bewässern, tut nicht nur seinen Pflanzen etwas Gutes, sondern kann auch die Abwassergebühren senken, da das Niederschlagswasser direkt an Ort und Stelle wieder dem natürlichen Kreislauf zugeführt wird und so gar nicht erst in die Kanalisation gelangt.

Die einfachste Variante ist die Regentonne, die an ein Fallrohr angeschlossen wird. Durch Koppeln mehrerer Tonnen lässt sich die Speicherkapazität vervielfachen. Zum Winter hin sollten die Gefäße entleert werden, um Schäden durch Frost zu verhindern. Ein deutlich größeres Speichervolumen bieten Regenwassertanks, meist aus solidem Kunststoff, die frostsicher im Boden eingesenkt werden. Sie sind mit Filtertechnik und Pumpe ausgestattet. Das aufgefangene Wasser kann so außer fürs Gießen für die Toilettenspülung, gegebenenfalls auch für die Waschmaschine verwendet werden.

Speichern & versickern

Um jegliche Niederschläge, z. B. Starkregen, zu nutzen und gleich­zeitig komplett auf dem Grundstück zu halten, empfiehlt sich die Kombination einer Regen­wassernutzungsanlage plus Rigolenelement. Ist der Speicher voll, fließt das überschüssige Wasser einfach in die nachgeschaltete Versi­ckerungsanlage. Damit entfallen sämtliche Niederschlagsgebühren.

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Starkregen-Maßnahme 4: Flächen entsiegeln, Beläge durchlässig gestalten

Der Boden rund ums Haus und im Garten sollte stets nur dort versiegelt werden, wo unbedingt notwendig. Überall sonst darf das Wasser ungehindert versickern.

Gepflastert, asphaltiert, zubetoniert … Viele Wege, Terrassen, Stellflächen, Höfe und Zufahrten sind vollständig versiegelt. Teils handelt es sich um „Altlasten“, weil die Pflege der Flächen so einfacher erschien. Die Folgen sind fatal: Niederschläge können nicht versickern, bei Starkregen stürzen in kurzer Zeit enorme Wassermassen in die Kanalisation, es drohen Überschwemmungen. Zudem sinkt der lokale Grundwasserspiegel, das Kleinklima heizt sich auf, Lebensräume für Pflanzen und Tiere entfallen.

Daher – frei nach dem Slogan „unter dem Pflaster liegt der Strand“ – die Spitzhacke (gegebenenfalls den Stemmhammer) her, dazu Spaten, Schaufel, Rechen, und ans Werk gemacht: Den Belag und die darunter liegende Tragschicht vollständig entfernen, weitere Kies-, Splitt-, Schotteraufschüttungen zumindest teilweise abtragen. Verdichteten Untergrund sorgfältig auflockern und humosen Mutterboden auffüllen. So entsteht eine neue, wertvolle Pflanzfläche.

Ist stattdessen eine Bodenbefestigung gewünscht, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, den Belag wasserdurchlässig zu gestalten, etwa mit Rasen, Rindenhäcksel, Kies-Splitt-Decken, Schotterrasen, Rasengittersteinen, Holzpflaster, Rasenfugensteinen, Ökopflaster …

Weitere Möglichkeiten, Beläge durchlässig zu gestalten

  • Ökopflaster: Durch ungleichmäßige Formen oder angeformte Abstandhalter bilden die Betonsteine breite Fugen, die mit gut durchlässigem Splitt (Körnung 1/3 oder 2/5) verfüllt werden. Bei sogenanntem Porenpfla­ster sind die Steine selbst durchlässig. Das Wasser sickert direkt hindurch.
  • Kies- oder Splittdecken: Sie lassen sich mit etwas Geschick selbst anlegen. Achten Sie auf einen fachgerechten Unterbau. Auf einer Körnung von ca. 2/8 kann man gut laufen.
  • Rasenwaben: Das sind belastbare Kunst­stoffgitter, die mit Boden ver­füllt und mit Gras eingesät oder zum Stabilisieren von Rasenflächen direkt aufs Gras gelegt werden. Für Einfahrt und Parkplatz. Zu finden bei Schwab Rollrasen.
  • Rasengittersteine: Sie halten starker mechanischer Beanspruchung stand. Ihre Öffnungen werden zu nur zwei Dritteln mit sandigem Oberboden gefüllt, damit die Wachstumspunkte der eingesäten Rasen­gräser beim Überfahren nicht beschädigt werden.

Rindenmulch federt angenehm und lässt Wasser problemlos versickern. Tipp: Grobe Körnung wählen (20–60 mm).

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Rasengittersteine halten starker mechanischer Beanspruchung stand.

Starkregen-Maßnahme 5: Den Boden zum Schwamm machen

Wer seinen Boden verbessert und pflegt, macht ihn damit aufnahmefähiger für große Wassermengen.

Trifft Starkregen ungebremst auf offenen Boden, hat das viele negative Auswirkungen: Durch die Wucht des Aufpralls werden die wertvollen Bodenkrümel zerschlagen, schlimmstenfalls werden Teile des Bodens abgeschwemmt, seine Oberfläche verschlämmt und verkrustet nach dem Abtrocknen. Damit sinkt die Wasseraufnahmefähigkeit weiter. Wichtigstes Ziel ist es daher, den Boden stets bedeckt zu halten, etwa durch Mulchen oder eine dichte Bepflanzung. Darunter ist das Erdreich gut geschützt, bleibt dauerhaft locker und aufnahmebereit.

Dicht bepflanzte Beete und Gartenbereiche koennen Starkregen abfangen [Foto: AdobeStock_Macrossphoto]
Auf dicht bepflanzten Flächen können selbst ungestüm aufplatschende Regentropfen kaum Schaden anrichten. Der Boden darunter bleibt offenporig, Niederschlagswasser dringt leicht ein. [Foto: AdobeStock_Macrossphoto]

Regelmäßige Humusgaben – auf leichten, sandigen Böden in Kombination mit Tonmineralien (Bentonit) –, bei Bedarf außerdem Kalkgaben tragen zur Bildung stabiler Ton-Humus-Komplexe bei. Diese verbessern das Porengefüge des Bodens und mindern zudem die Gefahr des Verschlämmens bei Starkregen. So entsteht ein saugfähiger Schwamm, der nicht nur in der Lage ist, heftige Regengüsse besser zu verarbeiten, sondern bei Trockenheit auch länger Wasser für Ihre Pflanzen bereithält.

Regelmäßige Kompostgaben halten das Erdreich locker. In schwere Ton­böden kann man zusätzlich Sand ein­arbeiten. Verdich­tungen im Unter­grund allerdings müssen mechanisch aufgebrochen werden. Mulchen bremst dabei die Wucht des Regens. Dafür eignen sich beispielsweise Holzfasern, Rasenschnitt, Rindenkompost, bei robusten Pflanzen auch Rindenmulch.

Sie haben gelesen, welche Maßnahmen gegen Starkregen helfen und möchten nun genau wissen, wie Sie effektiv Regenwasser sammeln können? Hier erfahren Sie alles über Regentonnen, Zisternen und mehr.

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