Tulpen für den Frühling

Die Niederländerin Jacqueline van der Kloet entdeckte die aparten Reize der Tulpe, die doch ein Markenzeichen ihrer Heimat Holland ist, erst spät. „Denn wird die Tulpe nicht gekonnt platziert, wirkt sie schnell steif, langweilig oder gar altmodisch. Dieser Nimbus haftet ihr bis heute noch etwas an“, kämpft van der Kloet gegen ein altes Vorurteil. In ihren Pflanz-Kombinationen setzt sie Tulpen mittlerweile sehr virtuos, innovativ und überraschend in Szene.

Mit Farbe gestalten – gewusst wie

Es beginnt schon mit der Entscheidung für die richtige Farbe bzw. Farb-Kombinationen: „Man sollte wissen, warum man bestimmte Farben verwendet.“ Wer es elegant liebt, beschränkt sich auf ein weißes Band aus Narzissen, Tulpen und Puschkinia. Oder er vereint viele unterschiedliche Sorten, die sich aber alle innerhalb einer Farb-Skala bewegen.

Liebhaber kräftiger Farb-Kontraste hingegen pflanzen zwischen die einzelnen Farben viel Grün, „das mildert sanft ab“. Auch bei einem fröhlich-bunten Potpourri ist etwas Grün dazwischen sinnvoll.

Tulpen in Sequenzen pflanzen

Gewusst wie, heißt es, wenn man ein Beet nur mit Tulpen füllen will. Damit die Frühlings-Stars natürlich wirken, sollten sie in „Sequenzen“, wie Jacqueline van der Kloet es nennt, gepflanzt werden: „Zwölf bis 15 Stück pro Quadratmeter, die Zwiebeln am besten locker mit der Hand auswerfen und sie so pflanzen, wie sie fallen, in Büscheln und einige einzeln“.

Sie empfiehlt die Kombination von früh-, mittel- und spät blühenden Sorten: „Dann gibt es im Beet keine Lücken, und man hat wochenlangen Blütenspaß!“ Sie selbst mag Tulpen am liebsten, wenn sie sich aus einem Stauden-Beet emporrecken. Schon wird selbst die schlichteste Staudenrabatte im Frühjahr aufgewertet und, vor allem durch hohe Tulpen, ins Rampenlicht gerückt. „Weiße wie die hochstielige ‘Maureen’ oder knallrote wie ‘Couleur Cardinal’ wirken dann wie Spotlights.

Schön finde ich auch ein Duett aus Tulpen und Lenzrosen: Ich schneide die alten, welken Blätter der Lenzrosen ab, sie bilden schnell hellgrün schimmernde neue und das schaut sehr frisch aus!“ Ein lieblich-romantisches Paar sind Tulpen, die von Wolken aus sanftem Vergissmeinnicht in Hellblau, Rosa oder Weiß umschmeichelt werden. „Goldlack und Tulpen ergeben ebenfalls ein verspieltes, hübsches Bild“, schwärmt sie.

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Partner für Tulpen

Gut zu Tulpen passen Stauden wie Storchschnabel, Frauenmantel, Blausternbusch (Amsonia) und viele Wolfsmilch-Arten. „Sie alle haben schöne, dichte Blätter“. Damit lasse sich nach der Blüte der Tulpen deren welkendes Blattwerk gnädig verdecken. Denn, rät van der Kloet eindringlich, das „Laub sollte man erst nach sechs bis acht Wochen schneiden, damit die Kraft fürs nächste Frühjahr in die Zwiebeln gehen kann!“

Mehr Natürlichkeit bekommt ein Tulpenbeet, wenn es mit Ziergräsern durchmischt wird. Gerne mixt sie auch Tulpen mit Zierlauch. „Das frühe weiße Allium neapolitanum passt gut zur Tulpe ‘Ballade’. Einzelne hohe, spät blühende lilienblütige Tulpen zwischen Zierlauch getupft, bringen den speziellen „Wow-Effekt“.

Tulpen-Kombinationen

Die meisten Tulpen sind sonnenhungrig, doch einige, wie ‘White Triumphator’, gedeihen auch gut im Halbschatten. „Dann Tuffs von Kaukasus-Vergissmeinnicht dazwischen setzen, einfach toll!“ Festlich wirkt das Duo aus der lilienblütigen, hochstieligen Tulpe ‘Jacqueline’ mit der anmutigen Dichternarzisse.

Wer seinem Beet eine geheimnisvoll-magische Aura verleihen will, pflanzt ein Trio aus den sehr dunklen Tulpen ‘Negrita’ und ‘Recreado’ mit der hellblau blühenden Staude Blausternbusch (Amsonia). Eine Faustregel sollte man dabei beherzigen: „Lieber eine kleine Anzahl Sorten, von denen aber dann jeweils viele Zwiebeln. Das wirkt besser, als viele unterschiedliche Sorten auf kleiner Fläche“.

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Tulpen nach der Blüte ausgraben?

Zur Gretchen-Frage, ob die Blumenzwiebeln nach der Blüten ausgegraben werden sollen oder nicht – und dabei riskiert, dass sie auf Nimmerwiedersehen verschwinden – meint die Gestalterin: „Manche Sorten überleben mehrere Jahre. Sie brauchen aber eine gute Drainage und werden etwas tiefer, ca. 15 cm tief, gesetzt. Beim ersten Blattaustrieb bekommen sie Kraftnahrung aus organischem Dünger und perliertem Kuhdünger“.

In ihrem eigenen Garten „De Theetuin“ im kleinen Ort Weesp östlich von Amsterdam, blühen Sorten wie ‘Apricot Beauty’, ‘Juliette’, ‘Jewel of Spring’ und ‘Recreado’ schon seit fast 15 Jahren zuverlässig immer wieder. „Auch ‘Parade’ mit ihrer kräftigen roten Blüte ist sehr langlebig“.

Für sie ist es ein spannendes Experiment: Wie oft kommen sie wieder? Wer Wildtulpen wählt, muss meist nicht um die Wiederkehr bangen. Und welches Rezept hat die „Bollen-Queen“ (Bollen heißen in Holland die Zwiebeln) gegen Wühlmäuse, die gefürchteten Plagegeister? „Ich fürchte, da kann man nichts machen. Gelassen bleiben“, rät sie augenzwinkernd.
Christa Hasselhorst

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