Amaryllis – eine Winterliebe

mehrere Rittersterne in farbigem Topf
Amaryllis – was für ein klangvoller Name! Wie gemacht für diesen prachtvollen Winterblüher. Und so halten Züchter und Händler, Gärtner und (in diesem Titel) auch wir Redakteure einmal mehr an ihm fest. Obwohl es sich eigentlich um den Ritterstern handelt.

Überraschende Erfahrungen mit dem Ritterstern

Eigentlich bevorzuge ich im Zimmer eine dezente Bepflanzung. Grüntöne verbreiten Ruhe, die höchstens vom einen oder anderen bunt gefärbten Blattsprenkel gestört werden darf. Und so war ich skeptisch, als ich vor einigen Jahren zur Vorweihnachtszeit eine dicke Blumenzwiebel geschenkt bekam.

Das knallrote Blütenbild auf dem angehängten Plastikschildchen war doch eindeutig als Alarmsignal zu verstehen! Doch das exotische Etwas widersetzte sich beharrlich meinen Versuchen, es durch konsequente Missachtung der angegebenen Pflegehinweise ins vorzeitige Jenseits zu befördern.

„Während des Austriebsbeginns sparsam gießen und warm stellen (circa 25 Grad). Erst wenn sich der Blütenschaft etwa handhoch gestreckt hat, stets gleichmäßig feucht halten“, stand dort geschrieben. „Ab diesem Zeitpunkt alle zehn Tage düngen und die Zwiebel hell und mäßig temperiert (etwa 18 Grad) platzieren.“ Ich erfüllte nichts von alledem.

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Wie der Ritterstern mein Herz eroberte

Doch unbeirrt schob der dicke Stängel seine beiden noch dickeren Knospen in 70 cm Höhe, auch meine widerwillige Bewunderung wuchs – und plötzlich waren sie da: Zwei weiß-zartrosa gefärbte Blüten mit hinreißend leuchtend grünen Herzen.

Eine diskrete ‘Apple Blossom’ hatte sich also unter all die feurigen Roten im Blumenladen gemogelt. Die dezente und dabei so entschlossene Schönheit fügte sich perfekt in mein grünes Pflanzenbild und hatte, ganz nebenbei, mein Herz erobert.

Seither werden meine Rittersterne (ja, es sind jetzt schon mehrere) vorbildlich gepflegt und danken das zuweilen mit bis zu drei Blütenständen mit jeweils bis zu sechs großen Trichterblüten! Um dafür die notwendige Energie sammeln zu können, brauchen die Zwiebeln nach der Blüte im Sommer weiterhin viel Sonne, Wasser und Dünger.

Sie sehen dann wenig attraktiv aus. Lange riemenförmige Blätter schwappen an allen Seiten über den Topfrand. Wer mag, kann sie nun irgendwo im Garten verstecken. Aber bitte erst nach Ende Mai, denn Rittersterne sind ausgesprochen frostempfindlich. In dieser Zeit sollten die Zwiebeln an Umfang zunehmen, so etwa einen bis zwei Zentimeter.

Und dann, von Oktober bis Dezember, geht’s in den Vorwinterschlaf. Das Gießen wird stark reduziert, das Düngen ganz eingestellt. Wenn die Blätter schließlich nach etwa vier Wochen eingezogen sind, wird der Topf an einen etwa 12 Grad kühlen Platz gestellt und überhaupt nicht mehr beachtet. Erst im Dezember geht’s, möglichst in frischer Erde, wieder von vorne los.

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Für längere Blütenfreude - in Etappen pflanzen


EvergreenWenn ich ehrlich bin: Mittlerweile treibe ich meine Rittersterne sogar gestaffelt an, die letzten kommen Anfang März in frische Erde. So ergibt sich bis Ende Mai ein nicht enden wollendes Blütenspektakel in sämtlichen Rot- und Rosé-Tönen. Auch reinweiße (‘Christmas Gift’) und sogar grüne (‘Evergreen’, s. Bild) Sorten sind darunter.

Und im August und September, wenn bei den Rittersternen gerade Flaute herrscht, erfreut mich ihre verwandte Gartenbewohnerin mit ihren duftenden, violetten Trichterblüten: Die Belladonnalilie, die als einzige Pflanze ganz zu recht den Namen Amaryllis trägt. Zusammen mit den Rittersternen (lateinisch: Hippeastrum) gehört sie jedoch in die übergeordnete Familie der ... Amaryllisgewächse – worin das eingangs erwähnte Namenswirrwarr wohl begründet liegt.
Kerstin Ackermann


Extra-Wissen

Belladonna – die echte Amaryllis
Das ist sie also: Amaryllis belladonna, auch Belladonnalilie genannt – die einzige Pflanze, die den Namen Amaryllis ganz zu recht trägt. In ihren süßlich duftenden Dolden präsentiert sie jeweils mindestens sechs rosafarbene, trompetenförmige Blüten, die bis zu zehn Zentimeter Länge erreichen.

Sie stammt ursprünglich aus Südafrika und wird in unseren Breiten als herbstblühende Zwiebelpflanze kultiviert. Wegen ihrer geringen Frosthärte empfiehlt sich die Kübelkultur. Die Überwinterung sollte im kühlen, gerade frostfreien Gewächshaus erfolgen.

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Ritterstern im Topf ...

Wählen Sie einen Topf, der nur wenig größer ist als die Zwiebel selbst – etwa 2,5 cm mehr Breite im Durchmesser reichen aus. Belegen Sie den Topfboden mit Kieseln zur Dränage und befüllen Sie das Pflanzgefäß mit gut durchlässiger, eventuell mit etwas Sand vermischter Blumenerde.

Die Zwiebeln sind sehr anfällig gegenüber Staunässe, faulen schnell und werden häufig von Virusinfektionen wie dem Roten Brenner befallen. Um all dem entgegenzuwirken, werden sie nur gut zur Hälfte in die Erde gedrückt.

Der nackte Bodenrand kann mit Moos kaschiert werden. In diesem Fall sollte der Ritterstern aber nur von unten, über den Topfuntersetzer gegossen werden, da das Moos das Gießwasser an der Zwiebel halten würden.

Alternativ können natürlich auch fast blühende Pflanzen im Winter gekauft werden, auch zum Beispiel als Geschenk in der Weihnachtszeit. Doch wer die interessante Entwicklung vom Pflanzen der Riesenzwiebel bis zur Blüte aus der Nähe miterleben möchte, pflanzt eine oder sogar mehrere Zwiebeln.

Obwohl die Amaryllis so elegant wirkt, ist sie sehr leicht und schnell zur Blüte zu bringen. Je nach Temperatur und Entwicklungsstand der Zwiebel dauert es circa sechs bis acht Wochen ab dem Pflanzen. Wenn sie schon zur Weihnachtszeit blühen soll, wird sie darum schon frühzeitig im November oder sogar etwas eher gepflanzt und dann an einen warmen Platz gestellt.

Wer versuchen möchte, die Pflanze auch im nächsten Jahr wieder zum Blühen zu bringen, sollte Verblühtes entfernen, damit sich keine Samen bilden. Dafür würde die Amaryllis unnötig Kraft verbrauchen. Der Stängel wird aber erst entfernt, wenn er vertrocknet ist.

... oder in der Vase

Rittersterne sind hervorragende Schnittblumen, die sich in der Vase etwa zwei Wochen lang halten. Dazu sollten sie beim Händler im knospigen Zustand erworben werden.

Um die Haltbarkeit zu fördern, kann die Schnittstelle mit Tesafilm umwickelt werden, so dass ein Aufrollen des Stielendes verhindert wird.

Das Wasser sollte alle zwei Tage gewechselt werden. Die Standfestigkeit der langen Stängel wird durch einen Steckigel (im Blumenfachhandel zu erwerben) gewährleistet. Auch dünne Bambusstäbe, die in die hohlen Stängel eingeführt werden, können für Halt sorgen.


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