[Foto: AdobeStock_atiger]

Lupinen:Imposante Blütenkerzen

Mit ihren ein- oder mehrfarbigen, stolz gen Himmel ragenden Blütenkerzen sind Lupinen klassische Prachtstauden für blütenreiche Beete und den Bauerngarten. Die Palette aus bewährten und neuen Sorten bietet zudem allerlei Möglichkeiten zum Kreieren spektakulärer Farbspiele – passende Beetpartner sind dann das Sahnehäubchen. Während die aufrechten Blütenkerzen vertikale Akzente setzen, können niedrigere Stauden diese harmonisch umspielen.

Lupinen – voraussichtliche Lesedauer: 6 Minuten

Wiese steht Lupinen gut!

Jeden Sommer, weit oben und wohl schon auf 600 bis 700 Höhenmetern zeigt sich im Schwarzwald eine Attraktion: Wie die schimmernden Türmchen einer Bergfeste im Morgenlicht recken sich unzählige stämmige Blütenkerzen aus dem schotterreichen, frisch-kühlen Untergrund der Gleisböschung. Hier und dort flutet ihr tiefgründiges Blau bis weit in den sonnigen Waldrand hinein. Lupinen, so weit das Auge reicht.

Lupinen. Foto: AdobeStock_Marc
Im Schwarzwald wachsen die Lupinen in großer Zahl auf Magerwiesen. [Foto: AdobeStock_Marc]

Die bewunderte Pracht gehört der Vielblättrigen Lupine (Lupinus polyphyllus), einer nordamerikanischen Wildart, die sich hier zulande ziemlich breit macht, teils sogar als problematischer Neophyt gehandelt wird.

Dennoch: Das Bild der hoch aufragenden Schönen, die sich in freier Landschaft ganz leger mit Gräsern, Wiesen-Kerbel, Wicken und anderen zarten Wildkräutern umgeben, könnte Vorbild sein für ihre heutige Verwendung im Garten. Denn Wiese steht Lupinen gut!

Gute Partner für Lupinen

Die früher oftmals übliche Kombination mit Prachtstauden wie Pfingstrose, Bart-Iris und Türkischem Mohn hat ohnehin ihre Tücken: Haben diese ihr frühsommerliches Farbfeuerwerk verschossen, bleibt wenig, das vom etwas struppigen Anblick verblühter Lupinen ablenken könnte. Unbedingt empfehlenswert, die stolzen Schmetterlingsblütler daher im Beet nur einzeln oder in kleinen Gruppen zu verwenden, und sie in zweiter Reihe zu platzieren.

Eine Vorpflanzung aus niedrigen bis halbhohen Sommer- und Herbstblühern täuscht dann charmant über jede Unzulänglichkeit hinweg. Als hilfreiche Geister haben sich hier beispielsweise Storchschnäbel, Frauenmantel, Mädchenauge (Coreopsis lanceolata, C. verticillata) oder kleine Astern-Vertreter bewährt.

Effektvoll gestalten zusammen mit anderen Stauden und Gräsern

Als Blühpartner empfehlen sich vor allem solche, die den wuchtigen Lupinenkerzen kontrastierende Formen gegenüberstellen oder sie luftig-leicht umspielen. Welch grandioser Effekt, wenn Zierlauch-Kugeln übermütig um ihre Blütenkolben tollen, etwa Allium aflatunense ‘Purple Sensation’ oder die Hybriden ‘Globemaster’ und ‘Mount Everest’.

Lupinen Foto: AdobeStock_GS Planning
Vergissmeinnicht (Myosotis) umschmeicheln bunte Lupinen. [Foto: AdobeStock_GS Planning]

Auch Vergissmeinnicht und Akeleien geben mit Lupinen attraktive Paare ab. Oder man kombiniert sie mit Doldenblütlern, die ihre Spitzenschirmchen aufspannen: Die beeindruckende Kaschmirdolde (Selinum wallichianum) wäre hier zu nennen, der duftige Wiesen-Kerbel mit Purpurlaub (Anthriscus sylvestris ‘Ravenswing’) oder der aparte Strahlen-Breitsame (Orlaya grandiflora, einjährig).

Und nicht zu vergessen: Gräser! In solch ungezwungener Gesellschaft entdeckt selbst die vornehmste Lupine ihre wilden Wurzeln wieder und schwelgt wohlgemut in Wiesenstimmung.

George Russels wertvolle Züchterarbeit

Dass Lupinen seit nun bald einem Jahrhundert weit mehr zu bieten haben als nur Blau, verdanken wir dem englischen Gärtner George Russel. Er kreuzte die Ursprungsart Lupinus polyphyllus mit anderen Wilden (L. arboreus, L. perennis) und schuf damit eine Reihe farbstarker, reich blühender Hybriden mit so klangvollen Namen wie ‘Edelknabe’ (karminrot), ‘Kronleuchter’ (gelb), ‘Kastellan’ (blau mit weißer Fahne), ‘Fräulein’ (cremeweiß) oder ‘Schlossfrau’ (rosa mit weißer Fahne).

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Da sie echt aus Samen fallen, lassen sie sich leicht selbst heranziehen – ein Vorteil, angesichts der oft begrenzten Lebensspanne der Stauden. Besonders auf schweren, staunassen Böden verabschieden sie sich gern mal schnell wieder. Kalk und zu viele Nährstoffe mögen sie ebenfalls nicht.

Anspruchslos und pflegeleicht

Lassen Sie den Düngersack daher besser im Schuppen, auch wenn die pompöse Blütenfülle anderes zu verlangen scheint: Als Leguminose ist die Lupine eng mit Knöllchenbakterien in ihren Wurzeln vernetzt. Sie versorgen die Pflanze mit Stickstoff aus der Luft. Ein wenig Kompost als Zusatzgabe reicht da völlig aus.

Praxis-Tipp

Schneiden Sie die Blütenstände der Lupinen direkt nach dem Verwelken ab, jedoch nicht zu tief. Die unteren Blätter und Stiele mit Seitenknospen sollten geschont werden. Dann schieben bald neue Blüten nach. Das Unterdrücken der Samenbildung verhindert darüber hinaus eine reiche Selbstaussaat, die im Naturgarten zwar erwünscht ist, andernfalls aber lästig werden kann. Die Sämlinge nähern sich zudem mit der Zeit wieder der blauen Wildform an.

Auch sonst sind die Ansprüche der Stattlichen eher moderat: Sonne ja, aber nur, wenn sie nicht zu heiß herunterbrennt. Dann lieber ein Plätzchen im Halbschatten, zum Beispiel vor einem lichten Gehölzstreifen oder, siehe Bahndamm, in kühler Höhenlage.

Lupinenblüten in der Nahaufnahme. Foto: GF/Christian Gehler
‘Masterpiece’ (Mitte) sticht mit edlem Farbton heraus. [Foto: © GF/Christian Gehler]

Lupinen: Neue Generation

Westcountry-Lupinen: Wer einmal auf einer englischen Gartenschau war, kennt sie bereits. Seit einigen Jahren prangen dort ihre langen, dicht an dicht mit Blüten besetzten Trauben aus den sorgsam komponierten Pflanzungen – und heimsen noch dazu regelmäßig Preise ein. Allen voran die purpurviolette ‘Masterpiece’, das wirkliche Meisterstück der englischen Züchterin Sarah Conibear.

Ihre Westcountry-Lupinen zeichnen sich durch eine gute Winterhärte und stabile, kippsichere Stängel aus. Außerdem besitzen sie eine, jedenfalls bei geeignetem Standort, mehrjährige Lebensdauer.

Die breite Palette, die neben einfarbigen auch zweifarbige Blüten und zarte Farbtöne kennt, bietet zudem vielfältige Verwendungsmöglichkeiten, ob im Arrangement mit Sommerblumen oder im Staudenbeet.

Gut zu wissen: Die prachtvollen Hybriden werden in Gärtnereien über Stecklinge vermehrt und fallen daher absolut farbecht und gleich aus.

Lupinen: Für Boden und Bauch

Bis zu zwei Meter bohren sich ihre Pfahlwurzeln in den Boden und lockern ihn tiefgründig. Stickstoffsammelnde Knöllchenbakterien sorgen zudem für eine natürliche Nährstoffanreicherung. Kein Wunder, dass Lupinen als Kur und Gründünger für magere, verdichtete Böden gefragt sind.

Aber auch kulinarisch: Bitterstofffreie, und damit ungiftige Auslesen sind ein bewährtes Tierfutter. Die weiße Süßlupine ist auch für uns eine wertvolle Eiweißpflanze.

Lupinen Foto: AdobeStock_dinkaspell
Die Indigolupine besticht mit zarten Blüten.
[Foto: AdobeStock_dinkaspell]

Alternative Arten

Zugegeben, sie haben nicht die bildbestimmende Präsenz der Lupinen. Doch auch andere Schmetterlingsblütler sind durchaus gartenwürdig. Da wäre zum Beispiel die Indigolupine (Baptisia australis). Ihre violettblauen, locker besetzten Blütentrauben stehen über einem dichten und bis zum Herbst attraktiven Laubbusch. Die Staude braucht etwas Zeit, um sich im Garten zu etablieren, ist dann aber äußerst langlebig und pflegeleicht.

Hybriden wie ‘Purple Smoke’ (hell purpurlila), ‘Carolina Moonlight’ (hellgelb) oder ‘Twilite Prairieblues’ (dunkelpurpur mit hellgelb) bringen zudem neue Töne ins Farbspektrum. Ähnlich gute Eigenschaften, allerdings bislang nur in Hellgelb, zeigt auch die Goldlupine (Thermopsis lanceolata).

SASKIA RICHTER

Zum prächtigen Blumenbeet fehlt nur noch die passende Einrahmung? Hier finden Sie Inspiration: Gestaltungstipps zur individuellen Beeteinfassung.

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