Lupinen. Foto: AdobeStock_atiger

Lupinen:Eindrucksvolle Blütenkerzen für den Garten

Jeden Sommer, weit oben und wohl schon auf 600 bis 700 Höhenmetern zeigt sich im Schwarzwald eine Attraktion: Wie die schimmernden Türmchen einer Bergfeste im Morgenlicht recken sich unzählige stämmige Blütenkerzen aus dem schotterreichen, frisch-kühlen Untergrund der Gleisböschung. Hier und dort flutet ihr tiefgründiges Blau bis weit in den sonnigen Waldrand hinein. Lupinen so weit das Auge reicht.

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Wiese steht Lupinen gut!

Inzwischen weiß ich, dass die bewunderte Pracht der Vielblättrigen Lupine (Lupinus polyphyllus) gehört, einer nordamerikanischen Wildart, die sich hier zulande ziemlich breit macht, teils sogar als problematischer Neophyt gehandelt wird.

Dennoch: Das Bild der hoch aufragenden Schönen, die sich ganz leger mit Gräsern, Wiesen-Kerbel, Wicken und anderen zarten Wildkräutern umgab, könnte Vorbild sein für ihre heutige Verwendung im Garten. Denn Wiese steht Lupinen gut!

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Lupinen auf einer Magerwiese im Schwarzwald. Foto: AdobeStock_Marc

Gute Partner für Lupinen

Die früher oftmals übliche Kombination mit Prachtstauden wie Pfingstrose, Bart-Iris und Türkischem Mohn hat ohnehin ihre Tücken: Haben diese ihr frühsommerliches Farbfeuerwerk verschossen, bleibt wenig, das vom etwas struppigen Anblick verblühter Lupinen ablenken könnte. Unbedingt empfehlenswert, die stolzen Schmetterlingsblütler daher im Beet nur einzeln oder in kleinen Gruppen zu verwenden, und sie in zweiter Reihe zu platzieren.

Eine Vorpflanzung aus niedrigen bis halbhohen Sommer- und Herbstblühern täuscht dann charmant über jede Unzulänglichkeit hinweg. Als hilfreiche Geister haben sich hier beispielsweise Storchschnäbel, Frauenmantel, Mädchenauge (Coreopsis lanceolata, C. verticillata) oder kleine Astern-Vertreter bewährt.

Effektvoll gestalten zusammen mit anderen Stauden und Gräsern

Als Blühpartner empfehlen sich vor allem solche, die den wuchtigen Lupinenkerzen kontrastierende Formen gegenüberstellen oder sie luftig-leicht umspielen. Welch grandioser Effekt, wenn Zierlauch-Kugeln übermütig um ihre Blütenkolben tollen, etwa Allium aflatunense ‘Purple Sensation’ oder die Hybriden ‘Globemaster’ und ‘Mount Everest’.

Lupinen Foto: AdobeStock_GS Planning
Vergissmeinnicht (Myosotis) umschmeicheln bunte Lupinen. Foto: AdobeStock_GS Planning

Auch Vergissmeinnicht und Akeleien geben mit Lupinen tolle Paare ab, wenn sie ihnen versonnen zunicken. Oder man kombiniert sie mit Doldenblütlern, die ihre Spitzenschirmchen aufspannen: Die beeindruckende Kaschmirdolde (Selinum wallichianum) wäre hier zu nennen, der duftige Wiesen-Kerbel mit Purpurlaub (Anthriscus sylvestris ‘Ravenswing’) oder der aparte Strahlen-Breitsame (Orlaya grandiflora, einjährig).

Und nicht zu vergessen: Gräser! In solch ungezwungener Gesellschaft entdeckt selbst die vornehmste Lupine ihre wilden Wurzeln wieder und schwelgt wohlgemut in Wiesenstimmung.

George Russels wertvolle Züchterarbeit

Dass Lupinen seit nun bald einem Jahrhundert weit mehr zu bieten haben als nur Blau, verdanken wir dem englischen Gärtner George Russel. Er kreuzte die Ursprungsart Lupinus polyphyllus mit anderen Wilden (L. arboreus, L. perennis) und schuf damit eine Reihe farbstarker, reich blühender Hybriden mit so klangvollen Namen wie ‘Edelknabe’ (karminrot), ‘Kronleuchter’ (gelb), ‘Kastellan’ (blau mit weißer Fahne), ‘Fräulein’ (cremeweiß) oder ‘Schlossfrau’ (rosa mit weißer Fahne).

Da sie echt aus Samen fallen, lassen sie sich leicht selbst heranziehen, anders als stecklingsvermehrte Sorten – ein Vorteil, angesichts der oft begrenzten Lebensspanne der Stauden. Besonders auf schweren, staunassen Böden verabschieden sie sich gern mal schnell wieder. Kalk und zu viele Nährstoffe mögen sie ebenfalls nicht.

Anspruchslos und pflegeleicht

Lassen Sie den Düngersack daher besser im Schuppen, auch wenn die pompöse Blütenfülle anderes zu verlangen scheint: Als Leguminose ist die Lupine eng mit Knöllchenbakterien in ihren Wurzeln vernetzt. Sie versorgen die Pflanze mit Stickstoff aus der Luft. Ein wenig Kompost als Zusatzgabe reicht da völlig aus.

Praxis-Tipp

Schneiden Sie die Blütenstände der Lupinen direkt nach dem Verwelken ab, jedoch nicht zu tief. Die unteren Blätter und Stiele mit Seitenknospen sollten geschont werden. Dann schieben bald neue Blüten nach. Das Unterdrücken der Samenbildung verhindert darüber hinaus eine reiche Selbstaussaat, die im Naturgarten zwar erwünscht ist, andernfalls aber lästig werden kann. Die Sämlinge nähern sich zudem mit der Zeit wieder der blauen Wildform an.

Auch sonst sind die Ansprüche der Stattlichen eher moderat: Sonne ja, aber nur, wenn sie nicht zu heiß herunterbrennt. Dann lieber ein Plätzchen im Halbschatten, zum Beispiel vor einem lichten Gehölzstreifen oder, siehe Bahndamm, in kühler Höhenlage.

Lupinen: Neue Generation

Westcountry-Lupinen Wer einmal auf einer englischen Gartenschau war, kennt sie bereits. Seit einigen Jahren prangen dort ihre langen, dicht an dicht mit Blüten besetzten Trauben aus den sorgsam komponierten Pflanzungen – und heimsen regelmäßig Preise ein. Allen voran die purpurviolette ‘Masterpiece’, das wirkliche Meisterstück der englischen Züchterin Sarah Conibear.

Ihre Westcountry-Lupinen zeichnen sich durch gute Winterhärte, stabile, kippsichere Stängel und, bei  geeignetem Standort, mehrjährige Lebensdauer aus. Die breite Palette, die auch zweifarbige Blüten und zarte Töne kennt, bietet zudem vielfältige Verwendungsmöglichkeiten, ob im Arrangement mit Sommerblumen oder im Staudenbeet.

Gut zu wissen: Die prachtvollen Hybriden werden beim Gärtner über Stecklinge vermehrt und fallen daher absolut farbecht und gleich aus.

Lupinen Foto: AdobeStock_dinkaspell
Die zarte Indigolupine (Baptisia australis). Foto: AdobeStock_dinkaspell

Alternative Arten

Zugegeben, sie haben nicht die bildbestimmende Präsenz der Lupinen. Doch auch andere Schmetterlingsblütler sind durchaus gartenwürdig. Da wäre zum Beispiel die Indigolupine (Baptisia australis). Ihre violettblauen, locker besetzten Blütentrauben stehen über einem dichten und bis zum Herbst attraktiven Laubbusch. Die Staude braucht etwas Zeit, um sich im Garten zu etablieren, ist dann aber äußerst langlebig und pflegeleicht.

Hybriden wie ‘Purple Smoke’ (hell purpurlila), ‘Carolina Moonlight’ (hellgelb) oder ‘Twilite Prairieblues’ (dunkelpurpur mit hellgelb) bringen zudem neue Töne ins Farbspektrum. Ähnlich gute Eigenschaften, allerdings bislang nur in Hellgelb, zeigt auch die Goldlupine (Thermopsis lanceolata).

Lupinen: Für Boden und Bauch

Bis zu zwei Meter bohren sich ihre Pfahlwurzeln in den Boden und lockern ihn tiefgründig. Stickstoffsammelnde Knöllchenbakterien sorgen zudem für eine natürliche Nährstoffanreicherung. Kein Wunder, dass Lupinen als Kur und Gründünger für magere, verdichtete Böden gefragt sind.

Aber auch kulinarisch: Bitterstofffreie, und damit ungiftige Auslesen sind ein bewährtes Tierfutter. Die weiße Süßlupine ist auch für uns eine wertvolle Eiweißpflanze.

SASKIA RICHTER

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