Zart Rosa und Weiß. Rispenhortensien schmücken den Garten mit ihrer Blütenpracht. Quelle: pixabay

Die Rispenhortensie – Pflegeleicht und wunderschön

Eine Hortensie für alle Fälle? Da gibt es nur eine Antwort: Hydrangea paniculata, die Rispenhortensie.

Rispenhortensie: Auffallende Blütenstände mit Langzeitwirkung

Die Rispenhortensie ist die Richtige für all jene, die sich über Standort und Bodenverhältnisse, über die spätere Pflege sowieso, nicht allzu viele Gedanken machen wollen. 

 Hydrangea-Sundae-Fraise - Eine Rispenhortensie
Ganz in Rosa. So schön können Rispenhortensien sein.

Die Langzeitwirkung kleinerer Sorten ist auch im Topf garantiert, denn von Juli bis Oktober kann die Blüte dauern, ein überraschender Farbwechsel von Weiß über Rosa bis Weinrot kommt oft hinzu.

‘Grandiflora’ – Die erste Rispenhortensie kam aus Japan

Schon vor 150 Jahren erkannte Philipp Franz von Siebold, der bayerische Arzt, Botaniker und Naturforscher, den Gartenwert der Rispen-Hortensie, einer ostasiatischen Art. Er brachte 1867 als erste die noch heute populäre Sorte ‘Grandiflora’ aus Japan mit nach Europa.

Sie blieb für lange Zeit die einzige kultivierte Sorte. Erst im späten 20. Jahrhundert kamen weitere Sorten wie ‘Kyushu’, ‘Tardiva’ oder ‘Unique’ dazu. Man sah sie in großen Parkanlagen, botanischen Gärten und zunehmend auch in Privatgärten.

Der Startschuss für die häufigere Verwendung im Hausgarten und den Beginn einer intensiven und gezielten Züchtungsarbeit fiel 1990 mit der neuen Sorte ‘Limelight’ des holländischen Züchters Zwijneburg. 

Seine Auslese brachte gleich mehrere Vorzüge mit. Die Pflanze hat einen sehr gleichmäßigen, gut verzweigten Aufbau und einen kegelförmigen, schön geschlossenen Blütenstand, der sehr regenbeständig ist. 

Damit schaffte die Rispen-Hortensie den Durchbruch, denn sie machte jetzt während der Kulturzeit in der Baumschule, im Gartenmarkt und dann auch noch im Garten eine gute Figur. Dieser Fortschritt spornte viele europäische Züchter an. In Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Frankreich wurde weiter an neuen Sorten von Hydrangea paniculata gearbeitet.

Hydrangea-Little-Lime - Eine Rispenhortensie
Hellgrün wie eine Limette. Auch so können Rispenhortensien aussehen.

Rispenhortensien mit faszinierenden Farbveränderungen

Hydrangea-Pinky-Winky - Eine Rispenhortensie
Ein Traum in Pink und Weiß. Bei dieser Sorte läuft die Blüte spitz aus.

Der Erfolg blieb nicht aus. Es entstanden Formen mit unterschiedlichen Blütezeiten oder Sorten, die sich im Laufe der Blütezeit verfärben und im Verblühen wunderschöne Rosa- oder Rottöne annehmen. 

Auch hinsichtlich der Rispenformen gibt es mittlerweile eine große Vielfalt. Den Unterschied macht hier die Verteilung fertiler (fruchtbarer) und steriler (unfruchtbarer) Blüten. Während die fruchtbaren Blüten unscheinbar sind, haben die sterilen Schaublüten kronblattartig vergrößerte Kelchblätter. Sie vor allem sind für den Schmuckwert der Rispen zuständig! 

Lockere und filigrane Rispen für die Bienen

Kompakte Rispen mit vielen sterilen Schaublüten haben eine größere Fernwirkung. Ganz klar werden sie bevorzugt gekauft. Unsere Insektenwelt hingegen fliegt auf die Sorten mit einem sehr hohen Anteil an zwar unscheinbaren, dafür aber nektarreichen, fruchtbaren Blüten. 

Wer also den Bienen, Hummeln und Schmetterlingen Gutes tun will, der lässt sich lieber von Sorten wie ‘Kyushu’ oder ‘Tardiva’ bezaubern. Es ist immer wieder erstaunlich, welche Vielzahl an Schmetterlingen, Bienen, Schwebfliegen und Hummeln sich einstellt. Und wer dann auf die Idee kommt, eine Hummel aus nächster Nähe zu betrachten, der wird auch den angenehmen Duft der Blüten nicht verpassen. 

Extra-WISSEN:

Mehrwert für Biene und Co mit Rispenhortensien

Der Blütenstand einer Hortensie setzt sich aus einer recht variablen Anzahl fruchtbarer, sehr kleiner Blüten und den sehr dekorativen, aber sterilen Schaublüten zusammen. 

Als Nektarquelle für Schmetterlinge, Schwebfliegen, Bienen und Hummeln sind nur die fruchtbaren Blüten interessant. Wer die Sorten mit eher locker und filigran wirkenden Rispen wie ‘Levana‘ und ‘Kyushu‘ in den Garten pflanzt, tut damit auch etwas für Insekten.

Experten-Interview mit Hans-Roland Müller

HANS-ROLAND MÜLLER ist in der Baumschule Sämann in Bautzen für die Sortimentsentwicklung verantwortlich. 

Sein Anspruch: „Keine Blender-Sorten in die Gärten!“

Ist es nicht verwegen, eine Hortensie als pflegeleichtes Gehölz zu empfehlen? Allein der Wasserbedarf … 

Hortensie ist nicht gleich Hortensie. Man sollte unterscheiden. Bauern-, Eichenblatt- oder Schneeball-Hortensie sind wirklich nicht gerade pflegeleicht: 

Kalkhaltige Böden werden mit Torf- oder Humuserde verbessert, die schweren Blüten vor dem nächsten Regen mit Staudenringen gestützt, die Pflanzen zum Schutz vor starken Winterfrösten mit Reisig abgedeckt oder junge Pflanzen von Schnecken befreit. Im April liegen Vlies oder Laken schon bereit, um die im Vorjahr angelegten Blüten vor den gefährlichen Spätfrösten zu schützen. Und im Sommer muss oft gegossen werden.

Und die Rispenhortensie macht die berühmte Ausnahme von der Regel?  

Alle diese Maßnahmen kann man sich bei der Rispen-Hortensie sparen. Sie ist gut winterhart und treibt relativ spät aus, wenn keine Spätfrostgefahr mehr besteht. Hinsichtlich des Bodens ist sie die anspruchsloseste unter den Hortensien. 

Hydrangea-Diamant-Rouge - Eine Rispenhortensie
Und wieder eine Sorte, die komplett anders aussieht.

Die Pflanzen bevorzugen zwar sandighumose, nahrhafte, eher saure bis neutrale und frische Böden. Aber sie tolerieren zeitweise Trockenheit oder auch leicht kalkhaltige Lehmböden. 

Von Krankheiten und Schädlingen bleiben sie weitgehend verschont. Selbst Schnecken können mit Rispen-Hortensien kaum etwas anfangen. Bei neuen Sorten sind die Blüten besonders sonnen- und regenstabil.

Dann ist außer dem Wässern bei extremer Trockenheit und jährlichen Kompostgaben wohl nichts zu tun? Wie sieht es mit dem Schnitt aus?

Den Schnitt handhabt man nach den persönlichen Vorlieben. Rispenhortensien blühen am diesjährigen Holz, d. h. an den jungen, im Frühjahr gebildeten Trieben. 

Ein Rückschnitt der alten, vorjährigen Triebe im Frühjahr um etwa zwei Drittel sowie ein Entfernen zu dicht stehender und vor allem zu schwacher Triebe fördert Blütenansatz und -größe. 

Wer möglichst schnell einen großen, eleganten Strauch haben möchte, lässt den Schnitt bei der Rispenhortensie einfach bleiben.