Schnittgut aus dem Garten: Ideen zur Verwendung

Wenn Sträucher und Bäume im Herbst in Form gebracht werden, stöhnt manch Gartenbesitzer über den „Holzabfall“. Gerade Schnellwüchsige wie Hasel oder Weide produzieren reichlich davon – allerdings sind es vor allem ihre langen, geraden, teils biegsamen Ruten, die sich vorzüglich zum Herstellen von Rankhilfen, Zäunen und anderem Garteninventar eignen. Und auch die Stecken anderer Hölzer finden Verwendung – etwa zu Dekozwecken. Und schließlich: Holzhäcksel ist ein guter Wegebelag! Ob der „Abfall“ am Ende für all die Ideen reicht? Hier kommen unsere Vorschläge zur Weiterverwendung Ihres Schnittguts!

Schnittgut – voraussichtliche Lesedauer: 4 Minuten

Inhalt

Flechtzaun aus Schnittgut selber machen

Selbstgebauter Weidenzaun aus Schnittgut vor einem Beet mit Frühblühern
Selbstgemachter Weidenzaun als Beetbegrenzung. Foto: © GartenFlora/Christian Gehler

Flechtwerk aus biegsamen Hasel- oder Weidenruten ist ein wahres Multitalent: Beeteinfassungen und Zäune, bei entsprechender Höhe auch Sichtschutz, lassen sich daraus ebenso herstellen wie Hochbeete oder Kompostverkleidungen. Das Prinzip ist stets das gleiche:

Dickere (je nach Höhe des Zauns 2,5 bis 6 cm) Staken als „Zaunpfosten“ senkrecht in den Boden treiben. Sie können aus sämtlichen Hölzern, gerne aus witterungsbeständigem Eichen-, Robinien- oder Edelkastanienholz bestehen.
Dann dünnere, ein- bis zweijährige Ruten von Hasel oder Weide dazwischen weben. Ist eine Rute verflochten, einfach die Nächste ansetzen. Die Rutenlagen immer wieder von oben zusammenschieben.
Es gilt: Je enger der Pfostenabstand, desto stabiler der Zaun und desto gleichmäßiger das Webbild, desto schwieriger aber auch die Flechtarbeit. Abwechslung entsteht, wenn Flechtzaunelemente mit Steinwerk kombiniert werden, oder wenn die Ruten in höheren Flechtelementen teilweise auseinandergeschoben werden, um Durchblicke entstehen zu lassen.

Tipp: Mit Draht fixiert lassen sich lange Ruten besser bändigen.

Benjeshecke anlegen: Beliebtes Tierquartier aus Schnittgut

Die Benjeshecke, auch Totholzhecke genannt, ist die optisch weniger ordentliche, dafür ökologisch wertvollere Variante des Flechtzaunes. Dafür werden aus dem Schnittgut zwei grobe Flechtwände in einem halben bis einem Meter Abstand parallel zueinander gesetzt. Der Zwischenraum darf nun mit sämtlichen Schnittabfällen befüllt werden, auch Laub schadet nicht. Das so entstehende kleine Ökosystem ist ein Eldorado für Tiere, die eigentlich in ausladenden Hecken mit dichtem Unterwuchs leben. Da diese in unseren Gärten selten sind, finden Igel, Erdkröte, Rotkehlchen und Zaunkönig in den Benjeshecken vorzügliche Ersatzquartiere.

Eine Benjeshecke wurde aus Schnittgut und Totholz gebaut, nun grünt sie im Naturgarten
Eine Benjeshecke wurde aus Schnittgut und Totholz gebaut, nun grünt sie im Naturgarten. Foto: AdobeStock_Luckyboost

Rotkehlchen und Zaunkönige nisten stets in Bodennähe. Tief versteckt in einer dichten Benjeshecke ist ihr Nest relativ sicher vor Beutegreifern. Je breiter die Hecke, desto besser!

Rankgerüste und Kletterhilfen aus Schnittgut

Kegelförmige Obelisken sind eine beliebte Kletterhilfe im Gemüsegarten. Stangenbohnen winden mühelos an ihnen empor und tragen auch reich – allerdings bündeln sich die Hauptertragszonen der einzelnen Pflanzen an der Spitze des Obelisken, sodass sie sich gegenseitig beschatten und bedrängen. Für höchste Erträge also besser an etwa 2,5 m hohen, geraden Stangen ranken lassen, die in 25-30 cm Abstand in Reihe gesteckt sind. Die Obelisken eignen sich eher für herrliche Kletterblumen wie Duftwicken oder Winden.

Aus Schnittgut gebundener Rankkegel mit Kürbissen bewachsen
Aus Schnittgut gebundener Rankkegel mit Kürbissen bewachsen. Foto: © GartenFlora/Sabine Rübensaat

Bauanleitung für einen klassischen Kegel

Material für einen knapp 2 m hohen Kegel mit etwa 60 cm Durchmesser

  • 12 Weidenschösslinge, 2 m lang und 1 cm dick (für die Reifen)
  • 16 Ruten aus Buchen- oder Haselfrischholz, 2 m lang und 2,5 cm dick (als gerade Stangen)
  • eine kleine Rolle kunststoffummantelten Bindedraht, 2 mm stark
  • eine Rolle grobe Gartenschnur aus
  • Naturfaser 
  • Bleistift und Bandmaß
  • Kombizange
  • Schere
  • Astschere mit langen Griffen
  • Gartenschere

So geht’s:

Für den großen Reifen den stärksten Weidenschössling zu einem Kreis von knapp 60 cm Ø biegen, sodass sich die Enden überlappen. Die Überlappung mit Draht und Zange fixieren. Einige weichere Schösslinge um den Weidenkreis flechten, sodass ein dicker Reif entsteht. Einen zweiten Reifen mit knapp 40 cm Ø herstellen. Den großen Reifen hinlegen und die 16 geraden Stangen in gleichen Abständen um ihn herum in den Boden stecken. Die Stangen anschließend 40 cm unterhalb der Spitze mit Schnur verbinden. Die Stelle mit den restlichen Schösslingen umwickeln, sodass der kleine Reifen entsteht. Dann die größeren Reifen von oben über den Kegel streifen, fixieren.

Ein Tunnel ins Gartenglück

Glück hat, wer Kopfweiden schneiden und das Schnittgut verwenden darf. Denn dabei fallen die für einen begehbaren Tunnel erforderlichen, mindestens 3 m langen, geraden Ruten an. Alle anderen Interessierten findet Weidenruten zum Bestellen auch im Internet. Die langen Ruten in zwei Gräben aufstellen, zu Bögen verbinden und fixieren, horizontal eingeflochtene Ruten dienen der Stabilisierung. Da die Ruten frisch verbaut werden müssen, würden sie bald wieder austreiben. Ein Abschälen der Rinde (mindestens an dem im Boden steckenden Abschnitt) verhindert aber das Anwachsen.

Ein aufwändiger Gartentunnel geflochten aus Weide umrankt einen Gartenweg
Hampton Court Flower Show, 5. Juli 2010

Tischläufer mit Sti(e)l

Auch kurze Zweigstücke können großartig in Szene gesetzt werden. Allerdings sollten sie eine gewisse Dicke aufweisen, um wirklich zu wirken. Die Zweigstücke dann auf eine einheitliche Länge zwischen 20 und 30 cm schneiden und nach und nach an beiden Enden mit Schnur aneinanderbinden. Als herbstliche Deko dienen zusätzlich Hortensienblüten, Physalis-Lampions, Hagebutten und auch buntes Laub, die dann auf dem Läufer arrangiert werden.

KERSTIN ACKERMANN

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