Ab Ende September sind die Früchte der Guten Luise erntereif. Foto: AdobeStock_Ivan

Gute Luise: Traditionsreiche Birnensorte im Portrait

In einem kleinen Städtchen in der Normandie liegen die Wurzeln der traditionsreichen Birnensorte Pyrus communis ‘Gute Luise’. Und obwohl sie schon mehrere hundert Jahre auf dem Buckel hat: An Bedeutung hat dieser Klassiker noch bis heute nicht verloren. Die ‘Gute Luise’ sei Ihnen also ausdrücklich ans Herz gelegt, sollten Sie auserlesene und delikate Tafelbirnen zu schätzen wissen.

Gute Luise – voraussichtliche Lesedauer: 4 Minuten

Entstehung der Guten Luise

Dass es die ‘Gute Luise’ gibt, haben wir einem glücklichen Zufall zu verdanken. Ein gewisser Monsieur Longueval soll im Jahr 1778, im französischen Avranches, einen besonderen Birnensämling entdeckt und weitervermehrt haben. Als eine Widmung an Monsier Longuevals Frau Louise ergab sich der elegante Sortenname ‘Louise bonne d’Avranches’. Im Deutschen hat sich die schlichtere Kurzform ‘Gute Luise’ durchgesetzt.

Die erste Mutterpflanze einer Pflanzensorte, die nicht durch gezielte Züchtung entstanden ist, sondern mehr oder weniger zufällig entdeckt wurde, nennt man Zufallssämling. Im Obstanbau spielen solche Zufallsfunde eine nicht unerhebliche Rolle, da sich die Nachkommen zweier Elternsorten in ihren Eigenschaften meist stark voneinander unterscheiden und Ergebnisse sich ohnehin schlecht voraussagen lassen.

Besonderheiten im Anbau

In den ersten Jahren wächst diese Birnensorte recht stark und kann schon mal Jahrestriebe von bis zu 50 Zentimetern hervorbringen. Mit der Zeit entwickelt sich dann eine stolze, pyramidale Krone. In großen Gärten macht sich die ‘Gute Luise’ daher hervorragend als Halb- oder Hochstamm. Die Erziehungsform ist aber variabel. Falls der Platz eher begrenzt ist, kann sie auch als Busch oder Wandspalier gezogen werden. Da sortenreine Obstbäume außerdem meist durch Veredelung vermehrt werden, hat auch die Wurzelunterlage Einfluss auf die Wuchsstärke – für den Hausgarten wählt man besser eine schwachwüchsige. Birnensorten werden beispielsweise auf die Birkenblättrige Birne (Pyrus betulifolia) oder Quittenunterlagen veredelt.

Birnenspalier vor Backsteinwand. Foto: AdobeStock_noel
Mit einem Obstspalier lassen sich kahle Hauswände sinnvoll verschönern. Foto: AdobeStock_noel

Für die Süße der Früchte ist ein vollsonniger Standort von Vorteil, aber auch im Halbschatten gedeiht die ‘Gute Luise’ durchaus noch prächtig. Zwar liebt diese Sorte die Wärme, ihre Blüte ist in aller Regel jedoch nicht frostgefährdet. An den Boden stellt die ‘Gute Luise’ keine besonderen Ansprüche. Ein nährstoffreicher, tiefgründiger und feuchter Boden erweist sich aber als optimal für die Fruchtqualität. Auf sehr trockenen Böden bleiben die Früchte dagegen oftmals klein. Zahlreiche, aber ebenfalls kleine Birnen entstehen auch dann, wenn der Baum besonders viele Fruchtansätze entwickelt. Gegen dieses Problem hilft vorzeitiges Ausdünnen der Früchte im Anfangsstadium. Damit der Baum vital und der Ertrag stabil bleibt, erfolgt außerdem ein jährlicher Pflegeschnitt. Bei unempfindlichen Gehölzen wie Birnen- und Apfelbäumen hat man hierfür den ganzen Winter zur Verfügung.

Die ‘Gute Luise’ gilt als robust, zählt aber bedauerlicherweise zu jenen Birnensorten, die recht anfällig für den sogenannten Birnenschorf sind. Das ist eine Pilzkrankheit, die ausschließlich Birnen befällt. Da Schorf sich besonders gut in feuchtem Milieu ausbreiten kann, wirken ein luftiger Standort sowie regelmäßiges Auslichten der Laubkrone etwas vorbeugend.

Befruchtersorte nicht vergessen!

Birnen sind nicht selbstfruchtbar. Das heißt, dass sich für eine erfolgreiche Bestäubung der Blüten eine zweite Birnensorte in der Umgebung befinden muss, die zur gleichen Zeit blüht. Geeignete Befruchtersorten für die ’Gute Luise‘ sind beispielsweise:

’Esperens Bergamotte‘, ’Bunte Julibirne‘, ’Clapps Liebling‘, ’Vereinsdechant‘, ’Köstliche aus Charneux‘, ’Josephine von Mecheln‘, ’Madame Verte‘ und ’Conference‘

Die Gute Luise von der Blüte bis zur Ernte

Das Verlockende an Obstbäumen wie Birne, Apfel, Kirsche und Co ist, dass man nicht nur eigene Früchte ernten kann, sondern sie den Garten auch zusätzlich mit ihrer wunderschönen Blüten bereichern. Von April bis Mai schmückt eine strahlendweiße Pracht den Birnbaum – auch für Insekten eine Freude.

Grünrote Birnen auf Teller. Foto: AdobeStock_foodolia
‘Gute Luise’-Birnen gefallen auch optisch. Foto: AdobeStock_foodolia

Die ‘Gute Luise’ ist außerdem eine sehr ertragreiche Sorte. Zwischen Mitte September und Ende Oktober sind die Birnen endlich genussreif. Ungekühlt halten sie sich noch etwa drei bis vier Wochen nach der Ernte. Kühlt man sie, lässt sich ihre Lagerfähigkeit aber sogar bis zum Januar hinauszögern.

Form und Geschmack: Exquisit in jeder Hinsicht

Rundlich wohlgeformt, die Schale gelbgrün und auf der Sonnenseite braunrot gefärbt, das Fruchtfleisch saftig in der Konsistenz (es schmilzt geradezu auf der Zunge), dazu ein süßlich-würziger Geschmack mit gerade dem richtigen Maß an Säure – so stellt man sich eine Birne vor! Die ‘Gute Luise’ bietet einem all das. Frisch vom Baum gepflückt entfalten die Früchte ihr volles Aroma.

Die Verwendungsmöglichkeiten dieser Sorte sind aber vielzählig: Neben dem Frischverzehr eignen sich die Früchte ebenso zur Zubereitung von Kompott, zur Verarbeitung in Kuchen und anderen Backwaren, für Säfte, Nektar, in herzhaftsüßer Kombination oder auch gedörrt, als Trockenobst.

LUISA ROTH

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