Obstbäume schneiden. Foto: AdobeStock_Conny Hagen

Obstbäume schneiden:Winterschnitt für das Kernobst

Die meisten wissen: Für eine reiche und vor allem geschmackvolle Ernte sollte man seine Obstbäume schneiden. Allerdings ergeben sich da auch zahlreiche Fragen. Im Winter steht vor allem der Schnitt von Kernobstarten an. Wie Sie dabei vorgehen und was Sie beachten sollten, erklären wir Ihnen hier.

Obstbäume schneiden – Voraussichtliche Lesedauer: 5 Minuten

Inhalt

Welche Obstbäume kann man im Winter schneiden?

Obstbäume schneiden. Foto: AdobeStock_malshak_off
Die Wundheilung ist im Winter eingeschränkt: Nicht jeden Obstbaum sollte man jetzt schneiden. Foto: AdobeStock_malshak_off

Sowohl Winter- als auch Sommerschnitt haben Vor- und Nachteile. Ein Schnitt im Winter regt das Wachstum an, allerdings ist die Wundheilung bei Kälte eingeschränkt. Welcher Schnittzeitpunkt der richtige ist, richtet sich aber vor allem nach der jeweiligen Obstsorte.

Winterschnitt: Sehr robuste Gehölze wie Apfel und Birne können Sie bedenkenlos den ganzen Winter lang schneiden. Anderes Kernobst, zum Beispiel Quitte oder Mispel, schneidet man hingegen im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr, zwischen Januar und März.

Sommerschnitt: An Steinobstbäumen (zum Beispiel Kirsche, Pfirsich oder Pflaume) sollte der Erhaltungsschnitt im Sommer durchgeführt werden.

Warum sollte man Obstbäume schneiden?

Wer eigenes Obst anbauen möchte, wünscht sich vollmundige und prächtige Früchte. Der Schlüssel zu qualitativ hochwertigem Obst sind gesunde Obstgehölze mit locker aufgebauter und ausgewogener Kronenform.

Ein nicht geschnittener Obstbaum bringt zwar natürlicherweise viele Früchte hervor, jedoch bleiben die einzelnen Früchte meist sehr klein. Der dichte Wuchs sorgt außerdem dafür, dass nicht alle Früchte gleichmäßig von der Sonne beschienen werden. Um im Reifeprozess so richtig süß und fruchtig zu werden, benötigen die meisten Obstsorten jedoch eine ganze Menge Sonnenstrahlen.

Durch gezieltes Einkürzen und Auslichten der Obstbaumkrone kann das Gehölz große, süße und gut lagerfähige Früchte ausbilden. Gleichzeitig beugt man Pilzkrankheiten vor, da die Krone nach Regen schneller abtrocknet.

Schwankende Ernten?

Haben Sie sich auch schon einmal gewundert, warum ihr Obstbaum in einem Jahr reichlich Früchte hervorbringt und im nächsten Jahr nur mickrig bestückt ist?

Das ist völlig natürlich und wird im Fachjargon als Alternanz bezeichnet. Ein Baum, der im Sommer viele Früchte trägt, wird nur wenige neue Blütenknospen anlegen, um seine Ressourcen zu schonen. Um gleichmäßigere Erträge zu erzielen, dünnt man überdurchschnittlich viele Fruchtansätze vorausschauend aus.

Obstbäume schneiden: Die richtige Schnittführung

Sollen Triebe oder ältere Äste komplett herausgenommen werden, schneidet man sie bis zum nächst größeren Ast zurück. Die Schere wird dabei immer am Astring (der rundlichen Verdickung am Triebansatz) angesetzt. Denn dort sitzt das meiste teilungsfähige Gewebe und die Wunde kann am schnellsten heilen.

Wird ein Trieb stattdessen eingekürzt, sitzt der Schnitt mit einigen Millimetern Abstand vor der nächsten Blattknospe und läuft leicht schräg darauf zu. Hierfür sucht man sich meist eine nach außen zeigende Knospe aus, damit der nächste Austrieb nicht ins Kroneninnere wächst.

Obstbäume schneiden. Foto: AdobeStock_Cherries
Beim Schneiden von Obstbäumen ist neben der richtigen Schnittführung auch sauberes und geschärftes Werkzeug gefragt. Foto: AdobeStock_Cherries

Wichtige Schnittmaßnahmen im Überblick

Erziehungsschnitt

In den ersten drei bis fünf Jahren zielt das Schneiden von Obstbäumen auf das Erziehen des Kronengerüstes ab. Bei Halb- und Hochstämmen ist grundsätzlich eine leicht pyramidale Kronenform gewünscht. Die ideale Krone besteht aus einer Stammverlängerung, also dem Mitteltrieb, und drei bis vier Leitästen. Die Leitäste sollten etwa im 45 Grad Winkel vom Mitteltrieb abgehen.

Konkurrenztriebe des Mitteltriebs und andere steil wachsende Triebe werden entfernt. Die Leitäste kürzt man um etwa ein Drittel auf ein nach außen zeigendes Auge ein. Der Mitteltrieb wird ebenfalls gekürzt, bleibt aber ein gutes Stück über dem obersten Leittrieb (ca. 20 bis 25 Zentimeter). Flache Seitenverzweigungen dürfen stehenbleiben.

Alle Leitäste sollten etwa auf die gleiche Höhe eingekürzt werden. So wird die sogenannte Saftwaage hergestellt: Alle Triebe können sich gleich gut entwickeln.

Erhaltungsschnitt

Spätestens nach fünf Jahren sollte die Krone vollständig aufgebaut sein. Von nun an erfolgen die Erhaltungsschnitte. Hier geht man etwas zurückhaltender vor als beim Erziehungsschnitt. Übermäßiges Höhenwachstum ist nicht mehr gewünscht, denn der Fokus liegt nun auf der Ausbildung der Früchte. Ein Gleichgewicht zwischen dem Triebwachstum und der Fruchtbildung soll gehalten werden.

Foto: © GartenFlora/Christian Gehler
Blattknospen sind schmal und eher flach (am linken Teil des Triebs), Blütenknospen hingegen rundlich verdickt (rechts). Foto: © GartenFlora/Christian Gehler

Um Obstbäume fachgerecht schneiden zu können, muss man wissen, an welchen Stellen der Baum eigentlich Blüten ansetzt und somit Früchte ausbilden kann. Die eher steilen Leitäste setzen in der Regel keine Blüten an. Am einjährigen Holz bilden viele Obstarten (zum Beispiel Apfel und Birne) lediglich Blattknospen aus. Erst im nächsten Jahr wachsen daran kürzere Seitentriebe, die auch Blütenknospen ansetzen. Diese Triebe sind eher flach und kurz – man nennt sie Fruchtholz.

Illustration: © GartenFlora/Klaus-Dieter Röding
Illustration: © GartenFlora/Klaus-Dieter Röding

Krankes Holz und beschädigte Triebe werden beim Erhaltungsschnitt bis ins gesunde Holz zurückgenommen. Entfernen Sie auch querwachsende Triebe und Wasserschosse. Statt die Leitäste einzukürzen, sollte man sie von nun an auf tiefer liegende Seitenäste ableiten oder die besonders steil wachsenden stark einkürzen (siehe Illustration). Dieser Schritt ist wichtig, um die Fruchtholzbildung zu fördern. Am Mitteltrieb entfernt man Konkurrenztriebe, ansonsten bleibt er unbeschnitten.

Ist das Kronenäußere immer noch zu dicht, entnimmt man bei Bedarf einige flachstehende, dünne Seitentriebe. So kann genügend Licht ins Kroneninnere gelangen.

Nach einigen Standjahren verjüngt man schließlich auch alte und vergreiste Fruchttriebe, indem man sie auf jüngere Seitentriebe ableitet.

Schnittgesetze: Welcher Schnitt bewirkt was?

Gehölze reagieren auf jede Schnittmaßnahme. Daher ist es wichtig, einen Überblick zu haben, welche Art von Schnitt welche Auswirkungen mit sich bringt.

Wuchs- und Schnittgesetze

Ein starker Rückschnitt reduziert die Anzahl der Knospen am Baum. Als Reaktion bildet das Gehölz mit dem nächsten Austrieb wenige, aber dafür kräftige Neutriebe. In der Folge entstehen starke Holztriebe.

Bei einem schwachen Rückschnitt verbleiben viele Knospen in der Krone. Der Baum kann folglich an vielen Stellen erneut austreiben, tut dies allerdings schwächer. Schwache Rückschnitte fördern die Bildung von Fruchtholz.

Nehmen Sie auch nicht einen Teil der Krone stark und alles Übrige schwach zurück, da sonst früher oder später ein Ungleichgewicht entsteht. Unabhängig von der Obstsorte und den angedachten Schnittmaßnahmen, sollten Sie stets auf eine ausgewogene Kronenform abzielen.

LUISA ROTH

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