Blauregen

Wisteria sinensis 'Issai Perfect'

Der Anblick einer von Blütenkaskaden überzogenen Fassade ist manch einem die jährliche Mühe des Zurechtstutzens des wuchsfreudigen Blauregens wert.

Sie schmücken Fassade, Hauseingang, Pergola, Brückengeländer, Gartenmauer und Laube mit blauen Kaskaden. Selbst in hohe Bäume können Wisterien hineinwachsen, so wie sie es an ihren Naturstandorten in China und Japan tun.

Kräftige Kletterhilfe verwenden

Der Blauregen ist ein draufgängerischer Schlinger. Unüberlegt und unaufhaltsam scheint er sich um alles zu winden, was seinen langen Trieben zu nahe kommt, acht bis zehn, manchmal auch fünfzehn Meter weit schießt er gen Himmel. Dabei reißt er im Eifer des Gefechts auch mal eine labile Stütze aus der Verankerung, würgt Regenrohre – oder am Ende sich selbst – ab, sprengt durch sein beständiges Dickenwachstum einst winzige Spalten zu veritablen Fugen. Sein kräftiges, sicher verschraubtes Wandspalier sollte daher einen Mindestabstand von 30 cm zur Hauswand wahren, zum Regenrohr und Ziegeldach gleich zwei Meter.

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Blüten schon vor dem Blattaustrieb

Der Chinesische Blauregen (Wisteria sinensis) erfreut uns als Erster im Jahr mit seinen duftenden Blüten. Sie bilden sich vor dem Blattaustrieb und hängen schon Anfang Mai wie blauviolette Wasserfälle von den Zweigen herab. Bei einigen Sorten und vor allem an älteren Pflanzen kommt es im Sommer häufig zu einer kleinen Nachblüte.

Neben der Wildart werden meist zwei weitere Sorten angeboten: ‘Alba’, mit 25-30 cm langen weißen Blüten, und ‘Prolific’, eine besonders reich blühende Auslese mit hell violettblauen Blütenständen und einer zuverlässigen Nachblüte im Sommer.

Etwas länger lässt der Japanische Blauregen (Wisteria floribunda) auf seine Blütenpracht warten, die dann allerdings umso imposanter ausfällt. Seine bis zu 60 cm langen Blütenstände erscheinen erst mit oder nach dem Blattaustrieb Ende Mai.


Große Sortenvielfalt beim Japanischen Blauregen

Wisteria alba, GartenFlora ShopIn Japan wird er seit langem sehr geschätzt. Und so hat die Liebe zu dieser Pflanze eine Vielzahl von Sorten hervorgebracht, deren japanische Herkunft schon der Name verrät: ‘Honbeni’ zum Beispiel schmücken 30-40 cm lange zartrosa Blütentrauben, ‘Shiro Noda’  50-60 cm lange reinweiße und ‘Murasaki Noda’  40-50 cm lange purpurviolette Blütentrauben.

Angesichts dieser Farbtöne tut man sich schwer mit der Bezeichnung Blauregen. Glycine oder Wistarie passt dann besser. Die bekannteste Form ist die Sorte ‘Macrobotrys’ (was bedeutet „mit großer Traube“) und das zu Recht. Bis zu 80 cm lange violettblaue Trauben bringt sie hervor, die wirklich einen Blütenregen niedergehen lassen. Von ihr trifft man Exemplare, deren Stamm über 40 cm dick ist.

Eine Sonderstellung nimmt die Sorte ‘Amethyst Falls’ ein. Diese Sorte vom Amerikanischen Blauregen (Wisteria frutescens) bringt zwar nur 10-15 cm lange, dafür aber angenehm duftende Blütentrauben hervor. Außerdem lässt dieser Blauregen nicht so lange mit der Blüte auf sich warten. Die Pflanzen blühen schon in jungen Jahren sehr sicher und die Blütezeit erstreckt sich über einen langen Zeitraum ab Mitte Juni. Durch einen regelmäßigen Rückschnitt der Langtriebe nach dem ersten Flor erscheinen bis in den September immer wieder neue Blüten.

Sie arbeiten gern mit der Schere? Nur zu!

Die Wuchsfreude des Blauregens muss unbedingt mit der Schere gebändigt werden, damit ihm genug Kraft für die Blütenbildung bleibt. Zudem blüht der Blauregen an Kurztrieben, deren Bildung durch einen regelmäßigen Rückschnitt gefördert wird.

In den ersten zwei, drei Jahren geht es aber zunächst einmal um die Erziehung eines möglichst gut verzweigten Grundgerüsts, das später Mauern und Pergolen dicht bedeckt. Dazu wird beim Blauregen der Großteil des jährlichen Neuzuwachses entfernt.

Der an den Erziehungsschnitt anschließende Erhaltungsschnitt erfolgt dann einmal jährlich Ende Juli. Der Blauregen wird auf fünf bis acht Augen zurückgenommen. Da in dem sommerlichen Gewusel zwangsläufig Triebe übersehen werden, arbeitet man ihn im zeitigen Frühjahr vor dem Austrieb noch einmal gründlich nach (diesmal auf zwei bis drei Augen) – wobei die Pflege irgendwann durch Leiterlänge und Schwindelfreiheit begrenzt wird.

Blauregen zum Bäumchen erziehen

Erheblich handlicher ist da die Erziehung zum Bäumchen. Der Blauregen muss erst einmal einen geraden Stamm entwickeln und wird dazu in den ersten Jahren an einen Pfahl als Stütze gebunden. Das ist äußerst wichtig! Selbst ein Blauregen, der beim Kauf bereits um einen Stecken gewunden ist, sollte vorsichtig aufgewickelt und gestreckt werden.

An diesem Trieb werden bis zur gewünschten Kronenhöhe alle Seitentriebe entfernt. Die künftigen Kronentriebe werden dann jährlich mindestens zweimal eingekürzt, um ihr Dickenwachstum anzuregen.

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Blauregen - Tipps zur Verwendung

Traumplatz unter Trauben – eine einzelne Pflanze des Chinesischen Blauregens (Wisteria sinensis) kann 8 – 10 m in die Breite gehen. Ideal für eine große Pergola.

Richtig handlich wird der Blauregen, wenn er zum etwa 2 m hohen Bäumchen erzogen ist. So findet er überall Platz, macht aber nicht weniger Arbeit: Jährliches Schneiden ist Pflicht.

Als Girlande über der Haustür ist die großblütige Sorte ‘Longissima Alba’ eine Wucht. Um nicht den Überblick zu verlieren, empfiehlt sich hier die eintriebige Erziehung an einem einzelnen Spanndraht.

Sonnenbeschienen und windgeschützt – das ist der ideale Standort für den wärmeliebenden Blauregen. Er dankt ihn mit besonders üppigem Flor.

Empfehlenswerte Blauregen-Sorten:

Wisteria floribunda ‘Rosea’ hellrosa, bis 10 m hoch, duftend

Wisteria sinensis ‘Prolific’ blauviolett, bis 12 m hoch, duftend

Wisteria floribunda ‘Alba’ weiß, etwa 8 m hoch, duftend

Wisteria floribunda ‘Domino’ (Synonym Wisteria x formosa 'Issai') hellviolett, reichblühend (!), duftend. Sehr zu empfehlen.

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Durchblick im Lianen-Dschungel

Der Blauregen bildet übrigens nicht nur an der Hauswand ein wildes Durcheinander: Auch die Gartencenter verlieren in Anbetracht der Wisterien-Vielfalt schnell den Überblick und bieten ihre Pflanzen einfach ohne Sortennamen an.

Wichtig ist: Der Chinesische Blauregen (Wisteria sinensis) blüht vor dem Laubaustrieb mit bis zu 30 cm langen Trauben. Der Japanische Blauregen (W. floribunda) blüht später Ende Mai während des Laubaustriebs, dafür mit doppelt so großen Trauben.

Wen Sie im Gartencenter nun vor sich haben, erkennen Sie an der Wuchsrichtung der Triebe: Der Japaner windet sich rechtsherum (im Uhrzeigersinn), der aus China stammende linksherum. Denkt man an die Marschrichtung im Riesenreich, dürfte eine Eselsbrücke leicht zu bauen sein.

Wenn der Blauregen nicht blühen will

Die beste Gewähr für üppige Blütenpracht ist der Kauf einer vegetativ (ungeschlechtlich) vermehrten Pflanze. Das können sowohl Veredelungen als auch stecklingsvermehrte Pflanzen von blühwilligen Mutterpflanzen sein.

Aus Samen vermehrte Exemplare blühen dahingegen oft erst nach vielen Jahren. Sämlingspflanzen durchlaufen sozusagen erst ein mehrjähriges Jugendstadium, bevor sie ins blühfähige Alter kommen.

Diese Jugendphase wird umgangen, indem man aus Zweigstücken bereits blühender Pflanzen die Nachkommen heranzieht. Fragen Sie deshalb nach Veredelungen, nehmen Sie bereits blühende Exemplare oder meiden Sie „günstige“ Angebote, da dies meist Sämlingspflanzen sind, die erst nach zehn Jahren blühen – und auch dann nur spärlich.

Gute Baumschulware dagegen ist veredelt und setzt meist nach drei Jahren erste Knospen an. Allerdings kann es auch hier ins Stocken geraten: An einem schattigen Standort oder bei zu reicher Stickstoffdüngung bildet die Pflanze reichlich Blattmasse auf Kosten des Flors. Wichtig ist auch: Viel Wasser im Frühjahr! Bei Trockenheit werden sonst die Blütenknospen abgestoßen.

Blühen die Pflanzen nicht, lässt sich mit Schnittmaßnahmen die Blühwilligkeit fördern. Im Juli werden die meterlangen Seitentriebe um mindestens zwei Drittel eingekürzt. Nach erneutem Durchtrieb schneiden Sie im August noch einmal. Im Winter werden dann alle Seitentriebe auf drei bis vier Knospen zurückgenommen. Durch diesen starken Schnitt lässt sich gleichzeitig das starke Schlingen verhindern.


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