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Clematis: Beliebte Arten und Sorten

Bei einer Clematis hält sich leider das Vorurteil, sie sei anspruchsvoll und besonders empfindlich. Dabei gibt es zahlreiche robuste Vertreter, die wunderschön sind. Kombiniert man mehrere Arten und Sorten, ist das Ergebnis ein monatelanges Blütenfest. Für einen guten Überblick können die Waldreben in Schnittgruppen eingeteilt werden.

Clematis – voraussichtliche Lesedauer: 9 Minuten

Der richtige Platz für eine Clematis

Die Füße im Schatten und Sonne aufs Haupt – diese Empfehlung gilt für alle Clematis. Manchmal ergibt sich diese Situation am Pflanzplatz ganz von allein, oft aber muss man es erst so einrichten, dass die Wurzeln im Sommer kühl und beschattet bleiben. 

Gängige Praxis ist es oft, um den Fuß der Clematis Stauden oder kleine Gehölze zu pflanzen. Gerade bei Jungpflanzen, die sich erst noch etablieren müssen, sollten Sie jedoch auf einen ausreichenden Abstand achten. Eine Schicht aus flachen Steinen oder Kieseln, Topfscherben oder Pinienrinde schützt das Erdreich vor dem Aufheizen und Austrocknen.

Auch im Topf zu Hause

Prinzipiell kann jede Waldrebe eine Zeit lang im Topf wachsen, und in jüngerer Zeit wurden sogar kompakt wachsende Clematis-Sorten gezüchtet, zum Beispiel ‘Angelique’, ‘Chantilly’, ‘Miniseelik’, ‘Ooh La La’ und ‘Picardy’. Vor den strengen Frösten bringt man den Kübel besser an einen geschützten Platz oder umwickelt ihn mit einem isolierenden Material.

Frühblühende Clematis

Die sogenannte „Atragene“-Gruppe umfasst frühe und kleinblütige Clematis-Vertreter, die extrem winterhart und anspruchslos sind. Gerne werden diese schlicht als „Alpinas“ bezeichnet. An ihren Naturstandorten kommen die verschiedenen Arten häufig in Bergwaldregionen kühlerer Klimazonen vor. Somit erweisen sie sich auch in unseren Breiten als robuste Gesellen, die sogar an unwirtlichen, windigen Orten gedeihen. Durch ihre frühe Blütezeit kann es mitunter vorkommen, dass sie von Schnee überrascht werden. Und selbst dann blühen sie fleißig weiter.

Alpinas lieben es, sich durch verschiedene Gehölze zu schlängeln. Auch Zäune begrünen sie äußerst gerne, denn ihre Triebe lassen sich gut horizontal leiten. Als Kletterpflanzen fühlen sie sich vor allem an Nord- und Ostseiten wohl. Sie sind relativ widerstandsfähig gegenüber der gefürchteten Clematiswelke – einer Krankheit, die durch verschiedene pilzliche Erreger entsteht. Auch vorübergehende Trockenheit tolerieren sie recht gut.

Alpen-Waldrebe

Die heimische Alpen-Waldrebe (Clematis alpina) ist eine grazile Erscheinung. Sie schlingt sich mühelos durch Sträucher, Kletterrosen und kleine Bäume und verzaubert diese mit ihren blauen Glöckchenblüten. Findet sie eine geeignete Rankhilfe vor, kann sie eine Höhe von zwei bis drei Metern erreichen. Die Art ist für einen schattigen bis absonnigen Standort geeignet. Heiß werdende Südwände mag sie nicht. Ihr Wurzelbereich bleibt gerne kühl und feucht.

Clematis alpina bildet kleine, glockenförmige Blüten in großer Fülle aus.
Clematis alpina bildet kleine Blüten in großer Fülle aus. Foto: iStock_fotolinchen

Großblütige Alpen-Waldrebe

Clematis macropetala ist eng mit Clematis alpina verwandt und ähnelt ihr auch optisch. Ihre glockenförmigen Blüten fallen aber meist größer aus. In Bezug auf den Standort ist sie weniger wählerisch – auch in der Sonne gibt sie sich recht unkompliziert, solange der Platz im Sommer nicht brütend heiß wird. Gerne schlingt sie sich bis zu drei Meter in die Höhe. Auch an Zäunen und niedrige Mauern macht sie eine gute Figur. Neben der blauvioletten Form gibt es auch Sorten mit weißen oder rosafarbenen Blüten, wie etwa ‘Markham’s Pink’. Auch gefüllte Blüten sind möglich.

Berg-Waldrebe

Clematis montana ist eine beliebte Clematis-Art. Kein Wunder, denn sie punktet mit ihrer Wüchsigkeit und Standorttoleranz. Nur an feuchten Standorten mangelt es ihr mitunter an Winterhärte. Die anemonenähnlichen Blüten sind zwischen vier und sechs Zentimeter breit und sitzen in kleinen Büscheln. Ihre Farben variieren von weiß bis rosarot. Mit einem Wuchs von bis zu zehn Metern berankt sie schnell Bäume, Pergolen und auch Fassaden.

Die perfekte Art für einen größeren Laubbaum kann also nur eine „Montana“ sein! Sogar einen Walnussbaum umgarnt sie mit Leichtigkeit. Unnachahmlich, wie ihre Girlanden aus rosa Blüten sich durch die Lüfte schwingen! Am Anfang benötigt Clematis montana eine Strickleiter für den Aufstieg.

‘Picton’s Variety’ bringt ab Mai rosafarbene Blüten hervor.
Clematis montana ‘Picton’s Variety’ bringt ab Mai rosafarbene Blüten hervor. Foto: iVerde_H. van de Laar

Schnitt

Die genannten Clematis-Arten blühen im Frühjahr/Frühsommer am Vorjahrestrieb. Sie gehören zur Rückschnittgruppe 1 und müssen nicht regelmäßig geschnitten werden. Berg-Waldreben werden mit der Zeit jedoch sehr dicht. Daher ist ein Auslichtungsschnitt direkt nach der Blüte ratsam.

Großblumige Clematis

Großblumige Clematis-Hybriden zeigen ihre Blütenpracht häufig zweimal im Jahr. Besonders dort, wo Rosen keinen Platz finden, sind diese Sorten eine gute Wahl. Sie lieben sonnige bis halbschattige Standorte und erobern im Nu Bögen, Wände und Gerüste. Verschweigen darf man an dieser Stelle nicht, dass besonders die Großblumigen von der Clematiswelke befallen werden. Es gibt aber durchaus Sorten, die zuverlässig im Garten gedeihen. Bei den blau blühenden sind das zum Beispiel ‘The President’, ‘Lasurstern’, ‘Perle d’Azur’ und ‘Semu’.

Spendieren Sie den Großblumigen eine stabile, bis fast zum Boden reichende Kletterhilfe, denn so können die Triebe schnell Halt finden und werden bei Wind nicht beschädigt. Denn Verletzungen bedeuten Eintrittspforten für Pilzsporen. Wichtig ist zudem eine gute Nährstoffversorgung, da schwächliche Pflanzen immer anfälliger für Krankheiten sind.

Die großblumige Sorte ‘The President’ zeigt ihre blauvioletten Blüten den ganzen Sommer lang.
Die großblumige Clematis-Sorte ‘The President’ zeigt ihre blauvioletten Blüten den ganzen Sommer lang. Foto: iVerde_H. van de Laar

Schnitt

Die Hybriden gehören der Rückschnittgruppe 2 an. Sie können daher bereits im November oder Dezember mit der Schere bearbeitet werden. Ihre Frühjahrsblüten werden am vorjährigen Holz gebildet. Es darf also nicht zu viel geschnitten werden, da man sie ansonsten des Blütenflors beraubt. Da diese Züchtungen recht schnell verkahlen, sollten Sie sie zudem gelegentlich im Spätherbst auf etwa fünfzig Zentimeter Höhe herunterschneiden.

Spätblühende Clematis

Gold-Waldrebe

Die kleinen, laternenförmigen Blüten von Clematis tangutica leuchten in Goldgelb. Anschließend bildet sie dekorative, silbrig glänzende Samenstände, die auch bei Florist*innen sehr beliebt sind. Die Art und ihre Sorten sind in Bezug auf den Standort und die Lichtverhältnisse recht unkompliziert. Sogar an exponierten Stellen wachsen sie zuverlässig. Und die gefürchtete Welke macht ihnen ebenfalls nicht zu schaffen.

Eine Gold-Waldrebe fühlt sich in Einzelstellung an stabilen Rankhilfen und Mauern wohl, wächst in größere Sträucher oder Bäume oder kriecht ohne Stütze auch am Boden. Lassen Sie zum Beispiel tausend kleine Blütensonnen aus dem dunklen Grün einer alten Eibe oder Kiefer leuchten! Manche Sorten wie etwa ‘Lambton Park’ eignen sich zudem für kleinflächige Areale oder sogar Pflanzgefäße. Und es muss auch nicht immer gelb sein: ‘Anita’ erfreut zum Beispiel mit ihren reinweißen Blüten.

Italienische Waldrebe

Eine winterharte Clematis viticella fühlt sich an einem sonnigen bis halbschattigen, geschützten Standort am wohlsten. Sie zeichnet sich durch ihre kleinen purpurrosa bis violett gefärbten Blüten aus, die ab dem Sommer auf langen Stielen erscheinen. Als Rankhilfen eignen sich Pergolen oder Holzspaliere. Auch als Balkonpflanze sieht sie hinreißend aus, sofern sie ein kleines Gerüst zur Verfügung hat. ‘Betty Corning’ ist eine stark duftende Sorte, die hellblau bis rosa blüht, die robuste ‘Etoile Violette’ begeistert mit einer samtigen Blütenpracht in Dunkelviolett und muss den Vergleich mit den großblütigen Hybriden nicht scheuen. Von der Clematiswelke wird eine Italienische Waldrebe selten befallen.

Clematis viticella ‘Prince Charles‘ ist eine robuste Sorte mit hellblauen Blüten.
Clematis viticella ‘Prince Charles‘ ist eine robuste Sorte mit hellblauen Blüten. Foto: AdobeStock_Tarabalu

Staudenclematis

Wie der Name besagt, wachsen diese Clematis staudig, das heißt sie treiben jedes Jahr neue Triebe aus dem Boden. Clematis integrifolia und ihre Sorten werden gerade mal bis zu einem Meter hoch und blühen von Juni bis August. Ihnen genügt schon eine standfeste Nachbarstaude wie die Hohe Fetthenne, ein kleiner Rosenstrauch oder ein alter Wurzelstock, um sich daran anzulehnen. Gerne lässt eine solche Clematis ihre Triebe auch einfach über eine Mauer hängen.

Clematis der Diversifolia-Gruppe werden mit fast zwei Metern wesentlich höher. Die Sorten stammen direkt oder indirekt von Clematis integrifolia x Clematis viticella ab. Sie sind damit die idealen Partner für Strauchrosen, auch für viele andere Sträucher, durch die sie ihre Triebe einfach hindurchfädeln. Auf diese Weise entfaltet dann zum Beispiel eine Forsythie mit der Sorte ‘Blue River’ einen unerwarteten Sommerflor. Eine tolle Stütze sind auch Rankobelisken: In ihrer Mitte schieben sich die Triebe der Staudenclematis schnurgerade nach oben und hängen später malerisch über.

Lesen Sie auch den Staudenclematis-Erfahrungsbericht von Dr. Konrad Näser.

Schnitt

Da diese Waldreben nicht sehr stark verholzen, lassen sie sich gut im zeitigen Frühjahr zurückschneiden. In der Rückschnittgruppe 3 werden die Blüten an den diesjährigen Trieben gebildet. Um einen reichen Blütenflor zu erhalten, können Sie die Pflanzen stark beschneiden – in der Regel knapp über dem Boden auf etwa zwanzig Zentimeter Höhe.

Partnerwahl für die Clematis-Sorten

Gegensätze ziehen sich an oder Ton-in-Ton für die perfekte Harmonie? Wie ein Traumpaar aussieht, bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen. Clematis liebt Rose heißt es, und allein dieses Arrangement bringt Traumpaare in allen Spielarten. Eine tolle Wirkung haben zum Beispiel öfterblühende Ramblerrosen, wie etwa die rosafarbene ’Super Excelsa’, in Kombination mit einer Clematis-Sorte in Blau.

Rose und Clematis bilden ein schönes Duett im Garten.
Rose und Clematis bilden ein schönes Duett im Garten. Foto: AdobeStock_SalBel

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