Brokkoli anbauen: feinste Blütenknospen bis weit in den Herbst

Der Brokkoli darf, was andere Kohlarten nicht dürfen: einen Blütenstand bilden. Doch blühen darf er dann auch nicht. Sonst war quasi alle Mühe vergebens. Was es beim Anbau von Brokkoli zu beachten gibt und wie Sie den perfekten Erntezeitpunkt erkennen, verraten wir Ihnen hier.

Brokkoli anbauen – Voraussichtliche Lesedauer: 5 Minuten

Inhalt

Herkunft

Nah verwandt mit dem Blumenkohl gehört der Brokkoli zur Familie der Kohlgewächse (Brassica oleracea), die wohl ursprünglich aus Kleinasien stammt. Grundsätzlich unterscheidet man folgende Sorten: Sommer- und Herbstbrokkoli sowie die in England gezüchteten, besonders kältefesten Sorten, die als Winterbrokkoli bezeichnet werden. 

Standort

Als Starkzehrer bieten Sie dem Brokkoli am besten einen nährstoffreichen Boden mit guter Wasserspeicherung. Über einen sonnigen Platz im Gemüsebeet freut er sich besonders. Im Herbst freut er sich beosnders über eine Düngung mit Algenkalk, da er einen höheren Kalkgehalt bevorzugt.

Brokkoli anbauen: Pflanzzeitpunkt

Neuere Sorten sind so gezüchtet, dass alle Pflanzen etwa gleichzeitig reif werden. Das ist im Produktionsgartenbau gut, wo ganze Felder an einem Tag abgeerntet werden. Doch im Hausgarten kann das schnell zu einer Brokkoli-Schwemme führen. Die alten Sorten wie ‘Calabrese’, werden selten auf einmal reif werden und man kann über einen längeren Zeitraum immer mal wieder etwas ernten. Oder man sät den Brokkoli in mehreren Sätzen aus.

Verschiedene Brokkolisorten, die Sie anbauen können Illustration: © GartenFlora_Klaus-Dieter Röding

Zusätzlich zum klassischen grünen Brokkoli können Sie auch etwas mehr Farbe ins Beet bringen, mit lilafarbenem Sprossen-Brokkoli, z.B. ‘Early Purple Sprouting’. Der bildet statt einer großen Blume mehrere kleine, lilafarbene Röschen auf langen Stängeln. Nach jeder Ernte entwickeln sich neue kleine Seitensprosse.

Steckbrief Brokkoli

  • Aussaat: Vorkultur ab Mitte März, Direktsaat Mitte April bis Anfang August
  • Ernte: ab Mitte Juni
  • Fruchtfolge: gute Vorfrüchte sind Leguminosen; Anbaupause von 3 Jahren
  • Düngung: Starkzehrer; Kompost und Algenkalk vor der Pflanzung, 1–2 Gaben Flüssigdünger ein paar Wochen nach dem Setzen und zur Kopfbildung
  • Pflanzenschutz: Kohlweißling, Kohleulen, Kohlmotte und Kohldrehherzmücke
  • Sorten: ‘Calabrese natalino’, ‘Ramoso calabrese’, ‘Early Purple Sprouting’, ‘Summer Purple’, ‘Calinaro’, ‘Santee’, ‘Belstar’, ‘Marathon’, ‘Nutribud’

Haben die jungen Pflänzchen gut gewurzelt und bereits drei bis fünf Blätter gebildet, ziehen sie je nach Witterung etwa ab April unter ein Vlies ins Freiland um. Das Beet wird durch eine Kompostgabe vorbereitet. Pflanzen Sie sie mit einem Abstand von ca. 40 bis 50 Zentimetern etwas tiefer ein, sodass der Wurzelansatz etwa einen Zentimeter mit Erde bedeckt ist.

Brokkoli erfolgreich anbauen: Extra-Tipps

  • Sollte der Brokkoli doch blühen – die gelben Blütchen des Brokkolis überraschen mit Nektarsüße und dezentem Kohlaroma. Probieren Sie mal! 
  • Eine Mulchschicht aus Rasenschnitt, Brennnesseln oder Beinwell hat aus Brokkoli-Sicht ein großes Plus: Sie hält nicht nur den Boden länger feucht, sondern gibt auch Nährstoffe ab, die den Pflanzen zur Verfügung stehen. Das spart mindestens eine Ration Flüssigdünger im Laufe der Saison.
  • Mindestens zweimal können Sie vom Kopf-Brokkoli ernten. Erst die Hauptblume und ein paar Wochen später viele kleine Nebenblumen, die aus den Blattachseln wachsen.
  • Neu angelegte Hochbeete strotzen vor Stickstoff und anderen Nährstoffen. Genau richtig für den Anbau eines Starkzehrers wie Brokkoli. Hier lohnt auch ein Versuch mit dem noch anspruchsvolleren Bruder Blumenkohl.
  • Vier Laubblätter sollten die Jungpflanzen haben, wenn sie ins Beet gesetzt werden. Überständige Pflanzen gehen zu früh in Blüte.
  • Kopf oder Stange? Der Kopf- oder Calabrese-Brokkoli bildet eine größere Hauptblume und nach deren Ernte noch mehrere kleine Blumen. Der Sprossen- oder Sprouting-Brokkoli entwickelt dagegen über längere Zeit mehrere kleine Röschen an langen, kräftigen Stängeln.
  • Immer wieder ernten: Der Sprossen-Brokkoli wartet bis in den Herbst mit kompakten, kleinen Röschen auf. Leider werden die lila Sorten beim Garen grün.
  • Setzen Sie Salat als Untermieter zu den noch kleinen Kohlsetzlingen. Sie nutzen den Raum gut aus, während der Brokkoli mit seinen großen Blättern langsam die Reihen schließt. Bis dahin sollten die Salatköpfe geerntet sein, sonst wird es ihnen doch zu eng. Ebenso als Untermieter eignen sich Radieschen, Asia-Salat und Mini-Pak-Choi.

Pflege: So entwickelt sich der Brokkoli am besten

Brokkoli ist wie andere großblättrige Kohlarten ein Starkzehrer, der den Stickstoff in Blattmasse umsetzt. Er ist aber auch versessen auf ein Quäntchen Kalzium, das er in Form von Algenkalk bekommt. Damit die Pflanzen zügig wachsen, gießen Sie sie an trockenen Tagen durchdringend.

Ein paar Wochen nach dem Anbau des Brokkoli, wenn sich der Blütenstand bildet, noch einmal Flüssigdünger geben. Die Pflanzen, die überwintert werden, verhaltener düngen, denn sie sollen langsam wachsen und erst im Frühling in den Endspurt gehen.

Die Blüten fest im Blick

Die Brokkolipflanzen sollten Sie fest im Blick haben und genau beobachten, wie sich ihre grünen Blumen entwickeln. Wenn sie schon recht groß und dicht sind, können sie bald geerntet werden. Leicht können Sie aber den optimalen Zeitpunkt verpassen. Denn bei Brokkoli – ähnlich wie bei Blumenkohl – erntet man den knospigen Blütenstand. Der kann sich an heißen Tagen schneller öffnen als erwartet und ist dann gelb blühend anstatt grün knospig Brokkoli anbauen.

Der richtige Erntezeitpunkt

Geerntet wird, sobald die kleinen, grünen Knöspchen deutlich angeschwollen sind, aber die gelben Blütenblätter noch nicht durchschimmern. Dann hat Brokkoli ein sehr feines Aroma, fast ohne Kohlgeschmack. Blühend schmeckt er zwar auch noch, aber deutlich „kohliger“.

Brokkoli wird geerntet und unter den Blüten mit einem Messer abgeschnitten
Mit der richtigen Erntemethode können Sie den Anbau des Brokkoli bis in den Herbst verlängern. Foto: AdobeStock_Елена-Свигачева

Die Brokkoli-Blume schneiden Sie unterhalb der untersten Röschen ab und lasse den Strunk stehen. In den kommenden Wochen werden sich neue Blütensprosse aus den Seitenknospen herausschieben, und man kann ein zweites Mal ernten. Das kann bis in den späten Herbst so weitergehen.

Auch dann ist erst bei strengeren Frösten und Wintereinbruch Schluss, denn die Pflanzen vertragen bis zu -7 °C. Je eher der Brokkoli gesät und gepflanzt wird, desto öfter kann von einer Pflanze geerntet werden.

Brokkoli überwintern

Bei der späten Juli-Aussaat ist wohl nur mit einem Erntedurchgang zu rechnen, denn der Brokkoli braucht etwa sieben bis zehn Wochen. Ein, zwei Sprossen-Brokkoli-Pflänzchen können Sie im Frühbeet überwintern. Eine Sonderform ist der in England weit verbreitete Sprouting Brokkoli, den man überwintert und dann je nach klimatischer Lage sogar zwischen März bis Mai ernten kann. Es handelt sich um einen Winterbrokkoli. In Italien, wo der Brokkoli herkommt, ist das gang und gäbe.

Wenn alles klappt, können Sie im April schon die ersten Röschen ernten – eine Wintergemüse-Entdeckung!

Warum Brokkoli auch Spargelkohl heißt

Übrigens sind nicht nur die Röschen schmackhaft, auch der Stängel, der sonst auf dem Kompost landet, ist zart und essbar. Er wird geschält und dann gedünstet oder scharf angebraten. Besonders einfach lassen sich die langen Stiele des Sprossen-Brokkolis verarbeiten.

geschnittener Brokkoli samt Strunk auf Brett mit Messer
Nicht nur essbar, auch sehr köstlich: der Strunk des angebauten Brokkoli lässt sich wunderbar verarbeiten. Foto: AdobeStock_Jan Inberg

Dass man auch die Stängel essen kann, ist keine Neuentdeckung. Schon früher hat man sie wie Spargel zubereitet und gegessen. Darum nennt man den Brokkoli auch Spargelkohl.

NATALIE FASSMANN

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