Nicht nur die Blüten der Küchenschelle sind schön, sondern auch die zarten, gefiederten Blätter. Foto: AdobeStock_Grigory-Bruev

Die Kuhschelle:Frühlingsstaude zum Verlieben

Die Kuhschelle ist eine früh im Jahr blühende Staude, die farbenfroh den Frühling ankündigt. Sie ist unter verschiedenen Namen im deutschsprachigen Raum bekannt, unter anderem als Küchenschelle oder, dank der silbrigen Härchen, die den gesamten Spross der Pflanze bedecken, als Pelzanemone. Der Name „Kuhschelle“ bezieht sich auf die hübschen Glockenblüten. Wenn sie sich noch nicht ganz geöffnet haben, erinnern sie an die Schellen oder Glocken von Almkühen. Auch der Name „Küchenschelle“ hat nichts mit der Küche zu tun, sondern mit kleinen Kühen, weshalb es genau genommen „Kühchenschelle“ heißen müsste.

Die Langlebigkeit in den Genen

Botanisch ist die Kuhschelle (Pulsatilla) mit den Anemonen eng verwandt. Noch vor 50 Jahren zählte man sie zur Gattung Anemone. Knapp 40 Arten sind bekannt, von denen die meisten aber Experten und Liebhabern vorbehalten bleiben. Denn während die Gewöhnliche Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) als genügsame und vergleichsweise robuste Staude gilt, sind andere Pulsatilla-Arten hingegen oft eigenwillig und schwieriger zu halten.

Kuhschelle Foto: AdobeStock_imageBROKER
Die silbrige Behaarung lässt die Küchenschelle im Frühlingslicht geradezu leuchten. Foto: AdobeStock_imageBROKER

Die Gewöhnliche Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris) wird manchmal auch als Gemeine Kuhschelle bezeichnet. Das Wort „gemein“, das in vielen deutschen Pflanzennamen auftaucht, hat heutzutage häufig einen negativen Beigeschmack. Früher stand es jedoch schlicht für gemeinschaftlich oder allgemein. Es taucht oft in den Namen von heimischen Pflanzen auf, die weitverbreitet, beziehungsweise allgemein häufig zu finden waren.

Kuhschellen sind auch nach der Blüte schön

Kuhschellen sind generell überaus treue, langlebige Gartengefährteninnen. Sofern sie an einer geeigneten Stelle wachsen, können Sie sich über Jahrzehnte an diesen Stauden erfreuen. Es sind pflegeleichte Pflanzen, die von Krankheiten und Schädlingen verschont bleiben und von Jahr zu Jahr blühfreudiger werden, wenn ihnen der Standort zusagt.

Umpflanzen vermeiden

Kuhschellen bilden tiefe Wurzeln aus, an denen Verletzungen lange nachwirken. Darum sollten besonders ältere Exemplare eher nicht mehr umgepflanzt werden. 

Kuhschelle Foto: AdobeStock_mychadre77
Die gelben Staubgefäße sind ein schöner Kontrast zu den violetten Blütenblättern der Küchenschelle. Foto: AdobeStock_mychadre77

Die nur etwa 20 Zentimeter hohen Kuhschellen sind charmante, liebenswerte Frühblüher, die je nach Region von März bis April blühen: Die violetten Glockenblüten der Wildart haben kontrastreiche gelbe Staubblätter und wachsen erst aufrecht, dann überhängend an leicht bogig geneigten Stängeln.

Die Kuhschelle hat stark gefiederte Blätter und blüht sogar schon zu einer Zeit, in der nur wenige andere Stauden ihre Blüten geöffnet haben. Diese frühe Blütezeit macht darum sie zu einer wichtigen pollen- und nektarreichen Bienennährpflanze. Die für diese Pflanze typische feine, silbrigweiße Behaarung mancher Blätter ist übrigens ein effizienter Verdunstungsschutz.

Für den Garten sind neben der violettblühenden Art auch weiß- und rotblühende Varianten erhältlich. Selbst im verblühten Zustand brauchen sich die Kuhschellen nicht zu verstecken: Ihre Samenstände fallen zweifelsohne auf, denn jedes der Nussfrüchtchen trägt einen zottig behaarten Federschweif. Dieser hilft dabei, dass sich die kleinen Samen durch den Wind gut verbreiten und neue Standorte erobern.

Kuhschellen vermehren

Die Gewöhnliche Kuhschelle ist die am einfachsten zu kultivierende Pulsatilla-Art. Folglich entsprangen ihr viele Züchtungen, wie die formen- und farbenreiche Sorte ‘Papageno’ und die ‘Röde Klokke’. Das Farbspektrum der Kuhschellen reicht von Weiß bis Rosa, sogar Rot, Orange oder Schwarzviolett sind vertreten.

Die Aussaat ist die erfolgversprechendste Vermehrungsmethode. Samen bieten zudem den Vorteil, dass Mutter Natur eingreift und zufällig neue Formen entstehen. Andererseits kann man natürlich auch mit dem Wattestäbchen nachhelfen und gezielt bestäuben. Das allerdings kostet viel Zeit.

Die Samen brauchen einen Kältereiz

Kuhschellen haben seidige, fedrige Samen, die sich weich und kuschelig anfühlen. Sie sind typische Kaltkeimer, weshalb die Aussaat bereits um Weihnachten herum erfolgen kann und die Aussaattöpfe dann direkt ins Freiland kommen. Oftmals bleibt es zu der Zeit noch einige Tage warm, bevor die Temperaturen fallen und die Samen ihren Kältereiz erhalten. Wer Glück hat, kann sich im Frühling außerdem über kleine Sämlinge freuen.

Was sind Kaltkeimer?

Die Samen einiger Stauden benötigen zunächst eine Kühlphase von vier bis acht Wochen bei 0-5°C, um keimen zu können. Man sät sie daher meist schon im Spätherbst oder Winter aus, lässt sie ein bis zwei Wochen im Warmen quellen und stellt sie dann ins Freie. Feuchtigkeit und Kälte sorgen für den Abbau keimhemmender Stoffe in den Samenkörnern. Spätester Aussaatzeitpunkt ist Februar. Je nach Pflanzenart und Witterung kann es jedoch sein, dass die benötigte Kältesumme dann nicht mehr erreicht wird und die Samen erst im folgenden Jahr keimen können.

Mit dem Umpflanzen in tiefe Pflanztöpfe sollte nicht zu lange gewartet werden, denn nur junge Kuhschellen erholen sich von Wurzelverletzungen. Dann dauert es noch mindestens ein Jahr und einige Mühe, bis die Pflanzen mit ersten Blüten aufwarten.

Kuhschelle Foto: AdobeStock_Ina
Die Samen der Kuhschelle tragen einen fein behaarten Federschweif. Foto: AdobeStock_Ina

Kuhschellen pflanzen: Standort und Pflege

Große Kuhschellenbestände kommen bei uns heute nur noch selten vor. Auch im Garten siedeln sich die Stauden nicht ohne Weiteres an. Setzen Sie die Küchenschellen möglichst gleich an ihren endgültigen Platz, und zwar am besten in die Sonne, denn dort zeigen sie ihre ganze Blütenpracht, zum Beispiel in einen Stein- oder Steppengarten.

Keine Schattenlage

Schattige Standorte lassen das Glockenspiel der Kuhschelle ermüden. Außerdem bleibt das zum Teil behaarte Blattwerk feucht und der Spross fault. Infolgedessen wird das Immunsystem der Pflanze geschwächt. 

Mit einem durchlässigen, tiefgründigen Boden garantieren Sie den Wasserabzug. Ideal ist auch eine erhöhte exponierte Pflanzung, zum Beispiel ein Minihochbeet. Dadurch kann das Wasser seitlich ablaufen und die Blätter trocknen besser ab. Der Boden sollte außerdem kalkhaltig und mager sein. Ist die Kuhschelle erst einmal gut angewurzelt, verkraftet sie auch zeitweise bestehende Trockenphasen gut.

Kuhschelle Foto: AdobeStock_skymoon13
Die Blütenblätter weißblühender Kuhschellen harmonieren hervorragend mit den silbrig behaarten Blättern. Foto: AdobeStock_skymoon13

Sortenempfehlungen von Pulsatilla vulgaris

SorteBlütenformBlütenfarbeWuchshöhe
 ‘Röde Klokke’einfacher Blütenblattkranz, schalenförmigrot15-20 cm
 ‘Alba’einfach, trichterförmigweiß20 cm
‘Papageno’variabel, einfach bis halbgefüllt, teilweise gefranstverschiedenfarbige Blüten15-25 cm
‘Blaue Glocke’einfach, glockenförmigdunkelviolett30 cm
‘Bartons’ Pink’einfach, glockenförmigblassrosa20 cm
‘Eva Constance’glocken- bis becherförmigkräftiges dunkelrot15 cm

Vorschläge zur Beetkomposition

Im Staudenbeet sind nicht nur optisch ansprechende Kombinationen gefragt, sondern auch Pflanzen, die ähnliche Standortansprüche gemeinsam haben. In diesem Sinne passen zum Beispiel Hauswurze (Sempervivum), Fetthennen (Sedum), Thymianarten (Thymus) oder Schachbrettblumen (Fritillaria meleagris) hervorragend zur Kuhschelle. Ein Trio aus Kuhschelle, dem niedrigwüchsigen Polsterphlox (Phlox subulata) und einem etwas höheren Federgras (z.B. Stipa pennata) sorgt für eine räumliche Dimension und bringt Struktur ins Beet. Pflanzen Sie kleinbleibende Stauden bevorzugt an Beetränder, damit sie nicht zwischen den hochwüchsigen Arten verschwinden.

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