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Pilze im Garten:Kulturen auf Stroh, Holz, Mist oder Kompost

Im feuchten Schatten gedeihen Pilze am besten. Ein Eckchen unter Bäumen, an Hecken oder Mauern reicht da meist schon aus, um ein kleines Experiment zu starten. Hier erfahren Sie wertvolle Tipps zur erfolgreichen Kultur von Pilzen im Garten.

Pilze im Garten – voraussichtliche Lesedauer: 7 Minuten

Inhalt

Pilze anbauen: Statt im Wald zu suchen, sammeln wir im Garten

Nach einem Regenschauer sprießen Champignons auf der Wiese, am Kompost wachsen Parasolpilze, und am modernden Baumstumpf recken sich die gelben Hüte des Stockschwämmchens empor. Schmackhafte, essbare Pilze entwickeln sich oft auch ohne unser Zutun im Garten. Doch sind sie recht unbeständig und liefern nur ein, zwei Mahlzeiten, bevor sie wieder verschwinden.

Regelmäßige, hohe Erträge bringen dagegen Pilzkulturen, die für den Anbau von Pilzen im Garten oder im Haus optimiert sind. Und sie sind um einiges sicherer, denn auch die natürlich vorkommenden Gartenpilze haben ungenießbare oder giftige Doppelgänger.

Essen Sie darum keine Pilze, die Sie nicht eindeutig als essbar bestimmen können!

Pilze im Garten auf einem moosbewachsenen Baumstumpf Foto: AdobeStock_mirkograul
An diesem Baumstumpf recken sich die gelben Hüte des Stockschwämmchens empor. Foto: AdobeStock_mirkograul

Pilzzucht leicht gemacht: 4 einfache Möglichkeiten

Pilze für den eigenen Anbau im Garten leben auf abgestorbener organischer Substanz, etwa Stroh, Holz, Mist oder Kompost. Das macht sie wesentlich unkomplizierter als Waldpilze wie Pfifferling und Steinpilz, die auf lebende Bäume als Symbiosepartner angewiesen sind und nur in deren Nähe wachsen. Champignons mit weißer oder brauner Kappe, Parasol, Shiitake und Seitlinge verschiedenster Art können Sie bequem als Fertigkultur bestellen. Einfacher geht’s kaum!

1. In der Kiste

Champignons und Egerlinge kommen im Pappkarton mit besiedeltem Substrat ins Haus. Kühl stellen und feuch thalten. Nach zwei bis fünf Wochen gibt’s die ersten Pilze – sogar ganz ohne Garten.

Champignons wachsen in Karton Foto: AdobeStock_Vlamus
Foto: AdobeStock_Vlamus

2. An Holzstämmen

Holzzersetzer wie Austernseitlinge wachsen auf Holz. Die Stämme werden entweder angebohrt und mit Stäbchenbrut bestückt. Oder man sägt mehrere Keile hinein und füllt sie mit Körnerbrut.

Austern-Pilze an Baumstamm Foto: AdobeStock_Jaroslav Machacek
Foto: AdobeStock_Jaroslav Machacek

3. Strohballen

Pilze wie Austernseitlinge, Kräuterseitlinge und Kulturträuschlinge wachsen nach sechs Wochen auf beimpften Strohballen im Garten. Pro Ballen können Sie mit 3 bis 6 kg Pilzen rechnen.

Pilze im Garten Foto: AdobeStock_RealityImages
Foto: AdobeStock_RealityImages

4. Kleintierstreu

Strohpellets oder Sägespäne werden gut angefeuchtet und mit Substrat- oder Körnerbrut in Folienbeuteln vermischt. Damit die Pilzkörper ungehindert wachsen können, schneidet man Öffnungen in die Beutel.

Austernseitlinge wachsen aus Folienbeutel Foto: AdobeStock_ArtCookStudio
Foto: AdobeStock_ArtCookStudio

Substratblöcke für trockene und kühle Standorte

Substratblöcke sind bereits vom Pilzmyzel durchwachsen, und schon ein bis zwei Wochen nach der Ankunft sprießen die ersten Pilzhüte. Dafür brauchen Sie nur einen schattigen, nicht zu trockenen und nicht zu warmen Platz, etwa im Keller, im Gewächshaus, unter Bäumen oder im Schatten einer Mauer.

Pro Erntedurchgang können 1 bis 2 kg Pilze zusammenkommen. Ist der Pilzblock abgeerntet, braucht er ein Tauchbad im Wasser und ein paar Wochen Ruhe. In dieser Zeit wird das Myzel wieder angeregt und erzeugt neue Pilzkörper. Nach drei bis fünf Ernten ist das Substrat jedoch ausgelaugt, und der Pilz findet keine Nahrung mehr.

Im Haus können Sie mit der Fertigkultur das ganze Jahr über Pilze ernten, im Garten ab April.

Substratblöcke Foto: AdobeStock_M.Dörr & M.Frommherz
Shiitake und Co. wachsen im Substratblock auch am Nordfenster. Foto: AdobeStock_M.Dörr & M.Frommherz

Pilze auf Stroh oder Holz im Garten

Einige Wochen länger bis zur Ernte dauert es, wenn Sie die Pilze mithilfe von Pilzbrut selbst auf Stroh oder Holz im Garten oder im Haus ansiedeln. Die Pilzbrut besteht aus von Pilzmyzel überwachsenen Getreidekörnern (Körnerbrut), Holzdübeln (Stäbchenbrut) oder Sägespänen und Stroh (Substratbrut).

Die Pilze sind frostempfindlich, solange sie das Substrat noch nicht durchwachsen haben, weswegen man im Garten frühestens im April beginnt, wenn draußen wenigstens 15 °C sind.

Austernseitling, Kräuterseitling, Kulturträuschling, Limonenpilz und Schopftintling gedeihen bestens auf Kleintierstreu aus Strohpellets. Die Pellets sind leicht zu bekommen. In einer Schüssel mit Wasser lässt man sie quellen und füllt sie dann mit Substrat- oder Körnerbrut vermischt in Foliensäcke, die zur Belüftung an mehreren Stellen eingestochen werden.

Nach etwa drei Wochen an einem kühlen, schattigen Platz hat das Pilzmyzel das Substrat komplett besiedelt, und es ist ein fester Block entstanden. Den können Sie nun aus der Folie befreien oder an den Stellen einschneiden, an denen sich die Pilzkörper entwickeln. Ab jetzt darf das Substrat nicht mehr austrocknen!

Wenn Sie eine gute Quelle für kleine Strohballen haben, bauen Sie Pilze auf den gelben und trockenen Ballen an. Die Strohballen werden vor dem Impfen für zwei Tage in einer Regentonne oder in einer Schubkarre in Wasser gelegt, damit sie sich gut vollsaugen können. Loses Stroh legt man zum Wässern in eine Wanne oder ein niedriges Hochbeet. Nach dem Abtropfen werden Substrat- oder Stäbchenbrut etwa 10 bis 15 cm tief ins Stroh gesteckt und das Stroh danach mit Folie abgedeckt.

Binnen sechs Wochen zeigt sich im Stroh weißliches Myzel, und bald erscheinen die Pilzköpfe einzeln wie bei den Kulturträuschlingen oder in Büscheln wie bei den Seitlingen. 

Kultur auf Stroballen Foto: AdobeStock_NokHoOkNoi
Auch eine Möglichkeit: Pilze auf Strohballen anbauen. Foto: AdobeStock_NokHoOkNoi

Frisch geschlagenes Holz für Pilze im Garten nutzen

Haben Sie in Ihrem Garten frisch geschlagenes Holz von einem Laubbaum oder planen Sie, einen Baum zu fällen, können Sie den Holzstamm in etwa 1 m lange Stücke sägen und mit Holz zersetzenden Pilzen besiedeln: Judasohr, Stockschwämmchen, Austernpilz, Shiitake oder Nameko.

Das Holz sollte zwischen vier Wochen und fünf Monaten alt sein, die Stämme sollten einen Durchmesser von 15 bis 50 cm haben. Legen Sie die Stämme für 24 Stunden in Wasser. Anschließend werden sie mit Körner- oder Stäbchenbrut beimpft. Die Körnerbrut füllt man in keilförmige Schnitte, die mit Klebeband versiegelt werden. Die Holzdübel der Stäbchenbrut werden mit dem Hammer in 3 bis 4 cm tiefe, vorgebohrte Löcher geschlagen. Damit das Holz nicht austrocknet, die Stämme mit Folie umhüllen. Zeigt sich nach etwa drei Monaten weißliches Myzel an den Stammenden, nimmt man sie aus der Folie, legt sie in eine Erdkuhle und schüttet etwas Erde an. 

Mit Shiitake behandelte Stämme werden senkrecht ein paar Zentimeter eingegraben, sodass sie noch zum größten Teil herausschauen. Weil Holz keine so leichte Kost ist wie Stroh, dauert es sechs bis zwölf Monate, bis mit der ersten Ernte gerechnet werden kann. Weiches Pappelholz wird schneller besiedelt als hartes Eichen- oder Buchenholz. Als Belohnung fürs lange Warten können Sie drei bis sieben Jahre lang Pilze in Ihrem eigenen Garten ernten.

Shiitake-Pilz an Stamm Foto: AdobeStock_Viesturs
Auch dieser mit Shiitake behandelt Stamm steht ein paar Zentimeter im Boden. Foto: AdobeStock_Viesturs

Trüffelglück: Investition in die Zukunft

Die edlen Trüffel leben in Symbiose mit Eichen. Sie gezielt anzubauen, ist sehr aufwändig, denn die jungen Bäume müssen mit den Trüffelsporen beimpft werden. Den Franzosen gelang das schon vor ein paar Jahrzehnten. Doch haben sie ihre Methode für sich behalten.

Seit ein paar Jahren wachsen auch in Deutschland künstlich beimpfte Trüffelbäume verschiedener Laubgehölzarten. Für kleinere Gärten eignen sich Hasel und Hainbuche. Nach dem Pflanzen braucht man jedoch fünf bis sieben Jahre Geduld, bis man die ersten Pilze im Garten ausgraben kann. Theoretisch, denn bisher gab es auf den Versuchsplantagen noch keine nennenswerte Ernten.

Pilze werden als Lebensmittel übrigens oft unterschätzt. Dabei sind sie reich an Mineralstoffen, Eiweißen und B-Vitaminen. Der Schopftintling enthält Vitamin C, der Shiitake eine Vorstufe für Vitamin D, das in pflanzlichen Lebensmitteln selten vorkommt. Der asiatische Gesundheitspilz soll sogar vorbeugend gegen Grippe helfen.

NATALIE FASSMANN

Jetzt haben Sie richtig Appetit auf Pilze bekommen? Dann probieren Sie doch unsere Pilzpfanne mit Kartoffeln und Petersilie aus.

Lassen Sie es sich schmecken!

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