Nützlinge und Schädlinge: Gartenfreunde erkennen und nutzen

Spaten

Die Welt zu unseren Füßen ist ein Mikrokosmos voll nützlicher kleiner und kleinster Tiere, die für den Boden sehr wertvoll sind. Auch viele andere Tiere im Garten sind wichtige Helfer. Foto: fotolia.com/Floydine

Bei vielen Hobbygärtnern ist es Unwissenheit beim Umgang mit Tieren im Nutzgarten. Wer es komplett falsch machen möchte, sieht einfach grundsätzlich alles, das keine Nutzpflanze ist und über Beine verfügt, als „Feind“ an, den es unter Einsatz aller zur Verfügung stehenden Mittel zu bekämpfen gilt.

Wer allerdings mehr über das äußerst differenzierte Verhältnis zwischen Nützlingen, die dem Gärtner die Arbeit erleichtern, und Schädlingen, die in der Tat seinen Pflanzen schaden, wissen möchte, der findet im nachfolgenden Artikel nützliche Informationen.

Darin finden sich nicht nur die generellen Unterschiede, sondern auch Angaben zu einigen der wichtigsten Gegner und Verbündeten im immerwährenden Kampf um dicke Salate, große Gurken und duftende Blumen.

Schädlinge und Nützlinge: Der feine Unterschied

Ein geharktes Beet, Salatköpfe sonnen sich. Kein Kräutchen verunziert die Idylle, in der mancher Gartenbesitzer die Abwesenheit von sämtlichem Getier zu erkennen glaubt – von wegen: 0,3 Kubikmeter beliebiger Gartenboden sind die Heimat von rund 1,6 Billionen Lebewesen. In diesem Raum, einen Spatenstich tief und von 1x1 Meter Seitenlänge, tummelt sich ein Vielfaches dessen, was sich auf dem Planeten an Menschen findet. Darunter rund 80 Regenwürmer und ungefähr 100 000 Milben –sie alle sind Teil eines komplexen Kreislaufs, der aus „toter“ Krume erst ein lebendiges Beet macht, in dem Nutzpflanzen gedeihen können.Grundsätzlich sollte sich jeder Hobbygärtner folgendes vergegenwärtigen:

• Die Arbeit und Ausscheidungen der Tiere im Boden tragen wesentlich zum Wachstum der Pflanzen bei.

• Selbst vermeintliche Schädlinge haben in diesem Reigen ihre feste Position und regulieren das Vorhandensein anderer Lebensformen.

• Ein guter Garten existiert im Einklang mit der Natur: So wie der Gärtner seine Pflanzenabfälle auf den Kompost wirft, um daraus neue Erde zu gewinnen, so arbeiten auch die Tiere daran, den Boden lebendig zu halten.

In diesem Sinne gibt es eigentlich und streng genommen keine „Schädlinge“. Allerdings gibt es natürlich Tiere, in deren Nahrungsschema die Erzeugnisse fruchtbarer Gärtner-Arbeit fallen. Aber: Selbst diese gehören zum Garten dazu – auch wenn sie natürlich durch entsprechende Maßnahmen zumindest davon abgehalten werden dürfen, sich über Pflanzen herzumachen. Schließlich macht sich niemand die Arbeit, nur um Salat und Co. den Schnecken zum Festmahl servieren. Für die folgende Auflistung zählen deshalb nur die Tiere zu den Schädlingen, die tatsächlich das Ergebnis der Freizeit-Plackerei im Beet gefährden.


1. Der Maulwurf

Hügel im Rasen, Krater im Beet. Wo der Maulwurf auftaucht, zieht er sich schnell Gärtnerzorn zu, auch wenn die meisten der Ansicht sind, dass die scheuen Tiere zumindest possierlich anzuschauen sind. Das hindert sie aber nicht daran, dem Maulwurf nachzustellen, manchmal auch mit illegalen Methoden, denn er darf weder gefangen, noch verletzt werden.

Dabei ist der Maulwurf eines der sichersten Zeichen, dass der Gartenboden gut in Schuss ist – weil sich dort seine bevorzugte Nahrung, Insekten, tummelt. Gleichsam nehmen die „Bergwerkskumpel des Beets“ dem Gärtner viel Arbeit ab: Dadurch, dass der Maulwurf Gänge gräbt, lockert er den Boden auf. Das erleichtert Pflanzen die Wurzelbildung. Gleichzeitig verputzt er neben Regenwürmern auch Schnecken und Raupen, die sich sonst am Gemüse verlustieren würden.

Gruppe:
Nützling


2. Regenwürmer

„Iiih, Würmer“ – der Ausruf vieler Kinder ist für den Gärtner ein echter Segen: Der Regenwurm ist ein Pflanzenfresser. Seinen Bauch schlägt er sich teilweise mit Pflanzenabfällen voll. Aber weil er auch gerne Pilzsporen frisst, nimmt er auch Erde zu sich – und wird damit zu einem wichtigen Verbündeten im Garten:

• Durch die Grabtätigkeit wird der Boden aufgelockert, umgeschichtet und aufnahmefähiger für Wasser gemacht.

• Der als Regenwurmkot ausgeschiedene Boden ist ein hocheffektiver Dünger.

• Gleichsam sind die Ausscheidungen des Regenwurms auch Lebensraum für nützliche Mikroorganismen und zudem reines Gift für Kleinstlebewesen, die dem Boden schaden.

Der Regenwurm ist so ein großer Helfer, dass er seit Jahrzehnten speziell nur für diese Aufgabe gezüchtet wird. Um das in Zahlen auszudrücken: Wer sich bei einem Züchter ein Kilo Regenwürmer bestellt, bekommt Helfer, die pro Tag ein halbes Kilo Biomasse umwandeln und das Beet locker halten. Wichtig: Schon der einmalige Einsatz von Pestiziden kann alle Würmer im Sprühbereich töten und ihren Lebensraum nachhaltig vergiften.

Gruppe:
Nützling


3. Bienen

Besonders für Blumenfreunde sind Bienen unverzichtbare Helfer. Sie sind es, denen beim Pollensammeln in den Blütenkelchen der Blütenstaub anhaftet und die so dazu beitragen, dass sich viele Zierpflanzenarten erst vermehren können. Wo Bienen fehlen, etwa wegen Pestizideinsätzen, kommt es im Gartenbau zu schwersten Problemen. Grundsätzlich sollten Gartennutzer den fleißigen Arbeitern nicht nachstellen, nur weil sie stechen könnten.

Wer elektrische UV-Fliegenfallen gegen Stechmücken verwendet, sollte diese erst nach Sonnenuntergang einschalten. Das ultraviolette Licht, besonders im hier erwähnten Bereich von 365 Nanometern, lockt fast alle fliegenden Insekten an, auch Bienen. Da diese aber nachts in ihrem Stock arbeiten, kann eine Fliegenfalle in der Dunkelheit gefahrlos verwendet werden.

Gruppe:
Nützling


4. Schnecken

Schnecken sind eine der wenigen Tierarten, die tatsächlich die Ernte gefährden können, denn sie sind hungrige Zeitgenossen, denen Salate genauso gut schmecken wie uns Menschen. Das gilt besonders für Nacktschnecken. Aber sie sind auch Futter, etwa für den Maulwurf, weshalb sie nicht durch die chemische Keule gänzlich vertrieben, sondern nur von den Pflanzen selbst ferngehalten werden sollten. Auch weil Chemie immer auch andere Nützlinge schädigt.  Biologisch am einfachsten ist das Fernhalten durch Schneckenzäune. Diese werden zirka 20 Zentimeter tief dicht um die Pflanzen in den Boden gesteckt und verhindern sowohl Überklettern als auch Untergraben durch die Vielfraße.

Gruppe:
Schädling


5. Raupen

Wohl jeder freut sich über Schmetterlinge, die durch seinen Garten fliegen. Doch vorher befinden sie sich im Raupenstadium. Manche Raupen knabbern nicht nur unschöne aber harmlose Löcher in Blätter, sondern bohren sich sogar in Kohlköpfe hinein und beschädigen sie stark.

Normalerweise kümmern sich einige Spinnensorten und auch Igel um eine Reduktion der Raupenpopulation, aber manche Raupen wappnen sich auch dagegen und fressen Tabakpflanzen, damit das Nikotin in ihrem Blut stinkend ausströmt und sie ungenießbar macht.

Sie zu bekämpfen, ohne andere Nützlinge zu gefährden, ist eine Fleißarbeit: Alle Pflanzen müssen komplett untersucht und von den Raupen befreit werden. Anschließend müssen Kulturschutznetze gekauft und über alle Pflanzen, vornehmlich Kohlsorten, drapiert werden. Diese Netze schützen vor dem nächsten Schädling und zudem auch vor Vogelfraß.

Gruppe:
Schädling


6. Blattläuse

Auch die Blattlaus ist eines der wenigen Tiere, das für den Garten fast keinen Nutzen, dafür aber gewaltige Schäden bringen kann. Blattläuse ernähren sich ausschließlich von Pflanzensäften. Um an diese zu gelangen, durchstechen sie mit ihrem Rüssel die Blätter.

Diese Löcher werden zum Einfallstor für Keime und Viren. Und damit nicht genug: Die Ausscheidungen der Blattlaus locken weitere Schädlinge an und sind zudem Nährboden für Pilze, die die Pflanze weiter schädigen. Weil Blattläuse wandern, übertragen sie auch noch Krankheiten, deren Erreger an ihrem Rüssel haften, von einer Pflanze zur nächsten. Wer eine effektive Bekämpfungsmethode abseits der genannten Schutznetze sucht, hat ohne Chemie nur wenige Optionen:

• Ein Kilo Brennnesseln in zehn Liter Wasser für mindestens einen Tag einweichen und diesen Sud auf die Pflanzen sprühen.

• Ein Löffel Schmierseife ohne Zusätze mit einem Liter Wasser vermischt und um einen Spritzer Spiritus ergänzt kann ebenfalls helfen, hinterlässt allerdings Flecken auf Zierpflanzen und benötigt nach der Ernte umfangreicheres Abwaschen.

• Wasser mit Milch, im Verhältnis 1:2 vermischt, tötet Blattläuse sogar. Allerdings gelangt die Milch in den Boden und wird dort sauer, was zu Geruchsbelästigungen führen kann.

Eine weitere Möglichkeit wäre die Ansiedlung des größten Feindes der Blattlaus: dem Marienkäfer. Die Insekten fressen Blattläuse sehr gerne. Damit sie allerdings nicht abwandern, muss der Befall schon sehr stark und somit Nahrung im Überfluss vorhanden sein.

Tipp: Kaserne für Anti-Schädlings-Truppen

Wer dauerhaft dafür sorgen will, dass Schädlinge sich aus seinen Beeten fernhalten, der sollte ein sogenanntes Insektenhotel bauen oder kaufen. Diese Gebilde ersetzen die notwendigen Schlupfwinkel für Schädlingsfeinde, die vielleicht zu weit von den Nutzpflanzen entfernt liegen. Wer den Einsatz besonders effektiv gestalten will, stellt das Insektenhotel deshalb in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Gemüse- und Blumenbeeten auf und wartet darauf, dass es besiedelt wird.

Fazit

Selbst ein vollkommen durch den Menschen kultivierter Garten ist der Lebensraum für unzählige Tiere – fast alle davon sind für einen ungestörten Kreislauf unabdingbar. Daher sollten Gärtner, denen etwas an Nachhaltigkeit und gesundem Gemüse liegt, ihre „Kampfeinsätze“ gegen echte und vermeintliche Schädlinge auf ein absolutes Minimum reduzieren: Ein paar genagte Löcher im Salat sehen vielleicht im Supermarkt nicht appetitlich aus, bei einem Kopf aus dem heimischen Beet zeugen sie jedoch davon, dass dort die Natur noch in Ordnung ist.


Bildquellen:

Maulwurf - juefraphoto

Spaten - Floydine

Biene auf Blüte - Distraction Arts

Marienkäfer - bluejeansw

Alle Bilder © fotolia.com


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