Cotoneaster: Das verkannte Genie

Haubenmeise

Der Cotoneaster ist ein Retter in der Not: An ihm nascht die Haubenmeise, wenn andere Futterquellen versiegt sind.

Nicht einmal die Botaniker wissen ihn richtig zu schätzen: Mit der Wortendung –aster bezeichnen sie Pflanzengattungen von eher zweifelhaftem Wert. Und doch ein ganzer Beitrag über den Cotone-aster? … Aber ja!

Robust und vielseitig  

Um die Ecke steht ein graues Häuschen aus den 50ern zum Verkauf. Der Vorgarten ist völlig eingewebt von Lebensbaum, Wacholder und einer besonders flachwüchsigen, immergrünen Bodendecker-Zwergmispel (vermutlich Cotoneaster dammeri var. radicans).

Nie hatte man hier jemanden wässern, düngen, schneiden sehen. Selbst Unkrautjäten war offensichtlich unnötig, denn eine Cotoneaster-Decke lässt nichts mehr durch. Auch im Wohngebiet fünf Straßen weiter bedeckt Cotoneaster (hier handelt es sich eher um den 50 cm hohen ‘Coral Beauty’ mit bogig überhängendem Wuchs) die handtuch-schmalen, betongefassten Pflanzstreifen in voller Länge.

Oft zu lieblos als schneller Problemlöser verwendet

Schließlich ist er so robust, kann jederzeit nach Belieben gestutzt werden, trotzt Stadtklima und Frost, erträgt die Tritte fußballspielender Kinder – und stiehlt den Gebäuden dahinter noch nicht mal die Schau. Einfach überall ist er präsent, so scheint es: auf Verkehrsinseln, an Autobahnböschungen und oft genug auch noch entlang der Auffahrt zum Zahnarzt.

Sein Ansehen steigert das nicht gerade. Ein Hansdampf in allen Gassen, der trotz all seiner bestechenden Vorzüge wohl zu den ungeliebtesten Zierpflanzen überhaupt gehört. Woran das liegt? Vermutlich fehlt es ihm einfach an überzeugend schönen Pflanzbeispielen!

» Immergrüne - sie geben dem Garten die Form

Vielfältige Verwendungsmöglichkeiten

Also, wie wär’s vielleicht damit: Von der Mauerkrone, die die Lieblingssitzecke einfasst, lässt die Fächer-Zwergmispel (C. horizontalis) neben Storchschnabel und Blaukissen ihre meterlangen Triebe malerisch herabbaumeln. Im Herbst gesellt sich zu ihrer orangeroten Blattfärbung eine unzählbare Menge leuchtend roter Früchte.

Auch als ungewöhnliches Spalier an der Hauswand gezogen macht sie viel her, kann hier bis zu zwei Meter Höhe erreichen. Das Staudenbeet nebenan fasst der zierliche, schwachwüchsige Cotoneaster adpressus ein, mit weinrotem Herbstgewand. Er wird nur 30 cm hoch, bildet aber breitere Triebe, die mit der Beetbepflanzung lückenlos verzahnen.

Gut verzweigt und kleinblättrig, praktisch und schön

Unterm Hausbaum pflanzt man lieber eine etwas höhere, immergrüne Zwergmispel, die problemlos das fallende Herbstlaub schluckt, ‘Coral Beauty’ bietet sich hier zum Beispiel an. Vier bis sechs Pflanzen sollten pro Quadratmeter gesetzt werden, um einen dichten Bodenschluss zu erreichen. Soll es ganz besonders schnell gehen, kann auf maximal acht Pflanzen aufgestockt werden.
Fürs Familiengrab wiederum wurden ‘Streibs Findling’ und ‘Queen of Carpet‘ erkoren. Sie wachsen mit 10 bis 15 cm Höhe besonders niedrig und langsam, so dass sie stets die Stellung halten, auch wenn man mal monatelang nicht vorbeischauen konnte.

Außerdem eignet sich Cotoneaster dank seines flachen Wurzelsystems zur Hangbefestigung. Für den Kübel gibt es veredelte Hochstämmchen, und die Formschnittkünstler und Bonsai-Gärtner singen wahre Lobeshymnen auf das kleinblättrige Zwerggehölz mit dem hübsch verzweigten Wuchs. Und dann erst all die höheren Strauchformen mit ihrem prächtigen Herbstschmuck (dazu mehr im Text unten)!

Wertvoll für überwinternde Vögel

Auch Vögel zwitschern dem Cotoneaster ein Loblied. Nicht unbedingt, weil die leicht giftigen Beeren besonders lecker wären. Mit allem, was den Piepmätzen so richtig mundet, schlagen sie sich gleich im Herbst das Bäuchlein voll, so dass Schlehe, Weißdorn, Eberesche oder Pfaffenhütchen bald geplündert sind. Und dann, wenn es richtig kalt wird … spielt die zuvor verschmähte Zwergmispel oft genug den Retter in der Not.

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Schöne Früchte und Herbstfärbung

Dem Vorgarten um die Ecke ist der neue Besitzer übrigens irgendwann mit der Spitzhacke zu Leibe gerückt. Rundumerneuerung? Nein, auf den unkrautdichten, glänzend dunkelgrünen Blattteppich wollte er dann doch nicht verzichten.

Ein paar Pflanzlöcher musste die Cotoneaster-Decke lassen, Wacholder und Lebensbäume wurden durch adrette Rosensträucher ersetzt. Das sieht im Ensemble jetzt richtig - hübsch aus.

Dank des stärkeren Lichteinfalls hat sich die Zwergmispel zudem ein neues Herbstkleid zugelegt, schmückt sich plötzlich mit dicken roten Früchten über teilweise rotbraunem Laub. Als wollte sie der Königin der Blumen den gebührend gefärbten Teppich zumindest im Herbst präsentieren... Mit seiner zweiten Chance, so scheint es, will der verkannte Tausendsassa nun endlich so richtig überzeugen.

Zwergmispel, ganz groß!

Vom Zwergenwuchs halten einige Cotoneaster so gar nichts und gehen locker zwei bis drei Meter in Höhe und Breite. Wegen ihres überreichen Fruchtschmucks, dem leuchtend roten Herbstlaub und ihrem Gleichmut gegenüber den Bodenbedingungen, den Frostgraden und den Schnittgelüsten des Gärtners sind sie allesamt beliebte Heckenpflanzen.

Bemerkenswert sind dabei Cotoneaster dielsianus, dessen Triebe und Blätter elegant silbergrau befilzt sind. Und Cotoneaster bullatus, eine extrem windfeste Art, die sich hervorragend für Windschutzhecken eignet.

Andere Zwergmispeln überzeugen durch ihren malerischen, überhängenden Wuchs so sehr, dass sie unbedingt eine Einzelstellung verdienen. Dazu gehört vor allem die Weidenblättrige Zwergmispel (Cotoneaster salicifolius var. floccosus), halbimmergrün wie ‘Cornubia’, und mit einer umwerfend duftenden Blütenpracht im Juni/Juli. Und die Vielblütige Zwergmispel (C. multiflorus), deren sommergrünes Laubkleid im Mai und Juni gänzlich vom weißen Flor verhüllt wird.

DIE BODENDECKER

Der Niedrigste:

• ‘Streibs Findling‘: 10 cm hoch, langsamwüchsig, immergrün mit teilweiser Herbstfärbung, sehr viele Früchte

Der Dichteste mit bester Unkrautunterdrückung:

• Cotoneaster var. Radicans: 10–15 cm hoch, schnellwüchsig, immergrün mit teilweiser Herbstfärbung, Fruchtbesatz

Der Bunteste:

• Cotoneaster horizontalis: 80–100 cm hoch, sommergrün mit leuchtend roter Herbstfärbung, überreicher Fruchtbesatz.

Kerstin Ackermann
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