Schneeglöckchen und Winterlinge passen sehr gut zusammen. Foto: iBulb

Schneeglöckchen – sie läuten den Frühling ein

Schneeglöckchen eröffnen den Reigen der Frühblüher oft bevor der letzte Schnee geschmolzen ist. Dafür lieben wir die kleinen Vorfrühlingsboten. Auf Augenhöhe mit den zierlichen Blüten offenbart sich ihre erstaunliche Vielfalt.

So trotzt das Schneeglöckchen der Kälte

blühende Schneeglöckchen und Herbstlaub
Schneeglöckchen wirken so zart und dennoch trotzen sie der Kälte: Statt geschützt unterm Herbstlaub auszuharren, gehören sie zusammen mit den Winterlingen zu den Frühstartern. Foto: iBulb

Sobald der Frost seine eisige Umklammerung um Gärten und Winterlandschaften löst, spitzen die schmalen Blätter der ersten Schneeglöckchen aus dem Schnee. Anfangs schützt ein kapuzenartiges Hochblatt die zarten Blüten vor strenger Kälte. Bei günstiger Witterung wagen sich die Blüten dann aus ihrem Versteck. Dabei geschieht Erstaunliches: Um die Schneedecke zu durchbrechen, produziert das kleine Zwiebelgewächs Wärme.

Wie das Schneeglöckchen Wärme erzeugt

Mit Hilfe des einsetzenden Stoffwechsels, der Umwandlung von Stärke zu Zucker, entwickeln die zarten Vorfrühlingsblüher eine Biowärme von etwa 8 bis 10 °C. Die lässt den Schnee um Stängel und Blätter schmelzen und sorgt gleichzeitig für die nötigen Wassergaben an den trockenheitsempfindlichen Zwiebelchen.

Schneeglöckchen an Naturstandorten

blühende Schneeglöckchen und Winterlinge
Schneeglöckchen und Winterlinge passen sehr gut zusammen. Foto: iBulb

Kurz darauf zieren die weißen Tuffs den Garten. Ein Blütenmeer überzieht dann wie eine geschlossene Schneedecke den Boden von Waldwiesen, Auen und Laubwäldern. Leider sind Schneeglöckchen an Naturstandorten selten geworden. Deshalb ist Ausgraben hier strengstens verboten!

Beim teppichartigen Ausbreiten machen Ameisen den Schneeglöckchen Beine. Bei den emsigen Insekten sind die Samen wegen ihrer nahrhaften Anhängsel (Elaiosom) beliebt. Auf dem Weg zum Ameisenhaufen können die Krabbler der Versuchung oft nicht widerstehen: Sie fressen den Nährkörper auf und lassen den Samen unbeachtet liegen.

Die Vielfalt der Schneeglöckchen

Etwa 15 bis 20 Arten umfasst die Gattung Galanthus. Von ihnen ist das heimische Kleinblütige Schneeglöckchen (G. nivalis) das bekannteste.

Unzählige Zuchtformen entstanden aus ihm sowie aus östlichen Vettern wie Galanthus elwesii und G. plicatus: großblumige, gefüllte, stark duftende Sorten oder solche mit besonderer Zeichnung auf den Blütenblättern.

Bei gefüllten Blüten sitzt das doppelte oder mehrfache Krönchen zwischen den äußeren Blütenblättern (zum Beispiel ‘Ailwyn’). Bei ‘Mrs. Tompson’ stehen sogar fünf innere und äußere Blütenblätter beisammen.

Wie lassen sich Schneeglöckchen unterscheiden?

blühendes Schneeglöckchen von nahem
Bei Nahaufnahmen gut zu erkennen: die grüne Zeichnung auf den inneren Blütenblättern. Foto: iBulb

Begehrt sind Varianten mit Gelbfärbung, etwa ‘Primrose Warburg’. Der rundliche Fruchtknoten über der Blüte (Ovarium) ist hier ebenso sattgelb wie die Blüten-Zeichnung. Je länger sich die gelben Spielarten am Standort etablieren dürfen, desto intensiver wird ihr Gelbton.

Weitere Unterscheidungsmerkmale sind die Anzahl der Blüten an einem Stiel, Stiellänge, Blütengröße, Blattfarbe und -form. Außerdem die verschiedenen Blütezeiten: Das mediterrane Königin-Olga-Schneeglöckchen eröffnet schon im Herbst den Blütenreigen – bei uns nur im Kalthaus zu erleben. Frühe Sorten wie ‘Ding Dong’ setzen ihn im Januar fort. Im Februar feiert das Glockengeläut seinen Höhepunkt, bis ‘April Fool’ Anfang April dann den Schlussakkord anstimmt.

Zwiebelzwerge mit Ausbreitungsdrang

Tuffs blühender Schneeglöckchen unter Laubbaum
Die Tuffs blühender Schneeglöckchen sind ein Hingucker im noch winterlichen Garten. Foto: iBulb

Wenn ihnen der Standort zusagt, eignen sich Schneeglöckchen auch zum Verwildern. Sie breiten sich dann aus eigener Kraft im Garten aus – ein wunderbares Bild, wenn sich an verschiedenen Stellen die Tuffs der kleinen Frühblüher zeigen, wie sie unerschütterlich der Kälte trotzen.

Wichtig für die erfolgreiche Verwilderung der Schneeglöckchen ist lockerer, humusreicher und sehr gut wasserdurchlässiger Boden.

Außerdem muss es eine Stelle im Garten sein, an dem sich die Zwiebelchen ungestört entwickeln können, an dem also keine Bodenbearbeitung stattfindet. Eine lockere, lückige Grasnarbe an einem lichten Gehölzrand kann ein solcher Standort sein.

Schön sind Schneeglöckchen auch zusammen mit anderen kleinen und ausbreitungsfreudigen Frühblühern wie dem zart anmutenden Elfen-Krokus (Crocus tommasinianus) oder den leuchtend gelben Winterlingen (Eranthis).

Galanthomanie – Tipps zu Veranstaltungen rund ums Schneeglöckchen

blühende Schneeglöckchen und Krokusse
Blühender Start in den Frühling mit Schneeglöckchen und Krokussen. Foto: iBulb

Die Briten haben eine besondere Liebe zu Schneeglöckchen entwickelt. „Snowdrops“ heißen sie dort. „Let’s go snowdropping“, rufen die wahren Enthusiasten, wenn sie alljährlich ab Februar auf Schneeglöckchen-Safari gehen.

Im schottischen Cambo Estate beispielsweise sind sie auf der Suche nach ganz besonderen Exemplaren. Das perfekte Schneeglöckchen besitzt einen pokuliformen Blütenbau: Die inneren Blütenblätter sind genauso geformt wie die äußeren.

Die Sorte ‘E. A. Bowles’ etwa hat sechs gleich große, schneeweiße Blütenblätter. Je außergewöhnlicher die Färbung und der Blütenbau, desto höher der Preis. Deshalb werden unter Sammlern die „Schneetropfen“ nicht als Zwiebeln, sondern als blühende Pflanzen gehandelt.

Diese Galanthomanie hat mittlerweile auch Deutschland erreicht. Auch hier können Sie sich auf Veranstaltungen wie den Schneeglöckchentagen im Kloster Knechtsteden im Rheinland von der filigranen Blütenvielfalt der weißen Winzlinge berühren und verführen lassen – mehr dazu in der aktuellen GartenFlora.

Im Luisenpark in Mannheim finden ebenfalls Schneeglöckchentage statt. In der Schweiz ist in den Meriangärten in Basel eine Schneeglöckchensammlung im Aufbau und in Ost-Groningen in den Niederlanden öffnen einige Gartenbesitzer ihre Pforten während der Schneeglöckchen-Sonntage.

Pflanzen-Steckbrief Schneeglöckchen

Schneeglöckchen während der Blütezeit teilen
Schneeglöckchen können an neue Standorte gepflanzt werden, indem die Zwiebelblumen während der Blütezeit ausgegraben und die Tuffs dann geteilt werden. Foto: GartenFlora

Botanischer Name: Galanthus nivalis
Blütenfarbe: weiß mit Blütenzeichnung
Blütezeit: Höhe: II–IV, 10–15 cm
Standort: Im Halbschatten am Gehölzrand, zwischen Sträuchern und Stauden in humosem, durchlässigem Boden.
Pflege: Möglichst ungestört lassen. Nicht mit Kompost abdecken, nur wenig düngen, sonst gibt es weniger Blüten.
Generative Vermehrung: Aussaat in offene Kästen, im Sommer schattieren, Sämlinge im Herbst ins Freiland pflanzen.
Vegetative Vermehrung: 1) Zwiebeln früh im Herbst ab September 5 bis 8 cm tief im Abstand von ca. 10 cm in die Erde bringen. 2) Teilen großer Horste wie im Foto rechts. 3) Verwildern mit Hilfe von Brutzwiebeln.
Krankheiten/Schädlinge: Grauschimmel, Narzissenfliege, Wühlmaus

Schneeglöckchentage im Kloster Knechtsteden

Alle Schneeglöckchen-Liebhaber und die, die es noch werden wollen, finden in der GartenFlora 2/2020 einen umfangreichen Bericht über die Schneeglöckchentage im Kloster Knechtsteden, die Galanthophile von weither anlocken. Die Ausgabe, die für Abonnenten des Kombi- und des Digitial-Abos noch als E-Paper zur Verfügung steht, enthält außerdem Tipps rund ums Schneeglöckchen und zu besonderen Sorten sowie zum Besuch des Festivals, auf dem auch viele andere Frühblüher erhältlich sind.

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Das sind die Top Themen:

  • Eintauchen und Schwelgen: Wiesenhafte Blumenbeete
  • Klimafeste Präriestauden und Pflanzen für Bienen
  • Sonne per Paket: Echinacea ist der große Sommerheld
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