Selbst alte Rhododendren bilden meist noch ganze Blütenmeere. Foto: AdobeStock_Profotokris

Rhododendron schneiden: Diese Maßnahmen sind sinnvoll

Über 1000 verschiedene Rhododendron-Arten wachsen auf der ganzen Welt verteilt – unter anderem in Südostasien, Nordamerika, Australien oder sogar im rauen Klima des Himalayagebirges. Zwar ist der stattliche Blütenstrauch vorwiegend unter seinem botanischen Namen bekannt, einigen dürfte aber auch die deutsche Bezeichnung ‚Alpenrose‘ geläufig sein. Dank seiner von Natur aus malerischen Wuchsform ist es eigentlich gar nicht nötig, dass Sie Ihren Rhododendron schneiden. In gewissen Fällen kann ein Rückschnitt aber dennoch sinnvoll sein, zum Beispiel bei verkahlten Exemplaren mit schwindendem Blattwerk. Wie Sie dabei fachgemäß vorgehen, können Sie hier nachlesen.

Rhododendron schneiden: Wann ist es sinnvoll?

Die zumeist immergrünen Sträucher wachsen langsam, aber auch dicht und kompakt. Einen Rhododendron müssen Sie nicht, können Sie aber, schneiden. Lässt man sie ungehindert gedeihen, entwickeln sie meist von ganz alleine eine ausgeglichene, runde Form. Zudem blühen sie auch ohne anregenden Schnitt jedes Jahr kräftig.

Dennoch gibt es einige Schnittmaßnahmen, die durchaus sinnvoll sind. Denn wenngleich Rhododendren ein hohes Alter erreichen können, lässt die Kraft der Pflanzen irgendwann nach. Dann kann ein Verjüngungsschnitt für neugewonnene Vitalität sorgen. Mit einem zurückhaltenden Pflegeschnitt nach der Blüte können Sie außerdem kleine Formkorrekturen vornehmen und die Ausbreitung von Krankheiten verhindern.

Mögliche Schnittmaßnahmen an Rhododendren

Leichter Pflegeschnitt

  • Zeitpunkt: direkt nach der Blüte (sortenabhängig)
  • Zweck: kleinere Formkorrekturen, Entfernen verblühter Knospen, erkrankter Triebe und Totholz
  • Werkzeug: Rosen- oder Baumschere

Verjüngungsschnitt

  • Zeitpunkt: Herbst oder Frühjahr
  • Zweck: neue Vitalität für alte Sträucher, regt die Verzweigung und Bildung neuer Blätter an alten Trieben an
  • Werkzeug: Baumschere und ggf. Baumsäge

Leichter Pflegeschnitt

Da viele Gärtner*innen die verblühten Rhododendronknospen im Sommer ohnehin entfernen möchten, empfiehlt sich für diesen Zeitpunkt ein zurückhaltender Pflegeschnitt, der kleinere Korrekturen ermöglicht. Zurückhaltend sollte besonders bei größeren Gehölzen vorgegangen werden, da heimische Vögel den Sommer über gerne in ihnen brüten. Zwischen März und September dürfen darum prinzipiell keine radikalen Schnittmaßnahmen erfolgen. Zum anderen ist Vorsicht geboten, weil die Blütenknospen am Rhododendron für das nächste Jahr bereits unter der diesjährigen Blüte angelegt werden.

Rhododendron schneiden Foto: AdobeStock_SerenaDavid
Knapp unter der diesjährigen Blüte legen Rhododendren bereits die Blütenknospen fürs folgende Jahr an. Foto: AdobeStock_SerenaDavid
Mit diesen 3 Schritten gelingt ein sinnvoller Pflegeschnitt:
  1. Um keine Blütenanlagen zu verletzen, müssen Sie den Rhododendron direkt unter dem alten Blütenstand schneiden. Setzen Sie Ihr Werkzeug leicht schräg an, damit sich auf der Schnittfläche kein Wasser sammeln kann. So minimieren Sie die Gefahr, dass sich Pilzerreger in den Trieben einnisten.
  2. Offensichtlich kranke oder verletzte Triebe können bis ins gesunde Holz zurückgeschnitten werden.
  3. Falls einzelne, weit herausragende Äste die rundliche Wuchsform stören, dürfen Sie diese über einem Blattpaar einkürzen.

Wichtig: Rhododendron ist giftig, weshalb Sie bei Arbeiten an der Pflanze Handschuhe tragen sollten.

Alten Rhododendron schneiden und verjüngen

So manches Gehölze benötigt regelmäßig einen starken Rückschnitt, um an den unteren Ästen nicht zu verkahlen. Bei Rhododendren kann dies lediglich ab einem gewissen Alter zum Problem werden. Die Lösung des Problems kann ein Verjüngungsschnitt im frostfreien Herbst oder Frühjahr sein. Dieser sollte aber nur erfolgen, wenn der Strauch ausreichend fest im Gartenboden verwurzelt ist. Veredelte Sorten haben sich für einen starken Rückschnitt generell nicht bewährt.

Rhododendron schneiden Foto: AdobeStock_blaustern fotografie
Wenn nicht mehr genügend Licht ins Strauchinnere gelangt, kann es schnell kahl aussehen. Foto: AdobeStock_blaustern fotografie

Bevor Sie sich dazu entscheiden, Ihren Rhododendron stark zurückzuschneiden, sollten Sie ihn nochmal genau unter die Lupe nehmen. Hat der Strauch jedes Jahr ein gutes Stück zugelegt – oder sieht er seit Jahren scheinbar gleich aus und ist nicht nennenswert gewachsen? Ein niemals richtig eingewurzeltes Exemplar kann nämlich ebenfalls den fälschlichen Eindruck erwecken, aus Altersschwäche verkahlt zu sein. Dabei liegt dies dann vielmehr an unpassenden Bodenbedingungen. An einem fest im Erdreich verwachsenen Rhododendron dürfte wortwörtlich nicht viel zu rütteln sein.

Verjüngungskur Schritt für Schritt:
  1. Totholz und erkrankte Äste werden großzügig entfernt und bis ins gesunde Holz zurückgeschnitten.
  2. Alle gesunden Triebe des Rhododendron schneiden Sie auf etwa 40 bis 60 Zentimeter über dem Boden zurück – viel tiefer sollten Sie nicht gehen. Schneiden Sie dabei immer schräg über einem Blattpaar.
  3. Wenn einige Triebe zu eng zusammenstehen, können Sie ein wenig auslichten und wenige davon entfernen. So dringt in Zukunft wieder mehr Licht ins Innere und der Rhododendron bildet wieder mehr Blattwerk.
  4. Nach dem Schneiden folgt ausgiebiges Gießen.

Tipp: Um die Prozedur für Ihren Rhododendron schonender zu gestalten, können Sie den Verjüngungsschnitt auf zwei Jahre verteilen, indem Sie im ersten Jahr nur die Hälfte der Äste zurückschneiden und die verbliebenen erst im nächsten Herbst oder Frühjahr kürzen.

Um Krankheiten und Schädlingen durch den Gehölzschnitt nicht Tür und Tor zu öffnen, ist sauberes, scharfes Werkzeug das A und O. Zwar können Bäume und Sträucher ihre Schnittwunden sehr schnell wieder verschließen, bei ausgefransten Schnittstellen dauert dies aber länger und durch nicht gesäubertes Werkzeug können Erreger von anderen Pflanzen übertragen werden.

Wenngleich das Verjüngen die Vorteile bietet, alten Rhododendren neue Wuchskraft einhauchen oder jahrelang unsachgemäß geschnittene Sträucher wieder in Form zu bringen, sollte ein starker Rückschnitt gut bedacht sein. Falls Sie beispielsweise mehr Wert auf eine gewisse Höhe statt auf dichten Wuchs legen, ist ein Verjüngungsschnitt nicht unbedingt das Richtige. Um wieder ihre ursprüngliche Größe zu erreichen, benötigen die gemächlich wachsenden Rhododendren oft viele Jahre. Ebenfalls zu bedenken ist, dass nach dem Schneiden des Rhododendron in den nächsten ein bis zwei Jahren vorerst nicht mit der schönen Blüte zu rechnen ist.

Foto: AdobeStock_fotoatelier.hamburg
Nach einem Verjüngungsschnitt muss auf Rhododendrenblüten leider erstmal verzichtet werden – aber das Warten lohnt sich. Foto: AdobeStock_fotoatelier.hamburg

Sortenunterschiede

Weil im Handel mittlerweile fast ausschließlich Rhododendron-Hybride angeboten werden, hat man die vielen Kreuzungen in Sortengruppen unterteilt. Die Gruppen unterscheiden sich nicht nur in Sachen Wuchstyp und Blütenform, sondern auch bezüglich der Schnittverträglichkeit. Smirnowii-,  viscidifolium– oder caucasicum-Hybride gehören zu den eher schnittempfindlichen Sorten, wohingegen etwa die Hybridsorten der Arten yakushimanum, maximum oder auch wardii starke Rückschnitte gut verkraften.

LUISA ROTH

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