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Sanddorn im Garten: Pflanzen, pflegen & ernten

Früchte in leuchtendem Orange und dazu ein silbriges Laub: Der Anblick eines Sanddorns (Hippophae rhamnoides) weckt bei vielen Erinnerungen an sonnige Urlaubstage am Meer. Zahlreiche gartentaugliche Sorten haben nicht nur einen hohen Zierwert, sondern punkten auch mit einem üppigen Ertrag. Wir erklären Ihnen, worauf es bei der Kultivierung der Wildobstpflanze ankommt.

Sanddorn im Garten – voraussichtliche Lesedauer: 7 Minuten

Wuchs und Eigenschaften

Sanddorn: Früchte, Blätter und Blüten
Illustration: © GartenFlora/Klaus-Dieter Röding

Der Sanddorn ist ein sommergrüner Strauch aus der Familie der Ölweidengewächse (Elaeagnaceae). Die ursprünglich aus Nepal stammende Art war nach der Eiszeit eine Pionierpflanze auf den Kies- und Schotterflächen, die die Gletscher formten. Später siedelte sich das lichthungrige Gehölz auf Sanddünen entlang der Küste, felsigen Hängen sowie an trockenen Flussauen an.

Auch wenn der Großstrauch sparrig wächst und bis 5 Meter hoch werden kann, macht er im Garten eine gute Figur. Die kleinen, gelblichen Blüten erscheinen zwischen März und Mai. Später zeigen sich an den bedornten Ästen schmale, weidenähnliche Blätter. Seine Schönheit kommt vor allem in der Reifezeit zur Geltung, wenn die orangefarbenen Früchte aus dem silbrigen Laub hervorleuchten. 

Weiblicher und männlicher Sanddorn

Die Blüten des Sanddorns werden in der Regel vom Wind bestäubt. Da es sich um eine zweihäusige Pflanze handelt, benötigen Sie ein weibliches, fruchtbildendes Exemplar sowie einen männlichen Pollenspender.

Das Wurzelsystem des Sanddorns kann beachtliche Ausmaße annehmen. Es erstreckt sich bis 3 Meter in die Tiefe, zu den Seiten hin können es sogar 12 Meter sein. Das macht ältere Exemplare zu wahren Trockenheitskünstlern.

Sorten

Neben der Ursprungsart gibt es mittlerweile viele ansprechende Zuchtformen, die für den Anbau im Garten geeignet sind. Diese unterscheiden sich hinsichtlich Ertrag, Fruchtqualität und Wuchshöhe. Wer einen kleinen Garten hat, sollte eine schwach bis mittelstarkwüchsige Sorte wählen, wie etwa ‘Dorana’. Alternativ bietet sich ‘Friesdorfer Orange’ an – eine bewährte selbstfruchtende Sorte.

Als Pollenspender für weibliche Sorten eignen sich ‘Pollmix’ und ‘Hikul’. Der Zwerg-Sanddorn ‘Hikul’ wächst kugelig und ist ideal für einen kleinen Garten. Auch ohne Früchte ist er eine reizvolle Erscheinung in einer gemischten Rabatte. ‘Pollmix’ wächst schön locker und wird etwa 4 Meter hoch. Im Handel sind vier Klone erhältlich:

‘Pollmix 1′für früh blühende Sorten (z. B. ‘Frugana‘), beinahe dornenlos, straff aufrecht
‘Pollmix 2′für mittelfrühe Sorten (z. B. ‘Dorana‘), stark bedornt, breit aufrecht
‘Pollmix 3′für späte Sorten (z. B. ‘Leikora‘), schwach bedornt, breit aufrecht
‘Pollmix 4′für mittelfrühe Sorten, straff aufrecht, wenig bedornt
Die stark wachsende Sorte ‘Leikora’ bildet mit Zeit eine ausladende Krone.
Die stark wachsende Sorte ‘Leikora’ bildet mit Zeit eine ausladende Krone. Foto: iVerde_H. van de Laar

Sanddorn-Sorten für große und kleine Gärten

  • ‘Askola’: starkwüchsig, 400 cm – 500 cm Wuchshöhe, sehr ertragreich, mäßig bedornt, besonders reich an Fruchtsäure
  • ‘Habego’ oder ‘Orange Energy’: starker Wuchs, 300 cm – 500 cm Wuchshöhe, reich fruchtend, stark bedornt, Früchte sind recht groß und lassen sich gut lösen
  • ‘Frugana’: starker, straff aufrechter Wuchs, 300 cm – 500 cm Wuchshöhe, wenig bedornt, sehr ertragreich, die Früchte lassen sich leicht vom Zweig schütteln, frühreifend
  • ‘Sirola’: straff aufrechter Wuchs, 300 – 400 cm Wuchshöhe, fast rote, sehr auffällige Früchte, besonders früh reifend
  • ‘Leikora’: sehr stark wachsend, dicht und kompakt, 300 – 400 cm Wuchshöhe, große, tieforangefarbene Früchte, schwach bedornt, Früchte haften sehr fest
  • ‘Friesdorfer Orange‘: mittelstarker, sparriger Wuchs, 200 cm – 300 cm Wuchshöhe, selbstfruchtend. Werden mehrere Exemplare gepflanzt, steigert sich der Ertrag pro Pflanze.
  • ‘Hergo’: mittelstark wachsend, 200 cm – 300 cm Wuchshöhe, sehr ertragreich, gering bis mittelstark bedornt
  • ‘Garden’s Gift‘: stark verzweigt, buschig, 200 – 300 cm Wuchshöhe, große Früchte mit relativ wenig Säure
  • ‘Dorana‘: schwacher bis mittelstarker Wuchs, 200 – 300 cm Wuchshöhe, geringe Ausläuferbildung, mittelstark bedornt, schlechtes Regenerationsvermögen nach Rückschnitt

Standort und Boden

Sanddorn gilt als robust und anspruchslos, dennoch sollte sein Platz sorgfältig gewählt werden. Pflanzen Sie den lichtbedürftigen Strauch unbedingt an einer vollsonnigen Stelle! Bewundernswert ist die Genügsamkeit des Wildobstgehölzes hinsichtlich der Bodenqualität: Es gedeiht auch in einer mageren Erde mit einem hohen Sand- oder Kiesanteil. Allerdings sollte der Boden tiefgründig und locker ausfallen, damit es sich mit seinem Wurzelwerk gut verankern kann. Einen schweren Gartenboden können Sie durch die Zugabe von grobem Sand aufbessern. Ist das Substrat dagegen sehr sandig, begünstigt das Untermischen von Komposterde einen höheren Ertrag.

 Symbiose mit unsichtbaren Helfern

Der Sanddorn bildet an seinen Wurzeln eine Gemeinschaft mit Frankia-Bakterien. So besitzt er die erstaunliche Fähigkeit, Stickstoff aus der Luft binden und anschließend aufzunehmen. Hat sich der Strauch einmal gut im Boden gut etabliert (nach etwa 2 Jahren), muss in der Folge nicht mehr gedüngt werden. Der gewählte Standort sollte also unbedingt beibehalten werden, da das Gehölz ein Umsetzen nicht ohne Schaden erträgt.

Pflanzung

Der beste Zeitpunkt, um Sanddorn im Garten zu pflanzen, ist im frühen Herbst oder im späten Winter (Ende Februar). Berücksichtigen Sie dabei den hohen Platzbedarf eines einzelnen Strauchs! Dieser darf nämlich auch in späteren Jahren nicht von anderen Gehölzen beschattet werden. 

Eine männliche Pflanze kann etwa sechs weibliche Exemplare mit ihrem Pollen versorgen. Der Blütenstaub wird über 10 Meter vom Wind verbreitet. Platzieren Sie einen weiblichen Sanddorn daher am besten im Windschatten des männlichen Befruchters.

Tipp: Erwerben Sie mindestens zwei weibliche Pflanzen, denn ein Strauch liefert nur alle zwei Jahre einen guten Ertrag. Werden die weiblichen Gehölze abwechselnd zurückgeschnitten, können Sie sich jedes Jahr über eine reiche Ernte freuen.

Wann sollte Sanddorn eine Wurzelsperre erhalten?

Das Wurzelwerk des Sanddorns kann bekanntlich mächtig werden – und viele Gartenbesitzer*innen fürchten daher seine Ausläufer. In einem größeren Areal, das reichlich Raum für eine Wildstrauchhecke bietet, kann man den Strauch problemlos ohne Wurzelsperre kultivieren. Ist der Platz im Garten hingegen knapp, sollten Sie die wuchsfreudige Pflanze sicherheitshalber in ihre Schranken weisen.

  • Für eine Wurzelsperre wird – ähnlich wie bei Bambus – eine Folie aus Polyethylen wie ein Ring um den Wurzelstock in den Boden gesetzt.
  • Grenzen Sie den Wuchsbereich des Sanddorns am besten mit einer 60 Zentimeter hohen Sperre ab.
  • Die Folienstärke beträgt mindestens 2 Millimeter.
  • Der erforderliche Graben weist einen Durchmesser von etwa 1,5 Metern auf.
  • Die Folie sollte idealerweise etwa 5 Zentimeter aus dem Erdboden ragen.
  • Verschließen Sie die Enden mit einer Aluminiumschiene.

Sanddorn im Garten pflegen

Einmal eingewachsen, benötigt der Sanddorn weder Wasser noch Dünger. Er erweist sich als trockenheitsresistent und hitzeverträglich. Einen neu gepflanzten Strauch können Sie einmalig mit etwas Hornmehl versorgen, um die Zeit bis zur Ausbildung der Stickstoff bindenden Bodenbakterien zu überbrücken. Später ist es ausreichend, wenn Sie hin und wieder eine Schaufel reifen Kompost in das Erdreich rund um die Pflanze einarbeiten.

Ein Sanddorn im Garten ist pflegeleicht.
Ein Sanddorn im Garten ist pflegeleicht. Foto: AdobeStock_nnattalli

Sanddorn schneiden

Vergessen Sie nicht, bei der Pflege Ihres Sanddorns regelmäßig zur Schere zu greifen! Denn sonst bringt er nur noch im äußeren Bereich Früchte hervor, die zudem schwer erreichbar sind.

  • Schneiden Sie die abgeernteten Triebe alle zwei Jahre im Spätwinter auf kurze Ansätze zurück. Der Ertrag fällt zwar im Folgejahr geringer aus, dafür bildet die Pflanze jedoch reichlich neues Holz. Dieses sorgt dann im zweiten Jahr für eine üppige Ernte.
  • Eine Auslichtung ist ebenfalls empfehlenswert. Kürzen Sie hierfür jedes zweite Jahr (ab dem vierten Standjahr) dickere Äste auf etwa 15 Zentimeter ein.
  • Einen männlichen Vertreter beschneiden Sie am besten alle drei bis vier Jahre. Entfernen Sie dabei aber nur die Hälfte der Blütentriebe, damit die Befruchtung weiterhin stattfinden kann.

Ernte

Sobald die Früchte – etwa Ende August bis September, je nach Sorte bis in den Oktober hinein – ihre intensive Farbe annehmen, können Sie das Wildobst ernten. Die Fruchtqualität mancher Sorten kann allerdings schnell nachlassen: Sie werden blass und schmecken nach einiger Zeit sogar ranzig. Daher sollten Sie die Triebe möglichst zügig abernten und verarbeiten.

Tragen Sie beim Pflücken am besten Handschuhe, denn dieses kann wegen der Dornen schmerzhaft ausfallen. Gut beernten lassen sich Sorten wie ‘Dorana’ und ‘Habego’. Ihre Fruchtstiele sind relativ lang und die Beeren sitzen recht locker am Strauch. Alternativ können Sie die reifen Früchte auch abschütteln. Legen Sie zu diesem Zweck eine Plane oder ein Laken aus.

Tipp: Ganze Triebe lassen sich grundsätzlich leichter entnehmen als einzelne Beeren. Starkwüchsige Sorten erlauben auch diese Erntemethode. Die Zweige können dann tiefgefroren („schockgefrostet“) werden, was das Abschütteln der Früchte erleichtert. Das Einfrieren ist auch eine gute Methode, um die wertvollen Inhaltsstoffe des Sanddorns zu konservieren.

Verwendung in der Küche

Zehnmal so viel Vitamin C wie in Zitronen: Die Früchte des Sanddorns sind wahre Vitaminbomben. Daneben sind sie vollgepackt mit sekundären Pflanzenstoffen und wertvollen Ölen. Roh schmecken sie allerdings recht sauer und herb – das köstliche Aroma lässt sich meist erst in gekochtem Zustand genießen. Auf diese Weise können die Früchte wunderbar zu Fruchtmus, Saft, Marmelade, Sirup, Wein und Likör verarbeitet werden.

Tipp: Eine gute Möglichkeit, die Früchte haltbar zu machen, ist das Trocknen. Dafür werden diese gewaschen und im Backofen, Dörrautomaten oder einfach auf der Heizung getrocknet. Danach dienen sie zum Beispiel als leckerer Zusatz im Tee oder Müsli.

Die Früchte des Sanddorns lassen sich vielfältig verwenden.
Die Früchte des Sanddorns lassen sich vielfältig verwenden. Foto: AdobeStock_Evgenija

Sanddornsaft selbst herstellen

Um einen Saft aus den gesunden Früchten zu erhalten, gehen Sie wie folgt vor:

  1. Sanddornfrüchte mit Wasser oder Fruchtsaft in einem Topf kurz aufkochen (die Flüssigkeit sollte die Früchte knapp bedecken).
  2. Die Masse anschließend grob pürieren.
  3. Das Mus in ein feines Sieb oder ein Safttuch geben. Drücken Sie die Masse durch das Sieb oder wringen Sie das Tuch kräftig aus. Der Saft wird in einer Schüssel aufgefangen.
  4. Zur Haltbarmachung erneut kurz auf etwa 80 Grad Celsius erhitzen und in sterile Flaschen abfüllen.

Purer Sanddornsaft kommt zum Beispiel in einem Salatdressing bestens zur Geltung. Für „Süßmäuler“ lässt sich er sich aber auch mit Fruchtsaft oder Honig verfeinern.

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