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Voraussichtliche Lesedauer:  8 Minuten

Hornissen vertreiben: Das müssen Sie beachten

Von Anna Katharina Küsters

Groß sind sie und sie summen so laut, wie keine andere ihrer Verwandten. Kein Wunder, dass Hornissen vielen Menschen Angst einjagen. Ab Mai begibt sich die Königin auf die Suche nach einer geeigneten Stelle, um ihr Nest zu bauen. Die meisten Menschen sind von einem Hornissennest in unmittelbarer Nachbarschaft jedoch wenig begeistert und wollen die Hornissen vertreiben. Dabei sind die Tiere in der Regeln äußerst friedfertig – und stehen unter Naturschutz. Was Sie dennoch – am besten sogar präventiv – unternehmen können, erfahren Sie hier.

Was genau sind eigentlich Hornissen?

Die Europäische Hornisse (Vespa crabro) gehört zur Familie der Faltenwespen (Vespidae) und ist die größte lebende Wespenart in Deutschland. Sie unterscheidet sich von der Gemeinen Wespe vor allem durch ihre Größe: Hornissen können bis zu 35 Millimeter lang werden, während die Gemeine Wespe nur bis zu 20 Millimeter erreicht. Darüber hinaus sind Hornissen viel friedlicher als Gemeine Wespen. In Gefahrensituationen greifen die großen Insekten selten an und fliehen lieber. Trotzdem versuchen viele Menschen, Hornissen zu vertreiben.

Wann Hornissen auf Angriff gehen

Ist das Nest jedoch in Gefahr, kann die sonst friedliche Hornisse in den Verteidigungsmodus wechseln. Ursache für einen Angriff der Hornisse können in dem Zusammenhang verschiedene Aspekte sein. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Blockierung der Flugbahn in unmittelbarer Nestnähe
  • Starke Erschütterungen des Nestes
  • Hektische und starke Bewegungen direkt vor dem Nest

Daher sollten Menschen das Nest in Frieden lassen. Das bedeutet zum Beispiel, sich ihm in einem Radius von drei bis vier Metern nicht oder nur sehr langsam und ruhig zu nähern. Doch wie weit fliegen Hornissen vom Nest weg? In der Regel entfernen sie sich nicht sehr weit, sie wollen ihr Nest schließlich verteidigen.

Streng geschützte Art: Hornissennest darf nicht einfach entfernt werden

Hornissen im Garten dürfen Gärtnerinnen und Gärtner nicht einfach entfernen. Laut dem Umweltbundesamt steht das Tier in den meisten Bundesländern auf der Roten Liste, ist somit also in vielen Teilen Deutschlands eine stark bedrohte Art. Siedeln sich Hornissen im Garten an, dürfen sie dort folglich auch bleiben. Ausschließlich bei einer direkten Gefahr für den Menschen dürfen Expertinnen und Experten das Nest umsiedeln. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Hornissen sich im Rollladenkasten angesiedelt haben, sich das Nest in der Nähe von einem Spielplatz oder einer Terrasse befindet. Wer einfach selbst Hand anlegt, riskiert – je nach Bundesland – teils empfindliche Bußgelder. Sind sich Gärtnerinnen und Gärtner unsicher, wie sie sich verhalten sollen, sollten sie am besten Experten zu Rate ziehen. Die Kontaktdaten zu den entsprechenden Fachleuten erfragen Sie am besten bei der zuständigen Unteren Umweltschutzbehörde, die in der Regel bei den kreisfreien Städten und Landkreisen angesiedelt ist.

Tipp: Hornissenvölker überleben nur eine Saison und sterben danach ab. Überlegen Sie sich daher gut, ob es wirklich sinnvoll und der Mühe wert ist, ein Wespennest entfernen zu lassen. Für den nächsten Sommer können Sie dann ganz in Ruhe Vorkehrungen treffen, Hornissen vertreiben und präventive Maßnahmen ergreifen, damit eine Königin erst gar nicht beginnt, ihr Nest in Ihrer Nähe zu bauen. Dazu mehr weiter unten im Text.

Hornissenstich: Das müssen Sie beachten

Geht es doch einmal schief und die Hornisse sticht zu, sollten Sie die Einstichstelle genau beobachten. Laut dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz reagieren zwei bis drei Prozent der deutschen Bevölkerung allergisch auf Hornissenstiche. Die allergische Reaktion tritt aber erst ein, wenn Sie vorher schon einmal von einer Hornisse gestochen wurden. Sollte die Einstichstelle anschwellen, rot werden oder sehr stark schmerzen, sollten Sie sofort einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Liegt keine Allergie vor, ist der Stich nicht gefährlicher als der einer Biene oder einer Gemeinen Wespe. Da die Hornisse aber einen längeren Stachel hat, kann der Stich subjektiv etwas mehr schmerzen.

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Wie überwintern Hornissen?

Hornissen überwintern nicht. Ausschließlich die im vorhergegangenen Herbst begattete Jungkönigin verbringt den Winter gut geschützt beispielsweise in der Rinde eines morschen Baumes. Die Hornissen-Staaten sind hingegen einjährig, alle Tiere sterben im Winter.

Die Jungkönigin begibt sich im Mai als Erstes auf einen Erkundungsflug. Sie muss einen passenden Ort für ihren neuen Staat finden und ihren Hunger nach der langen Winterpause stillen. Doch was fressen Hornissen? Die Jungkönigin stärkt sich zu Beginn vor allem am Saft blutender Bäume. Erwachsene Hornissen fressen vor allem Fallobst und tilgen ihren Hunger mit Pflanzensäften. Die Brut hingegen füttern sie mit Insekten. Zu Hochzeiten frisst ein Hornissenvolk pro Tag ein halbes Kilogramm davon. Wer Hornissen vertreiben möchte, sollte sich das vorher also gut überlegen: Immerhin sind die Tiere gute Schädlingsbekämpfer.

Tipp: Wer Obstbäume im Garten wachsen hat, sollte im Sommer beim Aufsammeln von Fallobst vorsichtig sein. Manchmal versteckt sich darin noch eine Hornisse, die gerne ihre Ruhe beim Fressen hätte. Fühlt sie sich angegriffen, könnte sie stechen.

Nestbau: Diese Orte nutzen Hornissen besonders gerne

Oft findet die Jungkönigin Ende Mai bis Anfang Juni einen geeigneten Ort für ihr neues Volk. Natürliche Baumhöhlen sind mittlerweile rar geworden, daher müssen die Tiere immer öfter auf andere Orte ausweichen, wo Menschen Hornissen vertreiben wollen. In Frage kommen dafür zum Beispiel:

  • Rollladenkästen
  • Nischen in Dachböden
  • Holzabdeckungen an Terrassen
  • Winterverkleidungen am Dach

Hat sich die Jungkönigin für einen Ort entschieden, klebt sie einen kleinen Stiel aus selbstangefertigtem Material an die Decke der Höhle. Das ist das Hornissennest-Anfangsstadium. An das Ende des Stiels befestigt sie ein paar erste Wabenzellen. Sie sind sechseckig und dienen der Königin zur Eiablage. Innerhalb kürzester Zeit erschafft die Königin bis zu 50 Wabenzellen. Aus den innenliegenden Eiern entstehen nach etwa einer Woche die ersten kleinen Larven, die sich über das Puppenstadium hin zu einer Hornisse entwickeln.

Eine Hornisse baut ein neues Nest.
Schon in dieser jungen Phase des Bauprojekts muss das Hornissennest bleiben und darf nicht entfernt werden: Eine Königin beginnt mit dem Bau. [Foto: AdobeStock_MerkAngela.WH]

Hornissenvolk startet ab Juli

Anfang Juli schlüpfen die ersten Arbeiterinnen und nehmen der Königin von nun an die Ausflüge ab. Die Arbeiterinnen lassen sich gut von der Königin unterscheiden, denn sie erreichen nur eine Größe von maximal 25 Millimetern und leben nur vier Wochen. Dass Hornissen nachtaktiv sind, ist bekannt, denn die Tiere fliegen auch noch bei völliger Dunkelheit und finden dennoch ihren Weg.

Wenn alles nach Hornissen-Plan läuft, kann das Hornissenvolk jetzt Schritt für Schritt anwachsen. Im August und September kann es so eine Größe von bis zu 700 Hornissen erreichen. Zu diesem Zeitpunkt ändert die Königin ihre Eiablage: Sie legt nur noch Eier, aus denen sich Drohnen oder neue Königinnen entwickeln. Sobald dieser Prozess einsetzt, wissen die Arbeiterinnen Bescheid: Das Ende des Volkes ist nah. Sie versorgen die alte Königin nicht mehr so sehr wie früher, sodass diese das Nest bald verlässt und stirbt.

Wann sterben Hornissen?

Die Drohnen, die für die Begattung der Jungköniginnen zuständig sind, sammeln sich an sonnigen Herbsttagen häufig in größeren Gruppen am Nest und begeben sich auf ihren Hochzeitsflug. Dabei suchen sie frisch geschlüpfte Jungköniginnen und begatten diese. Die Jungköniginnen suchen dann einen Unterschlupf, an dem sie den Winter überleben können. Arbeiterinnen und Drohnen leben etwa drei bis vier Wochen. Spätestens im November ist dann das gesamte Volk tot.

Hornissen vertreiben – oder besser: Nestbau schon früh verhindern

Haben sich Hornissen einmal angesiedelt, dürfen Expertinnen und Experten sie nur noch in sehr seltenen Ausnahmefällen vertreiben. Wer die Tiere nicht in seiner direkten Nähe haben möchte, kann aber einige Vorkehrungen treffen, um den Nestbau früh zu unterbinden. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Rollladen abdichten: Hornissen lieben es, in Rollläden zu kriechen und dort ihr Nest zu bauen. Das verhindern Sie, indem Sie eine Bürstendichtung an den Rollladen anbringen. Der Rollladen funktioniert weiterhin einwandfrei, die Tiere krabbeln aber nicht in den Kasten hinein. Sie sollten den Rollladen außerdem regelmäßig rauf- und runterlassen. Das stört die Hornissen beim Nestbau.
  • Fliegengitter an Fenstern: Wer verhindern möchte, dass Hornissen in die Wohnung oder das Haus eindringen, sollte Fliegengitter an die Fenster montieren.
  • Lückensystem verschließen: Hinter Holzverkleidungen bauen Hornisse mit Vorliebe ihr Nest. Die Löcher, durch die die Hornissen eindringen, sollten Sie mit kleinmaschigem Metallgitter verdichten.

Diese drei Methoden sorgen dafür, dass sie Hornissen nicht zu sehr in Ihrer Nähe tummeln. Sollte es doch anders kommen und Sie sich unwohl fühlen, sollten Sie einen Experten oder eine Expertin kontaktieren.

Hornissen mit Hausmitteln vertreiben?

Als Hausmittel gegen Hornissen kommen häufig ätherische Öle zum Einsatz. Deren Wirkung ist zwar umstritten, manche Gärtnerinnen und Gärtner schwören aber auf die Mittel. Dazu gehören beispielsweise ätherische Öle aus Nelken, Lavendel, Basilikum, Zitrone oder Knoblauch. Gärtnerinnen und Gärtner können entsprechende Löcher mit der Tinktur jeden Tag beträufeln oder besprühen.

Wenn Sie im Sommer neben Hornissen auch mit Stechmücken zu kämpfen haben, können Sie ebenfalls zu Hausmitteln greifen. Welche Pflanzen Mücken vertreiben, lesen Sie hier: Pflanzen gegen Mücken: So schützen Sie sich mit Lavendel und Co.. Gegen Stechmücken sind Fliegengitter an Fenster ebenfalls sehr effektiv.

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