Schachtelhalm, Brennnessel & Co. werden vergoren, aufgekocht oder ausgepresst. Mit dem Elixier gießen oder übersprühen Sie die Pflanzen.

Brennesseljauche: Herstellung und Anwendung

Brennesseljauche düngt und kräftigt andere Pflanzen. Das überzeugt jeden Gärtner! Und das Beste: Sie ist ganz einfach herzustellen. Karl Ploberger zeigt Ihnen wie Sie Brennessel und co. verarbeiten.

Brennesseljauche herstellen

Ernten: Brennesseln finde ich überall dort, wo der Boden humus- und nährstoffreich ist. Hier lagern sie wertvolle Inhaltsstoffe wie Stickstoff, Kalium, Kalzium und Kieselsäure ein. Die geben sie als Jauche wieder an andere Pflanzen ab. Für eine Jauche ernte ich Brennesseln, bevor sie blühen oder Samen haben. Dabei trage ich derbe Lederhandschuhe mit hohen Schäften. Ansonsten ist die Bekanntschaft mit den wehrhaften Brennhaaren garantiert!

Zerkleinern: Damit die Gärung rasch in Gang kommt, zerkleinere ich die Pflanzen in kleine Teilstücke. Zum Auffüllen meines Holzfasses (es geht auch Plastik) verwende ich Regenwasser. Ich lasse das Fass im Halbschatten stehen und verschließe es zunächst nicht fest, sondern decke es mit einem Netz ab. Je wärmer der Standort, desto rascher die Umsetzung. Mein Tipp: Kraut in ein Netz (z. B. eine alte Strumpfhose) geben. So können Sie die Pflanzen nach der Gärung leicht entfernen. Der Pflanzensaft ist dann klar und sofort verwendbar.

Mein Tipp: Kraut in ein Netz (z. B. eine alte Strumpfhose) geben. So können Sie die Pflanzen nach der Gärung leicht entfernen. Der Pflanzensaft ist dann klar und sofort verwendbar.

Rühren: Brennesseljauche meldet sich, wenn sie fertig ist, sage ich immer, denn sie beginnt ganz kräftig zu stinken. Damit der Geruch etwas gebunden wird, hilft aufgestreutes Urgesteinsmehl. Ich rühre regelmäßig um, das beschleunigt den Gärprozess. Meine Jauche ist im Frühjahr bei niedrigen Temperaturen nach zwei bis drei Wochen, im Sommer bereits nach einer Woche fertig. Jetzt verschließe ich das Jauchefass mit einem Deckel und entnehme daraus nach Bedarf. Habe ich kein frisches Kraut zur Hand, verwende ich getrocknetes Brennessel-Pulver aus dem Fachhandel oder aus der Apotheke.

Pflanzen mit Brennesseljauche behandeln

Die fertige Jauche verdünne ich auf etwa 1:10 bis 1:20 mit Wasser. Bei Kräutern, Salat und Möhren oder für eine schnell wirkende Blattdüngung auf 1:50. Beim Gießen achte ich darauf, dass ich meine Gießkanne ohne Brausekopf direkt auf die Erde, nie auf die Blätter halte. Ich gieße meistens abends, schon wegen des strengen Geruchs! Danach bedecke ich den Boden mit Mulch. Wenden Sie eine Jauchekur nicht zu häufig an, bei Starkzehrern wie Tomate, Kohl, Sellerie, Kürbis, Gurke etwa alle zwei Wochen. Schwachzehrer wie Erbsen, Bohnen, Zwiebeln und Knoblauch vertragen sie gar nicht.

Pflanzenjauchen sind von den Wissenschaftlern schon oft untersucht worden. Betrachtet man die Inhaltsanalyse z. B. einer Brennesseljauche, sind neben Düngestoffen wie Stickstoff und Kalium auch in geringen Mengen Spurenelemente und Wuchsstoffe (Hormone) vorhanden. Ihre ganz besondere Wirkung entfalten die Jauchen im Verborgenen: Sie können Mineralien, die im Boden festgelegt wurden, für die Pflanzenwurzeln verfügbar machen. Das Wurzelwerk selbst wird gefördert. Das zeigt sich am kräftigen Wachstum der Pflanzen. Fahle, hellgrüne Blätter färben sich wieder sattgrün und strotzen vor Kraft.

Rezepturen zum Düngen und Stärken

Brennesseljauche (Dünger, Pflanzenstärkung)

1 kg frisches bzw. 100–200 g trockenes Kraut (z. B. Beinwell, Brennessel, Ringelblume) zerkleinern. In zehn Liter kaltem Wasser ansetzen, aber nicht in Metallgefäßen! Jeden Tag rühren. Die Jauche ist nach ein bis drei Wochen fertig. Sie ist dann dunkel und schäumt nicht mehr. Auf 1:10 bis 1:20 verdünnt (für Blattdüngung auf 1:50 verdünnt) gießen.

Brühe (zur Schädlingsabwehr und Pflanzenstärkung)

Von Pflanzen wie Schachtelhalm, Meerrettich oder Rainfarn 1 kg frisches (100–200 g trockenes Kraut) zerkleinern und 24 Stunden in Regenwasser einweichen. Dann 30–45 Min. köcheln. Auskühlen lassen, abseihen und unverdünnt bzw. im Verhältnis 1:5 über Pflanzen sprühen. Brennesseljauche und andere Pflanzenbrühen sind nur kurz haltbar.

Tee (zur Schädlingsabwehr und Pflanzenstärkung)

Frisches bzw. getrocknetes Kraut mit heißem Wasser überbrühen und 30–60 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Danach abseihen, abkühlen lassen und meist unverdünnt über die Pflanzen sprühen. Tee von Salbei und Thymian wehrt Schädlinge ab, Knoblauchtee beugt Mehltau und anderen Pilzkrankheiten vor.Auszug (zur Schädlingsabwehr und Pflanzenstärkung) Kaltwasserauszüge eignen sich dort, wo Gärung oder Hitze die wertvollen Inhaltsstoffe zerstören würde (z. B. bei Kamille). 24 Stunden in kaltem Wasser einweichen, Kraut auspressen. 1:1 verdünnt oder unverdünnt gießen bzw. sprühen. Auszüge halten nicht lange, am selben oder nächsten Tag aufbrauchen.

Brennesseljauche und andere Pflanzensäfte

Pilzfreier Obstgarten: Ackerschachtelhalmbrühe gilt als das beste vorbeugende Pilzbekämpfungsmittel. Es soll z. B. gegen Mehltau, Kraut- und Braunfäule, Apfelschorf, Monilia, Rost, Sternrußtau wirken. Wermutjauche steht in dem Ruf, Schadinsekten zu vertreiben und Johannisbeer-Säulenrost abzuwehren. Am besten diese biologischen Pflanzenschutzmittel nach jedem Regen erneut auf den Wurzelbereich gießen oder auf befallene Blätter sprühen.

Die Brennessel
Die Brennessel eignet sich hervorragend für Biodünger. Aber auch andere Pflanzen sind super für eine Pflanzenbrühe.

Läusefreier Ziergarten: Damit Rosen kräftig wachsen, mit Brennesseljauche düngen und immer wieder mit Ackerschachtelhalmbrühe übersprühen. Salbei- oder Thymiantee schlägt Ameisen in die Flucht. Brennesseltee bzw. -auszug hilft gegen Blattläuse. Jeweils unverdünnt auf die Ober- und Unterseiten der Blätter sprühen. Die Anwendung wöchentlich wiederholen.

Gesundes Gemüse: Neben der Brennesseljauche ist die Beinwelljauche (Comfreyjauche) die beste für den Gemüsegarten. Sie enthält viel Stickstoff und Kalium sowie Spurenelemente. Das Rezept: 1 kg frische Beinwellblätter bzw. 150 g getrocknete Blätter mit zwei Handvoll Ringelblumenblättern und -blüten auf 10 Liter Wasser vergären lassen. Ideal für Fruchtgemüse, außerdem als Kompostbeigabe. 1 x pro Woche 1:10 verdünnt anwenden.

Tipp: Brauen Sie Ihre eigenen Jauchen! Löwenzahn (ohne Samen!), Hirtentäschel und andere überhand nehmende Pflanzen in Fässern ansetzen, vergären und als 1:5 verdünnten Düngeguss 1x pro Woche anwenden. Je bunter die Mischung, desto vielfältiger die Wirkung.

Stärkungspflanzen: Hilfe und Wirkung

Aus dem Reigen geeigneter Pflanzen für Jauchen, Brühen und Tees hier die „fantastischen Vier“.

Brennessel: Ihre Blätter sind ein hervorragender Mulch. Zu Jauche vergoren, ist sie natürlicher Stickstoffdünger für starkwüchsiges Gemüse und hungrige Kräuter (Minze, Basilikum). Neben Wurzelund Pflanzenwachstum fördert sie auch das Bodenleben. Als Tee gut gegen Blattläuse.

Rainfarn: Sein Inhaltsstoff Pyrethrin ist ein Kontaktgift, das Insekten lähmt – leider nicht nur die unerwünschten! Für Menschen, Säugetiere und Vögel gilt dieses zwar als unwirksam, trotzdem: behandeltes Gemüse und Obst erst nach drei Tagen essen!

Ackerschachtelhalm: Kein Kraut beugt besser Pilzerkrankungen vor. Die Kieselsäure wird in die Zellen behandelter Pflanzen eingebaut. So werden die Zellwände fester. Pilze und Schadinsekten beißen sich sprichwörtlich die Zähne daran aus. Als Brühe vorbeugend auf Gurken, Zucchini, Rosen sprühen.

Beinwell: Früher als Heilmittel bei Wunden und Knochenbrüchen geschätzt, reichern heute Biogärtner mit der Jauche den Boden mit Nährstoffen (Kalium) an. Fördert die Knollen-/Fruchtbildung bei Tomaten, Kartoffeln und Beeren.