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Lichtverschmutzung reduzieren:Die ideale Gartenbeleuchtung

Licht ist Leben, jedoch kann die unbedachte Nutzung nachteilige Auswirkungen haben. Der Wechsel von Helligkeit und Dunkelheit beeinflusst viele Lebensfunktionen – nicht nur beim Menschen. Wir haben Tipps für eine Beleuchtung am Haus oder im Garten, die Tiere und Pflanzen nicht beeinträchtigt.

Die Lichtverschmutzung ist heutzutage ein wichtiges Umweltschutzthema. Wie gehen wir eigentlich in unseren Gärten damit um? Eine schöne Beleuchtung hebt die Stimmung, und wir finden sicher unseren Weg. Dennoch sollten wir uns die Frage stellen, wie viel künstliches Licht im Garten vertretbar ist.

Es gibt etliche Belege aus der Wissenschaft: Der Wechsel zwischen Tag und Nacht ist ein wichtiger Taktgeber und steuert den chronobiologischen Rhythmus von Menschen, Tieren und Pflanzen. Ist dieser gestört, geraten viele Lebensprozesse ins Ungleichgewicht.

Was bedeutet Lichtverschmutzung?

Lichtverschmutzung ist die drastische Bezeichnung für die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen. Das Licht von Straßenlaternen, Leuchtreklamen, angestrahlten Gebäuden, aus Schaufenstern und Wohnhäusern sorgt dafür, dass wir selbst in klaren Nächten nur noch einen Bruchteil der bei völliger Dunkelheit sichtbaren Sterne zu Gesicht bekommen. Die beleuchteten Flächen nehmen jedes Jahr weltweit um etwa sechs Prozent zu. Wissenschaftliche Studien zeigen, wie sich das gesamte Ökosystem durch Lichtemissionen bereits verändert hat.

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Die Lichtemissionen sind aus dem Weltraum gut sichtbar. Foto: AdobeStock_Matthieu

Die Folgen für die Natur

Die Dauerbeleuchtung bringt den Wachstumszyklus von Pflanzen durcheinander. Fischschwärme und Zugvögel verlieren dadurch die Orientierung. Das tagesrhythmische System (die „innere Uhr“) von Säugetieren inklusive Menschen reagiert am empfindlichsten auf blaues Licht. Auch wird es stärker in der Atmosphäre gestreut und verstärkt die Lichtglocken über den Städten.

Straßenlaternen werden für viele Insekten zur tödlichen Falle: Nachtfalter und andere Insekten orientieren sich von Natur aus am Himmelsgestirn. Lampen mit einem hohen UV-Anteil ziehen Insekten besonders an. Statt nach Nahrung zu suchen oder sich zu paaren, umkreisen sie bis zur Erschöpfung die künstlichen Lichtquellen und werden zur leichten Beute für Spinnen und Fledermäuse.

Das kaltweiße Licht der Lampen mit einem hohen Blauanteil ist für Insekten besonders attraktiv. Eine Studie mit solarbetriebenen LED-Gartenlampen zeigte, dass auch am Boden lebende Insekten von nächtlicher Beleuchtung beeinträchtigt werden. In Städten verändert sich auch das Paarungsverhalten heimischer Singvögel. Unter Kunstlicht beginnen Vogelmännchen früher zu singen und Weibchen legen einige Tage früher Eier.

Außerdem kann Lichtsmog, wie das Phänomen auch genannt wird, wie eine Barriere wirken. Er zerschneidet Lebensräume, was die Kommunikation und somit die Fortpflanzung von Organismen stört. Die Insektenbestäubung durch Nachtaktive verringert sich und beeinflusst damit die Nahrungsmittelproduktion.

Pflanzen sind durch eine Bestrahlung in der Nacht oft geschwächt und krankheitsanfälliger. Die Blätter sprießen im Frühjahr viel früher oder bleiben bis in den tiefen Winter hinein hängen. Vor allem Lichter, die im roten bis infraroten Bereich des Spektrums emittieren, verlängern die Tage für die Pflanzen, was sich negativ auf das Wachstum und Blühverhalten auswirkt. Wächst ein Baum unter den unnatürlichen Bedingungen auch noch in der kalten Jahreszeit, ist seine Winterhärte massiv beeinträchtigt.

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Lichter im Garten und auf Balkon: Eine Zeitschaltuhr schaltet sie zwischen 23 und 6 Uhr aus. Foto: AdobeStock_ANR Production

Tipps für eine naturverträgliche Beleuchtung im Garten

Gute Lichtplanung: Im naturnahen Garten verzichtet man weitestgehend auf eine künstliche Beleuchtung. Deko-Lichterketten werden gezielt ein- und ausgeschaltet. Lampen mit einem geschlossenem Korpus verhindern, dass Insekten eindringen und verbrennen (sogenanntes „Full-cut-off“ System).

Reduktion der Lichtintensität: Für gute Sicht ist eine gleichmäßige Ausleuchtung wichtiger als große Helligkeit.

Optimale Ausrichtung des Lichts: Lampen sollten ihre Licht ohne Streuverlust nach unten auf den Gartenweg senden. Die ideale Abschirmung lässt maximal 80 Grad seitliche Strahlung zu. Auch eine Fassadenbeleuchtung sollte immer nach unten leuchten. Bodeneinbaustrahler und Kugelleuchten, die in alle Richtungen strahlen, blenden und sind deshalb ungeeignet. Die Lampen werden möglichst niedrig montiert, um die Fernwirkung zu reduzieren.

Begrenzung der Leuchtdauer: Am Haus und im Garten benötigt man kein Dauerlicht. Ein Bewegungsmelder schaltet die Lampen nur dann ein, wenn sie wirklich gebraucht werden.

Auswahl der Lichtfarbe: Außenlampen sollten warmweißes Licht mit eine Farbtemperatur zwischen 1800 und 3000 Kelvin haben. Vermeiden Sie grelles, blendendes Licht mit einer Wellenlänge unter 500 nm (im blauen Spektrum).

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