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Lichtverschmutzung:Folgen für das Ökosystem

Lichtverschmutzung – voraussichtliche Lesedauer: 7 Minuten

Zu viel Licht kann schwerwiegende Auswirkungen haben, weshalb die weltweit wachsende Lichtverschmutzung Umweltschützer*innen seit Jahren zunehmend besorgt. Der Wechsel von Helligkeit und Dunkelheit beeinflusst viele Lebensfunktionen – beim Menschen ebenso wie bei Tieren und Pflanzen. Und wie gehen wir eigentlich in unseren Gärten damit um? Auch hier kommt die Frage auf, wie viel künstliches Licht vertretbar ist. Wir erklären Ihnen die Hintergründe zum Thema und geben Tipps für eine Gartenbeleuchtung, die Tiere und Pflanzen möglichst wenig beeinträchtigt.

Was bedeutet Lichtverschmutzung?

Lichtverschmutzung ist die drastische Bezeichnung für die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen. Das Licht von Straßenlaternen, Leuchtreklamen, angestrahlten Gebäuden, Schaufenstern und Wohnhäusern sorgt dafür, dass wir selbst in klaren Nächten nur noch einen Bruchteil der bei völliger Dunkelheit sichtbaren Sterne zu Gesicht bekommen – vor allem in der Großstadt. Das Licht wird auch in der Atmosphäre gestreut, sodass verstärkt „Lichtglocken“ über den Städten entstehen. Und noch immer nehmen die weltweit beleuchteten Flächen jedes Jahr zu. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen auf, wie sich das gesamte Ökosystem durch Lichtemissionen bereits verändert hat.

Lichtverschmutzung Foto: AdobeStock_Matthieu
Die Lichtemissionen sind aus dem Weltraum gut sichtbar. [Foto: AdobeStock_Matthieu]

Karte: Lichtverschmutzung in Deutschland

Die Light Pollution Map zeigt eindrücklich, wie weitläufig die Erde mit künstlichen Lichtquellen besetzt ist. Anhand einer Farbskala können Sie ablesen, in welchen Regionen die Lichtintensität besonders hoch ist und wo stattdessen noch ein klarer Sternenhimmel aufzufinden sein dürfte. Auch in Deutschland lassen sich auf der Karte nur noch wenige Gebiete ausmachen, die nicht hell erleuchtet sind. Dabei sind keineswegs nur Großstädte wie Berlin, Hamburg oder Frankfurt betroffen, sondern auch kleinere Städte und Gemeinden.

Zwar ist das Problem mittlerweile einer immer breiteten Öffentlichkeit bekannt, doch konkrete, weitreichende politische Schritte stehen bislang noch aus. Immerhin: 2021 hat der Bundestag eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) mit dem Ziel, die Lichtverschmutzung einzudämmen, beschlossen.

Die Folgen der Lichtverschmutzung

Gesundheitliche Probleme

Es gibt etliche Belege aus der Wissenschaft: Der Wechsel zwischen Tag und Nacht ist ein wichtiger Taktgeber und steuert den chronobiologischen Rhythmus von Organismen. Kommt es hierbei zu Irritationen, geraten viele Lebensprozesse ins Ungleichgewicht. Der Melatoninspiegel (Melatonin ist das Hormon, das unseren Schlaf-Wach-Zyklus steuert) wird maßgeblich gestört. Das tagesrhythmische System (die „innere Uhr“) von Säugetieren, auch von uns Menschen, gerät durch die langanhaltende nächtliche Beleuchtung also gewaltig durcheinander – am empfindlichsten reagiert es auf blaues Licht. Die Folge können Schlafstörungen und Stress sein, was sich wiederum negativ auf die Gesundheit auswirken kann.

Veränderte Lebensbedingungen für viele Tierarten

Lichtverschmutzung beeinträchtigt auch das Leben zahlreicher Tiere und führt zu verändertem Verhalten mit oft negativen Folgen. Betroffen sind nicht nur nachtaktive Tiere wie Fledermäuse, Füchse oder Nachtfalter. Kunstlichter stören beispielsweise ganze Schwärme von Zugvögeln. Beim Überqueren der Ozeane können Lichtquellen sie von ihrer idealen Route ablenken. Ihr Weg wird dadurch länger, sie verlieren wertvolle Energiereserven und kommen teilweise gar nicht mehr ans Ziel. In Städten verändert sich auch das Paarungsverhalten heimischer Singvögel. Unter Kunstlicht beginnen Vogelmännchen früher zu singen und Weibchen legen einige Tage früher Eier.

Selbst die Unterwasserwelt bleibt nicht von Lichtverschmutzung verschont. Obwohl die Wasseroberfläche Teile des Lichts reflektiert, gelangen doch erheblich viele Lichtstrahlen in tiefere Schichten der Gewässer. Dies kann dazu führen, dass sich Fische und andere kleine Wasserorganismen nachts weiter aus ihren Verstecken trauen als üblich – Fressfeinde haben es damit leichter.

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Lichtverschmutzung stört auch Insekten. Straßenlaternen werden für Nachtfalter und andere Insekten zur tödlichen Falle, denn sie orientieren sich von Natur aus am Himmelsgestirn. Lampen mit einem hohen UV-Anteil ziehen sie besonders an. Statt nach Nahrung zu suchen oder sich zu paaren, umkreisen sie bis zur Erschöpfung die künstlichen Lichtquellen und werden zur leichten Beute für Spinnen und Fledermäuse. Das kaltweiße Licht der Lampen mit einem hohen Blauanteil ist für Insekten besonders attraktiv. Eine Studie mit solarbetriebenen LED-Gartenlampen zeigte, dass auch am Boden lebende Insekten wie Käfer von nächtlicher Beleuchtung beeinträchtigt werden.

Außerdem kann Lichtsmog, wie das Phänomen auch genannt wird, wie eine Barriere wirken. Er zerschneidet Lebensräume, was die Kommunikation und somit die Fortpflanzung von Organismen stört. Kleine Wildtiere wie Igel und Waldmäuse meiden beispielsweise jegliche Lichtquellen und halten sich beinahe ausschließlich in dunklen Bereichen auf.

Gestörte Wachstumszyklen in der Pflanzenwelt

Die Dauerbeleuchtung bringt auch den Wachstumszyklus von Pflanzen durcheinander. Pflanzen sind durch eine Bestrahlung in der Nacht oft geschwächt und krankheitsanfälliger. Die Blätter sprießen im Frühjahr viel früher oder bleiben bis in den tiefen Winter hinein hängen. Vor allem Lichter, die im roten bis infraroten Bereich des Spektrums emittieren, verlängern die Tage für die Pflanzen, was sich negativ auf das Wachstum und Blühverhalten auswirkt. Wächst ein Baum unter den unnatürlichen Bedingungen auch noch in der kalten Jahreszeit, ist seine Winterhärte massiv beeinträchtigt.

Weitreichende Folgen: Artensterben und gestörtes Ökosystem

Lichtsmog wirkt sich nicht auf alle Tiere und Pflanzen gleich aus. Potenzielle langfristigen Folgen sind noch nicht ausreichend abzusehen. Doch schon jetzt lässt sich ein Rückgang der Artenvielfalt beobachten – die durch die Helligkeit veränderten Lebensbedingungen lässt ganze Populationen und Biotope schrumpfen. Lichtverschmutzung wird inzwischen sogar als mögliche Hauptursache des weltweiten Artensterbens gehandelt.

Dabei bleibt es nicht bei einzelnen Arten. Ein balanciertes Ökosystem ist von komplexen Prozessen und Zusammenhängen durchzogen. So hat beispielsweise das massive Insektensterben auch für andere Tierarten weitreichende Folgen, zum Beispiel Vögel, für die Insekten als wichtige Nahrungsquelle dienen. Aber auch die menschliche Nahrungsmittelproduktion ist gefährdet, wenn sich die Insektenbestäubung durch Nachtaktive verringert.

Die Wissenschaftsdokumentation von ZDF und 3sat mit dem Titel Licht aus – Wie Kunstlicht die Natur verändert (verfügbar bis zum 03.11.2027) beleuchtet auf eindrückliche Weise die diversen Folgen der weltweiten Lichtverschmutzung:

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Lichtverschmutzung reduzieren – Haus und Garten

Auch am Haus und im privaten Garten ist das Thema Lichtverschmutzung von hoher Relevanz. Eine schöne Beleuchtung hebt zwar die Stimmung, vor allem in den düsteren Wintermonaten. Außerdem helfen Lichter, trotz Dunkelheit den Weg sicher zu finden. Dennoch kann hier jede*r einen Beitrag zur Vermeidung von Lichtverschmutzung leisten, indem auf überflüssige Lichtquellen verzichtet und eine möglichst effiziente Lichtplanung vorgenommen wird.

Lichtverschmutzung Foto: AdobeStock_ANR Production
Lichter im Garten und auf Balkon: Eine Zeitschaltuhr schaltet sie zwischen 23 und 6 Uhr aus. [Foto: AdobeStock_ANR Production]

Tipps für eine naturverträgliche Beleuchtung im Garten

  • Gute Lichtplanung: Im naturnahen Garten verzichtet man weitestgehend auf eine künstliche Beleuchtung. Deko-Lichterketten werden gezielt ein- und ausgeschaltet. Lampen mit einem geschlossenem Korpus verhindern, dass Insekten eindringen und verbrennen (sogenanntes „Full cut off“-System).
  • Reduktion der Lichtintensität: Für gute Sicht ist eine gleichmäßige Ausleuchtung wichtiger als große Helligkeit.
  • Optimale Ausrichtung des Lichts: Lampen sollten ihr Licht zielgerichtet und ohne Streuverlust nach unten auf den Gartenweg senden, damit Tiere im Garten nicht gestört werden. Die ideale Abschirmung lässt maximal 80 Grad seitliche Strahlung zu. Auch eine Fassadenbeleuchtung sollte immer nach unten leuchten. Bodeneinbaustrahler und Kugelleuchten, die in alle Richtungen strahlen, blenden und sind deshalb ungeeignet. Die Lampen werden möglichst niedrig montiert, um die Fernwirkung zu reduzieren.
  • Begrenzung der Leuchtdauer: Am Haus und im Garten benötigt man kein Dauerlicht. Ein Bewegungsmelder schaltet die Lampen nur dann ein, wenn sie wirklich gebraucht werden.
  • Auswahl der Lichtfarbe: Außenlampen sollten warmweißes Licht mit eine Farbtemperatur zwischen 1800 und 3000 Kelvin haben. Vermeiden Sie grelles, blendendes Licht mit einer Wellenlänge unter 500 nm (im blauen Spektrum). Für nachtaktive Tiere ist außerdem grünes Licht besonders irritierend.

Sie möchten Ihren Garten auch in anderen Bereichen möglichst nachhaltig gestalten? Dann schauen Sie gerne auch in unsere Beiträge zum Fördern der Artenvielfalt und Klimaschutz im Garten.

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