Die silbrig-weißen, samtigen Weidenkätzchen leuchten im Sonnenlicht und zeigen, dass der Winter seine Macht verloren hat. ©fotolia

Weidenkätzchen: Sanfte Vorboten für das Frühjahr

Wir alle kennen sie seit unserer Kindheit: die Weidenkätzchen. Die samtigen Blüten mancher Weidenarten künden den bevorstehenden Frühling an. Sie wecken nicht nur beim Betrachter die Vorfreude auf die kommende Zeit, sondern machen auch Bienen glücklich, denen sie Nektar und Pollen bieten.

Was sind Weidenkätzchen?

Meist sind es die Blüten der Sal-Weide (Salix caprea), die uns vorschweben, wenn wir Weidenkätzchen bewundern. Doch es gibt noch andere Weidenarten und -sorten mit samtigen Blütenständen, wie zum Beispiel die Grau-Weiden (S. cinerea) und die Reif-Weiden (S. daphnoides). Nicht nur Bienen, sondern auch andere Insekten fliegen auf die aufgeblühten Weidenkätzchen.

Weidenkätzchen – eine wichtige Nahrungsquelle

Der Nektar der Weidenkätzchen ist eine erste wichtige Nahrungsquelle für Bienen. Wichtig: In den meisten Bundesländern ist es deshalb nicht erlaubt, sogenanntes Schmuckreisig zu schneiden. Kätzchenzweige für die Vase kaufen Sie lieber im Blumengeschäft oder holen sie aus dem eigenen Garten.

Männliche oder weibliche Blüten

Schaut man sich die Weidenkätzchen einmal genauer an, erkennt man schnell, jedes besteht aus vielen kleinen, eng benachbarten Einzelblüten.

Weil fast alle Weiden zweihäusig getrenntgeschlechtlich sind, trägt jeder Baum oder Strauch nur männliche oder nur weibliche Blüten. Nach dem Aufblühen erkennt man die männlichen Weidenkätzchen an ihren gelben Staubgefäßen, die weiblichen sind unauffällig grün gefärbt.

Die attraktiveren, männlichen Weidenkätzchen werden von den Bienen zuerst besucht. Erst nachdem sie sich dort am Nektar gelabt haben, fliegen sie, mit Pollen im Gepäck, die weiblichen Blüten an. Die Bestäubung ist gesichert.

Weiden-Arten und ihre Besonderheiten

Die Gattung Salix ist aber nicht nur wegen der samtigen Weidenkätzchen so attraktiv. Weiden sind unglaublich vielgestaltig: Mächtige Bäume, Sträucher verschiedener Größen oder Zwergformen – für jeden Garten gibt es die passende Art oder Sorte.

Manche Weiden haben auch auffallend gefärbte oder geformte Triebe. Die Drachen-Weide (Sailx sachalinensis ‘Sekka’) beispielsweise beeindruckt mit eigenwillig gedrehten, oft abgeflachten Zweigen.

Sehr bekannt und beliebt ist die Trauer-Weide (S. x sepulcralis ‘Tristis’). Der malerische, bis 20 Meter hoch und ebenso breit werdende Baum benötigt viel Platz. In kleineren Gärten machen sich Hochstämmchen gut, wie die Harlekin-Weide (S. integra ‘Hakuro Nishiki’), die ein grün-weiß marmoriertes Blätterkleid trägt.

Hübsch ist auch die Hänge-Kätzchen-Weide (S. caprea ‘Pendula’), deren Zweige schleppenförmig bis zum Boden herabhängen. Dieser kleine Baum schmückt sich mit goldgelben Weidenkätzchen. Er sollte allerdings mit Bedacht platziert werden, damit er mit seinen relativ grade herunterhängenden Ästen nicht zu steif wirkt.

Welche Kätzchenweide passt in welchen Garten?

Die hübschen Weidenkätzchen lassen sich auch in sehr kleinen Gärten oder auf dem Balkon genießen. Schöne Streichelpflanzen im Kleinformat sind die Engadin-Weide (Salix hastata ‘Wehrhahnii’) und die Schweizer Weide (Salix helvetica), deren Kätzchen etwas später erblühen. Für fleißige Bestäuber wie Bienen und Hummeln noch früh genug, um wertvollen Pollen zu erhalten, der zu dieser Zeit noch seltenen Pollen ist. Diese beiden Sorten passen zum Beispiel gut in Kübel und Steingärten.

Auch die Japanische Kriechweide (Salix repens argentea) eignet sich für Steingärten oder für die Bepflanzung von großen Gefäßen. Sie wird nur bis 30 Zentimeter hoch und kann sogar als Bodendecker fungieren.

Für große Gärten eignet sich zum Beispiel eine Kopfweide oder die malerisch wachsende Sal-Weiden-Sorte Silberglanz (Salix caprea ‘Silberglanz’). Sie erreicht bis zu vier Meter Höhe und wird fast genauso breit. Ihre flauschigen Kätzchen erscheinen häufig schon vor Weihnachten. Sie wird darum auch Advents-Weide genannt. Einige der Kätzchenzweige kann man gut als festliche Deko-Zweige verwenden. Es bleiben noch genug Weidenkätzchen für die Frühstarter unter den Bienen und Hummeln über. Diese Weide ist außerdem trockenheitsverträglicher als andere Weidenarten.

Weidenkätzchen aus dem eigenen Garten – Weiden vermehren

Weiden sind äußerst anspruchslose Gehölze. Die meisten Arten bevorzugen nährstoffreiche, frische bis feuchte Böden, kommen aber auch noch auf mäßig trockenen Böden zurecht. Viele Gründe also, sich eine Weide in den Garten zu holen. Das geht sogar ganz schnell und preiswert. Je nachdem, für welche Art Sie sich entscheiden, haben Sie in Zukunft sogar hübsche Weidenkätzchen im Garten.

Schneiden Sie im Vorfrühling einen etwa fingerdicken, mindestens 20 Zentimeter langen Weidentrieb Ihrer Wahl (Sal-Weide ausgenommen, die bewurzelt nur schwer) und stecken Sie diesen etwa bis zu einem Drittel der Zweiglänge in die Erde. Gut gießen. Schon nach wenigen Wochen können Sie sich über frisch austreibendes Grün freuen!

Kopfweiden richtig schneiden

Kopfweiden prägen in vielen Regionen das Landschaftsbild. Sie sind auch ein besonderer Lebensraum für heimische Tiere. Als Jungbaum kappt man den Stamm einer Kopfweide. Die austreibenden Ruten werden regelmäßig einmal im Jahr geschnitten. Sie wurden früher oft zum Flechten von Körben und Möbeln genutzt. Nach einer Weile verdickt sich der oberste Abschnitt des Stammes und die Kopfweide erhält so ihr charakteristisches Aussehen. Ohne Schnitt brechen die Bäume mit der Zeit auseinander.

Wie schneiden Sie die Kopfweide richtig?

  • 1. Stamm der Kopfweide als Jungbaum stutzen (in zwei Meter Höhe)
  • 2. Die austreibenden Zweige am Stamm schneiden (regelmäßig im Spätwinter)

Weiden – wertvoll wegen früher Blütezeit

Dank der großen Vielfalt an Weidenarten und -sorten lassen sich für Gärten unterschiedlichster Größe und sogar für den mobilen Garten Weiden finden. Die schon vorm Winterende erscheinenden Blüten sind eine schöne Einstimmung auf den Frühling.

Ein mindestens genauso guter Grund, eine Kätzchenweide zu pflanzen: Weil so zeitig im Jahr nur wenige Gehölze blühen, sind die Weidenkätzchen auch eine wertvolle Nahrungsquelle für früh im Jahr fliegende Hummeln und andere Insekten.

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