Ein Seidenbaum lädt zum Staunen ein. Foto: AdobeStock_evbrbe

Seidenbaum:Feingliedriges Geäst auf standhaften Wurzeln

Der Seidenbaum vereint Zartheit mit Standhaftigkeit. Die Grazilität seines mimosenartigen Laubs kontrastiert mit der Robustheit seiner Wurzeln und der imposanten Krone. Ein Höchstmaß an Eleganz erreicht der Seidenbaum zwischen Juli und August, wenn ihn ungewöhnliche, pomponähnliche Blütenköpfe umhüllen. Klingt zu schön, um pflegeleicht zu sein? Nicht unbedingt: Auch mit weniger Erfahrung kann man Erfolg mit einem Seidenbaum haben. Erfahren Sie mehr zu Standort, Pflanzung und Pflege.

Seidenbaum – Voraussichtliche Lesedauer: 5 Minuten

Inhalt

Herkunft und Verbreitung

Der Seidenbaum (Albizia julibrissin), auch Schlafbaum oder Albizie genannt, ist ein Gehölz aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Benannt wurde die Gattung einst nach dem florentinischen Naturforscher Filippo degli Albizzi, der den Baum 1749 mit sich von Konstantinopel nach Europa einführte. Äußerlich augenfällig ist die nahe Verwandtschaft mit der Mimose (Mimosa pudica), beide Pflanzen sind Teil der Unterfamilie der Mimosengewächse (Mimosoideae). Das Ursprungsgebiet des Seidenbaums liegt in Asien, seine Bestände erstrecken sich von Ostchina bis zum Iran.

Wuchs und Aussehen des Seidenbaums

Ein Seidenbaum wächst in den ersten Jahren eher gemächlich, später kann er dann Jahrestriebe von bis zu 40 Zentimetern bilden und erreicht stolze fünf bis acht Meter in der Endhöhe. Seine Krone ist formvollendet, rund oder leicht oval, mit äußerst harmonischem Astaufbau. Er wächst als Großstrauch oder Kleinbaum und eignet sich auch für etwas kleinere Gärten.

Das Gehölz gehört zu den sogenannten Herzwurzeln, was eine Mischform aus Flach- und Tiefwurzlern bezeichnet. Es werden sowohl senkrechte als auch waagerecht ausgerichtete Wurzeln ausgebildet. Dieses herzförmige Wurzelsystem macht die Bäume folglich besonders anpassungs- und widerstandsfähig.

Blätter und Früchte des Seidenbaums. Foto: AdobeStock_Tatiana Belova
Typisch für die Familie der Hülsenfrüchtler sind die langen Fruchtschoten des Seidenbaums. Foto: AdobeStock_Tatiana Belova

Blätter, Blüten und Früchte

Es sind die Wechselspiele der Natur, die einen Garten lebendig machen. Der Seidenbaum strotzt geradezu vor Lebendigkeit. Denn schon der leichteste Windhauch bringt Bewegung in die winzigen Einzelblättchen und beschert die schönsten Licht- und Schattenspiele. Die feingliedrigen Laubblätter setzen sich nämlich aus zahlreichen, wechselständigen Fiederblättchen zusammen. Ähnlich wie das Laub der Mimose, das sich bei Berührung zusammenfaltet, interagieren sie sichtbar auf ihre Umwelt. Allerdings schließen sie sich nicht bei Berührung, wie ihre scheue Verwandte, sondern falten sich des Nachts und bei Trockenheit. Auf diesem Phänomens gründet im Übrigen auch der Name „Schlafbaum“.

Die rosafarbenen Blütenköpfchen sehen mit ihren langen Staubblättern beinahe aus wie von einer anderen Welt. Dünne Strahlen ergeben pomponähnliche Kugeln. Zudem duften sie noch angenehm. Auch die Hülsenfrüchte des Baums sind zierend; die langen Schoten enthalten zwischen acht und zwölf Samen.

Achtung: Fruchtstände und Samen des Seidenbaums sind giftig und dürfen nicht verzehrt werden. Vorsicht ist darum mit Kindern oder Haustieren geboten.

Standortbedingungen

Albizia julibrissin ist dann pflegeleicht, wenn der Standort stimmt. Windgeschützt und sonnig bis halbschattig sollte es sein. Ideale Bodenverhältnisse für den Seidenbaum sind leicht humose, durchlässige Böden. Die Art mag es warm, verträgt aber dennoch ein gewisses Maß an Kälte. Wichtig ist ein Winterschutz in den ersten, frostempfindlichen Jungendjahren des Baumes. Hierfür eignen sich atmungsaktive Wintervliese und eine Stroh- oder Mulchschicht für den Wurzelbereich. In milderen Regionen kann der Baum einige Jahre nach der Pflanzung kurzzeitigen Frost für gewöhnlich gut wegstecken, in exponierten Lagen sollten Sie den Winterschutz weiterhin beibehalten.

Einen Seidenbaum erfolgreich pflanzen

Zum Pflanzen eines Seidenbaums wird das Pflanzloch mindestens doppelt so tief und doppelt so breit ausgehoben wie der Durchmesser des Wurzelballens. Bei besonders schweren Böden darf es sogar bis zu dreimal so breit werden, um zusätzlich eine Drainageschicht (am besten ein Kies-Sand-Gemisch) einzubringen. Für gutes Anwachsen reichert man die ausgehobene Erde außerdem mit Pflanz- oder Komposterde an.

Seidenbäume pflegen

Ausgepflanzte Seidenbäume freuen sich über jährliche Kompostgaben. Für die Kübelpflanzendüngung sind stattdessen eher Flüssig- oder Langzeitdünger vorzuziehen, um eine zu rasche Zersetzung des Substrats zu verhindern.

Blätter und Blüten des Seidenbaums. Foto: AdobeStock_Liudmila
Blüten wie kleine Puderquasten – Seidenbäume haben ganzjährig einen starken Auftritt. Foto: AdobeStock_Liudmila

Junge Seidenbäume müssen gleichmäßig feucht gehalten werden, damit sich ihr weitreichendes Herzwurzelsystem optimal entwickeln kann. Dies gilt umso mehr für Kübelpflanzen, da deren Wurzelballen schneller austrocknen. Ältere Gehölze sind aber trockenheitsverträglich und ausgepflanzte Bäume müssen nur noch in trockenen Phasen zusätzlich gewässert werden.

Muss man einen Seidenbaum schneiden?

Schnittmaßnahmen sind nicht zwingend notwendig, weshalb der Seidenbaum sich auch in diesem Bereich für Unerfahrene eignet. Erkrankte oder störende Äste können im Frühjahr zurückgenommen werden.

Vermehrung

Aussaat

Seidenbäume lassen sich ab Februar über Aussaat vermehren. Wichtig für die Keimung ist das Warm- und Feuchthalten der Samen. Die Keimrate ist besonders hoch, wenn das Saatgut zunächst für einige Stunden in Wasser gebadet wird. Die auf Anzuchterde platzierten Samen (Seidenbäume sind Lichtkeimer) benötigen einen hellen Standort sowie eine warmfeuchte Umgebung und sind daher besonders gut in einem Gewächshaus oder auf der sonnigen Fensterbank aufgehoben. Mit über die Töpfchen gespannter Frischhaltefolie kann eine hohe Luftfeuchtigkeit gehalten werden. Um Schimmelbildung zu vermeiden, sollten Sie die Folie mindestens einmal täglich kurz anheben.

Nicht vergessen: Die Jungpflanzen sind besonders frostempfindlich. Für die ersten Jahre sollten sie darum ausschließlich im Kübel kultiviert werden.

Stecklinge

Auch Stecklinge lassen sich vom Seidenbaum nehmen. Hierfür schneidet man zwischen zehn und fünfzehn Zentimeter lange Triebspitzen im Frühjahr mit scharfem Messer und steckt sie anschließend in kleine mit Anzuchterde gefüllte Gefäße. Auch hier gilt dann: feucht und warm halten, bis sich ausreichend Wurzeln gebildet haben. Anschließend kann umgetopft werden.

Filigrane Blätter des Seidenbaums. Foto: AdobeStock_javierglezphoto
Faszinierende Details: die hauchzarten Einzelblättchen des Seidenbaums. Foto: AdobeStock_javierglezphoto

Krankheiten und Schädlinge

Wenn der Seidenbaum seinem nächtlichem Ritual, dem Schließen der Blätter, nicht mehr nachkommt, kann das ein Hinweis auf Wurzelfäule sein. Diese deutet wiederum auf einen verdichteten Boden und damit zusammenhängende Staunässe. Im Kübel kann ein Anreichern des Substrats mit Sand oder Kies hilfreich sein. Auch im Freiland muss für einen verbesserten Wasserabfluss gesorgt, also die Erde gelockert und/oder eine Drainage eingebracht werden.

Im Bereich der Schädlinge kann darüber hinaus die Schildlaus dem Seidenbaum zum Problem werden. Vorsichtiges Abbrausen der Blätter kann helfen. Im Gewächshaus können zudem Nützlinge Abhilfe schaffen (zum Beispiel Schlupfwespen oder Florfliegen).

Sortenvielfalt des Seidenbaums

Variation bieten die Sorten des Seidenbaums. Beliebt sind unter anderem die rotblättrigen ‘Summer Chocolate’ und ‘Evey’s Pride’ oder besonders die ausladend wachsende ‘Ombrella’.

Verwendung des Seidenbaums

Der wärmeliebende Seidenbaum ist klimatisch in großen Wintergärten oder Gewächshäusern bestens aufgehoben. Allerdings erweist sich der Seidenbaum in Zuge der Klimakrise auch als ein immer passenderer Freilandbaum für die weiterhin zu erwartenden trockenen und heißen Hochsommer in Mitteleuropa. Ein derart attraktives Gehölz wie der Seidenbaum muss dann natürlich als Solitärpflanze, als zentraler Blickfang, im Garten stehen. Die im Alter breit werdende Krone erweist sich im Sommer als Schattenspender, im Winter verbleibt das harmonisch aufgebaute Geäst weiterhin als charakteristischer Strukturgeber im Garten. Je nach Höhe des Kronenansatzes sorgen Unterpflanzungen für eine dezente Untermalung.

LUISA ROTH

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